mini|Stammwappen derer von Orscelaer
Die Familie von Orscelar (auch Orscelaer, Orscellar, Orßelar, Orselaer, Orselär, Orstelare und ähnliche Schreibweisen, verballhornt auch UrschlerJohann Maximilian Humbracht und Georg Helwich: Die höchste Zierde Teutsch-Landes, Und Vortrefflichkeit des Teutschen Adels, 1707, S. 152.) war eine aus Flandern, vermutlich aus der Gegend um Delft, stammende Hugenottenfamilie, die zum Katholizismus konvertierte und später in Diensten der Markgrafen von Baden-Baden stand.Spärliche Hinweise zur Familie finden sich bei Julius Kindler von Knobloch und Othmar Freiherr von Stotzingen 1919 und Ilse Fingerlin 1992. Das Geschlecht wurde 1627 vom Kaiser zu Freiherren von Staufenberg erhoben und erlosch mit dem Tod von Wilhelm Hermann von Orscelar 1666 im Mannesstamm.
Herkunft und Bedeutung des Familiennamens Den äußerst variantenreichen Familiennamen leitet DebrabandereFrans Debrabandere: Woordenboek van de familienamen in Zeeland, 2009. von einem Orts- oder Platznamen Osselaar in der ostflandrischen Region Waasland her. Dort weist er schon für 1281 in Sint-Gillis-Waas einen H. de Orselaer nach. Tatsächlich ist der Familienname laut Paul van OsselaerPaul van Osselaer: auf users.telenet.be als van Orscelaer, Osselaer, (van) Osselaere und Hosselaer auch heute noch vorwiegend im Waasland und in Ostflandern zu finden. Er weist auf die mögliche Herleitung aus den Wörtern (h)orse für Pferd und laar für einen umzäunten Weideplatz hin. Eine ähnliche Bedeutungsherleitung gibt es für den Bruch Orsselar bei Kalkar im Herzogtum Kleve: im Jahr 1417 urkundlich als Arselar, 1424 Dusselar (lies ’t Orselar), 1645 Ors(s)elar. Dabei ist das Wort etymologisch dem Pferd gewidmet: altniederfränkisch bzw. altniederländisch (h)ors: Ross.NIEDERDEUTSCHE STUDIEN. Herausgegeben von William Foerste, Band 10, 1963, S. 44 f.
Familienmitglieder Marianus von Orscelar Der Franziskaner Marianus ab OrscelarBiografische Details bei Clément Schmitt: Orscelar (Marien), franciscain, † 1632. In: Dictionnaire de Spiritualité ascétique et mystique. Doctrine et histoire, Band 11 Spalte 970. könnte ein Bruder des badischen Stammvaters Carl gewesen sein. Er war im belgischen Gent geboren und zum Katholizismus konvertiert. 1605 kam er zu den Franziskaner-Observanten der Provinz Straßburg und promovierte zum Doktor der Theologie und beider Rechte. Offenbar unterrichtete er Theologie im Kloster zu Landshut und sollte dort Vorsteher (Guardian) werden. 1616 und 1619 wird der als tugendsam geltende Mann bei den Provinzkapiteln in Augsburg und Ingolstadt als Orsinel und Orischalk aufgeführt und als Prediger des Klosters Augsburg bezeichnet. Nach der 1620 erfolgten Reform der Münchner Observanten wandte er sich diesen zu. Er starb am 6. Juli 1632 in Landshut.
Aus der Feder des Marianus ab Orscelar stammen mindestens zwei in Landshut geschriebene Bücher: erstens ein spirituelles Werk über den Namen Jesu,Marianus von Orscelar: Jesus omnia sive Thesaurus Cordium suavis ac melliti Nominis Jesu Messiae. München 1622. zweitens eine Darstellung unter anderem der franziskanischen Reformen in Spanien, herausragender Persönlichkeiten (Brüder und Schwestern) des Ordens und franziskanischer Missionare in Amerika, China, Indien, Fernost, Afrika und dem Heiligen Land.Marianus von Orscelar: Gloriosus Franciscus Redivivus Sive Chronica Observantiae Strictioris, Reparatae, Reductae, Ac Reformatae; eiusdemque per Christianos Orbes, non solum, sed & Americam, Peru, Chinas, Iapones, Chichemecas, Zachecas; Indos Orientis, & occidui solis, Turcas, & Barbaras gentes, diffusae,& Evangelio fructificantis. Distincta VI. Libri, & 28. figuris aeneis ornata. Ingolstadt 1625.
