Herbert Schäfer (* 16. August 1927 in Siegen; † 6. Mai 1991 ebenda) war ein deutscher Fußballspieler und -trainer. Der als Halbstürmer und Mittelläufer einsetzbare Spieler gewann mit seinem Verein Sportfreunde Siegen im Jahre 1955 die deutsche Amateurmeisterschaft, nahm mit den DFB-Amateuren an den Olympischen Sommerspielen 1952 in Helsinki und 1956 in Melbourne teil und wurde von Bundestrainer Sepp Herberger am 20. November 1957 einmal in der deutschen A-Nationalmannschaft im Länderspiel in Hamburg gegen Schweden eingesetzt.

Laufbahn Verein, bis 1960 Herbert Schäfer verbrachte seine gesamte Spielerkarriere bei seinem Heimatverein Sportfreunde Siegen. Er gehörte den Sportfreunden seit 1938 an. Bis zum Zusammenbruch des Spielbetriebs im Zweiten Weltkrieg war er Jugendspieler, dann rückte er nach Wiederaufnahme des Fußballs in die 1. Mannschaft auf. Er zeichnete sich schon früh durch eine brillante Ballbehandlung und hohe Spielintelligenz aus. Er war die alles überragende Spielerpersönlichkeit in den 1950er Jahren im Spiel der Siegener. Nach dem Aufstieg in der Runde 1946/47 in die Landesliga WestfalenMarkus Fiesseler: 100 Jahre Fußball in Nordrhein-Westfalen. Agon-Verlag, 1997, S. 243. gehörte er einschließlich der Saison 1955/56Markus Fiesseler: 100 Jahre Fußball in Nordrhein-Westfalen. S. 271. mit seinen Sportfreunden dieser Liga an. In den Jahren 1953 bis 1956 feierte Schäfer mit seinem Verein viermal in Folge die Meisterschaft in der Gruppe Süd. Zum Höhepunkt wurde die Saison 1954/55. Nach dem Erfolg im Entscheidungsspiel um den Gruppensieg gegen SuS Menden 09 belegte Schäfer mit seinen Mannschaftskollegen in den Spielen um die Westfalenmeisterschaft hinter Eintracht Gelsenkirchen und dem VfB Bielefeld den dritten Rang. Da Gelsenkirchen und Bielefeld eine Lizenz für die 2. Liga West beantragten vertrat Siegen Westfalen bei den Spielen um die deutsche Amateurmeisterschaft. Unter der Führung von Trainer Hans „Schäng“ Paffrath und Spielführer Herbert Schäfer setzten sich die Sportfreunde überlegen in der Gruppenphase gegen SV Bergisch Gladbach, Sterkrade 06/07 und den 1. FC Neukölln durch und zogen in das Halbfinale gegen den Heider SV ein. Gegen das Team seines späteren Nationalmannschaftskollegen bei den DFB-Amateuren, Willi Gerdau, wurde ein schwer erkämpfter 3:1-Sieg errungen und damit in das Finale eingezogen. Vor 15.000 Zuschauern in Wetzlar wurde das Endspiel zu einer klaren Angelegenheit für die Siegerländer. Der Finalgegner SpVgg Bad Homburg wurde souverän mit 5:0 Toren geschlagen und die Carl-Riegel-Trophäe für den deutschen Amateurmeister 1955 in Empfang genommen. Die Berichterstattung überschlug sich in ihren Lobeshymnen, und ein Experte wie Karl-Heinz Heimann schrieb nach dem 5:0-Triumph:

Die kluge Regie Schäfers war das Sahnehäubchen dieses Endspiels.

Mit der Verbandsauswahl von Westfalen war der Siegener 1955 auch in das Finale im Länderpokal eingezogen, verlor dort aber gegen die starken Bayern mit Meßmann, Reitgaßl, Semmelmann und Zeitler.

In der Runde 1955/56 glückte in der Landesliga souverän mit 13 Punkten Vorsprung die Titelverteidigung. In der Westfalenmeisterschaft mussten sich Schäfer und Kollegen aber hinter dem SC Dortmund 95 mit der Vizemeisterschaft begnügen und konnten somit nicht ihren Titel im Wettbewerb um die deutsche Amateurmeisterschaft verteidigen, wo schließlich der VfB Speldorf die Farben des WFV vertrat.

