Fanhui Shi Weixing (, deutsch „Rückkehrsatellit“, kurz FSW, im militärischen Sprachgebrauch Jianbing bzw. „Bahnbrecher“) war eine Serie von Erdbeobachtungs- und Aufklärungssatelliten der Volksrepublik China, die mit einer an Bord befindlichen Filmkamera Aufnahmen der Erdoberfläche machten und nach einer Weile wieder landeten. Der Film wurde entnommen, entwickelt und ausgewertet.
Geschichte Im Januar 1965 schlug Qian Xuesen, stellvertretender Leiter des für ballistische Raketen zuständigen Siebten Ministeriums für Maschinenbauindustrie, der Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee einen sogenannten „Drei-Satelliten-Plan“ (三星规划) vor: Test- und Propagandasatellit Zur Erde zurückkehrender Satellit Kommunikationssatellit in geostationärer Umlaufbahn
mini|hochkant|Nie Rongzhen Nach positivem Votum von Feldmarschall Nie Rongzhen, dem Leiter der Kommission für Wehrtechnik, und Premierminister Zhou Enlai machte man sich unter der internen Bezeichnung „Projekt 651“ zunächst an die Entwicklung des Testsatelliten, der am 24. April 1970 als „Dong Fang Hong I“ gestartet wurde. Parallel zum Projekt 651 arbeiteten Qian Xuesen, Zhao Jiuzhang, Chen Fangyun und Qian Ji (钱骥, 1917–1983) ab Anfang 1965 an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften an einer Verfeinerung des Drei-Satelliten-Plans. Nach dem Eintritt der USA in den Vietnamkrieg 1964 und den gestiegenen Spannungen mit der Sowjetunion lag der Schwerpunkt bei der Landesverteidigung; man diskutierte Aufklärungssatelliten, geodätische Satelliten, Kommunikationssatelliten, Wettersatelliten und Frühwarnsatelliten. Qian Xuesen teilte die Satelliten in drei Kategorien ein: Zur Erde zurückkehrende fotografische Aufklärungs- und geodätische Satelliten mit einem Gewicht von 1–2 t Satelliten mit einem Gewicht von 100–150 kg als Funkbaken für Landvermessung und Navigation sowie für Kommunikation und Beobachtung von Kernwaffentests Satelliten mit einem Gewicht von etwa 400 kg für Wetterbeobachtung, Elektronische Aufklärung und Frühwarnung vor anfliegenden Raketen
Diese Diskussionen mündeten in ein Strategiepapier mit dem Titel „Vorschläge für ein Konzept zur Planung der Entwicklungsarbeit für die Satelliten unseres Landes“ (关于发展我国人造卫星工作规划方案建议), das im Juli 1965 bei der von Zhou Enlai geleiteten „Zentralen Kommission für Spezialprojekte“ (中央专门委员会) eingereicht wurde. Im Anhang des Dokuments befand sich eine Tabelle mit 20 Satelliten und Raumschiffen, die in den folgenden 10 Jahren gestartet werden sollten, darunter 6 Rückkehrsatelliten. Im August 1965 fand unter dem Vorsitz von Zhou Enlai die 13. Sitzung der Zentralen Kommission für Spezialprojekte statt, wo unter anderem dieses Papier diskutiert wurde. Qian Xuesen, der als nicht stimmberechtigter Gast an der Sitzung teilnahm, erläuterte in einem Referat die Notwendigkeit des Zusammenwirkens von Interkontinentalraketen, Satelliten und Bahnverfolgungsschiffen bei der Landesverteidigung. Am Ende der Sitzung wurde das Strategiepapier der Wissenschaftler im Prinzip gebilligt. Die Kommission betonte hierbei, dass der Schwerpunkt auf praktisch nutzbaren Satelliten liegen müsse, und der Schwerpunkt bei den nutzbaren Satelliten auf Fotografie-Satelliten. Sie erteilte der Chinesischen Akademie der Wissenschaften den Auftrag, mit den Planungen für einen Rückkehrsatelliten zu beginnen.
Bei der Akademie der Wissenschaften wurden nun Zhao Jiuzhang und Qian Ji beauftragt, die genauen Anforderungen für Rückkehrsatelliten zu formulieren. Qian Ji und seine Mitarbeiter besuchten militärische und zivile Dienststellen im ganzen Land, um einen Überblick zu bekommen, was man sich dort von Rückkehrsatelliten erwartete. Ab März 1966 wurde bei der Akademie der Wissenschaften über einen Zeitraum von zwei Monaten eine Reihe von Konferenzen zum chinesischen Raumfahrtprogramm abgehalten, um die Entwicklungsarbeiten für die entsprechenden Technologien zu koordinieren. 120 Delegierte diskutierten die Pläne für verschiedene Satellitentypen. Auf Anordnung der Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee wurden die Ergebnisse dieser Diskussionen auf einer Konferenz vom 11. – 25. Mai 1966 den zuständigen Dienststellen vorgestellt. Zhao Jiuzhang bot einen Gesamtüberblick, Qian Ji präsentierte die Pläne für den Rückkehrsatelliten.
