Thomas Savage (* 25. April 1915 in Salt Lake City; † 25. Juli 2003 in Virginia Beach) war ein US-amerikanischer Schriftsteller. Er wuchs auf Ranches nahe der Grenze von Montana und Idaho auf, bevor er zum Studium nach Maine ging und sich später in New England niederließ. Savage verfasste zwischen 1944 und 1988 insgesamt 13 Romane, von denen die Mehrzahl an den Orten seiner Kindheit und Jugend spielt. Seine Werke über das harte Leben auf den Ranches im Westen der USA, geprägt von menschlichen Tragödien und der häufig unbarmherzigen Landschaft, die die Menschen formt, haben häufig autobiografische Züge. Trotz der Verortung entsprechen sie nicht dem traditionellen Wildwestroman. Savages Romane wurden von der Kritik hochgelobt, fanden zu Lebzeiten jedoch kaum Anklang bei der Leserschaft. Erst seit Anfang der 2000er-Jahre erfolgt eine langsame Wiederentdeckung des Autors.
Leben Frühe Jahre mini|Lemhi Valley, unweit der Yearian-Ranch mini|University of Montana in Missoula Thomas Savage kam 1915 in Salt Lake City als zweites Kind von Elizabeth „Beth“ Savage, geborene Yearian, und Geschäftsmann Benjamin Harrison Savage zur Welt. Das Paar hatte 1911 geheiratet.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 25. Savages drei Jahre ältere Schwester wurde kurz nach ihrer Geburt zur Adoption freigegeben; er lernte sie erst 1969 kennen.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 17.
Die Familie lebte in Seattle. Bereits 1917 ließen sich Savages Eltern scheiden und seine Mutter zog mit ihm ins Lemhi County in Idaho auf die Schaf-Ranch ihrer Eltern, die sich östlich der Kleinstadt Lemhi befand. Die Yearians waren seit den 1860er-Jahren Viehzüchter in der Gegend gewesen.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 21. Ein Teil des Wohlstands der Familie rührte aus Goldfunden in den 1870er-Jahren her, durch den die Familie mehrere Ranches der Gegend aufkaufen konnte. Einige Grundstücke verkauften die Yearians an den späteren Politiker William A. Clark.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 22. Ab 1901 waren die Yearians als Schafzüchter tätig und vor allem Savages Großmutter Emma Russell Yearian galt als Unternehmerin und Schafzüchterin in ihrer Zeit als Ausnahme. In der Gegend war sie als „Sheep Queen of Idaho“ bekannt, da die Familie zeitweise rund 15.000 Schafe besaß.Francesca Coltrera: Thomas Savage. In: Publishers Weekly, 15. Juli 1988, S. 46. Beth Yearian war nach ihrer Rückkehr nach Lemhi als Schäferin der elterlichen Herden tätig und arbeitete auf den Feldern. Savage verarbeitete die Schaf-Ranch der Eltern in seinem autobiografischen Roman I Heard My Sister Speak My Name (dt. Mein Bruder – meine Schwester), der unter dem Titel The Sheep Queen später neu aufgelegt wurde.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 18. Starke Frauen wie seine Großmutter und seine Mutter, zu der er eine sehr enge Bindung hatte,O. Alan Weltzien: Thomas Savage. Forgotten Novelist. In: Montana. The Magazine of Western History. Band 58, Nr. 4, Winter 2008, S. 25. prägten Savage und finden sich auch in seinen Romanen wieder.
