Die Geschichte des Metals und die Geschichte der Metal-Szene bilden eine ineinander greifende Einheit kultureller und musikalischer Entwicklungen. Während Darstellungen der musikalischen Entwicklung meist mit dem Ende der 1960er Jahre beginnen, werden Aufbereitungen der kulturellen Entwicklung in den frühen 1980er Jahren begonnen.
Viele der seit den 1980er Jahren neu entstandenen Strömungen brachten musikalische und modische Aspekte anderer Subkulturkreise in die Szene ein oder generierten aus anderen Bezügen neue. Diese Aspekte wurden meist zeitversetzt durch die Szene assimiliert. Häufig wurden mit dem Aufkommen neuer Subströmungen ältere, zuvor in Frage gestellte Strömungen von der Szene akzeptiert. So erfuhr der Glam Metal durch den Erfolg des Grunge Akzeptanz in der Metal-Szene. Andere Strömungen wie der Thrash Metal wurden nach kurzem Widerstand als Szeneaspekt angenommen.
Das entstandene kulturelle Feld der Metal-Szene entwickelte eine Vielzahl an Gemeinschaft erzeugenden Symbolen, Zeichen und Ritualen, die mit den Werten der Szene oder ihrer Subszenen aufgeladen sind und somit den Wertekatalog der Szene repräsentieren. Viele solcher Subströmungen entstanden parallel zueinander und entwickelten sich gelegentlich unabhängig voneinander separat weiter, sodass eine immense Fülle an Stilrichtungen mit eigenen Betitelungen und zum Teil eigenen Fankreisen unter dem Begriff Metal subsumiert wird. Hinzukommend entstanden Musikrichtungen und die sich auf diese berufenden Szeneströmungen häufig zeitversetzt zueinander, weshalb eine geradlinige Kontinuität der Szene-Historie nicht nachzuzeichnen ist.
Inneres Verständnis von Musik und Szene Die Geschichte der Metal-Szene ist geprägt von der stetigen Neuverhandlung und Neubesetzung des Begriffes Metal und des differierenden Verständnisses der entsprechenden Musik. Entlang des Diskurses um die Authentizität neuer Ausprägungen wurde die Zugehörigkeit entsprechender Interpreten und Fans zu einer gemeinsamen Szene anhaltend in Frage gestellt und diskursiv erschlossen. Insbesondere entlang dieser Fragestellung entstanden manche der Strömungen als Abgrenzung zu temporär populären Entwicklungen im Metal. So ist die Black-Metal-Szene im Kontrast zum Death Metal und der mit einem entsprechenden Selbstverständnis einhergehende True Metal im Kontrast zu popkulturellen Derivaten wie dem Glam Metal entstanden.
Musikalische Entwicklungslinien mini|alternativtext=Eine einfache schematische Darstellung: Innerhalb eines Kreises zeigen drei mit Doom Metal, Progressive Metal und Folk Metal beschriftete Pfeile ins Innere eines Kreises. Drei weitere Pfeile, beschriftet als Alternative Metal, Heavy Metal und Extreme Metal weisen nach außen, auf die Ränder des Kreises.|Während Doom Metal, Progressive Metal und Folk Metal nach innen wirken und die Spielweisen des Metals variieren, gestalten Extreme Metal, Alternative Metal und Heavy Metal die Grenzen des Genres. In der Geschichte des Metals bildeten sich drei Felder aus an deren Subströmungen und Ausformungen die Grenzen des Metals verhandelt werden. Die von der Soziologin Deena Weinstein als Lite- und Classic-Metal beschriebene Feld wurde von späteren Autoren als Classic- oder Heavy-Metal zusammengefasst. Dieses Feld des Heavy Metals beschreibt die Ur-Szene und -Musik des Spektrums und daran eng anknüpfende musikalische Erscheinungen. Dieses Feld ist ein konservativ auf das Bewahren des ursprünglichen Genres gerichtete Teil des Metals. Die Genre des Heavy Metal werden als der traditionell musikalische und kulturelle Kern des Metals betrachtet und gelten als stereotype Erscheinungsformen des Metals. So entstand bis in die 1980er-Jahre ein musikalischer und kultureller Grundstock, der seither von Anhängern der Heavy-Metal-Stile gepflegt wurde. Trotz des konservativen Bemühens um diese Traditionslinie, mit Verweis auf die Interpreten des Hard Rock, Heavy Metal und der NWoBHM und dem Einhalten eines daran anschließenden engen klanglichen Korsetts blieben Entwicklungen in diesem Spektrum möglich.
