miniatur|Haus Zum schwarzen Adler in der Zeit als Sitz des Eichamtes nach 1872 Das Haus Zum schwarzen Adler, auch als Der schwartze Adler bezeichnet, war ein historisches Gebäude in Magdeburg im heutigen Sachsen-Anhalt. Es wurde Anfang des 20. Jahrhunderts in einer Aufstellung Magdeburger Baudenkmäler besprochen,Otto Peters, Magdeburg und seine Baudenkmäler, Verlagsbuchhandlung Fabersche Buchdruckerei Magdeburg 1902, Seite 189 wurde jedoch bereits 1896 abgerissen.

Lage Das Gebäude befand sich in der Magdeburger Altstadt an der Adresse Tränsberg 37, auf der Nordseite der Straße Tränsberg, nördlich der Sankt-Jakobi-Kirche. Heute befindet sich dort in etwa die Kreuzung von Jakobstraße, Gustav-Adolf-Straße, Tränsberg und Blauebeilstraße.

Geschichte Das Haus wurde als Brauhaus geführt, so dass mit dem Gebäude ein Braurecht verbunden war. Schon vor der Zerstörung Magdeburgs im Jahr 1631 befand sich auf dem Grundstück ein Brauhaus mit der Bezeichnung Schwarzer Adler. 1631 und 1651 war Joachim Kotzebube Eigentümer des Grundstücks. Ihm sollen Gorries Döhrens Erben und später Stephan Mollenhauer nachgefolgt sein. Mollenhauer erhielt Miete für eine auf dem Grundstück befindliche Hütte.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 469

Es gibt die Vermutung, dass das bis 1896 bestehende Haus bereits im Jahr 1650 errichtet worden war,Max Dittmar, Vom Hause zum „schwarzen Adler“ in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1896, Seite 247 zumindest entstand es dann jedoch in der Zeit zwischen 1666 und 1668. Als Bauherr wird Gottfried Steinacker, Magdeburger Ratsherr von 1646 bis 1658, angenommen, der für Magdeburg auch in diplomatischen Diensten tätig war. 1667 erwarb sein Sohn Gottfried Christoph Steinacker die Braugerechtigkeit.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 37

Gottfried Christoph Steinacker war von 1678 bis 1681 Rathmann und von 1682 bis 1685 Kämmerer der Stadt. Elysabeth Heimbürgerin war die Tochter des 1663 verstorbenen Stadtphysicus David Heimburger. Steinacker verstarb im Januar 1686.

Das Haus wurde nach dem Tode Steinackers vom Kurfürsten Friedrich Wilhelm erworben, der es zusammen mit vier kleineren unbebauten Grundstücken den Hugenotten Pierre Dubose, Jean Weffre und Jean Raffinesque zur Nutzung übergab, die hier eine Weberei mit 30 Webstühlen einrichteten.Max Dittmar, Vom Hause zum „schwarzen Adler“ in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1896, Seite 246 Sie durften auch das benachbarte, seit 1631 nicht mehr genutzte Stadttor Hohe Pforte wieder öffnen. Andere Angabe nennen für die Jahre 1683 und 1688 noch die Witwe von Hektor Johann Schultze als Eigentümerin des Brauhauses, das die Funktion als Brauhaus jedoch verlor.Ernst Neubauer, Häuserbuch der Stadt Magdeburg 1631–1720, Teil 1, Herausgeber: Historische Kommission für die Provinz Sachsen und für Anhalt, Magdeburg 1931, Seite 469 Die Nutzung als Weberei dauerte wohl nur bis 1699. Nachdem Jean Weffre bereits zuvor die Gesellschaft verlassen hatte, lösten die verbliebenen beiden Unternehmer die Gesellschaft in diesem Jahr auf.

