mini|Gruppenbild (mit Einfügungen und Retuschen) „Zur Erinnerung an die Feier des 80jährigen Geburtstages des Herrn Altmeisters Geh. Reg.-Rath, Professor, Baurath Conrad Wilhelm Hase, December 1898“; darunter Rathkamp;Bild aus dem Stadtarchiv Hannover
Dietrich Wilhelm Rathkamp (* 1. Oktober 1861 in Göttingen; † 12. März 1937 ebenda) war ein deutscher Architekt und Bauunternehmer.Reinhard Glaß: Rathkamp, Dietrich Wilhelm in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902)
Leben Familie Die Familie Rathkamp ist ab 1701 mit Ursprung in Menninghausen bei Diepholz nachweisbar.Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 41. Wilhelm Rathkamp war ein Sohn des Architekten und Bauunternehmers Conrad Rathkamp (Johann Cord Rathkamp; * 24. September 1828 in Neubruchhausen; † 1910) und ein Neffe von Carsten Hinrich Rathkamp (* 16. Oktober 1820; † 13. März 1886), für den er sein Frühwerk, das 1886 geschaffene Grabmal auf den Stadtfriedhof Engesohde in Hannover schuf, außerdem ein Bruder von Robert Rathkamp (1854–1926), mit dem er später zeitweilig in einem Unternehmen zusammenarbeitete. Seine Tochter heiratete Hanns Hase, einen Enkel von Conrad Wilhelm Hase.
Ausbildung und Wirken Wilhelm Rathkamp machte eine Lehre als Maurer und Steinhauer in seiner Geburtsstadt Göttingen. 1881–1882 studierte er Architektur zunächst an der Technischen Hochschule Stuttgart, dann nach drei Semestern 1882–1884 an der Technischen Hochschule Hannover als Student von Conrad Wilhelm Hase, Heinrich Köhler, Ludwig Debo und Hubert Stier.Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 48. Schon zu Beginn seiner Studienzeit in Hannover trat Rathkamp der von Hase gegründeten Bauhütte zum weißen Blatt bei,Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 49 f. deren Hüttenzeichen er später an vielen seiner eigenen Bauten anbrachte. Im Jahr 1898 brachte er die Verbundenheit mit der Kunstauffassung Hases mit eigenen Exponaten zum Ausdruck, die in der Ausstellung anlässlich des 80. Geburtstags Hases im Künstlerhaus Hannover gezeigt wurden.mini|Grabmal von Wilhelm und MarieZu Marie Rathkamp, geb. Stöckicht vgl. Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 52. Rathkamp auf dem Stadtfriedhof Göttingen (2021) Nach seinem Studium sammelte Rathkamp Erfahrungen als Mitarbeiter im Stuttgarter Architekturbüro von Christian Friedrich von Leins sowie in München als Mitarbeiter im Architekturbüro von Georg Joseph von Hauberisser.Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 51 f.
1887 trat Rathkamp dem Architekten- und Ingenieur-Verein zu Hannover bei und ging im selben oder im Folgejahr 1888 zurück in seine Heimatstadt Göttingen, um dort als Architekt und Bauunternehmer tätig zu werden. Dabei arbeitete in Gemeinschaft mit seinem Vater bis zu dessen Tod 1910 sowie mit seinem Bruder in dem väterlichen, 1861 eröffneten Göttinger Unternehmen, das zeitweilig als Baugeschäft Conrad Rathkamp & Söhne firmierte.Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (vergleiche Literatur), Inhaltsangabe mit dem Vorwort von Ernst Böhme auf der Seite des Stadtarchivs Göttingen
Wie sein Bruder Robert gründete auch Wilhelm Rathkamp erst ab 1925 ein eigenes Baugeschäft, das er gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Friedrich Eschmann leitete.Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 53.
Im Jahr 1892 war Rathkamp Gründungsmitglied des Geschichtsvereins für Göttingen und Umgebungo. V.: Über uns auf der Seite geschichtsverein-goettingen.de [ohne Datum], zuletzt abgerufen am 15. September 2021Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 52. und 1929–1937 dessen Beisitzer.Waltraud Hammermeister: 100 Jahre Geschichtsverein für Göttingen und Umgebung 1892–1992. Hrsg. Geschichtsverein für Göttingen u. U., Göttingen 1992, S. 146. Er war Mitbegründer der Städtischen Altertumssammlung (heute Städtisches Museum Göttingen), war Mitglied der Göttinger Freimaurerloge „Augusta zum goldenen Zirkel“ und wirkte zeitweilig als Freiwilliger Städtischer Branddirektor bei der Feuerwehr Göttingen.
