Die Burg Rheineck ist eine Höhenburg bei Bad Breisig im rheinland-pfälzischen Landkreis Ahrweiler. Sie ist aus einer mittelalterlichen Anlage aus dem 11. Jahrhundert hervorgegangen und war das Zentrum der Burggrafschaft Rheineck. Sie ist die einzige noch in wesentlichen Teilen erhaltene Höhenburg im Unteren Mittelrheintal.

Lage Die Burg steht auf einer zu allen Seiten abfallenden Anhöhe () am linken Ufer des Rheins im Mittelrheintal in unmittelbarer Nähe zum Vinxtbach. Er trennte in der Römerzeit die römischen Provinzen Ober- und Untergermanien und die Mosel- und ripuarischen Franken. Römische Funde, Anticalien, auf dem Burgberg lassen als Vorgänger eine römische Warte vermuten. Zumal bei Rheinbrohl, auf der anderen Rheinseite, der römische Limes seinen Anfang nahm. Im Mittelalter grenzten dort die Gebiete von Kurtrier und Kurköln aneinander. mini|Burg Rheineck, Querschnitt durch die Kapelle

Geschichte Die Pfalzgrafen bei Rhein erbauten die Burg im 11. Jahrhundert. Also kann es nur Heinrich von Laach oder Siegfried I. von Ballenstedt gewesen sein. Als Pfalzgraf Siegfried I., der die Burg Cochem an der Mosel erbaut hatte, in dem Gefecht bei Warnstedt den Tod fand (1113), hinterließ er seine Frau Gertrud mit drei Kindern. Gertrud war die Schwester der Richenza von Northeim, der Gemahlin des späteren Kaisers Lothar III., und Erbin der Grafschaft Bentheim. Gertrud heiratete um 1315 in zweiter Ehe den Grafen Otto von Salm, dieser nannte sich ab dem Jahre 1126 als erster „Comes de Rinegke“ (Graf von Rheineck). Ungeklärt ist, ob bereits Siegfried (nach der Aufgabe der Burg Laach 1112) oder erst Otto (nach dem Verlust der von ihm erbauten Burg Treis 1121) die Burg Rheineck erbauen ließ.Zur Geschichte und Bauforschung: Achim H. Schmidt, Burg Treis bei Treis-Karden an der Mosel: eine Burg im Spannungsfeld zwischen Reich, Pfalzgrafschaft und dem Erzbistum Trier, in: Burgen und Schlösser, 2/2018, S. 74–88, S. 76/87 (Rdnr. 20)

Im Jahr 1140, nach dem Tod des Pfalzgrafen Wilhelm, Sohn des Pfalzgrafen Siegfried, zog König Konrad III. die alten pfalzgräflichen Lehen am Rhein ein. Hiergegen erhoben sich die von Salm-Rheineck und suchten die Ansprüche auf Wilhelms Hinterlassenschaft geltend zu machen. Bei der folgenden Auseinandersetzung um das Pfalzgrafenamt zwischen Otto von Salm und Hermann von Stahleck, den Konrad III. eingesetzt hatte, eröffnete Ottos Sohn Otto II. den Kampf gegen Hermann. Er geriet jedoch in dessen Gefangenschaft und fand bald darauf einen gewaltsamen Tod auf der Schönburg. Graf Otto I. von Salm-Rheineck starb im Jahre 1150, nachdem er noch zuvor seine Rechte an der Burg Treis, mit Einwilligung seiner Gemahlin Gertrud, dem Trierer Erzbischof Albero geschenkt hatte. Seine Witwe Gertrud kehrte Burg Rheineck den Rücken und zog sich in die ihr gehörende Grafschaft Bentheim zurück. Erzbischof Albero setzte sich durch Waffengewalt sehr bald in den Besitz der Burg Treis, wodurch dann in König Konrad III. der alte Hass gegen Rheineck neu entzündet wurde. Er befahl die Zerstörung der verwaisten Burg Rheineck, während er die Burg Cochem eroberte und zur Reichsburg machte.

Nach der Zerstörung der Burg im Jahr 1151 erhielt der Kölner Erzbischof und gleichzeitige Reichskanzler Rainald von Dassel 1167 Andernach, in dessen Nähe Rheineck lag, aus Dank für die Unterstützung des Kaisers Friedrich I. Barbarossa bei den Kämpfen in Italien bei Tusculum von diesem geschenkt. Da der Erzbischof die kölnischen Besitzungen Andernach und Rhens als einen wichtigen Pfeiler seines Herrschaftsgebiets ansah, sollte die Burg als kölnische Feste wieder aufgebaut werden. Um den Machtansprüchen und Gebietserweiterungsplänen des derweiligen Pfalzgrafen Konrad von Hohenstaufen, eines Halbbruders des Kaisers, zuvorzukommen, befahl Rainald im Jahr 1164 deshalb die schnelle Besetzung des Berges und den Wiederaufbau der Burg.

