mini|hochkant|Fischer von der Ethnie der Vezo. Die Vezo sind eine ethnische Gruppe in Madagaskar. Die Bezeichnung wird für eine halb-nomadische Gruppe im südlichen Madagaskar verwendet, die als Fischer leben. Die Vezo sprechen einen Dialekt des Malagasy, eine Malayo-Polynesische Sprache. Sie leben hauptsächlich in der Küstenzone von Madagaskars Westküste zwischen Toliara und Mahajanga.
Name „Vezo“ bedeutet wörtlich „die Leute, die fischen“. Nach anderen Übersetzungen auch: „mit dem Meer kämpfen“.Kaufmann
Ethnische Identität mini|hochkant|Verbreitung der ethnischen Gruppen in Madagaskar. Die Vezo werden zusammen mit den Sakalava aufgeführt.
Vezo identifizieren sich selbst nicht mit einer bestimmten Foko, sondern mit ihrem Lebensstil.Rita Astuti: ’The Vezo are not a kind of people’: identity, difference, and 'ethnicity' among a fishing people of western Madagascar. (PDF; 0,2 MB). In: American Ethnologist. Band 22, 3. August 1995, S. 464–482. doi:10.1525/ae.1995.22.3.02a00010 Sie leben an der Westküste von Madagaskars zwischen Toliara und Mahajanga. Wie die meisten anderen ethnischen Gruppen Madagaskars kann ihr Ursprung direkt auf eine Vermischung von Austronesischen Siedlern aus Asien und eingewandertes Bantustämme aus Ostafrika zurückgeführt werden. Sie betonen nachdrücklich, dass sie weder einen gemeinsamen Ursprung noch ein gemeinsames Wesen haben müssten. Ihre Identität ist vielmehr kontextabhängig und wird eher in erlernten Fertigkeiten wie Fischen oder Schwimmen und den dadurch entstehenden Schwielen verkörpert als in einem gemeinsamen Ursprung. Aufgrund ihrer halbnomadischen Meereswanderungen ist ihre Population schwer zu bestimmen und wurde durch Zählen der Einbaumkanus, die Pirogen genannt werden (auf Madagassisch „lakanas“), in Madagaskar geschätzt. Der Vezo-Stamm stammt aus dem Südwesten Madagaskars.
Gründungsmythos und Geschichte Die Ursprungserzählung, warum drei Clans der Andavadoaka ihre früheren Dörfer verließen, und, wie sie in ihr heutiges Siedlungsgebiet Andavadoaka zogen, erzählt, dass sie regelmäßigen Invasionen durch Banditen ausweichen wollten. Plünderer aus Inlandgebieten attackierten oft das alte Dorf einige Kilometer weiter nördlich. Als Pazifisten verteidigten die Vezo selten ihren Besitz. Um diese Angriffe zu beenden, nutzten sie ihre Kenntnisse über die einheimischen Fischarten, um giftige Rotfeuerfische und Grundeln zu fangen, die sie kurz vor dem erwarteten Angriff kochten und im Dorf verstreuten. Nachdem sie die Giftfalle vorbereitet hatten, segelten die Dorfbewohner in ihren Pirogen zu den vorgelagerten Inseln, um sich vor den Banditen zu verstecken. Diese erwarteten ein leeres Dorf und wussten, dass die Vezo immer vor Angriffen fliehen. Die ahnungslosen Banditen kamen an und verzehrten die zurückgelassenen Lebensmittel. Viele der Banditen starben. Als die Einwohner zurückkamen, sahen sie die Leichen der vergifteten Banditen und bezeichneten sie als diejenigen, die durch den Verzehr von Rotfeuerfischen (Moroy) gestorben waren. Von da an nannten sie das Dorf die „Toten von Moroy“ oder „Tratna amy moroy“. Der Name des Dorfes lautet bis heute Antsatsamoroy.
Attacken durch Banditen gibt es bis heute. Immer wieder bedrohen Viehdiebe (cattle rustlers, dahalo/malaso), Einwohner und stehlen Rinder von Weiden im Dornwald. es kommt hin und wieder zu Todesfällen, doch gewöhnlich fliehen die Vezo auf ihren Pirogen zu den nahegelegenen Inseln Nosy Hao und Nosy Ve.
Eine zweite Ursprungsgeschichte für den Namen „Andavadoaka“ bezieht sich auf die Landschaftsformen: Müde von den Angriffen suchten die Dorfbewohner nach einem Ort, der sowohl vor Land als auch vor dem Meer verborgen war, wo es für Plünderer schwieriger war, zufällig auf das Dorf zu stoßen. Ihr gewählter Ort war eine Senke zwischen den umliegenden Kalksteinfelsen auf den abgeflachten Sanddünen einer geschützten Bucht. Die Beschreibung der Lage des Dorfes lautete die „Senke“ (lavaka) zwischen den Hügeln. Östlich des Dorfes befindet sich ein Hügel voller Höhlen. Die Frage „lavaka aiza?“ (Wo ist das Loch?) und die Antwort „lavaka vato“ (Das Loch ist im Felsen) lieferten den Namen des Dorfes – „Andavadoaka“.