Im Juni 1966 wurde am Ingenieurbüro für Satellitenbau der Chinesischen Akademie der Wissenschaften eine Arbeitsgruppe Rückkehrsatellit gebildet, deren Leitung Wang Xiji übertragen wurde. Trotz schwieriger Rahmenbedingungen – die Kulturrevolution war gerade ausgebrochen – begann Wang unverzüglich, die Entwicklung der einzelnen Teilsysteme an die entsprechenden Institute der Akademie zu delegieren.Mark Wade: Am 27. Oktober 1966 transportierte eine Mittelstreckenrakete vom Typ Dongfeng 2A einen 1,2 t schweren Atomsprengkopf mit einer Sprengkraft von 12 kT vom Kosmodrom Jiuquan über 800 km zum Kernwaffentestgelände Lop Nor, wo er genau am Ziel in der Atmosphäre detonierte. Damit hatte China deutlich sichtbar gezeigt, dass es über eine praktisch einsetzbare atomare Bewaffnung verfügte. Qian Xuesen, der den Start zusammen mit Nie Rongzhen auf dem Kosmodrom beobachtet hatte, war sich, wie alle Beteiligten, über die geopolitischen Konsequenzen des Tests völlig im Klaren und drängte dazu, das Tempo bei der Entwicklung des rückkehrfähigen Fernaufklärungssatelliten zu beschleunigen.
Anfang 1967 schlug Nie Rongzhen dem Staatsrat der Volksrepublik China in einer schriftlichen Eingabe vor, eine Akademie für Weltraumtechnologie zu schaffen, um die auf verschiedene Einrichtungen verteilten wissenschaftlich-technischen Kräfte zu bündeln. Im Juni 1967 billigte der Ständige Ausschuss der Zentralen Militärkommission in seiner 77. Sitzung Feldmarschall Nies Vorschlag, aber es dauerte dann noch bis zum 20. Februar 1968, bis die Chinesische Akademie für Weltraumtechnologie offiziell gegründet wurde. Auf einer Arbeitstagung am 11. September 1967 bestätigte das 1965 nach Peking verlegte 8. Ingenieurbüro des Siebten Ministeriums für Maschinenbauindustrie unter der Leitung von Wang Xiji in einem Zwischenbericht die prinzipielle Machbarkeit des Rückkehrsatelliten. Im März 1968 hatte das Institut für Mechanik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften die Flugbahn des Satelliten berechnet, die Anforderungen für die Bremsrakete definiert sowie ausführliche Studien zur Aerodynamik der Rückkehrkapsel und der thermischen Belastung des Hitzeschildes durchgeführt. Während die Akademie für Feststoffraketentriebwerkstechnik mit der Entwicklung der Bremsrakete begann, arbeitete das Institut für Optik und Feinmechanik der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Changchun unter der Leitung von Wang Daheng (王大珩, 1915–2011) an der Kamera, und das Institut für Automatisierung der Chinesischen Akademie der Wissenschaften an der Lageregelung des Rückkehrsatelliten. Hierbei wurden Sonnen- und Infrarot-Erdsensoren verwendet, eine inertiale Messeinheit und Kaltgastriebwerke, um den Satelliten auf die zu fotografierenden Ziele auszurichten und in die korrekte Position für das Bremsmanöver zum Wiedereintritt zu bringen. Das 8. Ingenieurbüro, nun „Institut 508“ genannt, befasste sich mit dem Landesystem des Rückkehrsatelliten, d. h. der Fallschirmauslösung etc., ein Gebiet, auf dem Wang Xjiji und seine Mitarbeiter schon bei der Arbeit an den Höhenforschungsraketen vom Typ T-7 Erfahrung gesammelt hatten.
