Die Simson Schwalbe ist ein Kleinkraftrad der DDR, das von Simson in Suhl hergestellt wurde. Die erste Baureihenbezeichnung der Schwalbe ab 1964 lautet KR 51. Die Buchstaben „KR“ stehen dabei für Kleinroller, die „5“ für die Größe des Hubraums von 50 cm³ und die „1“ dient der Unterscheidung zum Vorgänger, dem KR 50.
Die Schwalbe darf in Deutschland trotz der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei und in allen Bundesländern bereits mit 15 Jahren gefahren werden (Führerscheinklasse AM). Weitergehende Informationen dazu im Artikel Simson S 51.
Allgemeines Die Schwalbe war 1964 das erste Modell der damals neuen Vogelserie von Simson. Insgesamt gab es drei Baureihen mit zusammen neun Modellen der Schwalbe. 1986 wurde sie durch den neu konstruierten Kleinroller SR 50 abgelöst. Mit mehr als 1 Million gebauten Exemplaren war sie in der DDR außerordentlich stark verbreitet und ist noch heute Bestandteil des Straßenbildes. Zahlreiche Bauteile der Schwalbe finden sich im dreirädrigen Krause-Duo wieder. In Westdeutschland wurde die Schwalbe nicht angeboten, deshalb existieren auch keine Neupreise in DM.
Die Schwalbe kann in Deutschland entsprechend einer Ausnahmeregelung trotz der Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h als Kleinkraftrad mit einem Versicherungskennzeichen zulassungsfrei gefahren werden (Führerscheinklasse AM) und benötigt demzufolge auch keine Hauptuntersuchung.
Seit 2010 wurden verschiedene Elektromodelle einer E-Schwalbe entwickelt. Der Schwalbe-Schriftzug und der Gepäckträger wurden ebenso wie das Konzept eines Motorrollers mit vergleichsweise großen Laufrädern von der Simson Schwalbe übernommen, davon abgesehen weisen die Fahrzeuge jedoch kaum technische Gemeinsamkeiten auf.
Entwicklungsgeschichte mini|Original erhaltene Schwalben: KR 51/2 L Bj. 82 billardgrün, KR 51/1 S Bj. 79 kirschrot, KR 51/1 K Bj. 79 saharabraun 1958, bei Erscheinen des KR 50, begannen entsprechend dem internationalen Trend die Arbeiten an einem zweisitzigen Nachfolgermodell. Leitender Konstrukteur war Erhard Werner, der bereits seit 1949 bei Simson angestellt war. Die Schwalbe wurde jedoch im Kollektiv mit Karl-Heinz Walther und Georg Schübel entwickelt. Bald zeigte sich, dass für den Zweipersonenbetrieb ein deutlich stärkerer Motor vonnöten war. 1960 wurde mit der Erprobung von vier Prototypen begonnen, die teilweise zweifarbig lackiert waren. Nach dem Lastenheft von 1962 war der Typ KR 51 als Kleinkraftrad ohne Geschwindigkeitsbegrenzung konzipiert und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h ausgelegt. Damit sollte – dem damaligen Weltstandsvergleich folgend – ein auch im Westen konkurrenzfähiges Kleinkraftrad geschaffen werden. Nach Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien wurde die Geschwindigkeit jedoch 1963 auf 60 km/h begrenzt. Dazu wurde die Übersetzung im dritten Gang geändert. Der Typ KR 51 wurde zwar als Kleinroller mit gutem Wetterschutz entworfen, aber die Anordnung des Motors, Aufbau und Fahreigenschaften zeigen, dass es sich weniger um einen Roller, als um ein blechverkleidetes Mokick handelt. Vergleicht man mit dem Vorläufer KR 50, fällt eine inkonsequente Weiterentwicklung der Form auf, was in der notwendigen Beibehaltung kostspieliger Tiefziehwerkzeuge begründet lag. Karl-Heinz Walther, einer der Konstrukteure der Schwalbe meint: Wer ein Gefühl für Ästhetik hat, kann die Schwalbe kaum als schön bezeichnen.Schwalbe Gezwitscher – Das Magazin zum Jubiläum, Suhler Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG, 2014, S. 9 Die KFT urteilte 1964, dass es mit der Schwalbe dennoch gelungen sei, den vor allem im Heckbereich als missglückt bezeichneten KR 50 zu einem insgesamt ansprechenden Fahrzeug weiterzuentwickeln. Gelobt wurde vor allem die Gestaltung des vorderen Kotflügels, der eine nahezu ideale Lösung für ein Fahrzeug mit Langarmschwinge darstelle.Kraftfahrzeugtechnik beurteilt KR 51 „Schwalbe“. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1964, S. 147–150.