Noch in den 1980er Jahren entstanden zwei Strömungen die unter dem Einfluss des Speed- und Thrash-Metal aus dem Feld des traditionellen Heavy Metal herausdrangen und vom konservativen Publikum mehrheitlich abgelehnt wurden. Einerseits das Spektrum des überwiegend amerikanischen Alternative Metals. Dieser wurde in den 1990er-Jahren besonders populär. Seine jugendkulturelle Breitenwirkung und seine mediale und kommerzielle Verwertbarkeit zeichnete sich musikalisch und kulturell durch eine Öffnung gegenüber etwaigen Einflüssen aus der Popkultur aus. Diverse Crossover-Stile entstanden in diesem Spektrum. Dabei wurde das Verhandeln von „Sinn, Sozialkritik und Message“ im Metal als Aspekt des Alternative Metal prominent wiederbelebt. Dem Gegenüber zeigten sich in der kommerziellen Verwertung des Genres und den anknüpfenden Zuschreibungen zum Alternative Schwierigkeiten der inneren Abgrenzung. Wodurch der Begriff Alternative Metal neben dem musikalischen auch ein ästhetisches und kulturelles Feld beschreibt, in dem Metal neu verhandelt und nutzbar gemacht wurde.
Andererseits das erst in den 2000er-Jahren benannte Feld des Extreme Metal. Der Soziologe Keith Kahn-Harris weist insbesondere auf die Entstehung des Black- und Death-Metal hin. Die unterschiedlichen Spielweisen des Extreme Metal wirken als kulturell und musikalisch transgressive Ereignisse in der Entwicklung des Metals. Sie eint die Radikalisierung einer oder mehrerer musikalischer, ästhetischer oder kultureller Aspekte des Metals. Entsprechend lotet der Extreme Metal neue Möglichkeiten des Ausdrucks im Metal aus. Als wichtiger Katalysator dieser Funktion benennt Kahn-Harris eine internationale Verbreitung in kleinen Nischen und Gruppierungen, die sich in geringer Abhängigkeit von etablierten Organen der Metalszene formierten und entwickelten. Gegenüber dem Alternative- und Heavy-Metal nicht durch Europa und Nordamerika bestimmt und dezentral strukturiert, „konnten auch Bands und Fans aus Ländern, die nicht zum ›Kern‹ des traditionellen angloamerikanischen Musikgeschäfts zählen, zur Entwicklung beitragen.“ Aus diesen Keimzellen konnten neue musikalische und kulturelle Strömungen innerhalb des Metals wachsen, die wiederum zu neuen Miusik- und Szeneströmungen sowie weitere Entwicklungen münden konnten. Gemein sind den Spielweisen des Extreme Metal in ihren Ursprüngen musikalischer Fundamentalismus und Purismus der meist als Abgrenzung zum Mainstream erfolgte. Damit steht der Extreme Metal den Crossover-Neuerungen des Alternative Metal ebenso gegenüber wie dem konservativen Purismus des Heavy Metal.
Ergänzend manifestierten sich mit Doom Metal, Progressive Metal und Folk Metal seit den Anfängen des Metals drei spielerische Ideen die in annähernd allen Bereichen des Metalspektrums aufgegriffen wurden. Der Ursprung der Genres Doom Metal und Progressive Metal liegt im traditionellen Heavy-Metal- und Hard-Rock-Spektrum, der Ursprung des Folk Metal insbesondere im Thrash Metal. Mit langsamen Spiel und den tief gestimmten Gitarren bot der ursprüngliche Doom Metal eine spielerisch adaptierbare Idee die nicht auf das Feld des Heavy Metal beschränkt blieb. Progressive Metal prägte ebenso in allen Feldern des Metals Interpreten und teils eigene Subgenre. Das Feld des Progressive Metal zeichnet sich durch ein komplexes Songwriting und virtuoses Spiel, kunstvolle Verknüpfungen mehrerer Themen, Breaklastigkeit, häufige Tempowechsel, komplexe Perkussion und Rhythmik, unter anderem auch durch Überlagerung verschiedener Rhythmen und Taktarten, instrumententechnische Finesse sowie überlange Stücke. Folk Metal ist hingegen durch die Verwendung von folkloristischen Musikinstrumenten, Melodien und Texten sowie ästhetische und lyrische Bezüge zu Folklore, Sagen und Mythologie gekennzeichnet. Charakteristisch ist die Fusion oft nationaler Folk-Elemente in unterschiedlichen Stilrichtungen des Metals.