Carl von Orscelar Laut Freiherrendiplom seines Sohnes vom 10. Juni 1627 hatten Carl von Orscelar und sein namentlich nicht bekannter Vater als österreichische Offiziere des Hauses Habsburg in Flandern (in den burgundischen Landen) gedient. Carl von Orscelar, Freiherr von Oudenguth, hatte offenbar schon als Hofmeister in Diensten der minderjährigen Söhne des 1575 verstorbenen Christoph II. von Baden-Rodemachern gestanden, wie sich aus den Ausführungen Zincgreffs zu einer ihm zugeschriebenen Redewendung (s. u.) schließen lässt.Julius Wilhelm Zincgreff: Deutscher Nation Denckwürdiger Reden/ Apophthegmata genant, Band 2, Straßburg 1639, S. 150 und 151. Spätestens 1589 war er Kanzler des ältesten Sohnes, des Markgrafen Eduard Fortunatus von Baden-Baden,Landesarchiv Baden-Württemberg / Generallandesarchiv Karlsruhe Best. 48 Nr. 3231 (Haus- und Staatsarchiv: III. Staatssachen / 1539–1932 Kriegssachen Allgemein Truppendurchmärsche und Werbungen im 16. Jahrhundert), hier 1589. und wird für die Zeit um 1590 für wenige Monate als Amtmann des Oberamts Kreuznach erwähnt. Er war jedenfalls schon badischer Rat, als man ihm über die Braut des Markgrafen, Maria von Eicken, eine Hofdame der Mutter des Herzogs von Parma, zutrug, dass sie keine Jungfrau mehr sei.Göttingisches historisches Magazin, Band 4, 1789, S. 176. Als Eduard Fortunatus infolge der Oberbadischen Okkupation im Dezember 1594 seine Markgrafschaft verlassen musste und sich auf die Burg Kastellaun zurückzog, nahm der Katholik aus seiner protestantischen Umgebung heraus Kontakt zum Kloster Maria Engelport auf.Norbert J. Pies: Alt-Engelporter Lesebuch – 800 Jahre Klostergeschichte in 80 Kapiteln. Zur Geschichte von Kloster Maria Engelport (Neue Reihe, Jubiläumsreihe) Band IV, BoD-Norderstedt/Erftstadt 2020, ISBN 978-3-927049-63-5, S. 157–165.Norbert J. Pies: 800 Jahre Kloster Maria Engelport – 71 ausgewählte Kapitel aus seiner Geschichte. BoD-Norderstedt/Erftstadt 2020, ISBN 978-3-927049-64-2, S. 132–140. Auch sein Kanzler und Landhofmeister entwickelte eine enge Beziehung dorthin. Er stiftete dem Kloster 150 Florin und den Altar auf dem Jungfrauenchor.Landeshauptarchiv Koblenz Best. 701 Nr. 119, Gedächtnis am 4. November. Carl von Orscelar starb vor dem 3. Mai 1627. Er hatte einen Sohn und wahrscheinlich drei Töchter: Heinrich Carl von Orscelar Freiherr von Staufenberg; Details siehe weiter unten. Marguerite von Orscelar war mit dem aus Flandern stammenden Christophe de Peyster verheiratet, einem hugenottischen Flüchtling, der sich um 1570 in London niedergelassen hatte. Schon sein Vater Jean und sein Onkel Baudouin hatten hier Seidenwebereien gegründet.Henry de Peyster: Une famille de financiers huguenots (De Peyster) 1280-1930. . In: Bulletin de la Société de l'Histoire du Protestantisme Français (1903–2015) Band 82 Nr. 2 (April–Juni 1933) S. 153–186. Anna Franziska Fortunata von Orscelar war, vermutlich nach 1595, als Chorfrau in das Kloster Maria Engelport eingetreten, wo sie im Jahre 1643 starb.Landeshauptarchiv Koblenz Best. 701 Nr. 119, Gedächtnis am 10. Januar. Der äußerst exotische Vorname Fortunata lässt darauf schließen, dass Marggraf Eduard Fortunatus ihr Pate war. Cäcilia Barbarotsae ab Orselaer könnte ebenfalls eine Tochter Karls von Orscelar gewesen sein. Sie hatte dem Kloster Engelport 1627 100 Reichstaler (Imperiales) gestiftet, ebenso wie offenbar auch [ihr Ehemann?] Joachim Barbarosse, wobei es sich allerdings auch um einen Doppeleintrag handeln könnte.Landeshauptarchiv Koblenz Best. 701 Nr. 119, Gedächtnis am 27. Januar und am 27. Februar. Noch heute gilt vielen der schwedische Reichskanzler Graf Axel Gustafsson Oxenstierna als Urheber des Aphorismus An nescis, mi fili, quantilla prudentia mundus regatur? (Weißt du denn nicht, mein Sohn, mit wie wenig Verstand die Welt regiert wird?). Dies soll er seinen Sohn gefragt haben, als dieser 1648 daran zweifelte, der Aufgabe des schwedischen Gesandten beim Westfälischen Frieden in Münster gewachsen zu sein. Tatsächlich wurde das Bonmot aber schon in dem von Julius Wilhelm Zincgref gegründeten Standardwerk Teutscher Nation Denckwürdiger Reden in der Ausgabe von 1639 einem Edelmann von Orselaer zugeschrieben: Ihr könnet nicht glauben, mit wie geringem Verstand die Welt regiert werden mag.Julius Wilhelm Zincgreff: Deutscher Nation Denckwürdiger Reden/ Apophthegmata genant, Band 2, Straßburg 1639, S. 150 und 151. Dieser wird als der jungen Herren Marggraffen von Baden Hoffmeister bezeichnet, der diesen Satz zu sagen pflegte, wenn von liederlichen Obrigkeiten und Regiments-Personen die Rede war. Es muss sich also um Carl von Orscelar gehandelt haben.
