Das Biotechnologieunternehmen Amgen wurde 1980 als AMGen (Applied Molecular Genetics) gegründet. Amgen ist mit ca. 20.000 Mitarbeitern eines der weltweit größten Biotechnologieunternehmen mit einem Jahresumsatz 2024 von 36,8 Milliarden US-Dollar. Seit 1983 ist Amgen unter dem Symbol AMGN an der US-amerikanischen Technologiebörse Nasdaq gelistet. Neben dem Hauptsitz in Thousand Oaks (Kalifornien) und diversen Niederlassungen in den USA (unter anderem in Seattle (Washington), San Francisco (Kalifornien) und Cambridge (Massachusetts)) hat das Unternehmen Niederlassungen in Kanada, Europa (unter anderem Österreich, Frankreich, Deutschland, Belgien, Italien und England) sowie in Australien, Neuseeland und Japan. Die Europazentrale befindet sich im schweizerischen Rotkreuz. Für die osteuropäischen Länder ist die Zentrale in Wien verantwortlich.

Hauptwachstumspräparate sind: Blincyto (Blinatumomab), Evenity (Romosozumab), Repatha (Evolocumab), Tavneos (Avacopan) und Tezspire (Tezepelumab).Amgen Reports Fourth Quarter And Full Year 2025 Financial Results, PM Amgen vom 3. Februar 2026, abgerufen am 22. März 2026

Geschichte Amgen wurde am 8. April 1980 unter dem Namen Applied Molecular Genetics Inc. (AMGen) in Thousand Oaks gegründet. William Bowes sammelte 200.000 Dollar von sechs Risikokapitalgebern ein, dann engagierte er George Rathmann von Abbott Laboratories, um das neue Unternehmen zu leiten. Das Unternehmen konzentrierte sich früh auf die Nutzung lebender Zellen zur Herstellung biologischer Arzneimittel. Der erste Durchbruch gelang 1983, als ein Team um Fu-Kuen Lin das Gen für das Hormon Erythropoetin isolierte, was 1989 zur Markteinführung des Anämie-Medikaments Epogen führte.

Unter der Führung von Finanzvorstand Gordon Binder brachte der Börsengang (auch im Jahr 1983) fast 40 Millionen Dollar ein um die internationale Expansion zu finanzieren. Hierzu änderte man auch den Firmennamen und verkürzte auf Amgen.

2012 wurde der deutsche Standort in München von einer reinen Vertriebsorganisation zu einer vollwertigen Präsenz erweitert, indem der vorige Kooperationspartner Micromet vollständig übernommen wurde.

Biotechnologie Der Erfolg des Unternehmens gründet sich auf der Anwendung der rekombinanten DNA-Technologie oder auch Biotechnologie genannt. Diese ermöglicht es, humane Proteine, z. B. Hormone oder Monoklonale Antikörper mithilfe von Mikroorganismen zu produzieren. Dieser Technologie bedienen sich auch andere große Biotechnologieunternehmen, wie zum Beispiel Abbvie, Biogen, Genentech, Genzyme, MSD, Roche und Sanofi.

Medikamente Das Unternehmen führte zwei der ersten in Mikroorganismen produzierten humanen Therapeutika, so genannte Biologicals zur Marktreife: 1989 wurde Epogen (Epoetin alfa) und 1991 Neupogen (Filgrastim) von der amerikanischen Zulassungsbehörde (englisch Food and Drug Administration, FDA) zugelassen. Diese beiden Medikamente entwickelten sich zu den ersten Blockbustern der Biotechnologieindustrie.

Epogen beinhaltet als Wirkstoff das Hormon Erythropoetin alpha, welches normalerweise in interstitiellen Zellen der Tubuli bei Abfall des Sauerstoffpartialdrucks in der Nierenrinde gebildet wird und die Produktion neuer Erythrozyten im Knochenmark fördert. Epogen wird deshalb zur Behandlung von Blutarmut (Anämie) in Zusammenhang mit chronischen Fehlfunktionen der Nieren bei Dialysepatienten verschrieben. Weiterhin wird es – missbräuchlich – als Dopingmittel im Sport eingesetzt.

Neupogen (G-CSF oder auch Filgrastim) und das im Jahr 2002 zugelassene Neulasta (Pegfilgrastim, also pegyliertes Filgrastim) werden unter anderem angewendet, um Infektionen im Verlauf einer Chemotherapie-induzierten Neutropenie entgegenzuwirken.

