mini|Blick auf Tell el-Hammam am Jordangraben (2007)

Tell el-Hammam, auch Tall al-Hammam (), ist eine archäologische Stätte in Jordanien, und zwar im östlichen Teil des Jordangrabens in der Nähe der Mündung des Jordans ins Tote Meer. Der Ort hat bedeutende Überreste aus der Kupfersteinzeit, Frühen Bronzezeit, Mittleren Bronzezeit und aus der Eisenzeit. Es gibt mehrere Versuche, Tell el-Hammam mit einer biblischen Stadt gleichzusetzen.

Mögliche Identifizierungen Livias: Das römische Livias wurde unter Herodes Antipas im 1. Jahrhundert ausgebaut, befestigt und nach Livia Drusilla – der Ehefrau des Augustus – benannt.Eintrag Beth-Aram in der Jewish Encyclopedia Traditionellerweise wird Livias mit Tell er-Rameh, das etwa 3 km südwestlich von Tell el-Hammam liegt, identifiziert. Jüngste Ausgrabungen in Tall el-Hammam führten zu der Annahme, dass zwar Tell er-Rameh das Handels- und Wohnzentrum von Livias war, aber dass sich das Verwaltungszentrum in Tell el-Hammam befand. Sodom: Das Forscher-Team um Steven Collins von der Trinity Southwest University, einer Bibelschule in Albuquerque, vermutet, dass es sich bei Tell el-Hammam um Sodom handeln könnte.

Ausgrabungen In den Jahren 1975–76 fand eine Prospektion statt, die Keramik aus der mittleren Bronzezeit zutage förderte. 1990 führte Kay Prag ein Survey durch.

Seit dem Jahr 2005 wird die Stätte im Rahmen des Projekts Tall al-Hammam Excavation Project (TaHEP) gemeinsam von der nicht akkreditierten Trinity Southwest University mit der akkreditierten Veritas International University aus Santa Ana in Kalifornien und dem Amt für Antiquitäten von Jordanien unter der Leitung von Steven Collins ausgegraben.Steven Collins, Khalil Hamdan, and Gary A. Byers, "Tall al-Ḥammām: preliminary report on four seasons of excavation (2006–2009)", Annual of the Department of Antiquities, vol. 53, pp. 385–414, 2009

Tell el-Hammam war während des Chalkolithikums (ca. 4300–3600 v. Chr.), der Frühbronzezeit (ca. 3600–2500 v. Chr.), der Zwischenbronzezeit (2500–1950 v. Chr.), der Mittleren Bronzezeit (ca. 1950–1550 v. Chr.), der Eisenzeit 2 (ca. 980–332 v. Chr.), der hellenistischen, der römischen, der byzantinischen und umayyadischen Zeit (163 v. Chr.–750 n. Chr.) besiedelt. Doch wie die meisten Stätten im Jordantal war sie in der Spätbronzezeit (ca. 1550–1200 v. Chr.) verlassen. Nur einige Keramiken wurden in einem Grab entdeckt, und eine einzelne frei stehende Gebäudestruktur.Steven Collins et al., "Tall El-Hammam Season Ten, 2015: Excavation, Survey, Interpretations And Insights," Biblical Research Bulletin 15, no. 1 (2015): 1–37, see 29. Die bedeutendsten Funde stammen aus der Bronzezeit.

Mittlere Bronzezeit Während der mittleren Bronzezeit war Tell el-Hammam etwa 34 ha groß und von einer Mauer umgeben, die den Ort in eine Ober- und eine Unterstadt unterteilte. Außerhalb der Mauern gab es noch 97 ha besiedeltes Land. In der frühen Bronzezeit war Tell el-Hammam somit der größte Stadtstaat in der südlichen Levante, und in der mittleren Bronzezeit nur übertroffen von Hazor (81 ha) und Aschkelon (61 ha). Zu dieser Zeit waren die heute weit berühmteren Orte Jerusalem (4,9 ha) und Jericho (4 ha) deutlich kleiner.

Römische, byzantinische und frühislamische Zeit In den Jahren zwischen 2005 und 2014 wurden prinzipatzeitliche, byzantinische und frühislamische Überreste ausgegraben. Zu den Funden gehörten ein großer römischer Badekomplex (34,2 m × 40,6 m), eine Aquäduktbrücke (165 m freigelegt), zwei Wehrtürme, Münzen, Glas und römische, byzantinische und frühislamische Keramik.

Zerstörung durch einen Meteoriten Wissenschaftler postulierten im Jahr 2021 in einem Paper, dass vor ~3600 Jahren ein in der Luft zerberstender Meteorit, ähnlich dem des Tunguska-Ereignises von 1908, das antike Tall el-Hammam zerstörte. Das Ereignis ist als Middle Ghor Event bekannt. Als Beweise für diesen Vorfall wird eine etwa 1,5 m dicke kohlenstoff- und aschereiche Schicht gespickt mit geschocktem Quarz, geschmolzener Keramik und Lehmziegeln, diamantähnlichem Kohlenstoff, Eisen- und Silizium-reichen Kügelchen, Calciumcarbonat-Kügelchen und verschiedenen geschmolzenen Metallen angeführt. Um diese geschockten Mineralien zu erhalten, wird eine Temperatur von über 2000 °C benötigt. Die Zerstörungen waren immens, und durch eine durch einen Tsunami bedingte Überschwemmung und damit verbundene Versalzung der Böden wurde die Landwirtschaft für mehrere Jahrhunderte unmöglich gemacht. Das wiederum führte zu der Besiedlungslücke in der Spätbronzezeit. Tell el-Hammam ist möglicherweise nach Tell Abu Hureyra in Syrien die zweitälteste Stadt, die durch eine kosmische Luftdetonation zerstört wurde.

Der Theorie einer Zerstörung durch eine Luftdetonation wird allerdings auch widersprochen.Mark Boslough: Sodom Meteor Strike Claims Should Be Taken with a Pillar of SaltSteven J. Jaret & R. Scott Harris: No mineralogic or geochemical evidence of impact at Tall el-Hammam, a Middle Bronze Age city in the Jordan Valley near the Dead Sea Das Paper von 2021 wurde im April 2025 zurückgezogen. Externe Fachleute hatten manipulierte Fotos, falsch eingeordnete historische Vorbilder und Modelle nachweisen können.Bröckelnde Beweise: Was hat Sodom und Gomorra zerstört?, spektrum.de vom 6. Dezember 2025, abgerufen am 8. Dezember 2025

Einzelnachweise

Weblinks Tall el-Hammam Excavation Project A Tunguska sized airburst destroyed Tall el-Hammam a Middle Bronze Age city in the Jordan Valley near the Dead Sea – Scientific Reports vom 20. September 2021 No mineralogic or geochemical evidence of impact at Tall el-Hammam, a Middle Bronze Age city in the Jordan Valley near the Dead Sea – Scientific Reports 11, 2021 Sodom Meteor Strike Claims Should Be Taken with a Pillar of Salt – Skeptical Inquirer 46, 2021 When Biblically Inspired Pseudoscience and Clickbait Cause Looting – SAPIENS, 2021

Kategorie:Archäologischer Fundplatz in Jordanien Kategorie:Archäologischer Fundplatz (Bibel)