thumb|Die 23 Regionallose im Deutschlandnetz (Stand 2021) Das Deutschlandnetz ist eine Fördermaßnahme zur Verdichtung des Netzes von Schnellladestationen für Elektrofahrzeuge in Deutschland, die von der Bundesrepublik Deutschland ausgeschrieben und finanziert wird, damit der nächste Schnellladepunkt in wenigen Minuten zu erreichen ist und beim „Wettlauf um die besten Standorte“ auch niedriger priorisierte Regional-Suchräume angemessen versorgt werden. Zusätzlich zum Vorhaben von 2021 für Pkw läuft seit 2024 der Aufbau eines Lkw-Ladenetzes für Deutschland.

Geschichte Der Begriff Deutschlandnetz erscheint erstmals im November 2020 mit der Vorstellung des Flächentools (flaechentool.de), das für die Bedarfsfindung für Standorte eingerichtet wurde. Im Juni 2021 wurde das Schnellladegesetz verabschiedet, das mit Wirkung zum 1. Juli 2021 die Grundlage für die Ausschreibung von Fördermitteln für das Deutschlandnetz ist. Im Gesetz werden noch mindestens 150 kW genannt, die Förderrichtlinien für die 1000 angestrebten Standorte nannten dann allerdings mindestens 200 kW Dauerleistung und mindestens 300 kW Spitzenleistung.

Das Vorhaben wurde im August 2021 von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur der Nationalen Organisation Wasserstoff- und Brennstoffzellentechnologie (NOW GmbH) vorgestellt.

Die vorgesehene Investitionshöhe von Seiten des Bundes betrug 1,9 Milliarden Euro. Der Zuschlag für die 23 Regionallose mit rund 900 Standorten erfolgte im September 2023. Die Autobahnlose folgten im Februar 2024. Der 100. Regionalstandort wurde im Oktober 2025 eröffnet. Im Februar 2026 gab es 200 eröffnete Standorte.

2023 wurde auf EU-Ebene die AFIR ("Alternative Fuels Infrastructure Regulation") beschlossen, die mit Wirkung April 2024 die AFIR-Anforderungen für den Aufbau ein europaweites Lkw-Ladenetz bis 2030 bestimmen. Für Deutschland wurde im Juni 2024 daraus ein Bedarf von 350 Standorten abgeleitet und 2,1 Milliarden Euro im Haushalt reserviert. Der Zuschlag erfolgte im Juni 2026.

Ausschreibungen Regionallose Die erste Ausschreibung umfasste insgesamt 8784 Ladepunkte in 900 festgelegten Gebieten mit einem Radius von ca. 2 km (sog. Suchräume). Dabei wurde Deutschland in 6 Regionen mit jeweils 3 bis 5 Losen aufgeteilt. Jeder Bieter konnte hierbei lediglich den Zuschlag für 1 Los pro Region und insgesamt 3 Lose erhalten. Die Lose innerhalb der Regionen waren räumlich durchmischt angeordnet. Hierdurch sollte der Wettbewerb gefördert und marktbeherrschende Strukturen verhindert werden.

Im September 2023 wurde diese erste Teilausschreibung für ländlichen, suburbanen und urbanen Raum abgeschlossen. Dabei war nicht allein ein günstiger Angebotspreis wichtig, sondern auch mögliche schnelle Inbetriebnahme, weil bereits geeignete Flächen verfügbar waren, zudem Nutzerfreundlichkeit und Design der neuen Standorte. Insgesamt zehn1. Allego GmbH, 2. BayWa Mobility Solutions GmbH, 3. E.ON Drive Infrastructure GmbH, 4. Eviny Elektrifisering AS, 5. Fastned Deutschland GmbH & Co. KG, 6. EWE Go und HOCHTIEF Ladepartner GmbH & Co. KG, 7. Mer Germany GmbH, 8. Pfalzwerke AG, 9. TotalEnergies Marketing Deutschland GmbH, 10. Via Deutschlandnetz (VINCI Concessions Deutschland GmbH) verschiedene Unternehmen wollten 900 Standorte mit rund 8.000 neuen HPC-Ladepunkten für Elektroautos errichten und betreiben. Die mit Stand September 2023 größten BetreiberEnBW mobility+, Aral Pulse, Tesla Supercharger, Ionity nach Anzahl der Schnellladeparks mit einer mind. dreistelligen Anzahl (von insgesamt über 1900) erhielten dabei keinen Zuschlag bzw. nahmen nicht teil oder waren Teil der Beschwerdeführer. Von diesen wiederum erhielten einige Zuschläge.

Der 100. Standort der Regionallose wurde im Oktober 2025 eröffnet. Eigentlich sollte der Aufbau der 900 Standorte bis Ende 2026 abgeschlossen sein.

