mini|Walnuss in Fruchthülle mini|Die Frucht der Gemeinen Hasel:Die Haselnuss mini|Keimpflänzchen der Haselnuss mini|Edelkastanie Nussfrüchte, genannt auch Nüsse, sind Schließfrüchte, bei denen alle drei Schichten der Fruchtwand (d. h. des Perikarps) verholzt sind. Meist wird dabei nur ein einzelner, umgangssprachlich ebenfalls als Nuss bezeichneter Same von der Nussschale umschlossen.
Schalenobst (auch Schalenfrüchte) ist die handelsübliche Bezeichnung für Obst, dessen Fruchtkerne von einer harten, meist holzigen Schale umgeben sind. Es handelt sich um Nüsse und Kerne, die für den menschlichen Verzehr geeignet sind. Ihre Fruchtwand – die Schale bzw. das Perikarp – ist dagegen nicht zum Verzehr geeignet.
Etymologie Das Wort Nuss (aus althochdeutsch nuz) geht auf ein urgermanisches Substantiv zurück, das als *hnuts zu rekonstruieren ist. Dieses wiederum setzt ein indogermanisches Substantiv *knud- fort. Das keltische Wort *knūs, worauf das altirische cnú und das walisische cnau zurückgehen, und das lateinische nux (Wortstamm nuc-), falls aus umgestelltem *knu-k- entstanden, alle mit derselben Bedeutung ‚Nuss‘, setzen wahrscheinlich ebenfalls *knu-d- fort.Wolfgang Griepentrog: Die Wurzelnomina des Germanischen und ihre Vorgeschichte. Institut für Sprachwissenschaft der Universität Innsbruck, Innsbruck 1995, S. 471–473. Verbreitet war bis ins Mittelalter die auf Isidor von Sevilla beruhende Ableitung des Wortes nux von nocendo bzw. noceoOtto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 208 (Nux […] = Juglans regia L.) („ich schade“).
Nüsse im botanischen Sinne Zu den Nüssen im botanischen Sinne gehören u. a.: Buchecker Chilenische Haselnuss Echte Walnuss (Juglans regia), sie galt bis vor kurzem noch als Steinfrucht.Die Hülle beweist: Die Walnuss ist wirklich eine Nuss bei Ruhr-Univ. Bochum, 21. Juli 2006, abgerufen am 6. August 2017. Edelkastanie (Marone) Eichel Erdnuss (Arachis hypogaea): Als Hülsenfrüchtler ist die Frucht der Erdnuss eine Ableitung der Hülsenfrucht; sie bleibt allerdings geschlossen (die Hülsenfrucht ist eine Öffnungsfrucht) und gehört demnach zu den Nüssen. Hanfnuss Haselnuss Macadamianuss (Queenslandnuss) Platanennuss (ungenießbar) Steinnuss (Tagua) Wassernuss
Sonderformen der Nussfrucht Flügelfrucht (Pseudosamara) wie bei den Hainbuchen oder der Virginischen Hopfenbuche (Ostrya virginiana), die Nuss ist hier einseitig oder ganz in ein flügelartiges Tragblatt (Vorblatt, Deckblatt) eingehüllt. Tryma mit einer umgebenden, aufspringenden Fruchthülle wie bei der Hickory (Carya spp.), auch Arten der Walnussgewächse (Juglandaceae) können dazu gerechnet werden.
Nussähnlich sind: Achäne der Korbblütler, z. B. die Früchte der Sonnenblume und des Löwenzahns, aber auch die Rosengewächse Erdbeere und die Hagebutte gehören dazu. Sie werden nicht ganz korrekt mit Sammelnussfrucht bezeichnet, denn es ist eigentlich eine Sammelachänenfrucht (Achaenecetum). Karyopse; nussähnliche Schließfrüchte der Gräser Flügelnuss (Samara); nussartig mit einem papierartigen Perikarp, das in eine flügelförmige Struktur wächst.
Im botanischen Sinne keine Nüsse
Cashewnuss, ein Same einer Scheinfrucht Erdmandel (Chufanuss), eine Pflanzenknolle Kokosnuss, Steinkern einer Steinfrucht Kolanuss, Samen einer Balgfrucht Mandel, Steinkern einer Steinfrucht Muskatnuss, Samen einer Balgfrucht Paranuss (Brasilnuss, Juvianuss), hartschaliger Same aus einer Kapselfrucht Pekannuss, Steinkern einer Steinfrucht Pilinuss, Steinkern einer Steinfrucht Pistazie, Steinkern einer Steinfrucht Sheanuss, die Früchte sind botanisch gesehen Beeren.
Bei den Steinfrüchten ist nur die innere Fruchtwand verholzt und außen von einer weichen Hülle, dem Fruchtfleisch, umgeben.
Die Pinienkerne (Pinoli) sind die Samen der Pinie (Pinus pinea), die als Nacktsamer gar keine Fruchtknoten ausbildet.
