Die Operation Ketsu-gō (決号作戦, ketsugō sakusen, deutsch Operation Entscheidung) war der strategische Plan zur Verteidigung der japanischen Heimatinseln gegen jegliche mögliche alliierte Invasion während des Pazifikkriegs im Zweiten Weltkrieg. Durch die japanische Kapitulation und das damit verbundene Ende aller Kampfhandlungen ab Mitte August 1945 kam der Plan nie zur endgültigen Ausführung.

Vorgeschichte mini|Polizeibeamte notieren die Merkmale verbrannter Leichen, die nach dem Luftangriff auf Tokio am 25. Mai 1945 neben einer Polizeistation gefunden wurden Schon nach der verlorenen Schlacht um die Marianen-Inseln, sowie die Schlacht in der Philippinensee Mitte 1944 wurde vom Oberbefehlshaber der Kombinierten Flotte, Admiral Toyoda Soemu ein vierteiliger Plan zur Verteidigung der japanischen Hauptinseln aufgestellt, die Operation Shō-gō.

Japans Lage hatte sich im Jahr 1945 nicht verbessert. Schon im Oktober 1944 kam es während der See- und Luftschlacht im Golf von Leyte zu einer weitgehenden Vernichtung der japanischen Marine. Die amerikanischen Truppen waren im November 1944 weit genug vorgerückt, um Honshū und damit auch Tokio zu bombardieren, was sie ab Ende des Monats auch taten. Im März 1945 wütete die Schlacht um Iwojima und ab April des Jahres die Schlacht um Okinawa. Zudem kündigte die Sowjetunion am 5. April den sowjetisch-japanischen Neutralitätsvertrag.

Obwohl das Kaiserreich noch immer fast vier Millionen Mann unter Waffen hatte, waren weit über die Hälfte im Wesentlichen in China und der Mandschurei gefangen. Es war ihnen dank der US-Marine, insbesondere deren U-Booten, unmöglich für die Verteidigung der japanischen Heimatinseln verfügbar zu sein. Bis März 1945 hatte der Generalstab einen Entwurf für die Verteidigungsoperationen (kodiert als Ketsu-gō und basierend auf den alten Plänen der Operation Shō-gō) fertiggestellt. Alle Armeen des Heimatgebiets wurden angewiesen, ihre Stabschefs und Schlüsseloffiziere zu entsenden, um den Entwurf informell in Tokio zu prüfen.

Regierungskrise Die anhaltenden Niederlagen auf dem Schlachtfeld, verbunden mit diplomatischen Rückschlägen, zwangen den amtierenden Premierminister Japans Koiso Kuniaki im April 1945 zum Rücktritt. Die Mitglieder der Friedensfraktion mussten nun als Ersatz jemanden auswählen, der sich ebenso für den Frieden einsetzte wie Koiso, aber auch für die Militärs akzeptabel war. So wurde Admiral Suzuki Kantarō die klare Wahl und sein Kabinett, bestehend aus General Anami Korechika als Heeresminister, Admiral Yonai Mitsumasa als Marineminister und Tōgō Shigenori als Außenminister, würde vom 7. April 1945 bis zur endgültigen Kapitulation regieren.

Premierminister Suzuki war nach seiner Übernahme überzeugt davon, dass Kaiser Hirohito ein Ende der Kämpfe erreichen wollte, aber Suzuki befürwortete weiterhin fortgesetzte Feindseligkeiten, bis der Moment für eine Verhandlungslösung reif war. Diese Entscheidung, so glaubte er, würde auch dazu beitragen sein Kabinett intakt zu halten. Selbst als US-Streitkräfte Okinawa angriffen und B-29 weiterhin Japans Städte bombardierten, hatte sich die strategische Führung in zwei entgegengesetzte Fraktionen gespalten; die Friedens- und die Kriegsfraktion. Die wichtigsten Faktoren, die eine Konfliktbeendigung verhinderten waren das Beharren auf der Bewahrung des Kaisers, der Wunsch, das Gesicht zu wahren und die Angst vor einem Putsch.

Ein wichtiger Verfechter der Friedensfraktion war Lordsiegelbewahrer Kido Kōichi. Er unternahm einen letzten Versuch, direkt an Kaiser Hirohito zu appellieren. Mit seinem „Entwurf von Gegenmaßnahmen zur Bewältigung der Situation“ strebte er einen „ehrenhaften Frieden“ an und warnte zugleich vor der Unvermeidlichkeit massenhafter ziviler Opfer durch alliierte Bombenangriffe und eine zunehmende Hungersnot im folgenden Winter. Der Kaiser war zu diesem Zeitpunkt Kidos Plan nicht abgeneigt, diplomatische Bemühungen einer Entscheidungsschlacht vorzuziehen. Die Oppositionsfraktion, bestehend aus Heeresminister Anami Korechika und den Chefs der Armee und Marine, glaubte jedoch, dass Japan günstigere Bedingungen erreichen könne, wenn ihre Militärdienste das Festland gegen eine Invasion verteidigen und den US-Streitkräften schwere Verluste zufügen würden.