Autobahnlose Durch eine getrennte zweite Ausschreibung sollten an ca. 200 bundeseigenen unbewirtschafteten Rastplätzen und Parkplätzen weitere Ladeparks als Lückenschluss zu den Lade-Hubs auf den bewirtschafteten Anlagen entstehen. Diese Teilausschreibung für 200 neue Schnellladestandorte an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Bundesautobahnen lief bis Februar 2024.

Alle 15 bis 30 km sollte eine Lademöglichkeit entlang der Autobahnen gewährleistet sein, zur Ergänzung der bereits errichteten oder geplanten Ladeinfrastruktur auf bewirtschafteten Rastanlagen oder auf Autohöfen neben den Autobahnen. Die 200 Standorte waren in sechs bundesweite Lose mit jeweils 32 bis 34 Standorten aufgeteilt, jeder umfasste 4, 6 oder 8 Schnellladepunkte. Insgesamt sollten so rund 1.000 neue HPC-Ladepunkte entstehen. Zuschläge wurden an vier UnternehmenFastned Deutschland GmbH & Co KG, E.ON Drive Infrastructure GmbH, Bietergemeinschaft Autostrom Nord, TotalEnergies MarketingDeutschland GmbH verteilt, die größtenteils bereits am Markt aktiv waren und in der anderen Ausschreibung zum Zuge kamen. Die Bietergemeinschaft Autostrom Nord setzte sich aus mehreren regionalen Akteuren zusammen.„An der Bietergemeinschaft Autostrom Nord sind die Berater von Drees & Sommer SE aus Stuttgart, Enercity aus Hannover sowie der Ladepark- und Tankstellenbetreiber Q1 Energie aus Osnabrück beteiligt. Weitere Mitglieder sind der Baukonzern Pohl-Gruppe, die Kölner Rheinenergie, die Stadtwerke Neumünster sowie Westfalen Weser Energie Ladeservice aus Paderborn.“ - https://www.zfk.de/mobilitaet/e-mobilitaet/1000-schnelllader-fuer-die-autobahnen

Als Teil des Deutschlandnetzes sollten auch diese Lose bis Ende 2026 fertig sein. Der 200. Standort im Deutschlandnetz (Autobahnlose und Regionallose zusammen) wurde im Mai 2026 eröffnet.

Lkw-Ladenetz

Im Sommer 2024 sollte die Ausschreibung eines Ladenetzwerkes für LkW beginnen. Geplant waren 350 Ladeparks entlang der Autobahnen bis 2030. 130 der Standorte befanden sich an unbewirtschafteten Rastanlagen, an denen zu einem Drittel auch das Deutschlandnetz für PkW errichtet wurde. Für die Finanzierung waren 2,1 Milliarden im Haushalt reserviert.

2025 plante man mit dem „Lkw-Ladenetz“ 1800 MCS-Ladepunkte und 2400 CCS-Ladepunkte bis 2030 zu erreichen, wobei als Grundanforderung für die Ladeplätze der Zugang ohne Absatteln für 16,5 m lange Nutzfahrzeuge galt (entspricht der zulässigen Länge für einen Sattelzug in der EU). Die Bewerbungen zeigten 2025, dass ein Drittel der Errichtungskosten privatwirtschaftlich beigetragen wird. Im Dezember 2025 gab die EU-Kommission die deutschen Planungen frei, nun mit Subventionen von 1,6 Milliarden Euro. Für die erste Phase werden nun 1410 Ladeplätzen an 130 unbewirtschafteten Rastanlagen genannt. Die Ausschreibung wurde in 5 gleiche Teile gespalten, mit insgesamt 725 CCS 400 kW und 685 MCS 1000 kW Ladeplätzen.

Die Ausschreibung der 5 Lose wurde durch die Autobahn GmbH des Bundes weiter durchgeführt und im Juni 2026 entschieden. Die vergebenen Aufträge umfassen 124 unbewirtschaftete Rastanlagen. 447 Ladepunkte sollen einen Ladestecker gemäß MCS-Standard (Megawatt Charging System) aufweisen, die restlichen 389 Einheiten werden CCS-Lader sein. Die MCS-Lader werden mit 1000 kW dimensioniert, die CCS-Lader mit 400 kW oder an Übernachtungsplätzen mit 150 kW. Die Tank & Rast Gruppe, die 90 Prozent der bewirtschafteten Rastplätze betreibt, ist im Verbund mit E.ON an Los 5 beteiligt. Die Gruppe meldete, 2027 den ersten Standort zu eröffnen. Die Autobahn GmbH des Bundes bereitet parallel dazu die Ausschreibung von Lkw-Ladeparks an 220 bewirtschaftete Rastplätze vor. Ziel ist weiterhin, bis 2030 insgesamt 350 Standorte mit 4200 Ladepunkten als Lkw-Schnellladenetz bereitzustellen.