Heinrich Carl von Orscelar Freiherr von Staufenberg Heinrich Carl von Orscelar Freiherr von Staufenberg tritt urkundlich ab 1624 in Erscheinung. Er war mit Maria Dorothea von Neuhausen verheiratet, die am 13. März 1643 starb. Nach dem Tod seines Vaters Carl – vermutlich Ende 1626 – stellte Markgraf Wilhelm von Baden-Baden dem Heinrich Carl im Jahre 1626 einen Lehnbrief über die Herrschaft Staufenberg aus,Landesarchiv Baden-Württemberg / Generallandesarchiv Karlsruhe Best. 36 Nr. 1809. Im Landesarchiv Baden–Württemberg befinden sich knapp fünf Dutzend Urkunden, die vor allem die beiden letzten Generationen betreffen. die bis 1604 in Händen der Familie Wiedergrün gelegen hatte, nach deren Aussterben von Baden-Durlach eingezogen worden war und 1622 an Markgraf Wilhelm von Baden-Baden fiel. Die Belehnung erfolgte offenbar wegen großer Treue, aber auch deshalb, weil Heinrich Carl von Orscelar, wie schon sein Vater, seinen Dienstherrn finanziell großzügig unterstützte. Noch ein Jahrhundert später machten die Erben am 27. Oktober 1726 Ansprüche auf 15.400 Florin geltend.Landesarchiv Baden–Württemberg / Generallandesarchiv Karlsruhe Best. 36 Nr. 1809. So verkaufte der Markgraf seinem Edlen Unserem Statthalter und lieben getreuwen Heinrich Carl von Orscelar zu Stauffenberg am 3. Mai 1627 den vierten Teil am großen und kleinen Zehnten zu Au am Rhein im Amt Kuppenheim für 5500 Gulden, von denen er dem Verkäufer 4000 Gulden für eine Reise an den kaiserlichen Hof nach Wien beisteuern musste. Für die restlichen 1500 Gulden verkaufte er ihm ein Haus in Baden am Bökelberg, das schon Eduard Fortunatus seinem damaligen Landhoffmeisters auch weÿlandt Carl von Orscelar sein Käuffers Vattern […] gnadig verehrt hatte, das nun aber wieder kassiert worden war.Landesarchiv Baden–Württemberg / Generallandesarchiv Karlsruhe Best. 37 Nr. 128.
Einen Monat später erhob Kaiser Ferdinand II. des Markgrafen Wilhelm zu Baden Rat und Statthalter zu Baden am 10. Juni 1627 als Freiherr Orstelare zu Stauffenberg in den Reichs- und erbländischen Freiherrenstand.Nach Julius Kindler von Knobloch und Othmar Freiherr von Stotzingen 1919, S. 282–283 (ohne Quellenangaben).
Die enge Verbundenheit der Familie von Orscelar mit dem Hause Baden–Baden wird in einer ganz besonderen Begebenheit deutlich. Nach seinem unerwarteten Unfalltot wurde Markgraf Eduard Fortunatus von Baden–Baden im Juni 1600 einbalsamiertIlas Bartusch: Die Grabmäler für Markgraf Eduard Fortunat von Baden–Baden in der Stiftskirche zu Baden–Baden. In: Ditte Bandini und Ulrich Kronauer: 100 Jahre Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Früchte vom Baum des Wissens, Eine Festschrift der wissenschaftlichen Mitarbeiter. Heidelberg 2009, S. 153–170. und vorläufig notdürftig im Kloster Engelport beigesetzt.Norbert J. Pies: Markgraf Eduard Fortunatus von Baden-Baden, Von Kastellaun über Kloster Engelport nach Baden–Baden. In: Hunsrücker Heimatblätter Nr. 177, Jg. 61 (2021). Erst nachdem sein Sohn Wilhelm 1622 die Markgrafschaft in Besitz nehmen konnte, ließ dieser seinen Vater zwischen 1622 und 1631 in die Stiftskirche nach Baden–Baden überführen. Heinrich Carl von Orscelar fügte das vermutlich in Engelport verbliebene Herz im Sommer 1633 während der erneuten Besetzung Baden-Badens durch Baden-Durlach heimlich hinzu, wie im Rahmen einer späteren Graböffnung bekannt wurde.Zu den Protokollen der Graböffnungen von 1733, 1754 und 1755 s. vor allem das Manuskript von Franz Josef Herr im Stadtarchiv Baden–Baden (E4/3).
Heinrich Carl von Orscelar hatte einen Sohn und zwei oder drei Töchter: Wilhelm Hermann von Orscelar Freiherr von Staufenberg; Details siehe weiter unten.