mini|Erdbaracken Kaufering IV – Hurlach. (Aufnahme vom 28. April 1945 nach der Befreiung durch die US-Armee)
mini|Leichen ermordeter jüdischer KZ-Zwangsarbeiter liegen auf der Straße vor den schwelenden Ruinen von Baracken, die von der SS bei der Evakuierung von Hurlach (KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach) dem Erdboden gleichgemacht wurden. (Foto 28. April 1945. National Archives and Records Administration, College Park)
Der KZ-Außenlagerkomplex Kaufering, auch kurz KZ Kaufering genannt, war vom 18. Juni 1944 bis Ende April 1945 der größte Komplex der 169 Außenlager des Konzentrationslagers Dachau bei München, mit den elf zugeordneten KZ-Außenlagern I bis XI um Landsberg und Kaufering.
Im Auftrag der Luftrüstungs-Leitung Jägerstab sollten unter der örtlichen Oberbauleitung Ringeltaube im Rahmen der U-Verlagerung drei halbunterirdische Bunker für die Flugzeugproduktion des Düsenstrahljägers Messerschmitt Me 262 im Frauenwald in Landsberg entstehen, jeweils 240 Meter lang, 83 Meter breit und 25 Meter hoch, bei einer Deckenstärke von drei Metern. Ab dem 18. Juni 1944 wurden zunächst Juden aus Litauen und Ungarn aus dem KZ Auschwitz überstellt und zum Bau gezwungen. Bald überstellte die SS viele weitere jüdische Häftlinge, die die Vernichtung bis dahin überlebt hatten.
Bis Ende April 1945 waren etwa 30.000 Gefangene in den Lagern eingesetzt worden, unter ihnen 4200 Frauen und 850 Kinder. Die meisten mussten in primitivsten Erdhütten schlafen. In nur zehn Monaten kamen nach Schätzungen aus früher Nachkriegszeit mindestens 14.500 Häftlinge durch Hunger, Seuchen, Erschöpfung gemäß „Vernichtung durch Arbeit“, Hinrichtungen, Überstellung nach Auschwitz-Birkenau sowie Todesmärsche ums Leben. Die Toten wurden in Massengräbern verscharrt. Nach dem Krieg wurden an den aufgefundenen Orten KZ-Friedhöfe angelegt.
2021 gab es vor Ort kaum noch Spuren, einige der Lager wurden mit Industriegebäuden (I), Wohnhäusern (V, X) oder Kleingartensiedlungen (III) überbaut, andere als Kiesgrube genutzt (IV, IX), später als Baggersee zur sommerlichen Erholung (IX). Lediglich ein Teil des Lagers Kaufering VII ist bis heute aufgrund der Initiative von Anton Posset und der Bürgervereinigung Landsberg im 20. Jahrhundert als Erinnerungs- und Gedenkort erhalten geblieben.J. Ramming, D. Stonus: Machbarkeitsstudie für einen Dokumentationsort zum ehemaligen KZ-Außenlagerkomplex Landsberg / Kaufering. Hrsg.: FranKonzept. Würzburg, April 2016, S. 198, Stiftung Bayerische Gedenkstätten (PDF) [PDF; 20 MB] oder als In der Prager Holocaustgedenkstätte Pinkas-Synagoge hingegen steht der KZ-Außenlagerkomplex Kaufering in einer Reihe mit den Vernichtungslagern Maly Trostinec und Treblinka.
mini|Alle Standorte des KZ-Außenlagerkomplexes Kaufering, mit KZ-Friedhöfen
KZ-Außenlagerkomplex Kaufering Im Rahmen des Luftrüstungsprojekts des Jägerstabs unter der Oberbauleitung Ringeltaube sollten drei gigantische halbunterirdische Bunker für die Flugzeugproduktion des Düsenstrahljägers Messerschmitt Me 262 im Frauenwald in Landsberg entstehen, unter den Tarnnamen „Weingut II“, „Diana II“, und „Walnuss II“. Kaufering war der nächstgelegene Bahnhof an der Hauptstrecke München–Buchloe. Weitere drei Bunker sollten durch den KZ-Außenlagerkomplex Mühldorf gebaut werden.
