Der Flon ist ein 11,5 Kilometer langer Fluss im Bezirk Lausanne im Kanton Waadt in der Schweiz. Er durchquert das Zentrum von Lausanne und ist ein prägendes Element der Topographie dieser Stadt. Früher mündete er direkt in den Genfersee und heute ist er in seinem Unterlauf ein Teil der regionalen Stadtentwässerung, wobei das saubere Wasser aus dem Oberlauf und das weiter unten in der Stadt eingeleitete Abwasser einen getrennten Weg zum See nehmen. Die Flusslandschaft des Flon hat sich mit dem Ausbau der technischen Infrastruktur der Stadt vom 19. bis zum 21. Jahrhundert stark verändert. Im ehemaligen Flusstal im Stadtzentrum ist das Quartier Le Flon entstanden.

Der Name des Gewässers kommt vom lateinischen Wort flumen, das in der Antike ein Fliessgewässer bedeutete. Daraus ist in der frankoprovenzalischen Sprache die Form flon geworden, die als Name kleinerer Flüsse in der Westschweiz an vielen Stellen vorkommt, in der Nähe von Lausanne etwa auch beim Flon Morand, einem Quellbach der Paudèze.Artikel flon im Glossaire des patois de la Suisse romande.Artikel flumen fluss im Französischen Etymologischen Wörterbuch. Vom Namen eines anderen so benannten Gewässers kommt der Ortsname der neuen freiburgischen Gemeinde Le Flon.

Flusslandschaft und Stadtgeschichte mini|Wasserfall des Flon Oberlauf Die Quellen des Flon befinden sich in der ausgedehnten Waldlandschaft Les Liaises, die zum grössten Teil in der Region der Zones foraines auf dem Gebiet der Stadt Lausanne und zu einem kleinen Teil im Gebiet von Epalinges liegt. Die Hauptquelle entspringt am nördlichen Rand des Golfplatzes von Lausanne auf der Gemeindegrenze bei der Route de Ballègue. Im etwa einen Quadratkilometer grossen Waldgebiet, das zum Hochland des Jorat gehört, speisen rund ein Dutzend weitere kurze Quellbäche den Flon. Die Bäche beginnen in der Nähe der kontinentalen Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten der Rhone und des Rheins. Nahe bei der Flonquelle liegt der Ursprung des Talent, der gegen Norden dem Neuenburgersee zufliesst und ein Nebenfluss vierter Ordnung des Rheins ist.

Das Einzugsgebiet des Flon grenzt an die Flächen von vier andern Fliessgewässern. Neben dem Talent im Norden sind dies drei weitere Flüsse und Bäche, die das Bergland von Lausanne und des Jorat zum Genfersee entwässern. Auf der Westseite des Flon mündet die Chamberonne, deren Zufluss La Mèbre aus dem Jorat kommt, am Stadtrand von Lausanne in den See. Auf der Ostseite des Flon entwässern die Vuachère und die Paudèze einen Teil des Stadtgebiets.

Der Flon hat in der Waldlandschaft westlich von Epalinges ein gegen Süden laufendes, zunehmend tieferes und teilweise schluchtartiges Tal aus dem anstehenden Molassefelsen gegraben. In der tiefen Senke, die streckenweise von Fusswegen erschlossen ist, verläuft die Grenze zwischen den Gemeinden Epalinges im Osten und Le Mont-sur-Lausanne im Westen. Von links mündet hier der aus Epalinges kommende Seitenbach Ruisseau de Vaugueny in den Fluss.