Ab der Saison 1956/57 trug Siegen seine Verbandsspiele in der neu eingeführten Verbandsliga Westfalen Gruppe Südwest aus. Am 16. Juni 1957 verlor Herbert Schäfer mit seinen Kollegen der Westfalenauswahl das Finale im Länderpokal in Hannover gegen Niedersachsen. Die Siegener Institution feierte in der Runde 1958/59 an der Seite von Mittelstürmer Albert Kühn und der neuen Offensivhoffnung Gerhard Neuser seinen fünften Meistertitel, verlor aber wiederum das Finale um die Westfalenmeisterschaft gegen die SpVgg Beckum. Nach der Erringung der Vizemeisterschaft 1959/60Markus Fiesseler: 100 Jahre Fußball in Nordrhein-Westfalen. S. 279. hinter dem Meister und Aufsteiger in die 2. Liga West, SSV Hagen, beendete der fast 33-jährige Herbert Schäfer im Olympiasommer 1960 seine aktive Spielerlaufbahn und übernahm nahtlos 1960/61 das Traineramt bei seinen Sportfreunden.

Obwohl der Filigrantechniker und geniale Spielgestalter, der überragende Siegener Fußballer seiner Generation, im Laufe seiner langen Karriere mehrere Angebote aus dem Vertragsspielerlager der Fußball-Oberligen – unter anderem vom 1. FC Köln, FC Schalke 04 und dem Karlsruher SC – vorliegen hatte, blieb er bis zum Ende seiner Karriere als Amateur in Siegen. Einzig und allein Schäfers Heimatverbundenheit und Vereinstreue verhinderte eine weitaus glanzvollere Karriere in der A-Nationalmannschaft, als es seine Berufung im Jahre 1957 statistisch dokumentiert.

Auswahlberufungen, 1951 bis 1960 Im Februar 1951 erhielt Bundestrainer Sepp Herberger den Auftrag, eine deutsche Mannschaft für das Fußballturnier der Olympischen Sommerspiele 1952 in Helsinki aufzubauen. Bei der Sichtung waren für den Bundestrainer und die ihm zuarbeitenden Verbandstrainer die Spiele um den Länderpokal und die deutsche Amateurmeisterschaft der Jahre 1951 und 1952 die primären Kriterien zur Auswahl des Spielerkaders. Herbert Schäfer gelangte zwar mit Westfalen im Länderpokalwettbewerb des Jahres 1951 bis in das Halbfinale, schied aber 1952 bereits in der Vorrunde aus und war mit Siegen in der Amateurmeisterschaft überhaupt nicht vertreten. Im letzten Moment sprang er noch im Juni 1952 auf den Olympia-Zug auf. Im dritten Amateurländerspiel der DFB-Geschichte, am 8. Juni 1952 in München gegen Österreich, wurde er von Herberger zum Einsatz gebracht. Beim 2:0-Sieg bildete er zusammen mit Kurt Sommerlatt und Alfred Post die Läuferreihe und überzeugte so nachdrücklich, dass er in das endgültige Olympiaaufgebot aufgenommen wurde.

Kurz vor dem Abflug von Hamburg nach Helsinki, am 17. Juli, trug die Amateurnationalmannschaft am 6. Juli in Kiel noch ein Testspiel gegen die schweizerische B-Elf aus, das mit 2:3 Toren verloren wurde. Das Olympiaturnier begann für die DFB-Elf am 20. Juli mit dem Spiel in Turku gegen Ägypten, das sich in der Qualifikation mit 5:4 Toren gegen Chile behauptet hatte. Bundestrainer Sepp Herberger war der verantwortliche Mann bei der Zusammenstellung des Olympiakaders gewesen und betreute die Auswahl auch persönlich während des Turniers. Er entschloss sich taktisch den nominell auf Halblinks agierenden Schäfer die Aufgabe des Mittelläufers zu übertragen und gleichzeitig den Stopper Herbert Jäger in der Abwehr als Ausputzer wirken zu lassen. Die Taktik ging auf, Deutschland gewann das Startspiel durch Tore von Karl Klug und Willi Schröder (2) mit 3:1 Toren. Vier Tage später traf die deutsche Elf in Helsinki auf Brasilien, das sich im Qualifikationsspiel souverän mit 5:1 Toren gegen die Niederlande durchgesetzt hatte und danach von den Experten vor Ort als Geheimtipp gehandelt worden war. Die Herberger-Schützlinge setzten sich am 24. Juli in einer dramatischen Begegnung mit 4:2 Toren in der Verlängerung gegen die brasilianischen Ballkünstler durch. Friedebert Becker führte zum Spiel aus:Der Kicker. Nr. 30, 28. Juli 1952, S. 3–5.

Auch nach dem mit 1:3 Toren verlorenen Halbfinalspiel gegen Jugoslawien wurde die Leistung des Mannes aus dem Siegerland besonders gewürdigt:Der Kicker. Nr. 31, 4. August 1952, S. 9–16.

Das sportliche Kräftemessen mit den jugoslawischen Klassespielern Vladimir Beara, Zlatko Čajkovski, Ivica Horvat, Vujadin Boškov, Bernard Vukas, Stjepan Bobek und Branko Zebec am 29. Juli 1952 in Helsinki gehörte zu den Höhepunkten der Karriere von Herbert Schäfer. Zwar verlor der Siegener mit seinen Kameraden auch das Spiel um den dritten Platz mit 0:2 Toren gegen Schweden, aber trotzdem war die Teilnahme am Olympiaturnier 1952 in Helsinki ein prägendes Erlebnis im Leben von Herbert Schäfer.

