Biophytum ist eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Sauerkleegewächse (Oxalidaceae). Sie enthält je nach Auffassung der Bearbeiter 50 bis 80 Arten. Charakteristisch ist die Reizbarkeit der Blattfieder.
Beschreibung mini|Illustration aus A hand-book to the flora of Ceylon, Tafel XXI von Biophytum intermedium mini|Illustration von Biophytum umbraculum mini|Biophytum dendroides mini|Biophytum reinwardtii mini|Blüten von Biophytum reinwardtii mini|Blütenstand mit Blüten im Detail von Biophytum sensitivum mini|Offene Kapselfrucht mit ausgebreiteten Fruchtklappen und Samen von Biophytum sensitivum mini|Habitus, Laubblätter und Blütenstände von Biophytum somnians
Vegetative Merkmale Biophytum-Arten wachsen als aufrechte, unverzweigte einjährige bis dichotom verzweigte ausdauerndekrautige Pflanzen oder meist als sympodialverzweigte Halbsträucher. Die Basis der Sprossachsen ist manchmal verholzt und das obere Ende besitzt meist einen Ring von zurückgebogenen steifen Trichomen. Sie erreichen Wuchshöhen von einigen Zentimetern bis über einen Meter.
Die Laubblätter sind nicht gleichmäßig am Stängel verteilt, sondern in endständigen Rosetten oder in quirlig am Stängel verteilten Rosetten angeordnet. Die Nebenblätter sind borstenförmig. Die Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert. Der Blattstiel ist an seiner Basis verdickt. Bei sämtlichen Biophytum-Arten sind die Blattspreiten paarig gefiedert. Das Endfiederblatt ist zu Granne reduziert. Die fast sitzenden bis kurz gestielten Fiederblättchen sind gegenständig an der Blattrhachis angeordnet. Die Fiederblättchen enden gerundet und stachelspitzig. Die Nebenblätter sind fadenförmig. Die untersten Fiederblätter sind fleischig, fast dreieckig oder eiförmig und breiter als lang.
Generative Merkmale Die auf einem deutlichen Blütenstandsschaft oder sitzend angeordneten dicht trugdoldigen oder doldigen Blütenstände können kugelig oder zylindrisch sein. An der Basis der Blütenstandsschäfte befinden sich Tragblätter. Die spiralig angeordneten und überlappenden Deckblätter sind pfriemlich. Die Blütenstiele sind kürzer oder länger als die Deckblätter und an der Nähe ihrer Basis gegliedert.
Die zwittrigen Blüten sind radiärsymmetrisch und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf haltbaren, fast freien Kelchblätter sind lanzettlich mit zugespitztem oberen Ende und innen kahl. Die fünf meist gelben oder weißen, selten purpurfarbenen Kronblätter sind verdreht, kahl und auf halber Höhe verwachsen. Von den kurz verwachsenen Staubblättern sind alle fertil oder einige, die kürzeren, sind reduziert und steril. Der Fruchtknoten ist fünflappig und fast kugelig. Die endständigen Narben sind vergrößert, zweiteilig, fast kopfig und papillös.
Auf der Frucht ist noch der Kelch vorhanden. Die eiförmigen bis länglichen Kapselfrüchte öffnen sich fachspaltig =oder lokulizid; manchmal sind die fünf Fruchtklappen an der Basis sternförmig ausgebreitet. Jedes Fruchtfach enthält mehrere (ein bis sechs) Samen in zwei Reihen. Die braunen Samen besitzen oft kleine Höckerchen. Die Samen sind bitegmisch und die äußere Haut öffnet sich bei Reife und schleudert die Samen heraus.
Es liegt Homostylie oder Heterostylie als Di- oder Tristylie vor.
Die Kapselfrucht springt bei Reife mit fünf Klappen zu einem fünfzähligen Stern auf, der die Samen präsentiert. Nach Antrocknung der Epidermis der Samen springen diese dann weg, wie im Artikel über die Sauerkleegewächse beschrieben.