Nördlich des Stadtquartiers Vennes verläuft das Flusstal einen Kilometer weit in westlicher Richtung. Von der Wohn- und Gewerbesiedlung La Clochatte in Mont-sur-Lausanne aus, wo von rechts der zweite Zufluss La Valleyre in den Flon mündet, ist das Tal wieder gegen Süden ausgerichtet, und von dieser Stelle an liegt der weitere Flusslauf bis zum Genfersee ganz im Gebiet der Stadt Lausanne. Durch das Tal führt ein Wanderweg, der auch einen Abschnitt des Schweizer Jakobsweges (nationale Wanderroute 4) bildet.Wanderroute 4: «Via Jacobi» Auf schweizmobil.ch. Abgerufen am 23. September 2021. mini|Autobahnbrücke Viaduc de la Chocolatière oder Pont du Flon Die Autobahn A9 und eine Quartierstrasse überqueren das Tal bei Pré-Fleuri. Der doppelte Autobahnviadukt mit der Bezeichnung Viaduc de la Chocolatière oder auch Pont du Flon ist 430 Meter lang, überspannt das Tobel 50 Meter über dem Fluss auf 120 Meter weiten Betonbögen und das Vorland auf 11 Betonstützen. Der Name Viaduc de la Chocolatière kommt von einer ehemaligen Schokoladenfabrik, die in der Nähe der Baustelle über dem Flon stand. Das Brückenbauwerk entstand kurz vor der Landesausstellung 1964, die im Mündungsgebiet des Flon stattfand, als Teil der Umfahrungsstrasse der Agglomeration Lausanne.A. Sarrasin, Ph. Sarrasin: Viaduc sur le Flon. In: Bulletin technique de la Suisse romande, 90, 1964, S. 437–441. mini|Das ehemalige Vivarium Lausanne im Tal des Flon Direkt unter dem Flonviadukt steht neben dem Fluss im Quartier Sauvabelin das Gebäude des ehemaligen Vivariums Lausanne. Die 1959 gegründete Institution zeigte von 1970 bis 2015 im Bauwerk im Flontal einen grossen Bestand lebender Reptilien, Amphibien und Spinnen; 2017 löste der Wissenschaftspark Aquatis im benachbarten Quartier Vennes das Vivarium ab.Aquatis Aquarium-Vivarium Lausanne. Auf lausanne-tourisme.ch. Unterhalb des Vivariums folgt der Wanderweg Chemin des cascades dem Flon und bietet die Sicht auf mehrere Wasserfälle im Tal, das ein Naherholungsgebiet in der Nähe des Stadtzentrums ist.Le Flon. Auf balades-en-famille.ch. Abgerufen am 23. September 2021.

Im Stadtzentrum Einen Kilometer weiter unten ändern sich die Verhältnisse im Flussgebiet schlagartig. Nach dem ersten Teil des weitgehend natürlichen Flusslaufs erreicht der Flon am Standort der direkt im engen Tal gebauten, 2006 eröffneten Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) Tridel von Lausanne den dicht bebauten Siedlungsbereich. Hier läuft der Fluss in eine 1996 gebaute Wasserfassung und fliesst grösstenteils durch einen Wasserstollen zum östlichen Nachbarfluss Vuachère. Damit wird das saubere Regen- und Quellwasser von der Abwasserkanalisation in der Stadt ferngehalten und im Trennsystem separat in den Genfersee geleitet; nur bei Hochwasser läuft auch wieder eine bedeutende Wassermenge des Flon durch dessen altes Tal im Stadtzentrum ab.

Von der Stelle mit dem Einlaufbauwerk an ist der Flusslauf wegen der knappen Platzverhältnisse im Stadtzentrum und des Ausbaus der Infrastruktur auf seinem ganzen weiteren Verlauf eingedolt und als Abwasserleitung teilweise umgeleitet. Die Topografie des ursprünglichen Flusstals ist im unteren Abschnitt nach dem Bau des grossen, für den Unterhalt begehbaren Kanals stark verändert und einige Bereiche sind zugeschüttet, planiert und überbaut worden. Der Flon hat in seinem zweiten, künstlichen Flussabschnitt die Funktion eines Hauptsammelkanals der Stadtentwässerung, und sein Verlauf ist über dem Boden praktisch nicht mehr zu erkennen. Das Tunnelsystem ist nur ausnahmsweise für Besucher zugänglich.Nicolas Dufour: Au long du Flon, dans les entrailles historiques de Lausanne. In: Le Temps, 1. August 2015.