Der gebläsegekühlte 3-Gang-Motor M53 KHLStar und Schwalbe Motor M53 KHL. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1964, S. 335–338. war eine Neuentwicklung und bereits an der Geländesportmaschine GS 50 erprobt worden. Er sollte anders als der bisherige Motor nicht mehr in Sömmerda, sondern direkt bei Simson produziert werden. Dies verzögerte die Serieneinführung der Schwalbe erheblich, weil zuerst eine entsprechende Taktstraße in Simsons Werkhallen errichtet werden musste. Die Erprobung der Schwalbe-Funktionsmuster wurde so lange durchgeführt, bis eine Haltbarkeit des Grundaufbaus über 40.000 km erreicht wurde. 1963 wurden 20 Nullserienfahrzeuge gebaut. Nach dem offiziellen Serienstart im Februar 1964 traten insbesondere wegen fehlender bauartgenehmigter Rückstrahler zunächst Unregelmäßigkeiten in der Produktion auf. Ab April 1964 konnte Simson dann die Schwalbe regelmäßig ausliefern. Ein Vergaser, der den Ansprüchen des neuen Motors gerecht wurde, stand erst 1965 zur Verfügung. Bis dahin musste die Schwalbe mit dem Typ NKJ-135-5, einem leicht modifizierten Vergaser des Vorgängers KR 50, ausgeliefert werden.Star und Schwalbe Motor M53 KHL. In: Kraftfahrzeugtechnik 9/1964, S. 335–338.
Konstruktionsmerkmale Das Rückgrat der Schwalbe bildete wie schon beim Vorgängertyp KR 50 ein Doppelrohrrahmen. Das Fahrwerk basierte auf einer neuen Vollschwingenkonstruktion, wobei der vordere Schwingenträger anders als üblich äußerlich nicht sichtbar im Kotflügel angeordnet war. Die Federwege betrugen 105/85 mm vorn/hinten, die Federbeine waren anfangs reibungsgedämpft, später wurden modellabhängig auch hydraulische Dämpfer verwendet. Die Laufräder (Alufelgen) waren mit 16″ vergleichsweise groß für einen Kleinroller. Die Vollnaben-Trommelbremsen wurden im Vergleich zum KR 50 auf 125 mm Durchmesser vergrößert, wodurch eine Verzögerung des Fahrzeugs von 7 m/s² erreicht wurde.Simson Kleinroller KR 51 "Schwalbe". In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1964, S. 56–61. Vorderes und hinteres Laufrad waren gleich und ließen sich durch Steckachsen sehr einfach demontieren, wobei der Hinterradantrieb wegen der zweigeteilten Steckachse komplett an der Hinterradschwinge verbleiben konnte. Praktisch war zudem die vollgekapselte Kette nach MZ-Patent.
Der Zylinder des 50-cm³-Einzylinder-Zweitakt-Ottomotor hatte einen Druckguss-Aluminiumkühlrippenkörper und eingepresste Laufbuchsen aus Grauguss. Er leistete mit zunächst 3,4 - später 3,7 PS deutlich mehr als der Motor des KR 50. Das handgeschaltete Getriebe wurde auf 3 Gänge erweitert, später kamen Ausführungen mit Fußschaltung und 4-Gang-Getriebe hinzu. Die Ansaugluft wurde durch einen Ölnetzfilter gereinigt, der Vergaser mit separatem Leerlauf- und Start-System kam von BVF (außer 1964/65). Der Kraftstoffbehälter fasste 6,8 l und befand sich unter der Sitzbank. Die Blechverkleidung mit Beinschild und Trittbrettern ähnelte jener des KR 50. Neu war die Doppelsitzbank; der großzügige Gepäckträger mit verstellbarem Spannband des KR 50 konnte dennoch beibehalten werden. Der gekröpfte Lenker war nicht höhenverstellbar. Seinerzeit für ein Kleinkraftrad überdurchschnittlich war die elektrische Ausstattung, die auch Batterie, Blinker, Bremslicht, Lichthupe und Parkleuchte umfasste. Die Schwalbe war das erste Fahrzeug im Kfz-Bau der DDR, das einen Kabelsatz mit Flachsteckverbindungen besaß.
