Das Königreich Ungarn () war in den Jahren 1920 bis 1946 eine Monarchie in Mitteleuropa, deren Thron jedoch durchgehend vakant blieb und daher einen Reichsverweser als Staatsoberhaupt hatte.

Die Monarchie wurde nominell im Februar 1920 wiederhergestellt, nachdem das alte Königreich Ungarn (Teil von Österreich-Ungarn) infolge der Asternrevolution im Oktober 1918 aufgelöst worden war. Da aber die Rückkehr König Karls IV. auf den Thron von der Entente abgelehnt wurde, wählte das Parlament Miklós Horthy provisorisch und auf unbestimmte Zeit zum Reichsverweser. Nachdem Karl IV. 1921 mehrere Restaurationsversuche auf den ungarischen Thron unternahm, und Horthy diese verhinderte, wurden die Habsburger per Gesetz endgültig abgesetzt. Dadurch wurde Ungarn zu einer Monarchie ohne Königshaus.

Während der Regentschaft Horthys hatte Ungarn eine konservative, nationalistische und antikommunistische politische Ausrichtung. Die Außenpolitik war revisionistisch orientiert und hatte die vollständige oder zumindest teilweise Rückgewinnung der im Vertrag von Trianon verlorenen Gebiete Ungarns als Ziel. Infolge dieses Vertrages verlor Ungarn nach dem Ersten Weltkrieg über zwei Drittel seines historischen Staatsgebiets, und über drei Millionen Ungarn kamen unter fremde Oberhoheit.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs hielt sich Ungarn bis 1941 aus den Kampfhandlungen heraus und konnte durch die Wiener Schiedssprüche einen Teil der im Vertrag von Trianon verlorene Gebiete mit ungarischer Bevölkerungsmehrheit friedlich wiedererlangen. Nach Kriegseintritt im Juli 1941 kämpfte Ungarn an der Seite der Achsenmächte. Infolge schwerer militärischer Rückstöße durch die Alliierten verhandelte Horthys Regierung 1944 im Geheimen mit den Alliierten und bot den Kriegsaustritt Ungarns an. Um dies zu verhindern, wurde das Land im Unternehmen Margarethe von Deutschland besetzt und Horthy abgesetzt. Mit den faschistischen Pfeilkreuzlern wurde unter deren Parteiführer Ferenc Szálasi eine neue, von den deutschen Nationalsozialisten gestützte, Marionettenregierung gebildet und Ungarn wurde zum Satellitenstaat Deutschlands.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fiel Ungarn unter das Einflussgebiet der Sowjetunion und wurde 1946 von der Zweiten Ungarischen Republik abgelöst. Im Jahr 1949 wurde die sozialistische Volksrepublik Ungarn gegründet.

Geschichte Vorgeschichte

Als sich gegen Ende des Ersten Weltkriegs im Oktober 1918 der Zerfall der Habsburgermonarchie abzeichnete, bildete sich am 23. Oktober in Budapest der Ungarische Nationalrat unter der Leitung von Mihály Károlyi, um die dadurch entstandene politische Leere zu füllen. Kurz darauf verkündete der Nationalrat am 25. Oktober ein 12-Punkte-Programm, in dem u. a. der Rücktritt der Regierung, das sofortige Ende des Krieges und die vollständige Unabhängigkeit sowie Territoriale Integrität Ungarns gefordert wurden. Schnell solidarisierte sich ein Großteil der Bevölkerung und in Budapest stationierte Soldaten mit dem Nationalrat. Sie steckten sich als Ausdruck der Solidarität die in dieser Jahreszeit blühenden Astern (auch Herbstrosen genannt) an ihre Kleidung. Zusammen marschierten sie zum Burgpalast und forderten die Ernennung Károlyis zum Ministerpräsidenten. Kurz darauf wurde 1918 die kurzlebige Erste Ungarische Republik proklamiert. Die darauffolgende Ungarische Räterepublik unter Béla Kun begann mit dem sogenannten Roten Terror, dem zahlreiche politische Gegner zum Opfer fielen. In Wien formte sich unterdessen ein Antibolschewistisches Komitee unter der Führung von István Bethlen bestehend aus Anhängern der Monarchie, die zunächst in Arad und später in Szeged eine Gegenregierung bildeten. Unter dem Oberbefehl von Miklós Horthy, dem letzten kommandierenden Admiral der k.u.k. Kriegsmarine, stellten sie eine Armee bestehend aus Soldaten, die im Ersten Weltkrieg kämpften, auf. Im Jahr 1919 geriet das Land schließlich in einen Bürgerkrieg. Im sogenannten Weißen Terror säuberten Antikommunisten und Monarchisten gewaltsam die Nation von Kommunisten, linken Intellektuellen und vor allem Juden, von denen sie sich bedroht fühlten. Nach dem Sturz des Kun-Regimes und der Räterepublik wurde zunächst am 24. November 1919 eine provisorische Regierung unter Károly Huszár gebildet, die zusammen mit der Entente 1920 Parlamentswahlen veranlasste. In diesen Wahlen gewann in einem Erdrutschsieg die monarchistische Partei der Christlich-Nationalen Vereinigung (KNEP).