Werk Bauwerke Zu den ältesten Werken Rathkamps zählt das 1886 ausgeführte Grabmal C. H. Rathkamp, das auf dem Engesohder Friedhof in Hannover aufgestellt wurde.
Von dem Baugeschäft Rathkamp wurden rund 270 Wohngebäude, Fabriken, Hotels, Geschäftshäuser und andere Bauten in Göttingen und Umgebung errichtet, von denen „ungefähr 100 Bauwerke von Wilhelm Rathkamp entworfen“ wurden, darunter: 1886: Wohn- und Geschäftshaus Bolle, Nikolaistraße 15 in Göttingen 1888: Wohn- und Geschäftshaus Metje, Gotmarstraße 2 in Göttingen (abgerissen 1969)Jan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 461–462 (CR & C Werkverzeichnis 1, Wohn- und Geschäftshäuser in der Göttinger Innenstadt). 1888: Wohnhaus Bennecke, Königsallee 5 in GöttingenJan Volker Wilhelm: Das Baugeschäft und die Stadt. Stadtplanung, Grundstücksgeschäfte und Bautätigkeit in Göttingen (1861–1924). (= Studien zur Geschichte der Stadt Göttingen, Band 24). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2006, ISBN 3-525-85425-0, S. 463–468 (CR & C Werkverzeichnis 2, Wohnhäuser im Göttinger Stadterweiterungsgebiet). 1888: Wohnhaus Bechtel, Nikolausberger Weg 31 in Göttingen 1889: Wohnhaus Lehmann, Friedländer Weg 30 in Göttingen 1889: Wohnhaus Meyer, Lotzestraße 3, Göttingen 1889: Wohnhaus Schoppe, Lotzestraße 7, Göttingen 1889: Wohnhaus Sax, Lotzestraße 22 in Göttingen 1890: Wohnhaus Stöckicht, Bürgerstraße 21 in Göttingen 1890: Wohnhaus Fascher, Lotzestraße 5 in Göttingen 1890: Wohnhaus Pietsch, Walkemühlenweg 15 in Göttingen 1891: Wohn- und Geschäftshaus Müller, Kornmarkt 8 in Göttingen 1891: Wohn- und Geschäftshaus Schelper, Rote Straße 26 in Göttingen 1892: Wohnhaus Gutberlet, Friedländer Weg 29 in Göttingen 1892: Wohnhaus Bennecke, Königsallee 7 in Göttingen 1893: Wohn- und Geschäftshaus Gebr. Reinhold, Kornmarkt 6 in Göttingen 1894: Wohnhaus Aschoff, Wiesenstraße 19 in Göttingen 1896: Wohn- und Geschäftshaus Martens, Theaterstraße 25 in Göttingen 1896: Wohn- und Geschäftshaus des eigenen Baugeschäfts, Theaterstraße 26 in Göttingen 1896: Wohnhaus Nikolausberger Weg 25 in Göttingen 1896/1907: Wohn- und Geschäftshaus Volckmar, Weender Straße 21 in Göttingen 1897: Wohn- und Geschäftshaus Kirchner, Groner Straße 54/55 in Göttingen 1897: Wohn- und Geschäftshaus Günther, Obere Karspüle 1 in Göttingen 1897: Wohnhaus Gutberlet, Calsowstraße 17 in Göttingen 1898: Wohn- und Geschäftshaus Prüfert, Theaterstraße 21 in Göttingen 1899: Wohn- und Geschäftshaus Becker, Groner-Tor-Straße 8 in Göttingen 1899: Wohn- und Geschäftshaus Müller, Groner-Tor-Straße 29/29a in Göttingen 1899: Wohn- und Geschäftshaus Hoffmann, Johannisstraße 1 in Göttingen 1899: Wohn- und Geschäftshaus Funcke, Johannisstraße 2 in Göttingen 1899: Wohn- und Geschäftshaus Welge, Obere Maschstraße 20 in Göttingen 1899: Wohnhaus Werner, Brauweg 19 in Göttingen 1899: Verbindungshaus des Corps Brunsviga, Bürgerstraße 31 in Göttingen 1900: Doppelwohnhaus Aschoff, Brauweg 5/7 in Göttingen 1900: Wohnhaus Calsowstraße 10 in Göttingen 1900: Wohnhaus Freise, Calsowstraße 12 in Göttingen 1900: Wohnhaus Pringnitz, Lotzestraße 