mini|Siegel von Bischof Jocelin Jocelin (auch Jocelyn; † 17. März 1199 in Melrose Abbey) war ein schottischer Ordensgeistlicher. Er war Abt von Melrose Abbey, ehe er 1174 Bischof von Glasgow wurde.
Herkunft und Aufstieg zum Abt von Melrose Abbey Jocelin entstammte einer Familie, die Patronatsrechte an der Kirche von Dunsyre in Lanarkshire und dort wahrscheinlich auch Landbesitz besaß. Er hatte mit Elias mindestens einen Bruder. Am 29. März 1157 trat Jocelin während der Amtszeit von Abt Waldef als Mönch in das Zisterzienserkloster Melrose ein. Während der Amtszeit von Waldefs Nachfolger Abt William wurde er zum Prior gewählt. Als Abt William, der sich offenbar über die wachsende Verehrung des verstorbenen Waldef durch die Bevölkerung ärgerte, am 22. April 1170 auf sein Amt verzichtete, wurde Jocelin am gleichen Tag zum neuen Abt gewählt. Mit der Wahl von Jocelin setzten sich die Verehrer von Waldef unter den Mönchen durch. Am 22. Mai 1171 wurde das Grab von Waldef geöffnet, um weitere Anzeichen seiner Heiligkeit zu suchen. Auf Anregung von Jocelin erhielt das Grab eine neue, marmorne Grabplatte, die möglicherweise nach dem Vorbild der Grabplatte von Thomas Becket gefertigt wurde.
Bischof von Glasgow
Wahl zum Bischof Während eines Waffenstillstands im Krieg zwischen dem schottischen König Wilhelm I. und dem englischen König Heinrich II. wurde Jocelin am 23. Mai 1174 durch den Einfluss des schottischen Königs in Perth zum Bischof des Bistums Glasgow gewählt. Trotz der mutmaßlichen Einflussnahme des Königs hatte das Kathedralkapitel von Glasgow wahrscheinlich die Formalitäten der Wahl beachtet.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 269 (The Edinburgh History of Scotland, Band I.). Noch als Abt von Melrose reiste Jocelin zum Kloster Clairvaux in Frankreich, um vom Generalkapitel des Zisterzienserordens die Erlaubnis für die Annahme der Wahl zum Bischof zu erhalten. In Clairvaux nahm er im Oktober 1174 an der Weihe der Kirche sowie an der Umbettung der Leichname von Bernhard von Clairvaux und des irischen Bischofs Malachias in die neue Kirche teil.
Konflikt mit dem Erzbischof von York um die geistliche Oberhoheit Angesichts des Kriegs mit England hatte der schottische König vor der Wahl von Jocelin die Einkünfte der vakanten Diözese Glasgow beschlagnahmt.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom . Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 270 (The Edinburgh History of Scotland, Band I.). Dann war er aber in englische Gefangenschaft geraten. In dem im Dezember 1174 geschlossenen Vertrag von Falaise musste der König die Oberhoheit des englischen Königs Heinrich II. und dazu die Oberhoheit der englischen über die schottische Kirche akzeptieren. Nachdem Jocelin von seinem Orden die Erlaubnis hatte, das Amt des Bischofs anzunehmen, blieb er zunächst in Clairvaux. Papst Alexander III. hatte die Wahl von Jocelin bestätigt und beauftragte Erzbischof Eskil von Lund, ihn zum Bischof zu weihen.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 261 (The Edinburgh History of Scotland, Band I.). Die Weihe fand vermutlich im Januar 1175 in Clairvaux statt. Der Papst stellte Jocelin vermutlich am 30. April 1175 mit der Bulle Super anxietatibus eine Bestätigung der Rechte und der Besitzungen des Bistums Glasgow aus. Dabei wurde das Bistum als besondere, unmittelbare Tochter der Römischen Kirche bezeichnet, womit es direkt den Päpsten und nicht mehr der englischen Kirche unterstellt war. Am 10. August 1175 gehörte Jocelin zu den schottischen Bischöfen und Magnaten, die dem englischen König Heinrich II. in York die Treue schworen. Als Heinrich II. und Erzbischof Roger von York aber am 25. Januar 1176 versuchten, auf einem Konzil in Northampton ein Gehorsamsgelübde der schottischen Prälaten gegenüber der englischen Kirche zu erzwingen, gab es Widerstand. Der Erzbischof von York begründete seinen Anspruch als Metropolit, weil die Vorgänger der schottischen Bischöfe seinen Vorgängern als Erzbischof untertan gewesen wären. Daraufhin berief sich Jocelin auf das Schreiben des Papstes, das ihn von den Ansprüchen des Erzbischofs von York als Metropoliten befreite. Als sich nun Erzbischof Richard von Canterbury in die Debatte einschaltete und ebenfalls die geistliche Oberhoheit über Schottland beanspruchte, konnte der schottische König erreichen, dass die schottischen Bischöfe das Konzil verlassen durften, ohne dass es zu einem Ergebnis gekommen war.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 263 (The Edinburgh History of Scotland, Band I.).
