mini|hochkant=1.1|Schematische Karte KZ-Außenlager Kaufering III – Kaufering, 1945. (s.a. Luftbilder)

Das KZ-Außenlager Kaufering III war das erste der elf Lager des Außenlagerkomplexes Kaufering, des größten Komplexes der 169 Außenlager des Konzentrationslagers Dachau mit der Funktion des Hauptlagers mit Kommandantur. Diese Funktion ging im September 1944 an das KZ-Außenlager Kaufering I – Landsberg über. Das Lager Kaufering bekam somit seine endgültige Bezeichnung Kaufering III. Das KZ-Außenlager befand sich südöstlich des Bahnhofs Kaufering in der Kurve des Gleises Richtung Landsberg.

Unter der örtlichen Leitung der Organisation Todt mussten die im Mittel mehr als 2000 Gefangenen bei völlig unzureichender Ernährung härteste Arbeit für die Baufirma Leonhard Moll am Großbunker Weingut II verrichten, die Vernichtung durch Arbeit hatte Vorrang.

Entstehungshintergrund

Nach der Luftoffensive der Alliierten im Februar 1944 war die deutsche Rüstungsindustrie schwer getroffen. Die Flugzeug-Produktion sollte mittels U-Verlagerung unter die Erde verlagert werden, mit der Leitung beauftragt war der Jägerstab mit weitreichenden Vollmachten. Dieser beauftragte die Organisation Todt (OT) mit Organisation und Herstellung der Großbunker, ursprünglich geplant war eine Länge von 400 Metern bei einem Innendurchmesser von 85 Metern und 25 Metern Innenhöhe, mit mindestens fünf Metern Wandstärke. Mit dem massiven Einsatz von mehr als 30.000 größtenteils an Baufirmen vermieteten KZ-Häftlingen im KZ-Außenlagerkomplex Kaufering sollten drei Großbunker für die Fertigung u. a. des Strahlflugzeugs Messerschmitt Me 262 erstellt werden. Gefangene des KZ-Außenlagers Kaufering III mussten für die Firma Leonhard Moll bei minimaler Ernährung unter härtester körperlicher Arbeit vor allem Erd- und Betonarbeiten am Bunker Weingut II verrichten. Wenn die Gefangenen auch für die Arbeit benötigt wurden, hatte ihre Vernichtung durch Arbeit Vorrang. Der von den Inhaftierten nach der Baufirma benannte „Moll-Bunker“ wurde bis Kriegsende zu zwei Dritteln fertiggestellt und ist nach Fertigstellung Anfang der 1960er Jahre Bestandteil der Welfen-Kaserne der Bundeswehr.

Errichtung und Betrieb des KZ-Außenlagers

mini|Ausschnitte Zeitzeugen-Interview Ernest T. Gross über das KZ-Außenlager Kaufering III.(18 Minuten, englisch, 1982)

Am 18. Juni 1944 wurden die ersten 1000 Häftlinge des gesamten KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering aus dem KZ Auschwitz überstellt. Sie wurden im KZ-Außenlager Kaufering III in der Kauferinger Gleiskurve südöstlich des Bahnhofs interniert, wo diese Gefangenen aus Ungarn, viele aus Siebenbürgen, auf zuvor für landwirtschaftliche Zwecke genutzter Fläche das Lager aufbauen mussten. Bereits zuvor waren 22 Funktionshäftlinge aus dem KZ Dachau dorthin überstellt worden. Bis zum September hatte das zunächst noch Kaufering I genannte Außenlager die Funktion des Hauptlagers, diese wurde dann an das KZ-Außenlager Kaufering I – Landsberg übertragen. Später waren in Kaufering III im Schnitt 2000 Männer, zudem 339 Frauen interniert, in 56 Erdhütten für Männer, 13 für Frauen und 11 Hütten für Kranke. Sie mussten für Leonhard Moll Eisenbahn- und Betonbau an der Bunker-Baustelle Weingut II arbeiten, wie auch beim Anlegen von Gleistrassen und dem Bau des späteren KZ-Außenlagers Kaufering II – Igling. Das KZ-Außenlager war auch nachts beleuchtet, somit für vorbei fahrende Bahnreisende als solches zu erkennen.

Während die anderen Kauferinger Lagerbücher von der SS verbrannt wurden, blieb das des KZ-Außenlager Kaufering III erhalten, da es von einem Häftling versteckt wurde. Dort ist nachzulesen, dass am 1. Juli und 25. Oktober 1944 Schwerkranke ins KZ Auschwitz deportiert wurden. Laut O. T. waren am 14. April 1945 noch 1484 Gefangene im Lager. Die Räumung des Lagers wurde etwa zur Hälfte am 23. oder 24. April 1945 über einen Todesmarsch über Fürstenfeldbruck zum KZ-Außenlager München-Allach, zum anderen über die Zwischenstation KZ-Außenlager Kaufering I – Landsberg durchgeführt.

Bekannte Gefangene des Lagers Kaufering III waren unter anderem der Widerstandskämpfer Miroslav Kárný, der Psychiater und Neurologe Viktor Frankl sowie der Jurist, Hochschullehrer und spätere Leiter der Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland Berthold Simonsohn.

Juristische Aufarbeitung

Vinzenz Schöttl, ab Februar 1945 stellvertretender Lagerkommandant des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering unter Otto Förschner und im Außenlager Kaufering III bis zur Räumung des Lagers für die Arbeitseinteilung verantwortlich, wurde im Dachau-Hauptprozess zum Tod verurteilt, das Urteil Ende Mai 1946 im Kriegsverbrechergefängnis Landsberg vollstreckt. Franz-Xaver Trost, Kapo im Außenlager Kaufering III, wurde 1950 wegen vierfachen Mordes und Körperverletzung zu lebenslanger Haft verurteilt, die er bis 1973 verbüßten musste.