Gesellschaft mini|Traditionelles Fischerboot lakana, Madagascar.
Die Vezo sind ein Fischervolk, das einen Küstenstreifen bewohnt, der sich von Intampolo im Süden bis Morondava im Norden im Südwesten Madagaskars erstreckt. Andavadoaka ist ein Dorf, dessen Einwohner dem Stamm der Vezo angehören. Es hat 1.200 Einwohner, von denen über 50 % unter 15 Jahre alt sind. Das Haushaltseinkommen stammt hauptsächlich aus der Fischerei. Die Fischer nutzen die Mangroven als Bauholz, Brennholz und zum Fischen.Radhika Dave: Mangrove Ecosystems of Southwest Madagascar: An Ecological, Human Impact, and Subsistence Value Assessment. (PDF). In: Tropical Resources Bulletin. 25. 2006. CiteSeerX 10.1.1.563.4381 Archivlink Die Fischer betreiben handwerkliche Fischerei, die auf Pirogen (Kanus, die durch Aushöhlen eines großen Baumstamms hergestellt werden) basiert, die mit Segel und Paddel angetrieben werden, und der Großteil des Fischfangs erfolgt 5 km oder weniger von der Küste entfernt. Männer fischen überwiegend mit Leinen, Netzen und Speeren. Frauen suchen in den Riffflächen nach wirbellosen Tieren wie Tintenfischen und Seegurken. Fischverkauf, -verarbeitung und -handel ergänzen das lokale Einkommen, ebenso wie Tourismus und lokaler Handel.
Die Vezo trieben traditionell Handel mit den benachbarten Agro-Forst-Kulturen, den Masikoro. Außerdem tauschten sie Fisch gegen Honig und Knollen mit den Mikea.Daniel Stiles: Tubers and Tenrecs: The Mikea of Southwestern Madagascar. In: Ethnology. 30 (3) 1991: 251–263. doi:10.2307/3773634. JSTOR 3773634. ProQuest 1298052473 Der verstärkte Handel hat jedoch den Tauschhandel zu einer bargeldbasierten Wirtschaft verändert. Außerdem hat der Anstieg des Fischexports aus Madagaskar Fischverarbeitungs- und -exportunternehmen wie Murex und Copefrito (jetzt im Südwesten tätig) in die Region gelockt. Ihre Aufkäufe von Meeresprodukten haben die Nachfrage nach Fisch erhöht und die Geldwirtschaft gestärkt. Neben dem Muschelsuchen in den Riffbecken sind es die Frauen, die den Fang verkaufen, den die Männer ihnen bringen. Von ihrem Verdienst kaufen die Frauen Reis, das Grundnahrungsmittel, sowie andere wichtige Nahrungsmittel und verschiedene Luxusartikel. Die Kinder gehen in das einzige Schulgebäude des Dorfes, wo es zwei ausgewiesene Lehrer gibt. Wegen des verfallenden öffentlichen Verwaltungsapparats in Madagaskar sind das Gebäude und die Lehrer jedoch kaum jemals besetzt. Wenn Kinder im Gebäude sind und der Lehrer nicht zu viel Kreide hat, besteht der Unterricht größtenteils darin, Buchstaben, Zahlen und kurze Sätze von der Tafel auf die Tafel des Kindes im Format A5 zu übertragen. Verständlicherweise dürfen die vielen Kinder, die keine Tafel besitzen, in der sengenden Hitze draußen spielen.
Familienbande sind bei den Vezo äußerst wichtig und die Älteren genießen in der Gemeinschaft großen Respekt. Familien versorgen sich oft gegenseitig, wobei jüngere Mitglieder Boote für die Älteren bauen. Die Aufrechterhaltung der Familienbande ist wichtig, um sicherzustellen, dass man im Alter oder nach einem Unfall oder einer Krankheit versorgt ist. Familienbeziehungen sind für Vezo-Fischer besonders wichtig, da sie den Zugang zu Meeresressourcen und Fischereiausrüstung bestimmen.The Vezo. livewiththesea.org 2009.
Kultur Die Vezo haben offizielle kulturelle Zeremonien, die Fomba genannt werden. Dazu gehören Bilo, Tromba, Savatse, Takasy und Soro. Alle diese Zeremonien, außer Takasy, werden (mit einigen Variationen) auch von den benachbarten Masikoro im Landesinneren praktiziert.Rita Astuti: Culture and the Mind / Fieldsite in Western Madagascar. Sheffield University.