Er hatte bei Bundestrainer Herberger einen so positiven Eindruck hinterlassen, dass er trotz seiner Zugehörigkeit zu einem Amateurverein der Landesliga Westfalen nach den Olympischen Spielen am 9. November 1952 in einem B-Länderspiel in Basel gegen die Schweiz zum Einsatz kam und bei den zwei A-Länderspielen am 21. und 28. Dezember 1952 gegen Jugoslawien und Spanien dem Kader der Nationalmannschaft angehörte. Am 22. März 1953 absolvierte er sein zweites B-Länderspiel. Während der Endrunde um die deutsche Fußballmeisterschaft im Mai 1953 führte Bundestrainer Herberger Testspiele gegen Bolton Wanderers und zwei Regionalauswahlen durch. In den vier Spielen bildeten jeweils in der DFB-Auswahl Gerhard Harpers, Schäfer und Fritz Semmelmann die Läuferreihe.

Auch im Weltmeisterschaftsjahr 1953/54 gehörte der Amateurspieler trotz seiner weiteren Zugehörigkeit zur sportlichen Drittklassigkeit in der Landesliga Westfalen dem Kreis der Herberger-Schützlinge an. Er stand im Aufgebot für das erste WM-Qualifikationsspiel am 19. August 1953 in Oslo gegen Norwegen, bestritt ein Testspiel am 2. September 1953 in Konstanz mit einer DFB-Auswahl gegen eine Schweiz-Auswahl, absolvierte am 24. März 1954 sein drittes B-Länderspiel, gehörte erneut dem Nationalmannschaftskader für das Länderspiel am 25. April 1954 in Basel gegen die Schweiz an und spielte am 12. Mai 1954 in Düsseldorf in einer Deutschland-Auswahl gegen die Britisch Home Army. Er wurde vom DFB Anfang Mai für den 40er-Kader an die FIFA für die WM 1954 neben den Mittelläuferkonkurrenten Josef Posipal, Werner Liebrich und Gunther Baumann gemeldet. Bundestrainer Herberger lud Herbert Schäfer sogar zum Abschlusslehrgang ab dem 24. Mai 1954 in die bayerische Sportschule nach München-Grünwald ein, wobei er aus einem Kader von 28 Aspiranten seine endgültigen 22 Spieler für die Weltmeisterschaft in der Schweiz auswählte. Schäfer verletzte sich dabei aber und musste kurzfristig auf die Reise in die Schweiz verzichten.

Am 25. September 1955 kam Schäfer zu seinem vierten Einsatz in der B-Nationalmannschaft. Das erste Mal als Mannschaftskapitän führte er die Amateurnationalmannschaft am 19. Mai 1956 beim Länderspiel in Freiburg gegen Frankreich auf das Feld. Am 7. November 1956 führte die deutsche Olympiamannschaft die Generalprobe in Duisburg mit einem Testspiel gegen eine deutsche B-Auswahl durch. Am 16. November startete von Hamburg aus der Flug nach Melbourne zum Olympiaturnier 1956. Am 24. November verloren die DFB-Amateure das Spiel gegen die Sowjetunion mit 1:2 Toren. Die Mannschaft von DFB-Trainer Georg Gawliczek machte es dem eindeutigen russischen Favoriten um die Stars Lew Jaschin, Igor Netto und Eduard Strelzow sehr schwer. Schäfer war mit der Sonderaufgabe betraut den Sturmführer Strelzow zu bewachen und Rudolf Hoffmann agierte als Ausputzer. Mit der Niederlage war das Olympiaturnier für die deutsche Mannschaft beendet. Auch seine zweiten Olympischen Spiele ragen vom Erlebniswert – die lange Flugreise mit den Zwischenlandungen, die Atmosphäre und die Begegnungen bei den Spielen – in der Karriere von Herbert Schäfer heraus.

Im Juli 1957 gehörte er dem ersten WM-Lehrgang für das Turnier 1958 in Schweden an, war im September und Oktober bei zwei Testspielen von A- und B-Auswahlen im Einsatz und wurde schließlich am 20. November 1957 in Hamburg beim Länderspiel gegen die Schweiz von Herberger in der A-Nationalmannschaft als Mittelläufer eingesetzt. Zusammen mit den Abwehrkollegen Günter Sawitzki, Herbert Erhardt, Karl Schmidt, Karl Mai und Horst Szymaniak konnte Schäfer den Angriff der Schweden um Spielmacher Gunnar Gren und Mittelstürmer Agne Simonsson beim deutschen 1:0-Erfolg in Schach halten.