Die Potsdamer Erklärung Die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz und deren Veröffentlichung in der Potsdamer Erklärung am 26. Juli hatte eine starke Auswirkung auf die beiden politischen Fraktionen in Japan. Die Friedensfraktion befürchteten, dass eine Ablehnung der Bedingungen sehr schwerwiegende Folgen haben würde, während die Kriegsfraktion dies als Annahme einer bedingungslosen Kapitulation auslegten, was sie rigoros ablehnten. Diese gespaltene Haltung führte dazu, dass der Status quo in Bezug auf die anhaltenden Feindseligkeiten beibehalten wurde. Zugleich wurde an der falschen Hoffnung festgehalten, entweder einen Durchbruch in der Vermittlung durch die Sowjetunion zu erreichen, oder einen militärischen Erfolg zu erringen, der die Vereinigten Staaten zu Verhandlungen zwingen würde. Daher kam es zu einer offiziellen Ablehnung der Potsdamer Erklärung durch die japanische Regierung und die Vorbereitungen gegen eine alliierte Invasion wurden unbeirrt fortgesetzt.

Vorbereitungen auf eine Invasion der Hauptinseln mini|Kyūshū Die vorgesehene alliierte Invasionstruppe für die Operation Olympic war massiv und so auch die japanischen Vorbereitungen, um ihr entgegenzuwirken. Der japanische Geheimdienst schätzte richtig ein, dass das Hauptziel für die ersten US-Landungen im Süden von Kyūshū liegen würde. Süd-Kyūshū war gerade innerhalb der maximalen Reichweite von US-Jägern, die von Okinawa flogen; ein Grund, warum die Japaner Süd-Kyūshū als das ursprüngliche Ziel einschätzten. Die Einschätzung war auch korrekt, dass die USA nicht versuchen würden, die gesamte Insel einzunehmen, sondern irgendwann eine Defensivhaltung einnehmen würden, um die neuen Flugplätze zu verteidigen, in Vorbereitung auf die nächsten geplanten großen Landungen, von denen die Japaner auch zu Recht glaubten, dass diese in der Nähe von Tokio sein würden. Obwohl die Japaner zunächst dachten, dass die Landungen bereits im Juli erfolgen könnten, änderten sie ihre Schätzung aufgrund der Zeit, die die USA brauchten, um Okinawa zu erobern, und des üblichen Endes der Taifunsaison (Oktober). Die Japaner sagten genau voraus, dass die Landungen Ende Oktober oder Anfang November stattfinden würden.

Die Planung von Ketsu-gō Im April leitete das Imperiale Große Hauptquartier (IGHQ) Änderungen an seinem Heimatkommandosystem ein, obwohl die Armee aufgrund des Widerstands der Marine nie in der Lage war, ein einheitliches Kommando über alle Bodenoperationen zu erreichen, selbst während der Operationsvorbereitungen von Ketsu-gō. Es wurden zwei Hauptarmeen zur Verteidigung der japanischen Hauptinseln aufgestellt.

Die Strategie für die Operation Ketsu-gō wurde in einer Anweisung der Kaiserlich Japanischen Armee vom 8. April 1945 beschrieben. Die operativen Vorbereitungen für Ketsu-gō erfolgten in drei Phasen.

Phase I Verteidigungsvorbereitungen und die Truppenorganisation – im Juli 1945 abgeschlossen.

Phase II Beginn der Ausbildung der Truppeneinheiten sowie Ausbau und Verbesserung der Verteidigungsanlagen – Start im August und Abschluss im September 1945 – nicht abgeschlossen (Kriegsende).

Phase III Ende der Truppenausbildung und -einsatz sowie Aufbau aller Verteidigungsstellungen – Abschluss im Oktober 1945 – nicht abgeschlossen (Kriegsende).

Somit hätte die für den 1. November geplante Olympic-Landung auf der Insel Kyūshū, wenn sie durchgeführt würde, gerade begonnen, als die japanischen Verteidigungspläne abgeschlossen waren.