Bei dem 1998 zugelassenen Enbrel (Etanercept) handelt es sich um einen TNF (Tumor Necrosis Factor)-Antagonisten, der zur Behandlung von entzündlichen Prozessen eingesetzt wird, die z. B. im Zusammenhang mit rheumatoider Arthritis oder der Schuppenflechte (Psoriasis) auftreten. In Deutschland wird Enbrel von ehemals Wyeth vertrieben, einem Unternehmen, das 2009 von Pfizer gekauft wurde.Pfizer to Acquire Wyeth, Creating the World’s Premier Biopharmaceutical Company, PM Pfizer vom 26. Januar 2009, abgerufen am 18. Januar 2023

Im Jahr 2001 wurde Aranesp (Darbepoetin alpha) zur Behandlung der Blutarmut bei chronischem Nierenversagen und nach Chemotherapie zugelassen. Im gleichen Jahr kam mit Kineret (Anakinra), das erste Medikament aus Reihe der antirheumatischen Medikamente von Amgen auf den Markt. (Enbrel kam durch den Zukauf der Immunex Corporation ins Amgen Portfolio.)

Ein weiteres von Amgen entwickeltes Medikament ist der humane Keratinozyten-Wachstumsfaktor (KGF) Kepivance (Palifermin), der zur Behandlung von Patienten mit oraler Mukositis, also einer Entzündung der Mundschleimhaut, die als Nebenwirkung von Chemotherapien auftreten können, zur Anwendung kommt.

2004 wurde Sensipar (Cinacalcet) von der FDA zugelassen. In der EU unter dem Namen Mimpara ebenfalls seit 2004 zugelassen, verringert das Medikament die Freisetzung von Parathormon aus den Nebenschilddrüsen und wird zur Behandlung des sekundären Hyperparathyreoidismus bei Patienten mit chronischen Nierenkrankheiten und erhöhten Kalziumwerten im Blut (Hyperkalzämie) bei Patienten mit Tumoren der Nebenschilddrüse (Parathyroidea) eingesetzt.

2009 wurden Nplate (Romiplostim) zur Behandlung der idiopathischen thrombozytopenischen Purpura (ITP), auch Morbus Werlhof genannt, und Vectibix (Panitumumab) zur Behandlung von Darmkrebs zugelassen.

Prolia (Denosumab) wurde im Mai 2010 in der EU zur Behandlung der Osteoporose zugelassen.Prolia(R) (Denosumab) Granted Marketing Authorization in the European Union. Pressemitteilung vom 28. Mai 2010 Kurz darauf hat die US-amerikanische Zulassungsbehörde Food and Drug Administration (FDA) Denosumab für die USA in dieser Indikation zugelassen.FDA Approves Amgen’s Prolia(TM) (Denosumab) for Treatment of Postmenopausal Women With Osteoporosis at High Risk for Fracture, Pressemitteilung vom 1. Juni 2010

Die FDA hatte im November 2010 Denosumab (Handelsname: XGEVA) für die USA zur Prävention skelettbezogener Komplikationen bei Patienten mit Knochenmetastasen durch solide Tumoren zugelassen,FDA Approves Amgen’s XGEVA (Denosumab) for the Prevention of Skeletal-Related Events in Patients with Bone Metastases from Solid Tumors, Pressemitteilung vom 18. November 2010 im Juli 2011 folgte die Zulassung durch die Europäische Kommission für den EU-Markt.XGEVA (Denosumab) Granted Marketing Authorization in the European Union. Pressemitteilung vom 15. Juli 2011 Im Juni 2013 erhielt Amgen von der FDA für XGEVA die Zulassung für die USA zur Behandlung von Riesenzelltumoren des Knochens. Denosumab ist das erste FDA zugelassene Medikament für diese seltene Erkrankung.FDA Approves Amgen’s XGEVA (denosumab) For The Treatment Of Giant Cell Tumor Of Bone, Pressemitteilung vom 13. Juni 2013

Repatha (Evolocumab) wurde in der EU im Juli 2015 zur Behandlung der familiären Hypercholesterinämie (erhöhter Cholesterinspiegel) zugelassen. Der monoklonale Antikörper (ein PCSK9-Antikörper) greift in den Cholesterinstoffwechsel ein und übt Einfluss auf das LDL-Cholesterin aus.Amgen To Present Data From Four Phase 2 Studies At Upcoming American Heart Association Scientific Sessions 2012. Pressemitteilung vom 2. November 2012 Übersicht anlässlich der AHA Tagung Repatha ist ebenfalls zugelassen, wenn Statine nicht vertragen werden oder diese nicht ausreichen. Er kann auch mit Statinen oder anderen Lipidsenkern kombiniert werden., Amgen-Pressemitteilung vom 21. Juli 2015