Er konnte dadurch einen Bürgerkrieg verhindern, denn sein Stellvertreter und späterer Nachfolger Philipp I. von Heinsberg brachte nach seinen Anweisungen die damals immense Anzahl von 125.000 Männern für eine zu erwartende Schlacht gegen Truppen des Pfalzgrafen zusammen. Am 18. Mai 1164 standen sich bei der wenige Kilometer südlich von Burg Rheineck gelegenen Stadt Andernach die feindlichen Soldaten gegenüber. Die zeitgenössische Kölner Königschronik vermerkt bei diesem Datum:

Friedrich Barbarossa schenkte drei Wochen nach der verhinderten und nicht stattgefundenen Schlacht seinem Reichskanzler Rainald von Dassel wegen immenser und unzählbarer Verdienste die Ortschaft Dairago in der Provinz Mailand. Dazu kamen als Geschenk Villen und Burgen sowie die Gebeine der Heiligen Drei Königen aus dem eroberten Mailand.

Die Burggrafen von Rheineck mini|Wappen des Burggrafen von Rheineck, Armorial Gelre, um 1370 mini|Koelhoffsche Kölnische Chronik bzw. Cronica van der hilliger Stat Coellen 1499; rechts (von außen nach innen) die vier kölnischen Burggrafen „Arburg, Ryneck, Drachenfels, Odenkyrchen“ mini|hochkant|Wappen der ersten dynastischen Burggrafen von Rheineck Das Erzstift Köln brauchte zur Erhaltung und Bewachung Ministeriale aus dem Ritterstand und ernannte Burggrafen, wobei diese Position anfangs nicht vererbbar war. Deren Auswahl war nicht immer glücklich, weil kaum ein Dienstmannstamm weniger gehorsam und anhänglich war als die Burggrafen von Rheineck. Um 1180 wurde vermutlich das Rittergeschlecht von Ulmen belehnt, das bald den Namen von Rheineck annahm. Erster Burggraf aus diesem Geschlecht, der vom Erzstift Ende des 13. Jahrhunderts die vererbbare Burggrafenschaft von Rheineck zum Lehen erhielt, war "Johann I. von Rheineck".