Im Jahr 1920 heiratete Savages Mutter Charles Potts Brenner, den Sohn eines Viehzüchters in Horse Prairie westlich von Dillon, im Folgejahr kam Savages Schwester auf die Welt.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 32. Charles Brenner adoptierte Savage, der bis 1942O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 27. den Namen Thomas Brenner trug. Die Familie zog auf die Viehranch der Brenner-Familie in Horse Prairie im Beaverhead County, Montana. Savages Jahre auf der Brenner-Ranch, die in zahlreichen seiner Romane auftaucht, waren unglücklich; obwohl er mit seinem Stiefvater sehr gut zurechtkam, empfand er sich auf der Ranch als AußenseiterO. Alan Weltzien: Thomas Savage. Forgotten Novelist. In: Montana. The Magazine of Western History. Band 58, Nr. 4, Winter 2008, S. 26. und die Heirat seiner Mutter als eine Pflichtheirat, um ihm Sicherheit und einen neuen Vater zu geben.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 19. Savages Mutter wurde alkoholabhängig, was Savage später unter anderem im Roman Die Gewalt der Hunde (Original: The Power of the Dog) verarbeitete.
Savages Schulzeit war wechselhaft, so wurde er zunächst zuhause unterrichtet, besuchte jedoch ab dem achten Lebensjahr die Grundschule und später die Beaverhead County High School in Dillon, wobei er wochentags in Dillon lebte und nur am Wochenende zurück auf die Brenner-Ranch ging. In der achten und zehnten Klasse wurde Savage mit seiner Halbschwester zeitweise erneut zuhause unterrichtet.Sue Hart: Thomas and Elizabeth Savage. Boise State University Western Writers Series Nr. 119, Boise/Idaho 1995, S. 7. Er las viel und entwickelte auf der High School ein Interesse am Schreiben. Als Reporter und Mitherausgeber war er an der lokalen Schülerzeitung The Beaver beteiligt und wusste bald, dass er Schriftsteller werden wollte.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 35. Er beendete die High School 1932 als JahrgangsbesterO. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 34. und begann ein Geschichtsstudium an der University of Montana in Missoula.O. Alan Weltzien: Thomas Savage. Forgotten Novelist. In: Montana. The Magazine of Western History. Band 58, Nr. 4, Winter 2008, S. 29.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 38 Er besuchte zudem Kurse zum Kreativen Schreiben bei Brassil Fitzgerald (1896–1962), pausierte das Studium jedoch bereits 1933, weil er sich mit 17 Jahren zu jung zum Studieren fühlte. Savage war die folgenden zwei Jahre auf der Brenner- und Yearian-Ranch tätig und gab im Sommer 1935 kurzzeitig Reitunterricht an der Highlands Riding Academy bei Portland.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 39. Er arbeitete als Schäfer in der Nähe von Missoula und gab im Spätsommer 1936 Reitunterricht auf der Half Diamond S. Ranch, einer Guest Ranch bei Cranbrook in British Columbia.
In den Jahren 1934/35 sowie erneut 1936/37 setzte Savage sein Studium in Missoula als „unclassified student“ fort, fühlte sich aber dennoch ziellos.Annie Proulx: Afterword. In: Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 269. Er schrieb an einem Buch, das von Verlagen abgelehnt wurde, und veröffentlichte in der Literaturzeitschrift Frontier and Midland im Sommer 1937 den humorvollen Artikel Find the Orchestra über das Thema Filmmusik.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 46. Für das Magazin Coronet schrieb Savage 1937 noch unter seinem Adoptivnamen Thomas BrennerDer Autorenname wurde durch Coronet mit „T. Brenner“ angegeben. den Essay The Bronc-Stomper, der das Pferdezureiten behandelte. Für seine erste größere Veröffentlichung erhielt Savage 75 Dollar Honorar.
mini|Colby College Savage wechselte im Herbst 1937 auf das Colby College in Waterville, wo er Anglistik studierte. Schon im Sommer 1937 hatte er über einen regen Briefwechsel die Tochter seines Mentors Brassil Fitzgerald, die spätere Schriftstellerin Elizabeth Fitzgerald, kennengelernt, die am Colby College studierte.Elizabeth Savage verarbeitete das erste Treffen mit Savage in ihrem 1973 erschienenen Roman The Last Night at the Ritz. Beide heirateten im Herbst 1939 und beendeten 1940 gemeinsam das College mit dem Bachelor of Arts; das Colby College verlieh Savage im Jahr 1954 ein Honorary Masters Degree.Graduation Weekend, June 11–14, 1954. In: Colby Alumnus. Band 43, Nr. 4, Juli 1954, S. 10.