Baureihe KR 51 Die erste Generation der Schwalbe wurde unter der allgemeinen Typenbezeichnung KR 51 ohne Zusatz von 1964 bis 1968 produziert. Der gebläsegekühlte 3-Gang-Motor wurde anfangs nur mit Handschaltung, ab 1965 wahlweise mit Fußschaltung angeboten. Als Farbe war das typische, kräftige Atlantikblau im Angebot, außerdem Tundragrau sowie Verkehrsorange. Schwalben der ersten Jahre unterscheiden sich in vielen Details von späteren Jahrgängen, was sie heute im Originalzustand zu gesuchten Raritäten macht. So war die Form der Blinker anders, der Kippständer aus Stahl und in Fahrzeugfarbe lackiert, ein Katzenauge am Fahrzeugheck montiert, der Kettenkasten aus Aluminium, die Sitzbank mit Chromrahmen etc. Die Ansauggeräuschdämpfung fiel eher spärlich aus, was zu einem kräftig-kernigen Motorklang führte. Beteiligt daran war auch die recht einfache Auspuffanlage. Bei der recht hohen Nenndrehzahl von 6500 min−1 traten deutliche Vibrationen auf.
Der Motor benötigte als Kraftstoffgemisch entsprechend der damaligen Ölqualität 1 : 33. Ab 1965 wurde ein verbesserter Vergaser mit einem separaten Start- und Leerlaufsystem eingebaut, wobei der Kraftstoffverbrauch im Teillastbereich gesenkt werden konnte. Dabei entfiel auch die Tupferbetätigung und die Choke-Bedienung wurde vom Blech unter dem Lenker an den Lenkergriff verlegt. Auch der neue Vergaser reizte die Möglichkeiten der Abgasverringerung jedoch nicht aus, der Lambda-Wert im Teillastbereich verbesserte sich lediglich von etwa 0,65 auf 0,75 und im Leerlauf von 0,45 auf 0,55.Einige Gedanken über Vergasereinstellungen an Mopedmotoren. In: Kraftfahrzeugtechnik 12/1965, S. 454–455.
Trotz des noch nicht optimal konstruierten Motors wurde der KR 51 den Anforderungen des Zweipersonenbetriebs gerecht. Bei voller Beladung konnten im 3. Gang noch Steigungen bis 3 % bewältigt werden (Solo bis 5 %), und im 1. Gang betrug die Steigleistung bei voller Belastung 15 %, bzw. 25 % Solo. Die Beschleunigung (Solo) von 0 auf 40 km/h betrug 9 s; 60 km/h wurden nach 40 s erreicht.Simson Kleinroller KR 51 "Schwalbe". In: Kraftfahrzeugtechnik 2/1964, S. 56–61. Im Testbericht der KFT von 1964 wurde die nicht sehr bedienungsfreundliche Handschaltung kritisiert. Davon abgesehen wurde die Schwalbe allgemein gelobt und im Gegensatz zur parallel angebotenen Jawa 05 sei sie auch dem Zweipersonenbetrieb in jeder Hinsicht voll gewachsen. Der Kraftstoffverbrauch betrug 3 l/100 km, die Höchstgeschwindigkeit 64 km/h.Kraftfahrzeugtechnik beurteilt KR 51 „Schwalbe“. In: Kraftfahrzeugtechnik 4/1964, S. 147–150.
+ Technische Daten KR 51 Bauzeit 1964–1968 Motor M 53 KHL BohrungxHub 40 × 39,5 mm Hubraum 49,6 cm³ Verdichtung 9,5:1 Leistung 3,4 PS / 6500 min−1 Drehmoment 3,7 Nm / 6000 min−1 Kühlung RadialgebläseZündungMagnetzündung mit UnterbrecherVergaser NKJ 153-5 von BVF; ab 1965 Typ 16 N1-1 Getriebe 3-Gang-Fußschaltung & Handschaltung Rahmen Doppelrohr Radführung vorn geschobene Langarmschwinge mit reibungsgedämpftem Federbein (105 mm Federweg) Radführung hinten Schwinge mit reibungsgedämpftem Federbein (85 mm Federweg) Bremsen Trommeln vorn/hinten; 125 mm Durchmesser Bereifung 2,75 × 16" (alte Bezeichnung 20 × 2,75) Scheinwerferleistung 15/15 W Radstand 1190 mm Länge × Breite × Höhe 1815 mm × 745 mm × 1125 mm Leergewicht 79 kg Gesamtmasse 230 kg Höchstgeschwindigkeit 60 km/h Stückzahl 163.500
Baureihe KR 51/1 mini|hochkant|KR51.1S Bj.75 original, mit automatischer Kupplung und deshalb ohne Kupplungshebel mini|KR51/1K Bj.76 im Originalzustand