Systematik und Verbreitung Die Gattung Biophytum wurde 1824 durch Augustin-Pyrame de Candolle in Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis ... (DC.), Band 1, Seite 689–690 aufgestellt. Typusart ist Biophytum sensitivum , dessen Erstveröffentlichung 1753 als Oxalis sensitiva
Die Gattung Biophytum gedeiht fast weltweit in den Tropen, und zwar im Wesentlichen in tropischen Regen- und Nebelwäldern. Zentren der Artenvielfalt sind die Anden des nördlichen Südamerikas und Südasien. In Indien kommen etwa 21 Arten vor, von denen etwa 18 aus den Western Ghats stammen. Sieben Arten kommen in Malesien und drei Arten in Madagaskar vor. In Panama kommen fünf Arten, drei davon nur dort vor.
Je nach Autor gibt es 50 bis 70 oder bis 80 Arten (Auswahl): Biophytum abyssinicum : Sie ist im tropischen Afrika weitverbreitet. Biophytum adiantoides : Sie kommt im südlichen Vietnam, in Kambodscha, Thailand sowie auf der Malaiischen Halbinsel vor. Biophytum aeschynomenifolia : Sie kommt nur an wenigen Fundorten auf Madagaskar vor. Biophytum agasthyamalayanum : Sie wurde 2020 aus dem indischen Bundesstaat Kerala erstbeschrieben. Biophytum albizzioides : Sie kommt nur an wenigen Fundorten auf Madagaskar vor. Biophytum amazonicum : Sie kommt in Peru vor. Biophytum antioquiense Biophytum bolivianum : Sie kommt nur in Bolivien vor. Biophytum boussingaultii Biophytum calophyllum Biophytum cardonaei Biophytum castum Biophytum chocoense Biophytum columbianum Biophytum commersonii Biophytum congestiflorum Biophytum cowanii : Sie kommt nur an einem Fundort in Mexiko vor. Biophytum crassipes Biophytum dendroides Biophytum dormiens Biophytum falcifolium : Sie kommt nur in Panama vor. Biophytum forsythii Biophytum foxii : Sie kommt nur in Peru vor. Biophytum fruticosum : Sie kommt in Indien, Indonesien, Thailand, Malaysia, Neuguinea, auf den Philippinen, in Myanmar, Kambodscha, Vietnam und in China vor. Biophytum globuliflorum : Sie kommt nur in Peru vor. Biophytum gracile Biophytum heinrichsae Sie kommt nur in Ecuador vor. Biophytum helenae Biophytum hermanni Biophytum hildebrandtii Biophytum huilense Biophytum insigne Biophytum intermedium Biophytum jessenii Biophytum juninense : Sie kommt in Peru vor. Biophytum kassneri Biophytum kayae : Sie wurde 2003 aus dem venezolanischen Bundesstaat Amazonas erstbeschrieben. Biophytum latifolium : Sie wurde 2012 aus dem mexikanischen Bundesstaat Veracruz erstbeschrieben. Biophytum lindsaeifolium Biophytum longibracteatum Biophytum longipedunculatum Biophytum lourteigiae : Sie wurde 2003 aus dem venezolanischen Bundesstaat Amazonas erstbeschrieben. Biophytum luetzelburgii Biophytum macropodum Biophytum macrorrhizum Biophytum madurense Biophytum mapirense Sie kommt nur in Bolivien vor. Biophytum microphyllum Biophytum mimosella Biophytum molle Biophytum mucronatum : Sie kommt nur in Panama vor. Biophytum mutisii Biophytum myriophyllum Biophytum nervifolium Biophytum nudum Biophytum nyikense : Sie kommt im südlichen Tansania, nördlichen Malawi und auf den Nyika-Plateau in Sambia vor. Biophytum ottohuberi : Sie wurde 2003 aus der venezolanischen Provinz Bolívar erstbeschrieben. Biophytum panamense : Sie kommt nur in Panama vor. Biophytum permultijugum Biophytum perrieri Biophytum peruvianum : Sie kommt in Peru sowie Bolivien vor. Biophytum polyphyllum Biophytum poterioides : Sie wurde 2017 reaktiviert. Dieser Endemit kommt nur im indischen Bundesstaat Tamil Nadu vor. Biophytum proliferum Biophytum puliyangudiense : Sie wurde 2009 aus dem indischen Bundesstaat Tamil Nadu erstbeschrieben. Biophytum reinwardtii Biophytum renifolium Biophytum richardsiae Biophytum robustum Biophytum santanderense Biophytum sensitivum Biophytum somnians Biophytum soukupii : Sie kommt in Panama, Ecuador sowie Peru vor. Biophytum talbotii Biophytum tessmannii : Sie kommt nur in Peru vor. Biophytum thorelianum : Sie kommt in Vietnam, Kambodscha sowie in Thailand vor. Biophytum turianiense Biophytum umbraculum (Syn.: Biophytum petersianum ): Sie kommt in Indien, Indonesien, Malaysia, Myanmar, Neuguinea, auf den Philippinen, in Thailand, Vietnam, Yunnan, im tropischen Afrika und auf Madagaskar vor. Biophytum uzungwaensis Biophytum veldkampii Biophytum zenkeri Biophytum zunigae : Sie kommt nur in Honduras vor.
