mini|Anzeige „Willkommen zurück, Nachtschwärmer*innen“ der Wiener U-Bahn (2021) Diese Liste deutschsprachiger Einrichtungen, die Genderzeichen nutzen oder erlauben enthält eine Auswahl von Behörden, Hochschulverwaltungen, Medien-Redaktionen, Organisationen und Unternehmen im deutschsprachigen Raum, die für ihre interne und externe Kommunikation als Mittel genderinklusiver Schreibung ausdrücklich auch Genderzeichen erlauben oder nutzen (Gendersternchen *, Gender-Doppelpunkt :, Gender-Gap _). Diese Sonder- beziehungsweise Satzzeichen dienen als Platzhalter, um in verkürzten Paarformen (Kurzformen) zwischen männlichen und weiblichen auch nichtbinäre Personen im Schriftbild sichtbar zu machen und symbolisch einzubeziehen: Mitarbeiter*innen; Leser:innen; Autor_innen. Beim Sprechen oder Vorlesen werden Genderzeichen durch eine kurze Gender-Pause (Glottisschlag) verdeutlicht – als ob an der Stelle ein Leerzeichen stände: Mitarbeiter innen.
Fast alle der hier gelisteten rund 200 Einrichtungen – größtenteils Hochschulen – erklären ausdrücklich, dass sie den Gebrauch von generischen Maskulinformen vermeiden wollen (Studenten im Sinne von „Personen, die studieren“). Dazu werden vorrangig geschlechtsneutrale Bezeichnungen empfohlen (Studierende) sowie neutrale Umformulierungen (alle, die … statt jeder, der …). Viele nutzen daneben auch weiterhin zweigeschlechtliche Formen: die vollständige Beidnennung (Studentinnen und Studenten), Abkürzungen (Student/-innen, Student/innen) oder das Binnen-I (StudentInnen). Nur wenige der Leitlinien oder Sprachleitfäden enthalten die verbindliche Vorgabe, in der hausinternen oder nach außen gerichteten Kommunikation Genderzeichen zu verwenden.
Einige namhafte Einrichtungen sprechen sich grundsätzlich für den Gebrauch geschlechtergerechter Sprache aus, aber gegen die Verwendung von Genderzeichen (siehe Ablehnung des Gendersterns oder aller Genderzeichen).
Gebrauch von Genderzeichen Geschichte der Genderzeichen Die Verwendung von Sonderzeichen zur typografischen Symbolisierung von Geschlechtern in der deutschen Schriftsprache begann ab den 1990er-Jahren mit dem Asterisk als „Trans-Sternchen“ (trans* und inter* Personen), um als Platzhalter zu dienen für weitere Geschlechtsidentitäten neben „männlich/weiblich“. 2003 wurde die Schreibweise mit Unterstrich eingeführt, um im Schriftbild einen symbolischen Raum zu schaffen für Personen dritten Geschlechts (Künstler_innen). Ab 2009 wurde der Asterisk als „Gender-Star“ an die Stelle des Unterstrichs gesetzt (Künstler*innen). Ab 2016 verbreiteten sich Gender-Schreibweisen mit Doppelpunkt (Künstler:innen), weil dieses Satzzeichen von Vorleseprogrammen (Screenreadern) nicht ausgesprochen, sondern mit einer kleinen Sprechpause vorgetragen wird. Empfohlen wird für alle Kurzformen mit Genderzeichen, sie mit einer solchen unauffälligen „Gender-Pause“ (Glottisschlag) zu sprechen oder vorzulesen (auch die zweigeschlechtlichen Schreibweisen mit Binnen-I oder einfachem Schrägstrich: KünstlerInnen, Künstler/innen). Schreibweisen mit Genderzeichen werden in entsprechenden Leitlinien und Sprachleitfäden meist als gendersensibel oder genderinklusiv gekennzeichnet, in Abgrenzung zu zweigeschlechtlichen (binären) Schreibweisen. Allgemein bevorzugt werden geschlechts-/genderneutrale Bezeichnungen (Kunstschaffende).