Erweiterung der Kathedrale Der schottische König belohnte Jocelin, in dem er Glasgow zum Burgh erhob und der neuen Stadt das Recht verlieh, einen Wochenmarkt abzuhalten. In der Folge kümmerte sich Jocelin weiter intensiv um die Entwicklung der Stadt. Die Kathedrale von Glasgow wurde um 1180 durch einen Brand zerstört. Jocelin ließ sie nicht nur wiederaufbauen, sondern den bei seinem Amtsantritt als winzig beschriebenen Bau erweitern. Nach einer zwischen 1189 und 1195 ausgestellten Urkunde war es Jocelin gelungen, in Glasgow eine Bruderschaft zu gründen, die sich dem Wiederaufbau der Kathedrale widmete. Diese war die einzige in Schottland bekannte Bruderschaft, die zu so einem Zweck gegründet worden war. Vermutlich um weitere Verehrung und Schenkungen für die Kathedrale zu erhalten, ließ Jocelin den noch unvollendeten Bau am 6. Juli 1197 weihen. Dabei wurde wohl auch ein Altar geweiht, der Reliquien des heiligen Kentigern enthalten sollte. Allerdings sind von Jocelins Kathedrale nur geringe Reste erhalten, da der Bau im 13. Jahrhundert unter Bischof William of Bondington weitgehend durch einen Neubau ersetzt wurde.Archibald A. M. Duncan: Scotland. The Making of the Kingdom. Oliver & Boyd, Edinburgh 1975, ISBN 0-05-002037-4, S. 283 (The Edinburgh History of Scotland, Band I.). Durch Ausgrabungen ist aber belegt, dass Jocelins Kirche ein kurzes Langhaus besaß, für dessen Bau großteils Material eines früheren Baus wieder verwendet wurde.Stephen T. Driscoll: Excavations at Glasgow Cathedral. A Preliminary Report on the Archaeological Discoveries made in 1992–93. In: Glasgow Archaeological Journal, 1991–1992, Band 17, S. 67; Vermutlich noch 1197 gewährte der König Glasgow das Recht, jährlich ab dem 6. Juli, dem Tag der Weihe der Kathedrale, einen einwöchigen Jahrmarkt abzuhalten.
Papst Urban III. drängte Jocelin, in seinem Bistum weitere neue Kirchen zu bauen, da viele Einwohner zu weit von einer Kirche entfernt wohnten und deshalb kaum an Gottesdiensten teilnehmen konnten. Von Jocelin ist aber nur die Weihe einer weiteren Kirche bekannt, nämlich die der St Andrew’s Church in Peebles. Hinzu kommt, dass diese Kirche sich in einem Ort befindet, in dem es bereits zuvor eine Kirche gab.Norman F. Shead: The administration of the diocese of Glasgow in the twelfth and thirteenth centuries. In: The Scottish Historical Review, Band 55 (1976), S. 128. mini|Die Kathedrale von Glasgow, deren Vorgängerbau im 12. Jahrhundert unter Jocelyn erbaut worden war
Förderung der Verehrung von Kentigern Vermutlich nach 1180 beauftragte Jocelin den Mönch Jocelin of Furness, eine neue Lebensgeschichte des heiligen Kentigern zu verfassen. Offenbar konnte Jocelin of Furness nur auf wenige ältere Quellen zurückgreifen, so dass seine vermutlich bis etwa 1185 verfasste Schrift Widersprüche über die angeblich von Kentigern vollbrachten Wunder enthält.Norman F. Shead: Origins of the medieval diocese of Glasgow. In: The Scottish Historical Review, Band 48 (1969), S. 221. Möglicherweise deshalb förderte Bischof Jocelin in den nächsten Jahren weniger die Verehrung von Kentigern, sondern die des heiliggesprochenen Thomas Becket. Er war vermutlich daran beteiligt, dass Kapellen in Dumfries und Maxwell Becket geweiht wurden. Eine weitere Kapelle in Glasgow wurde vermutlich von Jocelin gestiftet. Bereits 1178 hatte Jocelin die Weihe der vom König gestifteten, Thomas Becket gewidmeten Abteikirche von Arbroath durchgeführt, da zu der Zeit das Bistum St Andrews vakant gewesen war. Zu den Reliquien der Kathedrale von Glasgow gehörten je ein Kamm und ein Hemd sowohl von Kentigern wie von Thomas Becket, die vermutlich von Jocelin erworben worden waren. Dagegen vernachlässigte Jocelin die weitere Verehrung von Abt Waldef. Dies kritisierte Jocelin of Furness in der Lebensgeschichte von Waldef, die er nach dem Tod des Bischofs verfasste.
Aus der Amtszeit von Jocelin als Bischof sind 28 Urkunden erhalten, von denen viele sich mit Schenkungen an die Kirche befassten. Andere Urkunden zeigen, dass Jocelin als Richter in innerkirchlichen Konflikten diente. Er selbst machte kaum Schenkungen. Nur dem Zisterzienserorden wollte er Steinbrüche bei Glasgow überlassen, doch der Orden nahm die Schenkung als weltlichen Besitz nicht an. In einer zwischen 1175 und 1178 ausgestellten Urkunde machte Jocelin den Mitgliedern seines kleinen, siebenköpfigen Kathedralkapitels Zugeständnisse. Er bestand aber darauf, dass sich die Kanoniker in ihren Benefiziaten durch Vikare vertreten ließen. Dazu konnte er eine achte Kanonikerstelle an seiner Kathedrale mit Rechten und Einkünften ausstatten. Wahrscheinlich aufgrund der von Jocelin geförderten Verehrung von Kentigern hatte das Kathedralkapitel steigende Einkünfte, so dass es ab den 1190er Jahren ein eigenes Siegel führen konnte.
Rolle im Streit um die Bischofswahl von St Andrews