Aufstellung der japanischen Streitkräfte Da für die Japaner feststand, dass Tokio eindeutig das Hauptziel der Alliierten sein würde, musste die Hauptstadt geschützt werden. Dazu wies der Generalstab Feldmarschall Sugiyama Hajimes 1. Hauptarmee an, sich dafür bereitzuhalten. Die Verteidigung der restlichen Heimatinseln lag bei der 2. Hauptarmee unter Feldmarschall Hata Shunroku. + 1. Hauptarmee unter Feldmarschall Sugiyama Hajime (Hauptquartier in Tokio)BefehlshaberArmeeTruppenstärkeVerteidigungsbereichGeneralleutnant Okada Tasuke13. Regionalarmee Hauptquartier in Nagoya6 InfanteriedivisionenGroßraum TokioGeneralleutnant Fujie KeisukeAb 9. März General Tanaka Shizuichi12. Regionalarmee Hauptquartier in Tokio18 Infanteriedivisionen 2 PanzerdivisionenGeneralleutnant Teiichi Yoshimoto11. Regionalarmee Hauptquartier in Sendai6 InfanteriedivisionenGeneralleutnant Uemura Toshimichi36. Armee6 Infanteriedivisionen 2 PanzerdivisionenReserve für Großraum TokioGeneral Kawabe MasakazuLufthauptarmee +2. Hauptarmee unter Feldmarschall Hata Shunroku (Hauptquartier in Hiroshima)BefehlshaberArmeeTruppenstärkeVerteidigungsbereichGeneral Higuchi Kiichirō5. Regionalarmee Hauptquartier in Sapporo5 InfanteriedivisionenHokkaidoGeneral Kawabe MasakazuAb 7. April Generalleutnant Uchiyama Eitaro15. Regionalarmee Hauptquartier in Osaka8 InfanteriedivisionenHonshū, ShikokuGeneralleutnant Yokoyama Isamu16. Regionalarmee Hauptquartier in Fukuoka14 Infanteriedivisionen 2 PanzerdivisionenKyūshū Der spezifische Plan für die Verteidigung von Kyūshū war Ketsu-gō Nr. 6. Für mögliche Landungen an anderen Orten gab es andere Ketsugo-Pläne, aber Nr. 6 erhielt die höchste Priorität. Zum Zeitpunkt der japanischen Kapitulation hatte die dafür vorgesehene 16. Regionalarmee eine Stärke von über 900.000 Mann erreicht. Dies übertraf die 582.500 Mann in den 13 US-Angriffsdivisionen, die für die Landung auf Kyūshū vorgesehen waren. Die Gesamtstärke der US-Streitkräfte auf Kyūshū sollte später 766.700 übersteigen. mini|213x213px|Feldmarschall Hata Shunroku, Oberbefehlshaber der 2. Hauptarmee Der Grundplan für die gesamte Operation sah vor, dass die Marine die Küste durch Angriffe auf die Invasionsflotten mit ihren kombinierten Überwasser-, U-Boot- und Luftstreitkräften verteidigen sollte. Dabei sollte die Lufthauptarmee im Wesentlichen die US-Transportschiffe lokalisieren und noch vor dem Erreichen der Küste vernichten. Die Zahl der Bomber, die zum Angriff auf alliierte Landungseinheiten hätten eingesetzt werden sollen, betrug etwa 800, von denen die meisten Spezialangriffstypen (Kamikaze) waren. Sturzkampfbomber, Bomber und Jagdflugzeuge wären letztendlich in Bruchlandungsflugzeuge verwandelt worden. Sie wären für Sturzbomben (Sprengbomben) aus der Luft (aus einer Höhe zwischen 1.000 bis 2.000 Meter kommend) verwendet worden, während die Bombenabwurfhöhe niedriger als 200 Meter gewesen wäre.

Sollte der Invasionstruppe eine Landung gelingen, würde die zuständige Gebietsarmee das Kommando über alle Boden- und Seestreitkräfte in ihrem Gebiet übernehmen und zur Unterstützung der Bodenoperationen die operative Führung der Luftstreitkräfte ausüben.

Die Verteidigungsstellungen In der Endphase des Krieges hatten die Japaner beträchtliche Erfahrungen mit der Art und Weise gesammelt, wie die US-Streitkräfte amphibische Angriffe im Pazifik durchführten.Die „Drei Grundprinzipien zur Bekämpfung der Amerikaner“ waren als Ergebnis der Erfahrungen aus den Kampagnen des Südpazifik-Theaters entwickelt worden.

1. Erfassung der Reichweite des US-Marinebeschusses

2. Errichtung höhlenartiger Stellungen zum Schutz gegen Luft- und Seebeschuss

3. Auswahl unzugänglicher Höhenlagen als Schutz gegen flammenwerfende Panzer Ende 1944 schickten die Japaner zusätzlich ein Team von Offizieren nach Deutschland um sich über deren Verteidigungsstellungen in der Normandie zu informieren und wie die Alliierten diese angegriffen hatten, um ihre Brückenköpfe in der Operation Overlord zu etablieren und dann in Nordwesteuropa vorzurücken. Ausgehend von diesen Quellen planten die Japaner ihre Küstenverteidigung von Kyūshū in drei Zonen.

Zone 1 Stellungen an den Stränden für Strandkämpfe und zum Beschuss von Landungsbooten.