mini|hochkant=1.2|Kontrabassklarinette von Fritz Wurlitzer
Die Kontrabassklarinette ist das größte Mitglied der Klarinettenfamilie, sieht man einmal von den extrem seltenen Subkontra-Instrumenten ab. Kontrabassklarinetten sind in der Regel in B gestimmt und gehören damit zu den transponierenden Instrumenten.
Die Kontrabassklarinette klingt zwei Oktaven tiefer als die normale Klarinette (Sopranklarinette) in B und eine Oktave tiefer als die Bassklarinette in B. Einige Kontrabassklarinettenmodelle haben einen Tonumfang, der nach unten bis zum (geschriebenen) tiefen Es (klingend Kontra-Cis bzw. Cis 1) reicht, während andere bis zum tiefen D (Kontra-C bzw. C 1) oder weiter zum tiefen C (klingend Subkontra-B bzw. B 0) spielen können. Einige frühe Instrumente waren in C gestimmt. In Arnold Schönbergs Fünf Orchesterstücke ist eine Kontrabassklarinette in A angegeben,Arnold Schönberg, Fünf Orchesterstücke (Courier Dover, 1999) aber es gibt keine Beweise dafür, dass ein solches Instrument jemals existiert hat.
Subkontrabassklarinetten (auch Oktokontrabassklarinetten genannt) in B, die noch eine Oktave tiefer als die Kontrabassklarinette liegen, wurden bis Anfang 2025 nur versuchsweise gebaut. Im April 2025 stellte die Firma Foag Klarinettenbau eine komplette Neuentwicklung vor. Das Instrument ist kein Prototyp und wird jeweils im Kundenauftrag hergestellt, Näheres siehe unten.Vorstellung der Oktokontrabassklarinette
Geschichte
Kontrabassklarinette Die früheste bekannte Kontrabassklarinette war die contre-basse guerrière, die 1808 von einem Goldschmied namens Dumas aus Sommières erfunden wurde. Ihre Verwendung in Militärkapellen in Frankreich wurde 1811 in der Académie des Beaux-arts aus ästhetischen Gründen diskutiert, als Reaktion auf die Einführung des Kontrabasses an der Opéra 1732 durch Montéclair und der Posaune 1773 durch François-Joseph Gossec.Jean-Michel Leniaud: Procès-verbaux de l’Académie des Beaux-arts. Hrsg.: Agnès Goudail, Catherine Giraudon. Band 1: 1811–1815. Paris 2001, S. 29 (Présentation de la basse et contrebasse guerrière par J. Dumas); books.google.fr Es kam allerdings nicht zu einem entsprechenden Einsatz.
1829 stellte Johann Heinrich Gottlieb Streitwolf, ein Instrumentenbauer in Göttingen, ein in F gestimmtes Instrument in der Form und Griffweise eines Bassetthorns vor, das man als Kontrabassetthorn bezeichnen könnte, da es eine Oktave tiefer spielte.
1833 wurde Henri Brod, ein französischer Geigenbauer, der für seine Verbesserungen der Oboe, des Englischhorns und der Baritonoboe bekannt war, von François-Joseph Fétis als Hersteller einer Kontrabassklarinette identifiziert.François-Joseph Fétis: Instruments nouveaux. La clarinette basse. 18. Mai 1833, S. 122 f.; books.google.fr
In dem Bestreben, einen Kontrabass für die Rohrblattinstrumente zu erhalten, entwickelten Wilhelm Wieprecht, der Generaldirektor aller preußischen Militärkapellen, und E. Skorra, der Berliner Hofinstrumentenfabrikant, 1839 eine Kontrabassklarinette, die sie Batyphon nannten. Es wurde in einer doppelt so großen Mensur wie die Klarinette in C gebaut, wobei die Unterteilungen der chromatische Tonleiter nach akustischen Prinzipien angeordnet wurden. Um die Löcher, die zu weit auseinander lagen, um von den Fingern abgedeckt werden zu können, bequem zu schließen, wurden Kurbel- oder Drehklappen verwendet. Das Instrument war aus Ahornholz gebaut, hatte ein Klarinettenmundstück von geeigneter Größe, das durch einen zylindrischen Messingbogen mit dem oberen Teil des Rohres verbunden war, und einen Schallbecher aus Messing. Die Tonhöhe lag zwei Oktaven unter der Klarinette in C, der Tonumfang war derselbe. Der Ton war angenehm und voll, aber nicht kräftig genug für das Kontrabassregister in einer Militärkapelle. In der Praxis erwies sich das Instrument als wenig brauchbar und wurde von der Basstuba abgelöst. Ein Batyphon war Teil der Snoeck-Sammlung, die für die Berliner Sammlung alter Musikinstrumente an der Hochschule für Musik erworben wurde.