Königreich ohne König Am 29. Februar 1920 trat das Parlament in Budapest erstmals zusammen und stellte die konstitutionelle Monarchie wieder her. Es war jedoch offensichtlich, dass die Alliierten einer Rückkehr des früheren Königs Karl IV. nicht zustimmen würden. Daher wurde beschlossen, provisorisch einen Reichsverweser als Staatsoberhaupt zu wählen. Für diese Position wurde am 1. März Miklós Horthy vom Parlament gewählt. Sándor Simonyi-Semadam wurde der erste Ministerpräsident in Horthys Regentschaft.

Vertrag von Trianon mini|Ankunft der ungarischen Delegation am 4. Juni 1920 am Schloss Grand Trianon im Schlosspark von Versailles, dem Ort der Unterzeichnung Bereits gegen Ende des Ersten Weltkriegs wurde deutlich, dass die Entente das Fortbestehen Österreich-Ungarns nicht beibehalten, sondern die Region in souveräne Teile unterteilen möchte. Zu der am 18. Januar 1919 beginnenden Pariser Friedenskonferenz durfte die ungarische Delegation unter Albert Apponyi erst am 6. Januar 1920 anreisen und ihren Standpunkt darlegen. Zu diesem Zeitpunkt war jedoch schon eine Entscheidung getroffen worden, und die Delegation konnte keine Erfolge mehr für Ungarn erzielen.

Um weitere Konflikte mit den Alliierten zu vermeiden, unterzeichnete der neue Staat unter Horthy am 4. Juni 1920 den Vertrag von Trianon und verkleinerte damit Ungarn um 71,4 %: ganz Siebenbürgen und das Partium wurden Teil Rumäniens; große Teile Oberungarns und Transkarpatien kamen zur Tschechoslowakei; Kroatien, Slawonien, das Murgebiet, Übermurgebiet, die Batschka, Teile des Banats und die Vojvodina wurde Teil des Königreichs der Serben, Kroaten und Slowenen (ab 1929: Jugoslawien). Der Vertrag teilte auch Österreich ein Gebiet mit einer Fläche von 4300 km² in Westungarn zu (heute Burgenland). Nachdem sich die ungarische Regierung aber weigerte, das betroffene Gebiet zu räumen, wurden am 13. Oktober 1921 die Venediger Protokolle unterzeichnet. Ungarn musste das Gebiet räumen, jedoch wurde im Dezember 1921 in Sopron eine Volksabstimmung abgehalten. Als Ergebnis durfte Ungarn Sopron und acht benachbarte Dörfer behalten.

Die Folgen des Vertrags verursachten in der ungarischen Bevölkerung einen tiefen Schock. Hauptziel der Außenpolitik in den nachfolgenden Jahren wurde die Revision des Vertrags und die damit verbundene Rückgewinnung der verlorenen Gebiete.

Restaurationsversuche Karls IV. mini|Karl IV. schreitet am 21. Oktober 1921 eine Ehrenkompanie königstreuer Truppen am Bahnhof in Sopron ab. Am 26. März 1921 kehrte der ehemalige König Karl IV. nach Ungarn zurück und versuchte seinen Thron in Ungarn wiederzuerlangen. Er war der Auffassung, das ungarische Volk würde seinen Anspruch befürworten, sobald er wieder im Land sei, und der provisorisch zum Reichsverweser ernannte Horthy würde ihm freiwillig die Macht überlassen. Bei einem Treffen mit Horthy am 27. März in Budapest lehnte der Reichsverweser Karls Wunsch jedoch mit der Begründung ab, dass seine Ernennung zum König einen Konflikt mit der Entente und den Nachbarstaaten nach sich ziehen könne. Da Karl weder vom Volk noch vom Militär unterstützt wurde, reiste er zurück nach Westungarn, von wo er am 5. April von der Entente wieder zurück in sein Exil in der Schweiz gebracht wurde. Am 20. Oktober 1921 unternahm Karl IV. einen zweiten Versuch, den ungarischen Thron wiederzuerlangen. Während er mit einem Flugzeug aus der Schweiz nach Sopron reiste, stellten seine Unterstützer aus kleinen Truppenkontingenten ein Heer unter dem Kommando von Julius von Ostenburg-Morawek zusammen. Mit dem Zug versuchte man nach Budapest zu reisen, dieser wurde jedoch am 23. Oktober in Budaörs von Truppen Horthys angehalten. Nach einem Gefecht, das über zwei Dutzend Tote forderte, wurde Karl gefangen genommen und im Kloster Tihany am Balaton interniert. Wenig später wurde er auf britischen Kriegsschiffen nach Madeira gebracht, wo er wenige Monate später starb.

