mini|hochkant|Auf dem Titelbild der englischen Erstausgabe posiert Mishima in der klassischen Samurai-Pracht.

Tod im Hochsommer (, Manatsu no Shi) ist eine Sammlung von Kurzgeschichten des japanischen Schriftstellers Yukio Mishima, die am 17. Januar 1966 bei Shinchosha veröffentlicht wurde. Die Sammlung trägt ihren Namen durch die 1953 veröffentlichte Kurzgeschichte Tod im Hochsommer.

Eine erweiterte Edition erschien Ende 1966, ebenfalls bei Shinchosa. Diese enthält zusätzlich noch das Theaterstück Komachi am Grab.

Tod im Hochsommer gewann im Mai 1967 den Prix Formentor-Literaturpreis in Mallorca, Spanien.

Die deutsche Übersetzung erschien 1986 beim Rowohlt Verlag.

1. Geschichte: Tod im Hochsommer mini|Die titelgebende Geschichte Tod im Hochsommer behandelt die Reaktionen einer Familie, nachdem zwei ihrer Kinder im Meer der Izu-Halbinsel ertrunken sind. Tod im Hochsommer (, Manatsu no Shi) ist die titelgebende Kurzgeschichte und wurde originär am 15. Februar 1953 bei Sogensha veröffentlicht. Sie ist zugleich die längste Geschichte der Sammlung.

Die Erzählung behandelt die Reaktionen und Gefühle einer Familie, nach dem Tod ihrer beiden Kinder und einer engen Verwandten.

Handlung Die Geschichte beginnt mit einem Epigraph von Charles Baudelaire:

Die junge Mutter Tomoko Ikuta macht mit ihrer fünfjährigen Tochter Keiko, ihren Söhnen Kiyoo und Katsuo, drei bzw. sechs Jahre alt, und ihrer Schwägerin Yasue, einen Sommerurlaub auf der Izu-Halbinsel. Um der erdrückenden Hitze zu entkommen, hält sie einen Mittagsschlaf im Hotel, während Kiyoo und Katsuo unter Aufsicht Yasues an den Strand gehen.

Um nicht zu braun zu werden, versteckt sich Yasue unter ihrem Sonnenschirm, während die drei Kinder am Rand des Wassers Fangen spielen. Keiko und Kiyoo verfangen sich in einem Sog und werden unter Wasser gezogen; Yasue eilt ihnen zur Hilfe, kollabiert aber im Wasser durch einen stressbedingten Herzinfarkt. Besucher am Strand bemerken Yasues Untertauchen und ziehen ihren Körper aus dem Wasser. Von den zwei verschwundenen Kindern haben sie nichts mitbekommen.

Als Tomoko von Yasues Schwimmunfall mitbekommt, sprintet sie zum Rasen am Strand und sieht dort einen Mann Mund-zu-Mund-Beatmung praktizieren. Vier Stunden später gibt der Arzt seine Bemühungen auf, Yasue aus ihrem Koma zu wecken. Erst dann erfährt Tomoko von ihrem jüngsten Sohn Katsuo, dass seine Geschwister ertrunken sind. Nach Sonnenuntergang bemühen mehrere Männer aus der Umgebung vergeblich eine Suchaktionen. Am nächsten Tag sendet Tomoko ihrem Ehemann Masaru ein Telegramm und informiert ihn über seine verstorbene Schwester sowie das Verschwinden Kiyoos und Keikos.

Masaru verlässt augenblicklich Tokio und reist zur Izu-Halbinsel. Als er ankommt, kniet Tomoko vor ihrem Ehemann und sagt, der Unfall sei ganz ihre Schuld. Masaru äußert sein Verständnis und tröstet seine Frau. In den Folgetagen durchläuft das Ehepaar starke Emotionen. Tomoko ist verärgert darüber, dass ihr Ehemann um seine Schwester trauert, da sie glaubt, dies vermindere seine Gefühle gegenüber seinen verschwundenen Kindern. Auf der Beerdigung entschuldigt sie sich bei Masarus Eltern und nimmt die Schuld auf sich, zu ihren eigenen Eltern hingegen sagt sie: „Aber wen sollten sie denn eigentlich bemitleiden? Habe ich nicht erst gerade zwei Kinder verloren? Trotzdem macht mir jeder Vorwürfe!“ Auch in den folgenden Monaten kämpft Tomoko mit ambivalenten Gefühlen: zeitweise verlangt sie eine Strafe dafür, ihre Kinder allein gelassen zu haben, zeitweise möchte sie Sympathie für ihren Verlust.