Das Gebäude wurde dann durch eine Zwischenwand in zwei Teile getrennt. Dubose nutzte den westlichen, später als Hausnummer 37b bezeichneten, Raffinesque den östlichen (später Hausnummer 37a) Teil. An den westlichen Teil fügte Dubose drei kleinere Häuser an. Nach dem Tod der beiden übernahmen ihre miteinander befreundeten Söhne Pierre Dubose junior und André Raffinesque das Gebäude. Raffinesque hatte zuvor bis 1708 oder 1709 in Leipzig gelebt, dort aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Er bewohnte dann einige Zimmer seines Gebäudeteils und vermietete die übrigen Räume, vermutlich um von den Mieteinnahmen zu leben.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 36 Raffinesque vermachte seinen Teil letztwillig Dubose junior. Dubose, der in Leipzig wohnte, gehörte so dann das ganze Haus. Eine tatsächliche gewerbliche Nutzung, des in dieser Zeit als gelbe Manufactur bekannten Anwesens, erfolgte jedoch scheinbar nicht. Raffinesque vermietete wohl auch einige Zeit. Letztlich stand das Haus aber schließlich leer. Es wurde in seinem östlichen, Raffinesque schon länger gehörenden und längerfristig leerstehenden Teil baufällig. Raffinesque verstarb vermutlich Ende 1749 oder Anfang 1750.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 36 f.

Am 4. Februar 1750 bat der Unternehmer Pierre Bouvier den König Friedrich II. ihm zur Vergrößerung seiner Fabrik das nicht mehr dem ursprünglichen Zweck entsprechend genutzte Anwesen zu überlassen. Bouvier stellte Mützen- und Strümpfe aus Biberhaar her. Dubose junior wandte sich jedoch gegen diese Pläne. Friedrich II. beauftragte bereits am 7. Februar 1750 den Kammerpräsidenten Caspar Wichard von Platen mit der Klärung der Angelegenheit. Von Platen beauftragte den Kammersekretär Hering mit der Prüfung der Angelegenheit, der seinerseits einen Herrn Bauermeister mit der Herbeischaffung der Akten beauftragte. Bauermeister teilte am 13. Februar 1750 mit, dass wegen in der Vergangenheit unzureichender Aktenführung nur einige Aktenstücke beibringbar sind. Der von Hering verfasste Bericht gelangt, unter Angabe zweier Präzedenzfälle, zu dem Schluss, dass nach der Einstellung der ursprünglichen Produktion eine Rückgabe des Hauses erforderlich sei. Außerdem wurde auf den drohenden weiteren Verfall hingewiesen. Angemerkt wurde, dass der Antragsteller Bouvier die von Dubose ursprünglich hinzugebauten drei kleinen Häuser nicht beansprucht wurden. Von Platen verfasste am 16. Februar 1750 seinen Bericht. Er verwies auf die gute wirtschaftliche Situation Duboses in Leipzig und schlug vor, dass Dubose entweder nach Magdeburg zurückkehren solle und die Weberei wiedereröffne oder aber das Haus zurückgeben müsse. Letztlich entschied der König entsprechend am 19. Februar 1750.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 37 Bouvier widersprach jedoch der Übergabe und legte ein Dokument vom 2. November 1702 vor, in dem König Friedrich I. den damaligen Besitzern des Hauses die Erlaubnis gab, das Haus zu belasten, es aber in den nächsten 15 Jahren nur auf leibliche Erben weiterzugeben. Dubose und Raffinesque hatten vom König eine vollständige Freigabe erbeten. Von Platen sandte den Einwand mitsamt einer beglaubigten Abschrift des Schreibens an Friedrich II., wies jedoch zugleich darauf hin, dass im Schriftverkehr von 1702 die damals schon erfolgte Einstellung der Weberei und damit der Verstoß gegen das ursprüngliche Privileg nicht erwähnt worden war. Von Platen empfahl bei der getroffenen Entscheidung zu bleiben. Am 2. März 1750 folgte der König dieser Empfehlung. Die Übergabe an Bouvier erfolgte am Nachmittag des 7. März 1750, so dass er seine Fabrik im Haus einrichten konnte. Da Bouvier auf einen von Dubose herauszugebenden Garten verzichtete, wurde diese für den Staat reserviert. Dubose ließ sich in der Angelegenheit von Pierre Malhiautier vertreten. Dieser verweigerte die Übergabe der bei ihm befindlichen Schlüssel zur Duboschen Hälfte des Hauses. Er verwies darauf, dass er erst einen entsprechenden Auftrag Duboses brauche und außerdem noch ein Antwortschreiben auf erhobene Einwendungen fehle. Nachdem auch die Androhung einer Öffnung von Amts wegen nicht zu einem Einlenken geführt hatte, wurde am 9. März auf Befehl von Platens die Tür durch einen Schlosser geöffnet.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 45