Die Savages lebten zunächst für kurze Zeit in Chicago, wo Thomas Savage als Schadensregulierer arbeitete.O. Alan Weltzien: Thomas Savage. Forgotten Novelist. In: Montana. The Magazine of Western History. Band 58, Nr. 4, Winter 2008, S. 31. Auf Bitten seines Stiefvaters zogen sie 1942 für kurze Zeit auf die Brenner-Ranch, der infolge des Eintritts der USA in den Zweiten Weltkrieg die Arbeiter fehlten,Sue Hart: Thomas and Elizabeth Savage. Boise State University Western Writers Series Nr. 119, Boise/Idaho 1995, S. 9. und gingen schließlich 1943 nach Massachusetts. Die beiden Söhne des Paars kamen 1942 und 1943 zur Welt. Als verheirateter Vater mit zwei Kindern wurde Savage auch nicht zur United States Army eingezogen, obwohl er sich bei der United States Navy gemeldet hatte.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 53. Er übernahm während des Krieges zahlreiche Aushilfsarbeiten, so war er als Schweißer im Hafen, als Bremser bei der Eisenbahn, aber auch als Klempnerassistent tätig.Sue Hart: Thomas and Elizabeth Savage. Boise State University Western Writers Series Nr. 119, Boise/Idaho 1995, S. 10.
Jahre als Schriftsteller Bereits nach der Veröffentlichung von The Bronc-Stomper hatte Savage am Colby College mit der Arbeit an einer Kurzgeschichte begonnen,Annie Proulx: Afterword. In: Thomas Savage: The Power of the Dog. Vintage Books, London 2016, S. 270. die schließlich 1944 bei Doubleday als Roman unter dem Titel The Pass erschien. Es war die erste Veröffentlichung unter seinem Geburtsnamen Thomas Savage, da Savage erst 1942 seinen Adoptivnamen Thomas Brenner zugunsten seines Geburtsnamens abgelegt hatte. Der erste Roman verkaufte sich mäßig, sodass Savage ab 1947 Dozent für Englisch an der Suffolk University in Boston wurde. Er hatte die Position bis 1948 inne; im selben Jahr erschien sein zweiter Roman Lona Hanson, der mit 750.000 verkauften Exemplaren Savages größter kommerzieller Erfolg wurde.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 66. Ab dem Schuljahr 1948/1949 war Savage an der neugegründeten Brandeis University in Waltham als Fundraiser tätigWaltham. Brandeis University 1948. In: Werner Schuder (Hrsg.): Minerva. Jahrbuch der gelehrten Welt. Abteilung Universitäten und Fachhochschulen. II. Band: Außereuropa. Teil O–Z und Register. 34. Jahrgang. Walter de Gruyter, Berlin 1956, S. 1723. und lehrte ab 1951 als Assistenzprofessor Schreiben und Literatur.O. Alan Weltzien: Savage West. The Life and Fiction of Thomas Savage. University of Nevada Press, Reno/Las Vegas 2020, S. 67. Er war zudem später kurzzeitig am Vassar College (1958/59) und gelegentlich am Franconia College (späte 1960er-Jahre)PSP: Georgetown Man Writes Novel of Montana Country. Teil von: Maine State Library: Thomas Savage Correspondence (2015). Maine Writers Correspondence. 495, abgerufen am 28. August 2021. Der Artikel ist kurz nach der Erstveröffentlichung von The Power of the Dog erschienen. als Dozent tätig.Janice E. Drane (Text), Jean W. Ross (Interview): Savage, Thomas 1915–. In: Contemporary Authors, Nr. 132, 1989, S. 364.