Durch den Vorfall wird Tomoko zunehmend paranoider, dass ein weiterer Unfall passieren könnte. Weil Masaru einen Autounfall verursacht hat, lässt sie Katsuo nicht mehr mit ihrem Vater im Auto fahren. Als die Familie eine Grabstätte besucht, verbietet sie Katsuo aus einem öffentlichen Springbrunnen zu trinken. Aus Angst vor Keimen trägt sie stattdessen nur noch gekochtes Wasser mit sich, das Katsuo trinken soll. Auf dem Rückweg von der Grabstätte kauft Tomoko ihrem Sohn ein Spielzeug und – im Irrglauben, Kiyoo und Keiko warteten Zuhause – überlegt sie, ihren anderen Kindern auch etwas zu kaufen. Um möglichst wenig über den Unfall nachzudenken, geht Tomoko immer häufiger auf Konzerte und fängt an, zu nähen.

Im Winter erfährt Tomoko, dass sie schwanger ist. In ihrer großen Freude beginnen sie und ihr Ehemann Masaru die Ereignisse des Sommers immer mehr zu verarbeiten. Sie fühlen sich langsam wie Zuschauer statt als Opfer des Unfalls. Im folgenden Sommer wird schließlich ihre Tochter Momoko geboren. Zu ihrem ersten Geburtstag wünscht sich Tomoko, erneut einen Sommerurlaub auf der Izu-Halbinsel zu machen. Als die Familie am Strand sieht, beobachtet Masaru einen Gesichtsausdruck auf Tomokos Gesicht, der ähnlich aussieht wie noch damals beim Unfall. Sie starrt in die weite See, mit einem Ausdruck, als ob sie auf etwas wartete.

Erzählstil Mishima bedient sich für Tod im Hochsommer des auktorialen Erzählstils, heißt, der Erzähler ist allwissend: Er kennt alle Gedanken, Zusammenhänge und Entwicklungen der Geschichte.

Die Signifikanz dieser Erzählweise offenbart sich insbesondere durch die Nebenrollen. So vermittelt er die Gefühle der Kinder Kiyoo, Keiko und Katsuo durch eine Kombination kurzer dramatischer Vorfälle und eigener Kommentierung. Er zeigt Yasues Unsicherheit auf und erklärt damit sowohl, wieso diese sich von der jüngeren Tomoko dominieren lässt und weshalb sie die Kinder allein am Wasser gelassen hat. Ebenso etabliert er durch die Beschreibung äußerer und innerer Vorgänge Tomokos Ehemann Masaru als Stereotyp des modernen japanischen Ehemannes: Er ist mehr mit seinem Beruf verheiratet als mit seiner eigentlichen Ehefrau und die Zuneigung, die er von ihr erwartet, ist gleichermaßen ehelich wie mütterlich.

Am wichtigsten wird der Erzählstil hingegen bei der Protagonistin, Tomoko. Ebenfalls durch eine Kombination äußerer Vorgänge, innerer Gedanken und eigener Kommentierungen, vermittelt er die Komplexität der Gefühlswelt einer Frau, die ihre Kinder durch einen Unfall verloren hat und sich zumindest partiell dafür verantwortlich fühlt.

Themen Zentrales Thema der Erzählung ist die Omnipräsenz des Todes und die Akzeptanz des Schicksals.

Die See agiert als Sinnbild der zeitlosen Realität, die Tomoko hinter ihrer komfortablen Mittelschicht-Fassade erkennen muss: die Omnipräsenz des Todes und die individuelle Entwicklung, diese Omnipräsenz anzuerkennen.

Mishima zeigt mit Kiyoo und Keiko zwei Personen, die sich kurz vor dem Unfall zwar der Wirkung des Todes bewusst sind, aber noch zu jung, um dessen Omnipräsenz zu erkennen. Auch Tomoko ist noch zu jung und unschuldig, um sich der Gegenwärtigkeit des Todes bewusst zu sein. Mishimas Beschreibung ihres Schlafes betont dessen Jugend- und Weiblichkeit und vergleicht sie mit Dornröschen; im Gegensatz zu Dornröschen wird sie aber nicht durch einen Prinzen an die Realität erinnert, sondern durch die Kraft der See, die ihre beiden Kinder genommen hat. Essentiell ist auch, dass Tomoko während des Unfalls nicht anwesend war und Yasue die Todeserfahrung an ihrer Stelle erlebt hat. Tomoko nimmt dadurch sowohl am Tod ihrer Kinder teil, aber nur indirekt. Dadurch erst entwickelt sie das Bewusstsein über die menschliche Sterblichkeit.

Anfangs hat Tomoko ein solches Bewusstsein nicht. Sie reagiert auf den Unfall auf einer rein personellen und sozialen Ebene, indem sie sich darum sorgt, wie sie die schlechten Nachrichten Masaru und seinen Eltern überbringen soll. Dasselbe gilt auch für Masaru: Sein erster Gedanke ist, genug Geld mitzunehmen, um die Kosten der Ärzte und Bestatter bezahlen zu können. Tomokos Gefühle bestehen zum Anfang vor allem aus ihrem Gedanken, ein Opfer des Schicksals zu sein. Dies ändert sich über die Geschichte und am Ende ist ihr Verständnis des Lebens und Todes tiefgründiger, aber auch tragischer als das Masarus.