Bei der neuen KVA liegt über dem Flonstollen noch ein unterirdischer Verladebahnhof. Durch einen langen Eisenbahntunnel unter dem Stadtzentrum werden die Abfallcontainer aus dem Kanton Waadt vom SBB-Bahnhof Sebeillon aus zur KVA geliefert, ohne dass dazu Lkw-Fahrten mitten durch die Stadt nötig wären.Tridel. usine de valorisation thermique et électrique de déchets. Auf tridel.ch. Abgerufen am 22. September 2021. Ein Diensttunnel im Flontal verbindet die KVA mit dem Heizkraftwerk und Unterwerk Pierre-de-Plan der städtischen Werke Lausanne Services industriels de Lausanne.R. Richard: Le chauffage urbain à Lausanne. L’usine «Pierre-de-Plan» In: Bulletin technique de la Suisse romande, 92, 1966, s. 206–208. Im Gebiet der Quartiere Sallaz und Vallon Béthusy steht über dem ehemaligen, zugeschütteten Flusstal unterhalb der neuen auch die ältere, 1958 gebaute Kehrichtverbrennungsanlage von Lausanne.L’ancienne usine d’incinération (UIOM). Auf notrehistoire.ch. 2021 zeigte sich bei Untersuchungen im Flontal und in den umliegenden Quartieren eine sehr hohe Belastung der Böden mit Dioxin und anderen Schadstoffen, die in der ersten Betriebszeit der alten KVA ungefiltert mit den Abgasen in die Umwelt gelangt waren.De la pollution aux dioxines découverte dans les sols de Lausanne, auf rts.ch, 20. Mai 2021. Abgerufen am 14. Oktober 2021. mini|Charles-Bessières-Brücke (oben) und Saint-Martin-Brücke (unten) über dem Tal des Flon. Im Hintergrund die Kathedrale von Lausanne Nahe bei der Kehrichtverbrennungsanlage Tridel befinden sich im zugedeckten Tal des Flon auch noch die Bibliothek von Sallaz, der Bahnhof Sallaz, Anlagen des Werkhofs der Stadt Lausanne und verschiedene Infrastruktur- und Gewerbebetriebe an der Rue de l’industrie. Seit dem 18. Jahrhundert benützten Sägewerke, Gerbereien und einige weitere Gewerbebetriebe die Wasserkraft des Flon mit Wasserrädern an offenen Kanälen.Quelques repères historiques entre le 19ème et le 20ème siècle. auf ovallon.com, abgerufen am 29. September 2021.

An diesem Abschnitt des Tales schuf der englische Kunstmaler William Turner auf einer Schweizerreise im Jahr 1836 das Gemälde «Moon over Lausanne». Das Aquarell, das sich heute in der Sammlung des University of Michigan Museum of Art befindet,Joseph Mallord William Turner: Moon over Lausanne in der Sammlungsdatenbank des University of Michigan Museum of Art. zeigt den damals noch unverbauten Zustand des Flontales und den Blick nach Südwesten zur Silhouette der Altstadt von Lausanne. Auf dem Genfersee im Hintergrund und auch auf dem Flon am unteren Bildrand spiegelt sich das fahle Licht des Mondes, während das Tal zu Füssen des Malers im dunklen Schatten liegt. Für das Bild wählte der Maler seinen Standort über dem hohen Bord des Tales beim heutigen Weg Chemin des Falaises. Wo Turner im Tal noch den offenen Fluss mit den Wasserfällen sah, liegt heute die Strasse Rue de l’Industrie. mini|Blick vom Moränenhügel Montbenon gegen Osten in das Tal des Flon und zum Stadtzentrum von Lausanne. Aquarell von Friedrich Wilhelm Moritz, 1825 (Schweizerische Nationalbibliothek) Unterhalb des Bergvorsprungs mit dem Park der Fondation de l’Hermitage erreicht der unterirdische Bachkanal das Quartier Centre. Das Tal des Flon trennt hier den Hügel Cité mit dem ältesten Stadtzentrum von Lausanne im Westen und die Hochebene Béthusy, wo das Universitätsspital Centre hospitalier universitaire vaudois steht, im Osten. Östlich des Barre-Tunnels quert die Schweizer Hauptstrasse 1 Richtung Bern die Achse des Flusses und südöstlich der Kathedrale von Lausanne überqueren die Hochbrücke Pont Charles-Bessières von 1910 und genau darunter die Brücke Pont Saint-Martin der Metrolinie 2 das Tal, in welchem hier direkt über dem eingedolten Fluss die Hauptstrasse Rue Saint-Martin/Rue Centrale verläuft. Im Süden wird der Fluss durch eine Seitenmoräne des eiszeitlichen Rhonegletschers am direkten Abfluss zum Genfersee gehindert; er muss auf der Aussenseite der Moräne, auf welcher die Quartiere Montbenon, Tivoli und Montoie liegen, etwa zwei Kilometer gegen Westen ausweichen. Dort mündet von rechts der vierte Seitenfluss Galicien, der heute grösstenteils eingedolt ist, in den Flon. mini|Tal des Flon im Stadtzentrum um 1853

Das Stadtquartier «Flon» Die Hauptstrasse 9 überquert das Tal auf dem langen Viadukt Rue du Grand-Pont östlich der Metrostation Lausanne-Flon. In dieser Tunnelstation hat die Lausanne–Echallens–Bercher-Bahn ihren Ausgangspunkt.