Entsprechend der verschiedenen ineinandergreifenden und aufeinander wirkender Strömungen ist die Historie des Metals von Parallelität und Gleichzeitigkeit geprägt. Umfassend und linear ist sie somit nicht abzubilden.
Vorgeschichte
Musikalisch steht Metal in der Traditionslinie des Rock ’n’ Roll, des Rhythm and Blues und der Beatmusik, aus welchen sich Bluesrock und Hard Rock entwickelten. Zu den Vorläufern des Metals rechnen Autoren wie der Pädagoge Christoph Lücker, die Kulturwissenschaftlerin Bianca Roccor, die Soziologin Susanne Sackl-Sharif oder Musikjournalisten und Sachbuchautoren wie Axl Rosenberg und Christopher Krovatin unterschiedliche Interpreten wie Jefferson Airplane, The Rolling Stones, The Beatles, Jimi Hendrix, Steppenwolf, Free, The Kinks, Cream, MC5, Blue Cheer und The Who, deren musikalischer, ästhetischer wie soziokultureller Einfluss sich auf die Entstehung des Metals auswirkte. Eine klare Grenze zwischen dem Proto-Metal und den Vorläufern des Metals wird von Seiten der Genrechronisten zumeist negiert. Der Übergang zum Metal verlief fließend und manche Autoren ordnen vereinzelte Interpreten dem Metal zu, die andere noch unter die Vorläufer fassen. So beschreiben Rosenberg und Krovatin Led Zeppelin als Vorläufer, Roccor hingegen als frühen Interpreten des Proto-Metals.
Rückblickend werden The Who, The Beatles, The Rolling Stones sowie Jimi Hendrix als besonders bedeutsam für die Entwicklung des Metals benannt. Roccor zufolge spielten Vertreter des Blues- und Hard-Rock „lautstark gegen das beharrliche Schweigen der Mehrheit an, rissen sie mit dreckigem Rock und anarchischen Texten aus ihrem Tiefschlaf, um dem Establishment unangenehme Wahrheiten über den Zustand aller Zivilisation ins Gesicht zu brüllen.“ Dabei drangen sie „mit heftig verzerrten Gitarren, wuchtigen Bassläufen, straight gespielten Drums sowie einem aggressiv, emotionalen und in den Refrains geradezu pathetischen Gesang in neue Dimensionen“ der Rockmusik vor. Derweil hebt sie Hendrix als bedeutsamen Vorreiter des Metals hervor. So beschreibt sie sein provokant-individualistisches Auftreten, seine Bühnenpräsenz sowie sein, durch den Einsatz von Effektgeräten und handwerklichem Vermögen geprägtes, Gitarrenspiel als wegweisend für den Metal. Ebenso verweisen Rosenberg und Krovatin auf Hendrix und die gegen den Vietnamkrieg gerichtete Hippiebewegung der 1960er Jahre. In ihrer Genrechronik Hellraisers benennen sie das Einstiegsriff des Hendrix-Stücks Purple Haze als jenes, welches die Nutzung des Teufelsintervalls für die Rockmusik etablierte, „alles Böse des Rock ’n’ Roll entfesselte und es auf die Welt losließ.“ Hinzukommend verweisen beide auf The Beatles und The Rolling Stones. Mit lyrischen Provokationen und einem sexualisierten Auftreten prägten The Rolling Stones einen Archetyp für spätere Hard-Rock und Metal-Bands, derweil The Beatles dem soziokulturellen Hintergrund späterer Metal-Bands entsprachen und den Jugendlichen der britischen und amerikanischen Arbeiterklasse mit der Etablierung der Musiker als Popstars einen optionalen Ausweg aus den sie umgebenden Verhältnissen aufzeigte. Der Musikwissenschaftler Christoph Specht führte indes The Who als eine der bedeutendsten Rockbands ihrer Generation an durch deren Einsatz von Lautstärke und besonders jenem der Verzerrungen der E-Gitarre und des Bass Maßstäbe für den Metal gesetzt wurden. Dabei waren die Musiker von The Who, wie jene der Rolling Stones auch programmatisch für einen antiautoritären Habitus des juvenilen Aufbegehrens, der auch den Metal prägen sollte.
Heavy Metal: Entstehung und Etablierung mini|hochkant|Mit Musikgruppen wie Iron Maiden, hier Sänger Paul Di’Anno und Bassist Steve Harris 1980, entstand eine eigene Symbolsprache, welche den Metal von vorausgegangenen und zeitgleichen Jugendkulturen separierte