Hintergrund Mishima wurde zu der Geschichte auf seiner Reise nach Griechenland inspiriert, als auf der Izu-Halbinsel zwei Jungen verschwanden und nach intensiven Suchaktionen tot am Strand gefunden wurden. Um die Unvermeidbarkeit des Schicksals in den Mittelpunkt zu stellen, entschied sich Mishima, entgegen konventionellen Erzählweisen die Klimax der Geschichte an den Anfang zu stellen. Die Herangehensweise verlangte dem jungen Autor eine Menge ab und er formulierte die Sorge, den Leser zu langweilen, wenn sich die Geschichte nicht auf einen Höhepunkt hinbewegt.

2. Geschichte: Eine Million Yen in Reiskuchen mini|Eine Million Yen in Reiskuchen spielt im schillernden Asakusa-Bezirk. Eine Million Yen in Reiskuchen (, Hyakuman'en senbei), in älteren Übersetzungen noch Drei Millionen Yen genannt, ist eine im September 1960 veröffentlichte Kurzgeschichte. Sie erschien später gemeinsam mit Patriotismus und Stern in der Sammlung Sutā.

Sie erzählt von einem frischverheirateten Ehepaar, das aus Hoffnung auf eine gute Zukunft akribisch ihr Geld zusammenspart. Um ihr Ziel zu erreichen, nehmen sie an bizarren Sexfeiern von reichen, gelangweilten Kunden teil.

Innerhalb Japans gilt Eine Million Yen in Reiskuchen als eine der bekanntesten Kurzgeschichten.

Handlung In einer heißen und schwülen Nacht trifft sich das frische Paar Kenzo und Kiyoko mit einer unbekannten Frau mit dem Namen „Tante“ im „Neue Welt“, einem Kaufhaus im schillernden Asakusa-Bezirk. Auf dem Dach von „Neue Welt“ erstrahlen die grellen Neonlichter einer fünfstöckigen Pagode, an deren Platz zuvor ein Teich stand. Da es erst 21 Uhr ist, betritt das Paar das Gebäude und schaut sich dort Spielzeuge und das Tokyo-Tower-Modell an.

Die Frischvermählten haben einen festen Lebensplan für die Zukunft gefasst. Er verfügt über drei Sparbücher namens „X-Plan“, „Y-Plan“ und „Z-Plan“, die für Elektrogeräte, Möbel und ein Haus reserviert sind. Da sie von einem Freund und frischgebackenen Vater erfuhren, wie teuer ein Kind ist, entschieden sie sich für eine „geplante Geburt“. Sie wollen also erst Kinder haben, wenn sie es sich auch wirklich leisten können.

Es wird schnell klar, dass Kenzo zynisch gegenüber „Nörglern“ eingestellt ist, die vom modernen Japan enttäuscht sind. Er glaubt, solange man die Natur respektiert und hart arbeitet, ist jeder in der Lage, etwas im Leben zu erreichen. Inmitten seines Monologs wird Kenzo durch ein Plastikspielzeug abgelenkt, das kleine Modellraketen in die Luft schießt. Kenzo drückt den Knopf und die abgeschossene Rakete landet in der Süßwarenabteilung auf einem Dreierpack Millionen-Yen-Reiskuchen, einem Reiskuchen in Gestalt eines Geldscheins. Gegen Kiyokos Widerstand, es sei zu teuer, kauft er ein Paket des Millionen-Yen-Reiskuchens.

Während sie die Reiskuchen essen, überredet Kenzo seine skeptische Frau, eine Runde auf dem Fahrgeschäft 20.000 Meilen unter dem Meer zu fahren. Sie ist nicht begeistert, da man für den Ticketpreis auch einen „guten Fisch“ hätte kaufen können, lässt sich aber am Ende darauf ein. Als zweite Attraktion besuchen sie Magic Land und die aufgestellten Zwerge gemahnen Kenzo der Kinder, die das Paar bisher noch nicht hat. Während sie durch die Hallen der Ausstellung laufen, schwärmen die beiden von dem schönen Leben, das vor ihnen liegt, wenn sie erst einmal genug Geld gespart haben werden.

Der Zeitpunkt ist eingetreten und das Paar geht zum vereinbarten Treffpunkt im 3. Stock des Kaufhauses. „Tante“ begrüßt die beiden und führt sie zu einer Villa in Nakano, in der bereits drei Frauen und zwei Männer warten. Auf „Tantes“ Kommando zieht sich das Paar aus und hat Sex vor den unbeeindruckten Augen der Zuschauer. Um Mitternacht ist die „Show“ vorbei und eine genervt dreinblickende „Tante“ drückt Kenzo 5000 Yen (in etwa 40 Euro) in die Hand.