Die Anforderungen der EU von 2024 sahen Standorte alle 60 bis 100 Kilometer vor. Für Deutschland waren 32 Standorte bis 2025 gefordert, 104 Standorte bis 2027, und 314 bis 2030. Im Februar 2025 bewilligte die Europäische Union eine Förderung von 111 Millionen für Milence für zwei Projekte – 64 Lkw-Ladeparks mit 256 MCS-Ladepunkten in Österreich, Belgien, Deutschland, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Schweden und Spanien, sowie 7 Ladeparks in Polen mit 28 MCS-Ladepunkten. Dies soll bis 2027 realisiert werden. An Milence sind auch die deutschen Hersteller von Elektro-Lkw, MAN und Daimler, beteiligt. Neben den geförderten Standorten konzentriert sich Milence allerdings zuerst auf einen Korridor Antwerpen–Stockholm, der auch durch Deutschland führt. Insgesamt will Milence 90 Lkw-Ladeparks in Europa bis Ende 2028 in Betrieb haben, bis Ende 2026 sollen es 50 sein, davon 16 in Deutschland.

Preis

Der Preis für das Laden ohne Registrierung (Ad-Hoc) ist nach oben hin begrenzt, wobei der Preiskorridor als „atmend“ definiert ist und somit bei Bedarf seitens des Staates schnell angepasst werden kann, etwa bei steigenden Stromkosten für die Ladesäulenbetreiber.

Da die Anbieter für die Errichtung und den Betrieb im Rahmen der Ausschreibung bezahlt werden, fließen große Teile der Einnahmen aus dem verkauften Strom zurück an den Bund.

Anforderungen an die Standorte

CCS2-Stecker Nenn-Ladeleistung von mindestens 400 kW DC pro Ladepunkt, wobei auch bei Vollauslastung des Standorts mindestens 200 kW je Ladepunkt gewährleistet werden müssen. Unterstützung von 400 V und 800 V Batteriesystemen Diskriminierungsfreier Zugang sowohl im Ad-Hoc-Verfahren als auch bei Zugang über E-Mobility Service Provider (EMSP) Zugang über RFID, App, Plug-&-Charge nach ISO 15118 (ab Verfügbarkeit) und Ad-Hoc ohne Registrierung mit NFC-Kartenleser Nutzerfreundlichkeit durch Dächer, gastronomisches Angebot, sanitäre Anlagen und barrierefreie Nutzung (an großen Standorten) Eichrechtskonforme Ladepunkte

Die HPC-Nennleistung konnte ab 2023 auch ohne flüssiggekühlte Kabel erreicht werden. Die Standorte für das Lkw-Ladenetz folgen dagegen den Anforderungen der AFIR, die teilweise 350 kW je Ladepunkt vorsehen, und weitere Anforderungen für den Zugang haben.

Eröffnete Standorte

Im Dezember 2023 wurde der erste Standort des Deutschlandnetzes in Düren von Fastned eröffnet.

Im September 2025 wurde der erste HoLa-Standort Lipperland-Süd freigegeben, an dem Lkw mit MCS mit bis zu 1200 kW laden können.

Im Februar 2026 wurde der 200. Standort des Deutschlandnetzes (mit 200 kW CCS Ladepunkten) in Betrieb genommen.

Kritik Kritik wurde an den Ausschreibungsformalitäten geübt, die Standorte an unbewirtschafteten Rastanlagen entlang der Autobahnen vorsahen, an denen keinerlei aufwertende Infrastruktur vorhanden war.

Das Bundeskartellamt hielt im Oktober 2021 die Maßnahme der Deutschlandnetz-Ausschreibungen weder für geeignet, erforderlich noch angemessen. Es sei „zweifelhaft, ob hinreichende Gründe dafür gegeben sind, dass der Bund als Auftraggeber durch eine sehr weitgehende Übernahme des Betriebs- und Auslastungsrisikos faktisch selbst im Bereich des Angebots von Ladeinfrastruktur tätig wird“. Zudem würden durch die beabsichtigten Preisvorgaben „regulierungsähnliche Maßstäbe“ gesetzt, die eine Verdrängung privater Angebote mit sich bringen könnten. Ein staatliches Eingreifen sei nicht notwendig, um eine flächendeckende Versorgung zu gewährleisten, befand der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Ein schnellerer Ausbau wäre möglich durch Bereitstellung geeigneter Flächen, der Beschleunigung von Genehmigungen und der Entbürokratisierung der Förderung.