24 in Göttingen 1901: Wohnhaus Planckstraße 3 in Göttingen 1901: Wohnhaus Hagedorn, Planckstraße 5 in Göttingen 1901: Wohnhaus Schumacher, Planckstraße 17 in Göttingen 1902: Wohn- und Geschäftshaus Groner Straße 36 in Göttingen 1902: Wohn- und Geschäftshaus Niemann, Lange Geismarstraße 11 in Göttingen 1902: Doppelwohnhaus Nikolausberger Weg 27/29 in Göttingen 1902: Verbindungshaus des Corps Hercynia, Nikolausberger Weg 40 in Göttingen 1902: Wohnhaus Röder, Planckstraße 7 in Göttingen 1903: Wohn- und Geschäftshaus Kücking, Düstere Straße 12 in Göttingen 1903: Wohnhaus Trapp, Planckstraße 4 in Göttingen 1904: Wohnhaus Baurat-Gerber-Straße 12 in Göttingen 1904: Wohnhaus Drege, Hildebrandtstraße 3 in Göttingen (abgerissen um 1980) 1904: Wohnhaus Planckstraße 2a in Göttingen 1905: Privatschule Kluckhohn („Luisenschule“), Baurat-Gerber-Straße 10 in Göttingen 1905: Wohnhaus Hunold, Keplerstraße 10 in Göttingen 1905: Wohnhaus Henke, Lotzestraße 19 in Göttingen 1905: Wohnhaus Planckstraße 2 in Göttingen 1906: Wohnhaus Hofmeister, Am Feuerschanzengraben 18 in Göttingen 1906: Wohn- und Geschäftshaus Hillebrecht, Nikolaistraße 5/6/8 in Göttingen 1906: Wohnhaus Planckstraße 21 in Göttingen 1907: Wohnhaus Hofmeister, Am Feuerschanzengraben 20a in Göttingen 1907: Wohnhaus Wilhelm-Weber-Straße 32 in Göttingen 1907: Wohnhaus Wilhelm-Weber-Straße 34 in Göttingen 1908: Wohnhaus Am Goldgraben 11 in Göttingen 1908: Verbindungshaus der Lunaburgia, Am Goldgraben 17 in Göttingen 1908: Wohnhaus von Diemar, Baurat-Gerber-Straße 17 in Göttingen 1908: Wohnhaus-Gruppe Felix-Klein-Straße 4/6/8/10 in Göttingen 1909: Wohnhaus Große, Herzberger Landstraße 39 in Göttingen 1909: Wohnhaus Herzberger Landstraße 39a in Göttingen 1909: Wohnhaus Gebhard, Herzberger Landstraße 41 in Göttingen 1909: Wohnhaus Behrens, Keplerstraße 11 in Göttingen 1910: Wohnhaus Hofmeister, Oesterleystraße 3/5 in Göttingen 1911: Wohnhaus Sartorius, Dahlmannstraße 12 in Göttingen 1911: Wohnhaus Birnbaum, Humboldtallee 16 in Göttingen 1911: Wohnhaus für Firma Aschoff Wwe., Wiesenstraße 23 in Göttingen 1912: Wohnhaus Schulze, Keplerstraße 24 in Göttingen 1914: Wohnhausgruppe Herzberger Landstraße 71/73/75 in Göttingen 1921: Wohnhaus Ruhstrat, Hanssenstraße 17 in Göttingen 1921: Wohnhaus Herzberger, Landstraße 51 in Göttingen 1921: Wohnhaus Waldenburg, Lotzestraße 17 in Göttingen 1921: Wohnhaus Grunert, Nikolausberger Weg 138 in Göttingen 1923: Wohnhaus Geiger, Gervinusstraße 4 in Göttingen 1923: Wohnhaus für den Universitätsbund Göttingen e. V., Herzberger Landstraße 66 in Göttingen 1923: Wohnhaus Henze, Herzberger Landstraße 79 in Göttingen 1923: Wohnhaus Hotzen, Rohnsweg 15 in Göttingen 1924: Wohnhaus Gerke, Calsowstraße 37 in Göttingen
Schriften Als erster Göttinger Privatarchitekt veröffentlichte Wilhelm Rathkamp einige seiner Bauten, alle in der Zeitschrift für Architektur und Ingenieurwesen (Wochen-Ausgabe, Neue Folge): Das Korpshaus der Brunsviga in Göttingen, 5. Jahrgang 1900, Nr. 46, Sp. 721–723. Das Korpshaus Hercynia in Göttingen, 13. Jahrgang 1908, Heft 3, Sp. 189–192.