Erinnerung und Gedenken

Gedenkort

Auf dem Großteil des ehemaligen Geländes des KZ-Außenlagers befindet sich eine Kleingartenanlage. Im Jahr 1993 stellt die Gemeinde Kaufering in Zusammenarbeit mit der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert eine Informationstafel auf.Anton Posset: [Kaufering III - Die Einrichtung des ersten Konzentrationslagers http://www.buergervereinigung-landsberg.de/geschichte/Kaufering3.pdf], Landsberg im 20. Jahrhundert, 1996, ISBN 3-9803775-3-9, S. 45, abgerufen am 6. April 2022 Diese informiert über den KZ-Außenlagerkomplex Kaufering und das KZ-Außenlager Kaufering III (s. Foto).

Der erste Gedenkstein des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering

Neben der Informationstafel befinden sich zwei Gedenksteine. Hierbei handelt es sich um einen persönlichen Gedenkstein und den ersten im Landkreis Landsberg aufgestellten Gedenkstein zum KZ-Außenlagerkomplex Kaufering. Bereits im Jahr 1984, ein Jahr nach Veröffentlichung der ersten lokalen Forschungsarbeiten durch die Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert, wurde auf Anregung des Heimatforschers Anton Posset der erste dieser beiden Gedenksteine mit mahnender Inschrift auf dem noch vorhandenen Fundament der Küchenbaracke errichtet.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation. Band 1, Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 153 f. Der Text dieses Gedenksteinessiehe Foto Gedenkstein (an anderem Ort falsch zitiert). wurde von ihm in einer Diskussion mit Viktor Frankl entwickelt: Geschändete und Geopferte mahnen Euch – Menschen lasst nicht ab vom Streben nach Freiheit, Frieden und Recht. An der Einweihung des vom damaligen Bürgermeisters von Kaufering Fritz Jung gestifteten Gedenksteines am 11. November 1984 war Viktor Frankl als ehemaliger Lagerinsasse anwesend und hielt eine Gedenkrede.Auszüge der Gedenkrede von Viktor Frankl bei der Gedenkveranstaltung vom 11. November 1984 aus dem Archiv von Anton Posset, abgerufen am 22. Februar 2022

mini|KZ-Friedhof Kaufering Süd, an der Staustufe 18 des Lechs (2021).

KZ-Friedhof Kaufering-Süd

Der befindet sich etwa 1,5 km nördl. des Kauferinger Ortsausgangs die Augsburger Straße (LL 20) Richtung Augsburg fahrend rechts, 200 Meter südwestlich der Staustufe 18 des Lechs.

Unzählige KZ-Opfer. Das War Crimes Investigation Team entdeckte bei den Friedhöfen Kaufering-Süd & Kaufering-Nord zwei Massengräber mit je 2000–2500 Toten. Die Inschrift:

Durch Nacht und Grauen Davids Stern hat Euch geführt zu Gott dem Herrn Hier ruhen ungezählte Opfer des KZ-Lagers Kaufring

mini|KZ-Friedhof Kaufering-Nord, etwa 100 Meter nördl. des KZ-Friedhofs Kaufering-Süd (2021).

KZ-Friedhof Kaufering-Nord

Der befindet sich etwa 100 m nördl. des KZ-Friedhofs Kaufering-Süd (s. oben), etwas versteckt, ohne Wegweiser.

Unzählige KZ-Opfer. Das War Crimes Investigation Team entdeckte bei den Friedhöfen Kaufering-Süd & Kaufering-Nord zwei Massengräber mit je 2000–2500 Toten. Die hebräische Inschrift verweist auf die vielen Toten aus den Jahren 1944 und 1945:

אבן מקיר תזעק למען תהי המצבה הואת לעד על חללי חרב ורעב, קדושים וטהורים אשר יצאה נשמתם מתוך עינוים ויסורים קשים עייל הרשעים הארורים 4 כאן בלאגער ימייש בשנות תשייד תשייה ת.נ.צ.ב.ה.

Die gleiche Inschrift findet sich auf dem zentralen Denkmal des KZ-Friedhofs Landsberg.

In den 1970er Jahren ergänzt um einen kleinen einfachen Gedenkstein mit Inschrift auf Deutsch:

Hier ruhen 48 unbekannte grossenteils wohl jüdische KZ-Tote die 1973 in der Um- gebung geborgen werden konnten

Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt diese beiden Friedhöfe in der Liste der Baudenkmäler unter der Ortsbezeichnung „Schwabau“.

Siehe auch

KZ-Außenlagerkomplex Kaufering – Gesamtkontext Kaufering III sowie die anderen zehn Außenlager Posener Reden – Himmlers Reden zur Judenvernichtung, Herbst 1943

Literatur

Autobiografisch

KZ-Außenlagerkomplex Kaufering – Gesamtdarstellungen

Anton Posset, Michael Strasas, Manfred Deiler: Themenheft Heft 4 – Landsberger Zeitgeschichte: Das KZ-Kommando Kaufering/Landsberg 1944/1945: Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“. 1993, ISBN 3-9803775-3-9.

Enzyklopädien

Ergänzend

Film

Weblinks

Autobiografisch

zum KZ-Außenlager Kaufering III

Anton Posset: Kaufering III - Die Einrichtung des ersten Konzentrationslagers, Landsberg im 20. Jahrhundert, 1993, ISBN 3-9803775-3-9, S. 44–45, abgerufen am 20. Oktober 2022

Fotos

Luftbild des ehemaligen KZ-Außenlagers

Einzelnachweise

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