Adolphe Sax besaß in seiner Instrumentensammlung eine Kopie des Batyphons. In der Absicht, den Streicherkontrabass des Symphonieorchesters in Blasorchestern zu ersetzen, entwickelte er 1851 sein clarinette-bourdon, eine Kontrabassklarinette in Es.Le Musée Instrumental D’un Artiste Inventeur: La Collection Privée D’Adolphe Sax. In: Revue Belge De Musicologie, 2016; Sie wurde zwar patentiert, kam aber nicht auf den Markt.
In den 1885er Jahren stellten Evette und Schaeffer eine Bassklarinette her, die „eine Oktave tiefer als die Bassklarinette klang. Was diese neue Klarinette auszeichnet, ist nicht nur die Rundheit, die Genauigkeit und die Schönheit der Töne (die nicht von unangenehmen Vibrationen oder Geräuschen begleitet werden, wie bei einigen ähnlichen Instrumenten), sondern auch die Leichtigkeit der Oktavierung bzw. Quintuosität und vor allem die Erhaltung der besonderen Klangfarbe der Klarinette, die dieses neue Individuum zu einem Mitglied der Familie macht. Die Bassklarinette von Evette und Schaeffer ist aus Metall mit einer großen Bohrung (etwa 4 Zentimeter) und kostet 650 Franken.“Constant Pierre: Les facteurs d’instruments de musique, les luthiers et la facture instrumentale. 1893; luthiers-mirecourt.com
Im Jahr 1889 begann der Blechblasinstrumentenhersteller Fontaine-Besson mit der Produktion einer neuen Pedal-Klarinette, wie die Kontrabassklarinette gelegentlich auch genannt wird (siehe 3. Instrument auf der Abbildung), und zwar auf Basis des Albert-Systems. Sie besteht aus einem 3 Meter langen Rohr, in dem zylindrische und konische Bohrungen kombiniert sind. Das Rohr ist zweimal auf sich selbst gedoppelt. Auf dem Rohr befinden sich 13 Klappen und 2 Ringe und die Griffweise ist die gleiche wie bei der B-Klarinette, mit Ausnahme der acht höchsten Halbtöne. Der Ton ist reich und voll, mit Ausnahme der tiefsten Töne, die unvermeidlich ein wenig rau sind, aber viel klangvoller als die entsprechenden Töne auf einem Kontrafagott. Das obere Register ähnelt dem Chalumeau-Register der B-Klarinette, es ist schilfartig und süß.Diese Beschreibung der Besson-Pedalklarinette ist eine Zusammenfassung aus Kathleen Schlesinger (1911): Pedal Clarinet. Das Datum von 1889 stammt von Rendall. Das Instrument fand weitgehende Anerkennung. Saint-Saëns bezeichnete es als die „Erfüllung eines Traumes“. Nach einer Vorführung in London wurde dieses nun pedal clarinet genannte Instrument auch von mehreren britischen Militärorchestern übernommen. Vincent d’Indys Oper Fervaal gilt als erste klassische Orchesterwerk, in dem die Kontrabassklarinette Verwendung fand. Kurz darauf wurde sie auch von Antonín Dvořák in seiner Oper Die Teufelskäthe verwendet.
Um 1920 wurde in den Orchestern das Modell Fontaine-Besson durch ein von Buffet-Crampon entwickeltes kompaktes Metallmodell, basierend auf dem System Böhm, abgelöst.Albert Rice: The E-flat Contra Alto Clarinet by Maldura (1881) and the Contra Bass Clarinets by Besson (1890). In: Journal of the American Musical Instrument Society, 2016, XLII, S. 161–196; academia.edu Die Produktion dieses Instruments kam im 2. Weltkrieg zum Erliegen.Clarinette contrebasse Sib métal de Buffet-Crampon & Cie, 1936. clariboles-et-cie.blogspot.com Buffet-Crampon hat seitdem keine Kontrabassklarinette mehr im Programm (wohl aber eine Kontraaltklarinette).