Weitere Genderzeichen Den Gender-Apostroph (als reguläres Auslassungszeichen: Autor’innen) empfehlen nur die Uni Hamburg und die Uni München; die Uni Wien nennt ihn als Möglichkeit gendersensiblen Formulierens (Leser’innen);Universität Wien, Personalwesen und Frauenförderung: Geschlechterinklusive Sprache. In: univie.ac.at. Abgerufen am 9. September 2021. die Stadt Freiburg empfiehlt als weibliche Abkürzung Dr.’in (für Doktorin), neben Dr.in, Dr*in, Dr_in.Stadtverwaltung Freiburg: Gender & Diversity in Wort und Bild: Formen antidiskriminierender Sprachhandlungen. 3., neu überarbeitete Auflage. Juni 2019, S. 41 (PDF: 5,2 MB, 41 Seiten auf freiburg.de).
Der Mediopunkt wird in deutschsprachigen Leitfäden nicht als Genderzeichen behandelt, nur als Element von Leichter Sprache: Le·ser·in·nen. Er wird in der französischen genderinklusiven Schreibung écriture inclusive genutzt, allerdings im Mai 2021 in Frankreich offiziell für Verwaltung und Bildungsbereich verboten.
Der Typograf Wolfgang Beinert zählte im September 2021 zu den „Genderzeichen“ auch das Binnen-I, den einfachen Schrägstrich sowie die Klammern: Leser(innen), vermerkte aber zu jeder dieser drei Schreibweisen: „repräsentiert vermutlich nicht das diverse Geschlecht, ist also für ein Symbol der Triplizität (m/w/d) weniger geeignet.“
Rechtliche Grundlagen für öffentliche Verwaltungen In den drei D-A-CH-Ländern sind staatliche Einrichtungen und Verwaltungen an Gesetze und amtliche Regelungen gebunden, die teils schon ab Mitte der 1980er-Jahre dazu verpflichten, die Gleichstellung der Geschlechter durch ihre sprachliche Gleichbehandlung zum Ausdruck zu bringen (Chronologie). Nach der rechtlichen Anerkennung der dritten Geschlechtsoption „divers“ 2018 in Deutschland und 2019 in Österreich erscheinen zahlreiche überarbeitete Leitfäden und Richtlinien zu gendergerechten Schreibweisen; zunehmend reagieren auch Medien und Firmen auf neue sprachliche Herausforderungen.
Management der Vielfalt im Personalwesen Im Personalwesen entwickelte sich der Umgang mit Personen dritten Geschlechts zu einer der Grundlagen von Diversity Management, oft begleitet von sprachlichen Anpassungen. In Bezug auf die zunehmende Verwendung von Genderzeichen vermerkte Annika Schach, Professorin für Angewandte Public Relations an der Hochschule Hannover, im August 2021: „Geschlechtergerechtigkeit in der Sprache mittels Gendersternchen, Doppelpunkt oder Gender-Gap ist nur ein Teilbereich im Spektrum der Diversity-Dimensionen. […] Das wichtige Thema der Gendergerechtigkeit über Sprache wird oftmals mit dem Begriff der Inklusion gleichgesetzt. Aber es ist nur ein Teilbereich.“Annika Schach: Diversity & Inclusion: Was kommt nach dem Gendersternchen? In: PR-Journal.de. 11. August 2021, abgerufen am 9. September 2021. Als Leiterin der Kommunikationsabteilung der Stadt Hannover führte sie Ende 2018 die gendergerechte Sprache in der niedersächsischen Landeshauptstadt ein.
Studien und Umfragen zu Genderzeichen
Im August 2021 veröffentlichte die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit von Informationstechnik (BFIT-Bund) als Ergebnis einer eigenen Studie offizielle Empfehlungen zu einer gendergerechten, digital barrierefreien Sprache; im Vergleich zum Gender-Doppelpunkt wird der Genderstern empfohlen.
Pro und Kontra Mitte 2021 veröffentlichte das Portal Genderleicht.de (gefördert vom deutschen Familienministerium) am Beispiel des Sternchens praktische Schreibtipps zu Genderzeichen, verwies aber auf Ablehnungen des Doppelpunkts (vergleiche Pro Stern, Kontra Doppelpunkt).Genderleicht.de: Der*die*das Stern*chen: Genderstern – perfekt platziert. 14. Juli 2021, abgerufen am 9. September 2021. In seinem Typolexikon erklärt Wolfgang Beinert den Doppelpunkt als bestgeeignetes Genderzeichen (vergleiche Pro Doppelpunkt, Kontra Stern).Wolfgang Beinert: Genderzeichen. In: Typolexikon.de. 16. September 2021, abgerufen am 16. September 2021 (typografische Einordnung). Im April 2022 erschien zum Spiel Scrabble offiziell ein kostenloser „Genderstein“: *IN (10 Punkte wert); die Spieleanleitung nutzt jetzt den Genderstern (Details).Mattel, Pressemitteilung: Am „Welt Scrabble® Tag“ gibt es den Stein des Anstoßes zum Gendern. In: Mattel.de. 13. April 2022, abgerufen am 15. April 2022 (Anleitung-Download).