Quellen Einzelnachweise Augustin-Pyrame de Candolle in Prodromus Systematis Naturalis Regni Vegetabilis ... (DC.), Band 1, 1824, S. 689–690eingescannt. Quanru Liu, Mark Watson: Oxalidaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven, Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China. Volume 11: Oxalidaceae through Aceraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2008, ISBN 978-1-930723-73-3. Biophytum Candolle. S. 1–2 - textgleich online wie gedrucktes Werk. T. J. S. Rajakumar, R. Selvakumari, S. Murugesan, N. Chellaperumal: Biophytum puliyangudiense, a new species of Oxalidaceae from Tamil Nadu, India. In: Indian Journal of Forestry, Volume 32, Issue 3, 2009, S. 497–499. doi:10.54207/bsmps1000-2009-3504S7 E. S. Santhosh Kumar, Suchithra G. Krishnan, K. Murugesan, L. H. Namitha, Jan-Frits Veldkamp: Reinstatement and lectotypification of Biophytum poterioides Edgew. (Oxalidaceae) - an endemic species of the Peninsular India. In: Abrahamia, Volume 3, 2017, S. 16–19. PDF. Jisha Daniel, Ettickal Sukumaran, E. S. Santhosh Kumar, William Decruse, Madhavan Rajendraprasad: A new species of Biophytum (Oxalidaceae) from the Western Ghats (Kerala, India). In: Phytotaxa, Volume 438, Issue 1, April 2020, S. 49–52. doi:10.11646/phytotaxa.438.1.6 Val Stajsic, 2024: Biophytum. In: P. G. Kodela (Hrsg.): Flora of Australia, Australian Biological Resources Study, Department of Climate Change, Energy, the Environment and Water: Canberra. Biophytum. In: Flora Malesiana DataPortal. M. A. Hyde, B. T. Wursten, P. Ballings, M. Coates Palgrave, 2024: Biophytum In: Flora of Malawi. M. A. Hyde, B. T. Wursten, P. Ballings, M. Coates Palgrave, 2024: Biophytum In: Flora of Mozambique. M. A. Hyde, B. T. Wursten, P. Ballings, M. Coates Palgrave, 2024: Biophytum In: Flora of Zimbabwe. M. A. Hyde, B. T. Wursten, P. Ballings, M. Coates Palgrave, 2024: Biophytum In: Flora of Zambia. Datenblatt bei e-Flora of Thailand.
Historische Literatur R. Knuth: Oxalidaceae. IV. 130 (Heft 95), 1930, S. 1–481. In: H. G. A. Engler: Das Pflanzenreich. Verlag von Wilhelm Engelmann, Leipzig. J. F. Veldkamp: Notes on Biophytum (Oxalidaceae) of the Old World. In: Taxon, Volume 38, Issue 1, 1989, 110–116. doi:10.2307/1220908 Tom Wendt: Plantae Uxpanapae III. A New Species of Biophytum (Oxalidaceae) and Five Genera New for the Mexican Flora. In: Brittonia, Volume 39, Issue 1, 1987, S. 133–138. doi:10.2307/2806986
Weblinks
Datenblatt bei IBIS-Flora - Angiosperm Flora of India.
Kategorie:Sauerkleegewächse Kategorie:Oxalidaceae