Bouvier stellte bei Inbesitznahme des Hauses fest, dass die vorherigen Nutzer das Gebäude nicht beräumt, sondern noch Mobiliar zurückgelassen hatten. Nach einer mündlichen Information an von Platen beauftragte dieser am 23. März Sekretär Bierne mit der Erstellung eines Verzeichnisses der vorgefundenen Gegenstände. Soweit diese von Dubose nicht angenommen würden, sollten sie bis zur Abholung verwahrt werden. Die Entfernung dürfte noch etwas gedauert haben. Der Wert des baufälligen Hauses wurde dann zwecks Eintragung in die geschäftlichen Bücher im Auftrag von Bouvier von Landbaumeister Bartsch und Maurermeister Schwarzkopf am 20. April 1750 auf 1176 Taler und 20 Groschen geschätzt. Bouvier nahm Umbauten und Instandsetzungsarbeiten für 1160 Taler vor und richtete seine Fabrik ein.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 45 Krankheitsbedingt machte Bouvier bereits zum 1. Januar 1752 seinen Sohn Jean Gabriel Bouvier zum Teilhaber am Unternehmen. Bouvier senior verstarb am 27. März 1757. Nach einer Vereinbarung der Erben führte sein Sohn das Unternehmen fort, sollte jedoch die anderen Erben auszahlen. Um zur Finanzierung eine Hypothek auf das Haus aufnehmen zu können, wandte sich Jean Gabriel Bouvier an den König, mit der Bitte, ihm das Haus für 300 Taler zum Eigentum zu überlassen. Friedrich der Große wies die Kriegs- und Domänenkammer Magdeburg am 3. Mai 1766 zur Berichterstattung an, die ihrerseits Kriegsrat Klevenow beauftragte.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 45 Nachdem die Kammer am 24. Juni berichtet hatte, lehnte der König am 10. Juli 1766 das Gesuch zunächst ab. Zur Begründung verwies er darauf, dass das Haus, solange es für die Fabrikation genutzt werde, der Familie nicht genommen würde. Bouvier wandte sich gegenüber Klevenow gegen die Entscheidung und wies darauf hin, dass sein Problem ja die fehlende Möglichkeit der Hypothekaufnahme sei. Er zeigte sich bereit die Hälfte des 1750 ermittelten Wertes zu zahlen und wies darauf hin, dass dem Staat so Einnahmen zuflössen, was andernfalls nicht gegeben sei. Klevenow berichtete entsprechend gegenüber der Kammer, die ihrerseits am 8. September den König informierte. Friedrich II. genehmigte dann abweichend von seiner vorherigen Entscheidung am 9. Oktober 1766 den Verkauf. Bouvier erwarb das Haus für 588 Taler dann als Eigentum. Der Kaufvertrag wurde am 5. November mit der Kammer geschlossen und am 24. Dezember bestätigt. Den Kaufpreis leitete Friedrich II. der Berliner Manufacturkasse zu. Am 11. März 1767 wurde das Eigentumsrecht Bouviers im Hypothekenregister des französischen Gerichts Magdeburgs eingetragen.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 46

Das Haus lag an der Grenze zwischen dem fünften und dem neunten Viertel der Stadt. Seine Zugehörigkeit zu einem dieser Viertel wird in verschiedenen Verzeichnissen unterschiedlich vermerkt.Arnold Frege, Der Schwarze Adler. Geschichte eines alten Hauses. in Blätter für Handel, Gewerbe und sociales Leben, Magdeburg 1889, Seite 46