Die Beschneidungszeremonie dauert normalerweise von 4 bis 9 Uhr morgens. Die Eltern bitten einen weisen Ältesten, den besten Termin und die beste Uhrzeit für die Zeremonie vorzuschlagen und eine Krankenschwester oder einen Arzt zu finden, der weiß, wie die Beschneidung durchgeführt wird. Familienmitglieder werden eingeladen, an der Zeremonie teilzunehmen, und einer der Onkel hält das Kind während der Zeremonie. Nach dem körperlichen Schnitt wird Alkohol getrunken. Nach der Zeremonie wird das Kind Savatse genannt.
Fady
Das Gemeinschaftsleben der Vezo wird, wie auch anderswo in Madagaskar, von zahlreichen Fady (Tabus) bestimmt. Im Laufe des Lebens ist ein Vezo-Mann der Gefahr ausgesetzt, sich mit Hanimboky anzustecken, einer sehr unangenehmen Krankheit, die nur Männer befällt. Der Name bedeutet wörtlich „geschwollen/voll mit Nahrung“, weshalb es als eine männliche Schwangerschaft angesehen wird. Ein an Hanimboky erkrankter Mann leidet unter Verstopfung, was dazu führt, dass sein Magen anschwillt, bis er dem Bauch einer schwangeren Frau ähnelt. Die Krankheit wird durch Nahrung verursacht, die die männlichen Verwandten einer sexuell aktiven Frau von ihr angenommen und gegessen haben. Die Nahrung gilt als schmutzig, denn man nimmt an, dass die Frau sie mit „tangy“ erhalten hat, den Geschenken, die ihr Liebhaber ihr für den Sex mit ihm gibt. Wenn ein Mann Nahrung von einer seiner weiblichen Verwandten annimmt, ist es daher so, als würde er Nahrung vom Liebhaber der Frau erhalten; wenn ein Mann solche Nahrung annimmt, wird er in eine sehr untergeordnete Position gebracht. Im Wesentlichen werden sie vom Liebhaber ihrer Tochter oder Schwester so behandelt, als wären sie Frauen.Rita Astuti: Food for pregnancy: procreation, marriage and images of gender among the Vezo of Western Madagascar. (PDF). Social Anthropology. 1 (3) 24. Januar 2007, S. 277–290. doi:10.1111/j.1469-8676.1993.tb00257.x
Bestattungsriten Vezo-Friedhöfe liegen im Wald, weit weg von den Dörfern und sind durch die Vegetation so gut verborgen, dass sie als „für das Auge unsichtbar“ gelten. Die Friedhöfe müssen auf diese Weise verborgen werden, weil der Anblick von Gräbern die Menschen traurig und unglücklich macht. Friedhöfe sind keine Orte, die die Vezo gerne und oft besuchen. Man geht nicht einfach in der Nähe des Friedhofs spazieren. Die Lebenden nähern sich einem Friedhof nur, wenn sie eine Leiche tragen oder wenn sie für die Toten „arbeiten“ müssen, wie etwa Gräber ausheben und Grabmäler bauen.Rita Astuti: Invisible Objects: Mortuary Rituals among the Vezo of Western Madagascar. In: Res: Anthropology and Aesthetics. vol. 25, 25. März 1994, S. 111–122. Im Westen Madagaskars sind die Grabskulpturen der Sakalava und Vezo international bekannt für ihre erotischen Holzfiguren, die oft beim Geschlechtsverkehr dargestellt werden und übergroße Phallus und Brüste zeigen. Es ist nicht bekannt, warum die Skulpturen diese Art von Erotik aufweisen, aber es könnte mit dem Tourismus zu tun haben.
Auch nach dem Tod ihrer Vorfahren halten die Vezo sie in viele verschiedene Angelegenheiten involviert. Viele Ereignisse im produktiven, reproduktiven und sozialen Leben einer Vezo-Familie erfordern, dass die Toten umgehend informiert werden, beispielsweise wenn jemand beabsichtigt, vorübergehend an einen Ort zum Angeln zu ziehen, wenn jemand in ein neu gebautes Haus zieht oder ein neues Kanu zu Wasser lässt, wenn jemand eine schwierige Geburt hat oder wenn ein Neugeborenes zum ersten Mal aus dem Haus gebracht wird, wenn jemand kurz vor einer Schulprüfung steht, wenn schwierige Worte gesprochen wurden, die das Herz der Menschen vor Wut schwer machen, wenn der zu Besuch kommende Anthropologe ankommt oder geht und so weiter. Es ist die Verantwortung des ältesten Familienoberhaupts, die Toten anzurufen und mit ihnen zu sprechen, sie um Schutz oder Vergebung zu bitten und sicherzustellen, dass sie über die Ereignisse des Lebens gut informiert bleiben – denn wann immer die Toten Gründe haben, „überrascht“ zu sein, werden sie Fragen stellen wollen und damit den Lebenden Ärger bereiten.