Trotz Kulturrevolution und dem Selbstmord Zhao Jiuzhangs am 26. Oktober 1968 gingen die Arbeiten zunächst gut voran. Am 5. Juni 1970, anderthalb Monate nach dem erfolgreichen Start von Dong Fang Hong I, erstattete Qian Xuesen vor der Zentralen Kommission für Spezialprojekte einen Zwischenbericht über den Entwicklungsstand und noch zu lösende Probleme. Die Kommission nahm daraufhin sowohl den Rückkehrsatelliten selbst als auch die hierfür nötige, stärkere Trägerrakete Langer Marsch 2 in die Liste der nationalen Schwerpunktprojekte (国家重点建设项目) auf und genehmigte eine diesbezügliche Produktionsschlacht (大会战) im Raum Peking-Tianjin. Eine Woche später, am 12. Juni 1970, ernannte die Zentrale Militärkommission Qian Xuesen zum stellvertretenden Vorsitzenden der Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee. Dies versetzte ihn in die Lage, das Projekt des Rückkehrsatelliten verstärkt voranzutreiben. Hierbei legte Qian besonderes Augenmerk auf die Bahnverfolgung sowie die Landung und Bergung der Kapsel, wofür die Einheit 436 der Volksbefreiungsarmee in Shaanxi zuständig war, das heutige Satellitenkontrollzentrum Xi’an.
mini|hochkant|Ye Jianying Zwei Jahre später stieß man bei der Entwicklung auf ernsthafte Probleme. Am 24. und 25. August 1972 ließ sich Feldmarschall Ye Jianying, stellvertretender Vorsitzender der Zentralen Militärkommission, zwei Tage lang von Qian Xuesen Bericht erstatten. Am 13. September 1972 besuchten Zhou Enlai, Feldmarschall Zhu De, der Vorsitzende des Ständigen Ausschusses des Nationalen Volkskongresses, Ye Jianying und Li Xiannian vom Zentralkomitee der Kommunistischen Partei Chinas die Fabrik 211, wo die Endmontage von Trägerrakete und Satellit stattfand, um sich über den Fortgang der Arbeiten zu unterrichten. Trotz Unterstützung durch die oberste Führungsebene nahmen jedoch die Störungen durch Revolutionäre Rebellen zu, und so dauerte es bis Juni 1974, bis der erste Rückkehrsatellit fertiggestellt, getestet und zur Auslieferung bereit war. Am 8. September 1974 wurde er zum Kosmodrom Jiuquan gebracht, am 5. November 1974 erfolgte der Start. Da sich bei der Rakete jedoch ein Kabel am Kreiselinstrument des Trägheitsnavigationssystems gelöst hatte, wurde ihre Fluglage 20 Sekunden nach dem Start instabil und sie zerstörte sich selbst.
Gleich nach dem Fehlstart rief Ye Jianying auf dem Kosmodrom an und forderte die Wissenschaftler auf, sich nicht entmutigen zu lassen und das Rückkehrsatelliten-Projekt unbedingt zum Erfolg zu führen. Die Rakete wurde modifiziert und in „Langer Marsch 2C“ umbenannt. Im März 1975 wurde General Zhang Aiping, der ursprünglich als stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Wehrtechnik der Volksbefreiungsarmee für die Kernwaffenentwicklung zuständig gewesen, aber 1970 aller seiner Ämter enthoben worden war, rehabilitiert und übernahm die Leitung der Kommission für Wehrtechnik. General Zhang legte großen Wert auf Qualitätskontrolle, und es wurde nicht nur die Rakete, sondern auch der Satellit überprüft und überarbeitet. Zwischen Mai und August 1975 fanden intensive Tests an dem für den zweiten Startversuch vorgesehenen Satelliten statt.
Am 26. November 1975 um 11:29 Uhr Ortszeit, sechs Tage vor einem Treffen Mao Zedongs mit US-Präsident Gerald Ford, hob eine Changzheng 2C erfolgreich vom Kosmodrom Jiuquan ab und platzierte den 2,5 t schweren Satelliten in einer um 63° zum Äquator geneigten Umlaufbahn von 183 × 483 km. Drei Tage später leitete die Bodenstation Weinan unter der Aufsicht von Qian Xuesen die Landung ein. Statt wie geplant in Sichuan landete die Kapsel in der Nachbarprovinz Guizhou. Das Innere des Satelliten war jedoch unbeschädigt.Mark Wade: Der Film konnte geborgen werden, die Aufnahmen wurden später Mao Zedong vorgeführt. Ab diesem erfolgreichen Test gab es für die Rückkehrsatelliten zwei Bezeichnungen: für die Außendarstellung wurden sie nach ihrer Funktion „Fanhui Shi Weixing“ genannt, also „Rückkehrsatellit“, während die interne Bezeichnung „Jianbing“ (尖兵) lautete, also „Bahnbrecher“. Der Name „Jianbing“ wurde später auch als interne Bezeichnung für die Fernerkundungssatelliten vom Typ Yaogan Weixing verwendet, die ihre Bilder per Funk an die Erde senden.
Typen FSW-0 mini|Behälter für den belichteten Film