Aus Urkunden sind von den Grafen von Rheineck bekannt:Julius Wegeler: Die Burg Rheineck, ihre Grafen und Burggrafen, Verlag J. Hölscher, Koblenz 1852, S. 20–77. Gottfried und Johann I. (1190), hier handelt es sich um Vater und Sohn Heinrich I. (1200) Johann II. (1213–1229) Heinrich II. ⚭ Berta (vor 1237), er wurde zum Wohltäter der Abtei Laach. Er und seine Hausfrau Berta vermachten dem Kloster viele Güter aus der Burggrafschaft Johann III. (1237–1245) Heinrich III. (1245) Theodorich (1263–1278) Johann IV. (1285–1304), der Raubritter von Rheineck. Er nahm an der Seite von Erzbischof Siegfried an der Schlacht von Worringen teil (1288) und geriet danach in Gefangenschaft. Beim Streit um die Burg Kaiserswerth mit dem Erzbischof geriet er abermals in Gefangenschaft (1298). Verbittert über den Erzbischof Wigbold und verarmt durch die Lösegeldzahlungen wurde er zum Wegelagerer. Er raubte die Schiffe auf dem Rhein und die Fuhrwerke aus, die seine Burg passierten. Zudem pflegte er Freundschaften mit den Feinden des Erzbischofs, hauptsächlich mit dem Grafen Gerhard von Jülich, der ihn zum Burgmann der Burg Nideggen verpflichtete. Da er zur Landplage wurde, belagerten die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier Burg Rheineck (1301). Als aber König Albrecht zum Entsatz von Rheineck heranrückte, zogen die Belagerer ab. Der König sah Rheineck als Reichsburg und Johann als Getreuen. Nachdem er Urfehde gegenüber dem Erzbischof Wigbold geschworen hatte, setzte er ihn und seine Nachkommen wieder als Burggrafen ein Johann V. ⚭ 1. Isengard, ⚭ 2. Margaretha (1315–1351), im Jahre 1330 verbindet er sich mit den beiden Gerarden von Landskron, Vater und Sohn, mit Diedrich von Schonenburg und Görg von Eich gegen Simon von Kempenich. Sie gelobten dem Kurfürsten Balduin von Trier 60 Bewaffnete zu stellen bis zur Versöhnung. Sie bilden in der sogenannten „Kempenicher Fehde“ die Partei „mit den rothen Aermeln“ Die Fehde nahm erst mit der Sühne zu Lahnstein im Jahre 1331 ihr Ende. Johann VI. (1368–1381), er nahm ein unrühmliches Ende. Bei einem Hoflager zu Godesberg, am Christtag des Jahres 1381, erstach er im Streit, in Gegenwart des Erzbischofs Friedrich, den Ritter Rollman von Sinzig. Daraufhin ließ ihn der Erzbischof am folgenden Tag öffentlich enthaupten. Johann VII. ⚭ Catharina von Daun (1417–1460) Diedrich ⚭ Mezza von Isenburg († 1470) Jacob I.⚭ Wild- und Rheingräfin Johannetta († um 1500) Jacob II. ⚭ 1. Wilhelmine von Einenberg, ⚭ 2. Elisabeth von Crichingen († 1539). Als Jacob II. aus der Familie von Rheineck 1539 ohne Sohn starb, zog Kurköln unter Erzbischof Salentin von Isenburg die Burggrafschaft als erledigtes Lehen ein. Im Rechtsstreit zwischen Kurköln und den Verwandten derer von Rheineck, Edelherren von Warsberg (französisch: de Varsberg) entschied das Reichskammergericht 1567 zu Gunsten derer von Warsberg. Der Erbanspruch war durch die Ehe von Heinrich von Warsberg mit Metza von Rheineck, der Tochter von Jacob II, entstanden. Deren Söhne, die Brüder Samson und Johann von Warsberg († 1604), erhielten 1571 die Burg Rheineck als Lehen. Johann (Jean) von Warsberg (1534–1604) Samson von Warsberg (1569–1643), Sohn von Johann und Oberst im Dienste de Königs von Frankreich. Johann Philipp (Jean Philippe) von Warsberg († 1658) verkaufte 1654 die Burggrafschaft Rheineck für 7000 Dukaten an den Grafen Rudolf von Sinzendorf († 1677). Die Herren von Warsberg legten keinen besonderen Wert auf die Burggrafschaft Rheineck; sie versuchten vielmehr ihren damaligen Stammsitz auf der Saarburg auf alle Weise zu vergrößern. Rudolf von Sinzendorf († 1677). Die Grafen von Sinzendorf gehörten einem alten, angesehenen Geschlecht von Österreich an. Sie wollten durch diesen Erwerb in den Besitz vom Titel des Burggrafen kommen und das Wappen ihrem Wappenschild zufügen. Sie legten großen Wert darauf, dass Rheineck auf den Reichstagen im westfälischen Grafen-Collegio, desgleichen auch im Kurrheinischen Kreise Sitz und Stimme hatte, da sie zudem als Landstände des kölnischen Erzstiftes zu den kölnischen Landtagen berufen wurden. Die Nachfolger von Graf Rudolf von Sinzendorf auf Burg Rheineck waren: Weickard Michael Wencelaus († 1715) Prosper Anton († 1756) Wenzel Johann Eustach († 1773) Prosper von Sinzendorf (* 1751), war der letzte Burggraf von Rheineck. Er wurde später gefürstet und Burggraf von Winterrieden. Die Grafen von Sinzendorf blieben somit im Besitz der Burggrafschaft Rheineck bis zur Besitznahme des linken Rheinufers durch französische Truppen. Im Frieden von Lunéville im Jahre 1801 erfolgte die Entschädigung mit dem Dorf Winterrieden in Württemberg und einer Rente von 1500 Gulden.

Im Jahre 1805 wurde die Burg Rheineck von der französischen Besatzung als enteigneter Feudalbesitz für 2870 Franken versteigert. Neuer Eigentümer wurde der Oberförster Wencelaus Schurp, Sohn von Johann Adam Schurp, der seit 1749 Verwalter auf Burg Rheineck im Dienste der Grafen von Sinzendorf war.Joachim Gerhardt, Heinrich Neu: Kunstdenkmäler des Kreises Ahrweiler. II. Halbband. L. Schwann, Düsseldorf 1938, S. 571–580.

Zerstörungen durch Krieg und Feuer Ende des Jahres 1632 unternahmen die Schweden unter ihrem General Baudissin von ihrem Hauptquartier aus Linz heraus einen Feldzug gegen die Stadt Andernach. Auf diesem Weg nahmen sie die Burg Rheineck kampflos ein und plünderten sie aus, zerstörten sie jedoch nicht. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg (1688–1697) besetzten die Franzosen die Burg. Bei ihrem Abzug plünderten sie die Burg aus und setzten sie in Brand. Die wenigen Überreste zerstörten dann kurkölnische Soldaten (1692); außer dem Bergfried und der Kapelle war alles ruiniert. Erst im Jahre 1718 erfolgte der Wiederaufbau, wenn auch in geringerem Umfang. Im Jahre 1785 wurde sie abermals ein Raub der Flammen, ausgebrochen in einem mit Stroh gedeckten Nebengebäude. Durch den damals herrschenden Wind brannte innerhalb von zweieinhalb Stunden die ganze Burg ab. Notdürftig wurde sie für 2000 Taler wiederhergestellt, bot aber nur noch eine Wohnung für den Verwalter Johann Adam Schurp.

Wiederaufbau und Neuzeit mini|Joseph Maximilian Kolb: Burg Rheineck um 1846