Kriminalprävention dient der Vorbeugung rechtswidriger Taten. Es wird unterschieden zwischen universeller (d. h. primärer bzw. allgemeiner), situativer bzw. selektiver (auch: sekundärer) und indizierter (auch: tertiärer bzw. postinzidenter) Prävention sowie Täter-, Situations- und opferbezogener Prävention.
Die Begriffe primäre, sekundäre und tertiäre Prävention suggerieren eine Stufung und sollten nicht mehr verwendet werden, da die moderne Kriminologie am ehesten die Muster der selektiven bzw. indizierten Prävention als Kriminalprävention versteht.Wiebke Steffen: Gutachten zum 14. Deutschen Präventionstag, Hannover 2009, S. 48: https://www.praeventionstag.de/html/GetDokumentation.cms?XID=365.
Eine besondere Bedeutung haben die von den Bundesländern entwickelten Programme zur Bekämpfung der Delinquenz von Schwellentätern,vgl. zum Beispiel für Niedersachsen: Gemeinsamer Runderlass Niedersächsischer Ministerien Nds.MBl. Nr. 34/2009, S. 751. aber auch die von der Europäischen Union geförderte berufliche Weiterbildung zur Fachkraft für Kriminalprävention.
Präventionsmaßnahmen Zu den Maßnahmen im Besonderen siehe nachstehende Tabelle.
+ Tabelle nach MeierBernd-Dieter Meier: Kriminologie, 4. Auflage München 2010, § 10 Rn. 17. universelle oder soziale bzw. primäre Prävention selektive oder situative bzw. sekundäre Prävention indizierte bzw. tertiäre Prävention Täter-bezogenePrävention Drogenprävention Sport gegen Gewalt – Kampagnen Kontrolle des Betäubungsmittelzugangs Kontrolle des Zugangs zu gewaltverherrlichenden Medien Maßnahmen der polizeilichen Gefahrenabwehr Beratungsstellen wie z. B. Suchtberatung Ehescheidung (siehe Diskussion) Entziehung des Sorgerechts Verhängung und Vollstreckung von Strafe Straffälligenhilfe Therapieangebote Jugendstationen Situations-bezogenePrävention Gezielte Stadtplanung: Sanierung von Slums, Reduktion von Uniformität etc. Kontrolle des Zugangs zu Waffen Kriminalitätsbekämpfung im unbaren Zahlungsverkehr durch Nutzung nichtpolizeilicher Organisationsstrukturen (KUNO) technische Hilfsmittel wie Lenkradschlösser, Wegfahrsperren, Alarmanlagen Videoüberwachung an Brennpunkten wie Bahnhöfe oder Banken private Wachdienste nachbarschaftliche Wachsamkeit (auch als „Nachbarschaftswache“) Beschlagnahmung von Drogen, Diebesgut etc. Entziehung der Konzession Einziehung der Tatwerkzeuge Opfer-bezogenePrävention Selbstverteidigungs- und Selbstbehauptungskurse für Frauen Sexuelle Aufklärung Anleitung zur Selbsthilfe Personenschutz Beschusshemmende Westen Frauen-Nachttaxi Opferschutz Frauenhäuser Notruf für vergewaltigte Frauen Unterbringung in einer Pflegefamilie
Im Rahmen des Strafrechts werden für die Strafe die Generalprävention und Spezialprävention als Rechtfertigungen herangezogen. Dabei wird tertiäre Prävention unter den Aspekten Abschreckung, Besserung und Sicherung betrieben. Ein wirksames Konzept sind hierbei Jugendstationen, wie sie in Gera eingerichtet wurde. Dort arbeiten Polizei, Jugendgerichtshilfe und Staatsanwaltschaft in einem eigenen Gebäude zusammen. Ziel dieser behördenübergreifenden Zusammenarbeit ist eine angemessene Reaktion, die umgehend, erzieherisch und präventiv erfolgt.
Kriminalitätsfurcht
Politik und Medien tragen zu einem zumindest verzerrten Bild vom Ausmaß der Kriminalität in Deutschland bei. Auf die Furcht vor kriminellen Delikten wird verstärkt mit Kriminalitätsprävention reagiert.
Siehe auch Evaluation in der Kriminalprävention Polizeiliche Beratungsstelle Kriminalitätsfurcht
Literatur Benoit Leclerc, Ernesto U. Savona (Hrsg.): Crime Prevention in the 21st Century: Insightful Approaches for Crime Prevention Initiatives. Springer International, Cham 2016, ISBN 978-3-319-27791-2. Beelmann, Andreas & Raabe, Tobias (2007). Dissoziales Verhalten von Kindern und Jugendlichen: Erscheinungsformen, Entwicklung, Prävention und Intervention. Göttingen: Hogrefe. ISBN 3-8017-2041-1. Stein, Stefan (2005): Feldaktive Kriminalprävention – Theorie, Praxis, Evaluation, Projektmanagement. Köln: WiKu-Verlag. ISBN 3-86553-065-6.
Weblinks polizei-beratung.de – Das Vorbeugungsprogramm der Polizei 25 Jahre Gewaltprävention im vereinten Deutschland - Bestandsaufnahme und Perspektiven Linksammlung des BKA zur Kriminalprävention Schweizer Kriminalprävention (SKP PSC) Kriminalprävention in BMI Österreich Deutsches Forum für Kriminalprävention praeventiosntag.de – Deutscher Präventionstag – Kongress für Kriminalprävention Kriminalprävention Videoaufzeichnungen einer Vortragsreihe. Von TIMMS, Tübinger Internet Multimedia Server der Universität Tübingen.
Einzelnachweise
Kategorie:Angewandte Kriminologie Kategorie:Polizeiliches Handeln