Von 1950 bis 1983 produzierte der Hersteller Georges Leblanc Paris mehrere Varianten eines vom Akustiker Charles Houvenaghel schon in den 1930er Jahren entworfenen Metallmodells der Kontrabassklarinette (Modell 340 versilbert oder vernickelt)Clarinette contrebasse métal en si bémol. basenationale.philharmoniedeparis.frClarinette contrebasse Leblanc. valentin-saxophone.com, 2021. in B-Posaunenform (genannt Büroklammer bzw. Paperclip, siehe das 2. Instrument auf der Abbildung), die bis tief C reichteLucien Cailliet: The Leblanc contrabass and contra-alto clarinets. (PDF; 0,7 MB) valentin-saxophone.com und zwei automatische Registerklappen hatte, für das modernste Modell sogar eine dritte manuelle, die das hohe Register auf fünfeinhalb Oktaven erweiterte. Die Posaunenform erinnert an das Kontrafagott und macht das Instrument leichter transportierbar als das traditionelle gerade, nicht zerlegte Modell, das dadurch seine Verbreitung behinderte. Dieses Instrument war nach dem Zweiten Weltkrieg in den Vereinigten Staaten an Universitäten und High Schools weit verbreitet und wird auch heute noch von professionellen Musikern verwendet.Zu diesem Absatz insgesamt: Die Kontrabassklarinette. sonic.de
Auch andere Klarinettenhersteller haben Kontrabassklarinetten entwickelt, zumeist gestreckte Modelle.Présentation de 3 modèles de clarinettes contrebasse (Leblanc modèle 340 au ré grave, Orsi au mi grave, Selmer modèle 28 à l’Ut grave). youtube.com
Dazu gehören:
Henri Selmer Paris: Modell 9 (1960?) und Modell 28 in Rio-Palisander bis tief C, 18 Klappen, 7 Platten, Bohrungsdurchmesser: 33,9 mm Georges Leblanc Paris: Modell 342 (von 1964 bis 1983) aus Metall, bis tief Es reichend Der italienische Hersteller Orsi stellte in den 1960er Jahren eine B-Kontrabassklarinette aus Metall her, bis tief D reichend. Leblanc USA: Modell L7182 in Reso-Tone Material, bis tief Es, Bohrungsdurchmesser: 1,182″ (30,02 mm), entworfen von Charles Houvenaghel Ripamonti, italienischer Hersteller: Modell 323 aus Palisanderholz, bis tief C Modell 123-1m aus Metall im Büroklammer-Stil, hergestellt von der chinesischen Firma Jinbao Fritz Wurlitzer, Kontrabassklarinette deutsches System (Prototyp), um 1975 Der Münchner Klarinettenbauer Benedikt Eppelsheim entwickelte 2006 ein Kontrabassklarinettenmodell in Form des Baritonsaxophons (siehe das 1. Instrument auf der Abbildung) mit einer dreifachen automatischen Registerklappe mit zwei Bohrungsvarianten: 32 mm (lockerer Klang) und 36 mm (vollerer Klang). Es hat die 4 Trillertasten auf der rechten Hand. Seine Gesamthöhe ist relativ gering (1,19 m) im Vergleich zu den geraden Modellen.
Subkontrabassklarinette
mini|250px|links|Octokontrabassklarinette Foag 2025 in 3 Ansichten Die Subkontrabassklarinette (auch Okto-Kontra-Bassklarinette genannt) ist die größte, längste und am tiefsten spielende Klarinette. Sie ist eine Oktave unter der Kontrabassklarinette gestimmt, also drei Oktaven tiefer als die Standard-B-Sopranklarinette.
Sub-Kontra-Instrumente, also Kontrabassklarinetten und Kontraaltklarinetten, wurden von der G. Leblanc Corporation gebaut. Von jedem Instrument existiert nur ein Exemplar in einem Museum in La Couture-Boussey, Frankreich, wo Leblanc gegründet wurde.
Mindestens drei Musikstücke wurden vom norwegischen Komponisten Terje Lerstad speziell für die Subkontrabassklarinette geschrieben (Trisonata, Op. 28; De Profundis, Op. 139; und Mirrors in Ebony für Klarinettenchor, Op. 144). Es sind keine Aufnahmen der Stücke bekannt.Octocontrabass & Octocontralto Clarinets
Im April 2025 stellte Foag Klarinettenbau nach fünfjähriger Entwicklungsdauer eine neue Oktokontrabassklarinette vor, wie die Leblanc im Böhm-System, aber zwei Halbtöne tiefer gehend als bei Leblanc, notiert bis tief C statt D, klingend Subsubkontra B (Bb-1 in der amerikanischen Notation). Sie hat einen Tonumfang von fast fünf Oktaven und ist, abgesehen von sehr langen Alphörnern, das größte und teuerste Blasinstrument.
Entwicklung
mini|140px|Contrabass Clarinet Extended