Kyprolis (Carfilzomib) wurde in der EU im November 2015 zur Behandlung des Multiplen Myeloms in Kombination mit Lenalidomid und Dexamethason zugelassen., PM AMGEN vom 19. November 2015, abgerufen am 20. November 2015Amgen Receives CHMP Positive Opinions For Two New Treatment Options For Patients With Blood Cancer In Europe, PM AMGEN vom 25. September 2015, abgerufen am 9. November 2015 Die Zulassung in den USA war bereits im Juli 2015 erfolgt.FDA approved carfilzomib (Kyprolis, Onyx Pharmaceuticals, Inc., an Amgen subsidiary), Meldung der FDA vom 24. Juli 2015, abgerufen am 9. November 2015

Blincyto (Blinatumomab) wurde im November 2015 in der EU zur Behandlung spezieller Formen der akuten lymphatischen Leukämie (ALL) zugelassen., PM Amgen vom 24. November 2015, abgerufen am 24. November 2015 Die Zulassung in den USA war bereits im Dezember 2014 erfolgt.Blinatumomab, Meldung der FDA vom 3. Dezember 2014, abgerufen am 24. November 2015 Von der US-amerikanischen Zulassungsbehörde FDA erhielt Blinatumomab die Breakthrough Therapy Designation (englisch für „Durchbruch in der Therapie“) und wurde sowohl in den USA als auch in der EU als Orphan Drug (Arzneimittel für seltene Leiden) ausgewiesen.FDA Approves BLINCYTO™ (Blinatumomab) Immunotherapy for the Treatment of Relapsed or Refractory B-Cell Precursor Acute Lymphoblastic Leukemia, PM Amgen vom 3. Dezember 2015, abgerufen am 24. November 2015

Imlygic (Talimogen laherparepvec / T-VEC / früher OncoVEX GM-CSF) wurde im Dezember 2015 von der Europäischen Kommission für die Länder der EU zur Behandlung des Malignen Melanoms (Hautkrebs) zugelassen., PM Amgen vom 17. Dezember 2015, abgerufen am 21. Dezember 2015 Es handelt sich dabei um das erste zugelassene onkolytisch wirkende Immuntherapeutikum.First oncolytic immunotherapy medicine recommended for approval, Meldung der EMA vom 21. Oktober 2015, abgerufen am 8. November 2015 Die Zulassung in den USA war bereits im Oktober 2015 erfolgt.FDA Approves IMLYGIC™ (Talimogene Laherparepvec) As First Oncolytic Viral Therapy In The US, PM Amgen vom 27. Oktober 2015, abgerufen am 8. November 2015

Parsabiv (Etelcalcetid) wurde im November 2016 von der Europäischen Kommission für die Länder der EU zur Senkung der Parathormon-Spiegel bei Erwachsenen mit hohen Spiegeln dieses Hormons aufgrund einer langfristigen Nierenerkrankung (sekundärer Hyperparathyreoidismus) zugelassen.European Commission Approves Parsabiv™ (etelcalcetide) For The Treatment Of Secondary Hyperparathyroidism In Adults On Hemodialysis, PM Amgen vom 11. November 2016, abgerufen am 9. Juni 2017European public assessment report (EPAR), EMA, abgerufen am 9. Juni 2017Zusammenfassung des EPAR für die Öffentlichkeit (PDF) EMA, abgerufen am 9. Juni 2017

Amgevita (Biosimilar Adalimumab) wurde im März 2017 von der Europäischen Kommission für die Länder der EU zur Behandlung von verschiedenen entzündlichen Erkrankungen (Rheumatoide Arthritis, Psoriasis-Arthritis, Spondylitis ankylosans, Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (Morbus Crohn) und Colitis ulcerosa) zugelassen., PM Amgen vom 23. März 2017, abgerufen am 12. April 2017

Aimovig (Erenumab-aooe), ist ein von Amgen und Novartis gemeinsam entwickelter humaner monoklonaler Antikörper, der im Mai 2018 in den USA zur Prävention von Migräne zugelassen wurde.FDA Approves Aimovig™ (erenumab-aooe), A Novel Treatment Developed Specifically For Migraine Prevention,PM Amgen vom 17. Mai 2018, abgerufen am 19. Mai 2018Multimedia News Release: Novartis and Amgen announce FDA approval of Aimovig(TM) (erenumab), a novel treatment developed specifically for migraine prevention, PM Novartis vom 18. Mai 2018, abgerufen am 19. Mai 2018 Die europäische Zulassung erfolgte im August 2018.Übersicht über Aimovig und Begründung für die Zulassung in der EU (PDF) EMA, abgerufen am 10. September 2018 In Europa wird Aimovig von Novartis vertrieben.Novartis marks a new era for migraine patients with the EU approval of Aimovig®, a first-of-its-kind treatment specifically designed for migraine prevention, PM Novartis vom 30. Juli 2018