Wirkung von Nüssen auf die Gesundheit Nüsse stabilisieren den Zuckerwert, unterstützen die Gefäße und mindern das Risiko für Magen- und Prostatakrebs sowie für Infarkte. Weitere Studien, in denen geringere Mengen oder andere Nüsse, wie Wal-, Erd- oder Macadamianüsse verzehrt wurden, zeigten vergleichbare Effekte.
Es ist nicht abschließend geklärt, von welchen Inhaltsstoffen neben den ungesättigten Fettsäuren die positiven gesundheitlichen Auswirkungen der Nuss herrühren. Ein Bericht der Bundesforschungsanstalt für Ernährung und Lebensmittel. Wegen des hohen Fettgehalts sollte weiterhin beachtet werden, wie sich der Verzehr von Nüssen auf die Energiebilanz auswirkt. Daneben ist der relativ hohe Gehalt an Blei und Cadmium bei einigen Sorten zu beachten (beispielsweise enthalten Haselnüsse bis zu 5,5 mg Blei/kg).DGE-Ernährungsbericht, S. 155; Deutsche Gesellschaft für Ernährung, 2020.
Bei Kindern unter vier Jahren sollte auf ganze Nüsse verzichtet werden. Diese können wegen ihrer Form und Größe versehentlich in die Luftröhre gelangen und zu Atemnot und sogar zur Erstickung führen. Vor allem Erdnüsse sind für Kinder gefährlich, da die weiche Schale leicht geöffnet werden kann. Besonders in der Adventzeit komme es immer wieder zu Atemnot durch Nüsse und Mandeln.Kinder- und Jugendärzte warnen aktuell zur Weihnachtszeit: Nüsse und Mandeln gefährlich für Kinder unter vier Jahren bei Kinderaerzte-im-Netz.Erstickungsgefahr von Kleinkindern durch Nüsse bei Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), 22. Dezember 2009.
Fettgehalte und Brennwerte Lebensmitteltabelle der DFL: NussfruchtFettgehaltin Brennwertin Brennwertin Cashewnuss 42,2 2377 572Erdnuss (ungeröstet) 48,12337 564Erdnuss (ungesalzen, geröstet) 49,4 2423 585Haselnuss (ohne Samenschale) 61,6 2662 644Kokosnuss 36,5 1498 363Macadamianuss 73,0 2896 703Mandel (ohne Samenschale) 54,1 2411 583Paranuss 66,8 2764 670Pekannuss 72,0 2897 703Pistazie (ohne Samenschale) 51,6 2406 581Walnuss (ohne Samenschale) 62,5 2738 663
Inhaltsstoffe Die aufgeführten Nährstoffe und Vitalstoffe sind abhängig von der Nusssorte. In ihrer Gesamtheit enthalten Nüsse das wasserlösliche Vitamin B1, das im Körper für den Kohlenhydratstoffwechsel verantwortlich ist. Weitere Inhaltsstoffe sind ungesättigte Fettsäuren, hochwertige pflanzliche Proteine, Fette, leicht verwertbare Kohlenhydrate, Ballaststoffe, Natrium, Kalium, Kalzium, Phosphor, Niacin, essentielle Aminosäuren, Fluor, Eisen, Kupfer, Magnesium, diverse B-Vitamine sowie Vitamin A, C, D und E, des Weiteren Zucker, Linolsäure, Linolensäure, Mangan und Folsäure.
Statistik Der Verzehr von Nüssen liegt in Deutschland bei durchschnittlich 5 Kilogramm pro Person und Jahr. Der Verbrauch von Nüssen stieg laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft (BZL) von ca. 343.000 t im Wirtschaftsjahr 2011/12 auf ca. 415.000 t im Jahr 2018/19 an. Zu den beliebtesten Sorten zählen Erdnüsse (1,3 kg/Person), Mandeln (0,8 kg/Person), Haselnüsse (0,7 kg/Person), Cashewkerne (0,5 kg/Person), Walnüsse (0,4 kg/Person) und Pistazien (0,4 kg/Person). Da Deutschland nur geringe Mengen an Hasel- und Walnüssen produziert, betrug der Nettoimport an Schalenfrüchten im Jahr 2018/19 nach vorläufigen Angaben des BZL insgesamt 424.000 t. Hauptverarbeiter ist die Süßwarenindustrie.
Siehe auch Nussmilch
Literatur Reinhard Lieberei, Christoph Reisdorff: Nutzpflanzenkunde. Begründet von Wolfgang Franke, 7. Auflage. Thieme-Verlag, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-13-530407-6. Werner Rauh: Morphologie der Nutzpflanzen. 2. Auflage, Quelle & Meyer, Heidelberg 1950, Quelle & Meyer, 1994, ISBN 978-3-494-01228-5 (Reprint). Horst Bickel, Roman Claus, Roland Frank, Gert Haala, Martin Lüdecke, Günther Wichert, Dirk Zohren: NATURA – Biologie für Gymnasiasten. Klett-Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-12-045200-9.
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Frucht