Ab dem 18. Juni 1944 wurden litauische und ungarische Juden aus dem KZ Auschwitz in das erste Lager Kaufering I (später umbenannt in Kaufering III) überstellt und zu Bunkerbauarbeiten gezwungen. Ab Mitte 1944 wurden bis dahin Überlebende des Ghettos und Kinderkonzentrationslagers Litzmannstadt wie auch des KZ Kauen und seines KZ-Außenlagers Schaulen in den Lagerkomplex Kaufering überstellt, zum Teil über kurze Zwischenstationen im KZ Stutthof und KZ Dachau. So waren später viele andere Nationalitäten vertreten, aus Polen, den baltischen Staaten, Rumänien, Griechenland, Italien, Frankreich, Spanien, als auch viele Frauen aus Ungarn. Allein der als Schreiber eingesetzte internierte Priester Jules Jost zählte vom 18. Juni 1944 bis 9. März 1945 insgesamt 28.838 Gefangene, es trafen auch danach weitere Transporte mit Häftlingen ein. Bis Ende Oktober 1944 wurde, wer nicht mehr arbeiten konnte, zurück nach Auschwitz in die Gaskammern geschickt. Der letzte Transport nach Auschwitz fand am 25. Oktober 1944 statt. Es wurden 1020 Häftlinge aus den Lagern I, II, III, IV und VII geschickt. Ab November 1944 (die Gaskammern waren demontiert) starben die Häftlinge im Lager. Die meisten (Typhus) kranken Häftlinge wurden ins sog. „Krankenlager“ KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach geschickt. Die Leichen wurden in der Umgebung in Massengräbern vergraben.buergervereinigung-landsberg.de Meldung über Abgabe von 1020 Häftlingen an das Konzentrationslager Auschwitz am 25. Oktober 1944 von den Konzentrationslagern Kaufering I, II, III, IV und VII, buergervereinigung-landsberg.de, 2007, abgerufen am 13. Mai 2025 In nur zehn Monaten kamen nach Schätzungen aus früher Nachkriegszeit mindestens 14.500 Häftlinge durch Hunger, Seuchen, Hinrichtungen, Überstellung zur Vergasung im KZ Auschwitz-Birkenau sowie Todesmärschen ums Leben. Allein im September und Oktober 1944 wurden mehr als 1300 Häftlinge nach Auschwitz deportiert und ermordet.
mini|Wir waren Juden – das war unsere Schuld, KZ-Außenlager Kaufering VIII – Seestall (Foto: 2014) mini|Niedergebrannte Hütten im KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach. (Foto: Edward C. Newell, 27./28. April 1945. United States Holocaust Memorial Museum) mini|hochkant|Colonel Seillers von der 12. US-Panzerdivision hält mit Dolmetscher eine Rede vor deutschen Zivilisten, die in Hurlach versammelt sind (KZ-Außenlager Kaufering IV – Hurlach). (29. April 1945. United States Holocaust Memorial Museum)
Kurzüberblick – KZ-Außenlagerkomplex KauferingManfred Deiler: (Luftbilder und Koordinaten) landsberger-zeitgeschichte.de; abgerufen am 14. September 2021. Elf KZ-Außenlager Kaufering… Zeitraum, Umfang, Einsatz, Rahmenbedingungen, Besonderheiten Ort Anschrift I – Landsberg SS-Kommandantur Lagerkomplex Kaufering I–XI Geplant erst ab 22. Juni 1944, bis zu 3000–5000 Männer. Leonhard Moll Eisenbahn- und Betonbau, Geiger Wasser- und Kanalbau, für Bunker-Baustelle Weingut II. Ab 1. August 1944, 200 Frauen für Feldarbeit und Dynamit AG. Ab September 1944 wurde es zum Hauptlager I mit SS-Kommandantur. Ab Oktober 1944 wurde das überbelegte Lager durch Errichtung des KZ-Außenlager Kaufering XI – Landsberg-Stadtwaldhof entlastet. Am 14. April 1945 waren 2770 Häftlinge in diesem Lager. Mit Industriegebiet überbaut. Vor Ort keine Spuren oder Zeichen der Erinnerung. Landsberg am Lech Robert-Bosch-Str., v. a. bis Max-Planck-Str., Rudolf-Diesel-Str., Daimlerstr. II – Igling Ab 24. August 1944, Lager westlich und für Bunker-Baustelle Diana II. Zunächst 1200 Männer. Am 14. April 1945 wurde dieses Lager nicht mehr erwähnt. Nutzung des ehemaligen Lager-Geländes für landwirtschaftliche Zwecke. Igling, Stoffersberg III – Kaufering (zu Beginn „I“, dann „III“) Ab 18. Juni 1944, Leonhard Moll Eisenbahn- und Betonbau für Bunker-Baustelle Weingut II, Gleistrassenbau und Errichtung des Lager II – Igling sowie des Lagers Landsberg. Überwiegend aus Ungarn kamen die 2000 Männer und 339 Frauen. In der Gleiskurve Kaufering Bahnhof,Ladislaus Ervin-Deutsch: Nachtschicht im Arbeitslager III in Kaufering. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Sklavenarbeit im KZ (= Dachauer Hefte. Band 2; dtv. Band 4607; Teil von: Anne-Frank-Shoah-Bibliothek). dtv, München 1993, ISBN 3-423-04607-4, S. 79–122 (194 S.). auch nachts gut beleuchtet, von Bahnreisenden auf der Strecke gut zu sehen. Mit Kleingartenanlage überbaut. Bodenplatte der Lagerküche ist erhalten. Kaufering IV – Hurlach Ab September 1944, Leonhard Moll Eisenbahn- und Betonbau, Firma Holten, 3000 Männer. Ab Jahreswechsel 1944/45 „Sterbelager“ mit über 3000 Kranken im April 1945. Ab 1990er als Kiesgrube genutzt. Fundamentreste der früheren SS-Wachmannschaftsgebäude sind erhalten. Kolonie Hurlach V – Utting Ab Spätsommer 1944, 500–600 Männer für Gerberei und Dyckerhoff & Widmann, unter dem Tarnnamen Rudolf II wurden Fertigbauteile für den Innenausbau von Bunker Weingut II erstellt. Möglicherweise war dies die Lagerküche oder Posten von KZ-Außenlager Kaufering X – Utting. Am 14. April 1945 waren 525 Häftlinge interniert. Augenzeuge David Ben Dor war Funktionshäftling in der Schlosserei mit 300 Häftlingen und nannte die Aussichtswarte als Standort. s. a. KZ-Außenlager Kaufering X – Utting. Utting am Ammersee Gegend VI – Türkheim Ab Oktober 1944. Bis zu 2500 Männer für Messerschmitt AG. Ab Januar 1945, 1000 Frauen waren eingesetzt, um Gräben auszuheben, Unterkünfte zu bauen, aufzuräumen und zu reinigen. Türkheim VII – Landsberg-Erpfting September 1944 bis April 1945, 2000 bis 3000 Männer, 270 Frauen. Ab Winter 1944/45 als Krankenlager genutzt. Straße zwischen Erpfting und Landsberg, an demontierter Bahnlinie. Am 14. April 1945 waren noch 1375 Häftlinge interniert. Lager-Reste sind erhalten. Erpfting (Landsberg) VIII – Seestall Ab 22. November 1944 erwähnt, Leonhard Moll Eisenbahn- und Betonbau. Tarnbauten, Kiesgewinnung. Lagerkapazität 900 Personen. Außenlager VIII war eher Fehlplanung, da Kiesschicht nicht mächtig genug. Gearbeitet wurde an Tarnbauten und in der Kiesgewinnung oder in der Landwirtschaft. Im April 1945 wurde dieses Lager nicht mehr aufgeführt. Nutzung des ehemaligen Lager-Geländes für landwirtschaftliche Zwecke. Seestall (Fuchstal) IX – Obermeitingen Ab 14. Oktober 1944 erwähnt, Kapazität 800 Personen. Organisation Todt, Tarnbauten, Kiesgewinnung. Vermutlich aufgebenes Lager, später Quarantäne-Lager für neu ankommende Gefangene. Schlechte Quellenlage. S. a. Lagerlechfeld. Im April 1945 wurde dieses Lager nicht mehr aufgeführt. Später als Kiesgrube genutzt, inzwischen Naherholungs-Baggersee. Obermeitingen X – Utting Ab 26. September 1944, Bauarbeiten und Firma Kranz, Dykerhoff & Widmann, 400 Männer. Aufbau durch KZ-Häftlinge des Lagers V. Es war ein relativ kleines Lager, die Arbeit erfolgte vor allem im Innenbereich, die Überlebenschancen waren höher als in den anderen Lagern. Am 14. April 1945 dürfte dieses Lager nicht mehr bestanden haben. Mit Wohnhäusern überbaut. Utting am Ammersee XI – Landsberg-Stadtwaldhof Ab Ende Oktober 1944 von KZ-Häftlingen des Lagers II – Igling errichtet, um das überfüllte KZ-Außenlager Kaufering I – Landsberg zu entlasten. Leonhard Moll Eisenbahn- und Betonbau, Holzmann, Held & Francke, 3000 Männer für Bunkerbau „Weingut II“ (später fertiggestellt für heutige Welfen-Kaserne Landsberg). Das Lager bestand aus Erdhütten und Tonflaschenbunkern, mit Funktionsbaracken und Entlausungsbad. Am 14. April 1945 war es mit 2124 Gefangenen belegt. Landsberg am Lech Landsberg (Penzing) Dieses „SS-Arbeitslager Landsberg am Lech“ war nicht der SS-Kommandantur in Landsberg unterstellt.