Am 6. November 1921 verabschiedete das ungarische Parlament ein Gesetz zur Aufhebung der Pragmatischen Sanktion von 1713 (Erbfolgeregelung der Habsburgermonarchie). Es entthronte Karl IV. und nahm den Habsburgern jeglichen Anspruch auf den Ungarischen Thron. Ungarn war nun ein Königreich ohne Königshaus. Da die Unruhen zu groß waren, um einen neuen König zu wählen, wurde stattdessen beschlossen, Miklós Horthy weiterhin in der Position des Reichsverwesers zu belassen. Er verblieb in dieser mächtigen Position bis zu seiner Absetzung 1944.

Zwischenkriegszeit mini|István Bethlen (1928)

In den ersten zehn Jahren seiner Regentschaft unterdrückte Horthy die Minderheiten in Ungarn zunehmend. Im Jahr 1920 begrenzte das Numerus-Clausus-Gesetz die Zahl der Studenten aus Minderheiten an Universitäten und legalisierte die körperliche Züchtigung bei Erwachsenen in Strafverfahren. Die Beschränkungen wurden 1928 gelockert und die Rassenkriterien bei der Aufnahme neuer Studenten durch soziale Kriterien ersetzt. Dazu wurden fünf Soziale Klassen gebildet: Beamte und Kriegsveteranen; Armeeoffiziere, Kleingrundbesitzer und Handwerker; Industrielle sowie die Klasse der Kaufleute.Gesetzestext vom 26. April 1928:

Unter István Bethlen als Ministerpräsident wurde ab 1922 das Wahlsystem reformiert. Nach der Reform wurde etwa einer dreiviertel Million Bürgern das Wahlrecht entzogen. Die Mehrheit (ca. 550.000) davon waren Frauen, die nun nur noch wählen durften, wenn sie mindestens die 6. Klasse besucht hatten und bereits 30 Jahre alt waren. Männer durften wählen, wenn sie die ersten vier Schulklassen besucht haben und mindestens 24 Jahre alt waren. Des Weiteren musste man, um wählen zu dürfen, bereits zehn Jahre ungarischer Staatsbürger sein. Infolgedessen gewann Bethlens Partei, die Partei der Einheit, wiederholt die Wahlen. Bethlen drängte auf die Revision des Vertrags von Trianon, jedoch zwangen ihn nach dem Zusammenbruch der ungarischen Wirtschaft in den Jahren 1929 bis 1931 nationale Unruhen zum Rücktritt als Ministerpräsident. Seine Wahlreform wurde 1938 rückgängig gemacht.

Die sozialen Verhältnisse im Königreich verbesserten sich im Laufe der Zeit kaum, da ein kleiner Teil der Bevölkerung einen Großteil des Vermögens besaß. Juden wurden ständig unter Druck gesetzt, sich in die ungarische Alltagskultur zu integrieren. Die verzweifelte soziale und wirtschaftliche Lage zwang Horthy, den nationalistischen Politiker Gyula Gömbös zum Ministerpräsidenten zu ernennen. Er versprach, das politische System beizubehalten, und stimmte zu, von seinem extremen Antisemitismus abzukehren und einige Juden in seine Regierung aufzunehmen. Als Ministerpräsident veränderte Gömbös die politischen Verhältnisse in Ungarn in Richtung einer Einparteienregierung, ähnlich wie im faschistischen Italien oder Nazi-Deutschland. Unter dem Druck NS-Deutschlands verfolgte Ungarn einen antisemitischen Kurs und verabschiedete die ungarischen Judengesetze. Zunächst wurden mit den Gesetzen der Anteil der Juden in einer Reihe von Berufen auf 20 % beschränkt. Später wurden sie zum Sündenbock der schlechten Wirtschaftslage gemacht. mini|Einzug Miklós Horthys in Kassa/Košice (1938)