Ende 2020 hatte die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) das Wort des Jahres gewählt: „Das Gendersternchen (Platz 9), 2020 in den Duden aufgenommen, symbolisiert die zunehmende Diskussion um einen sogenannten geschlechtergerechten oder -sensitiven Sprachgebrauch. […] Die Gesellschaft für deutsche Sprache rät von einer Verwendung des Gendersternchens und vergleichbarer Schreibungen ab“ (Details).Gesellschaft für deutsche Sprache, Pressemitteilung: GfdS wählt „Corona-Pandemie“ zum Wort des Jahres 2020. In: GfdS.de. 30. November 2020, abgerufen am 9. September 2021. Im Mai 2021 fasste die GfdS ihre Haltung zum geschlechtergerechten Formulieren zusammen: „‚Ja zum Gendern‘ – wenn es verständlich, lesbar und regelkonform ist. […] Zwar stehen wir dem Gendersternchen kritisch gegenüber, nicht aber dem Gendern an sich.“Gesellschaft für deutsche Sprache, Pressemitteilung: Klarstellung: Ja zum Gendern! In: GfdS.de. 26. Mai 2021, abgerufen am 9. September 2021. Auch einige andere namhafte Einrichtungen sprechen sich für geschlechtergerechte Sprache aus, sind aber grundsätzlich gegen den Gebrauch von Genderzeichen in ihrem Zuständigkeitsbereich (siehe Ablehnung von Genderzeichen); der Rat für deutsche Rechtschreibung erklärte im Frühjahr 2021, die Aufnahme der Genderzeichen in die amtliche Rechtschreibung nicht zu empfehlen; er beobachte aber weiterhin ihren Gebrauch (Details).
Einrichtungen Behörden Mitte 2018 empfahl die deutsche Justizministerin Katarina Barley (SPD) die Aufnahme des Gendersternchens in den Duden; sie freue sich „über jede Veränderung, die dazu beiträgt, unseren Blick auf andere Formen von Identität und Lebensweisen zu entspannen […] Die Politik muss die Bedürfnisse und Wünsche der Menschen berücksichtigen, die sich keinem der beiden Geschlechter zuordnen.“Hans Monath: Geschlechtergerechte Sprache: Justizministerin Barley unterstützt Genderstern im Duden. In: Tagesspiegel.de. 19. Mai 2018, abgerufen am 9. September 2021. Anfang 2021 berichtete das Zeitmagazin, dass 26 der 81 deutschen Großstädte neben geschlechtergerechten Neutralisierungen auch das Sternchen nutzen; einige Stadtverwaltungen erlauben mehrere Genderzeichen.Matthias Stolz: Deutschlandkarte: Wie Städte gendern. In: Zeitmagazin. 1. Januar 2021, abgerufen am 9. September 2021. Im März 2021 bemängelte der Rat für deutsche Rechtschreibung auch bei Kommunalverwaltungen, dass ihre Verwendung von Genderzeichen die Vorgaben des Rats zur geschlechtergerechten Schreibung nicht erfüllten (Details). Mitte 2021 erklärte die Schweizerische Bundeskanzlei, dass in deutschsprachigen Texten der Bundesverwaltung keine Genderzeichen zu verwenden seien; mehrere Kantone übernahmen diese Regelung (Details).
Die folgende Liste enthält staatliche Behörden und Verwaltungen, die für ihre interne und externe Kommunikation ausdrücklich auch Schreibweisen mit Genderzeichen erlauben oder empfehlen (sortiert nach Monat der Einführung). Stand Juni 2022 werden hier 41 Einrichtungen gelistet: 32 nutzen Gendersternchen * ( Mitarbeiter), 11 den Gender-Doppelpunkt : ( Mitarbeiter) und 8 den Gender-Gap _ ( Mitarbeiter).
Bedienungshinweis zur Sortierung: 3 × Anklicken einer Spalten-Überschrift zeigt die ursprüngliche Reihenfolge; Klicken mit Umschalttaste übernimmt die Sortierung der zuvor angeklickten Spalte.