mini|Max M. Warburg (1867–1946) (Aufnahme von 1905)Max Moritz Warburg (* 5. Juni 1867 in Hamburg; † 26. Dezember 1946 in New York) war ein deutscher Bankier und Politiker und Spross der wohlhabenden deutsch-jüdischen Bankiersfamilie Warburg. Als Leiter und Teilhaber der Privatbank M. M. Warburg & Co. war Warburg einer der bedeutendsten Bankiers, Politikberater und Netzwerker seiner Zeit.

Seine Brüder Paul Moritz Warburg, Felix Moritz Warburg und Fritz Moritz Warburg wirkten ebenfalls als international bedeutende Bankiers und Politikberater. Warburgs Bruder Aby Moritz Warburg war Kunsthistoriker und Gründer der renommierten Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg (K.B.W.), welche sich bis 1933 in Hamburg befand und dann nach London verlegt wurde.

Biografie Familie Warburg war der zweitälteste Sohn von Moritz M. Warburg (1838–1910), Teilhaber der familieneigenen Privatbank M. M. Warburg & Co., und Charlotte Esther Warburg (geb. Oppenheim; 1842–1921). Er stammte aus der Familie Mittelweg-Warburg, einer wohlhabenden, konservativen jüdischen Bankiersfamilie. Die Familie lebte am Grindelhof 1a im als „Klein-Jerusalem“ bekannten Viertel Grindel im Hamburger Stadtteil Rotherbaum. 1871 zog die Familie samt Kindermädchen, Köchin und Dienerschaft in eine Stadtvilla in den Mittelweg 17/Ecke Johnsallee nahe der Außenalster in einen etwas feineren Teil des Rotherbaum.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 14

Seine Schwestern waren Mary Anna (1865), Olga Charlotte Kohn-Speyer (1873–1904) und Louisa Martha Derenberg (1879–1973). Seine Brüder Paul M. Warburg (1868–1932), Felix M. Warburg (1871–1937) und Fritz M. Warburg (1879–1964) wurden wie er international bedeutende Bankiers. Sein ältester Bruder Aby M. Warburg (1866–1929) wurde Kunsthistoriker und ist als Begründer der Kulturwissenschaftlichen Bibliothek Warburg in Hamburg, 1934 in London als Warburg Institute neu gegründet, bekannt geworden.

Warburg heiratete 1899 die aus Altona stammende Alice Magnus (1873–1960). Zunächst lebte das Ehepaar, allgemein aufgrund ihrer liebevollen Verbundenheit als „Malice“ bekannt, in einem alten Haus auf dem großen familieneigenen Grundstück Kösterberg im Elbvorort Hamburg-Blankenese. 1907 zog die Familie in eine Villa ans Alsterufer in der Nähe des heutigen Bahnhofs Hamburg Dammtor. Sie lebten im englischen Stil. Gespeist wurde in Frack und Abendkleid, Diener servierten mit weißen Handschuhen und Silberknöpfen.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 54 Warburg war Segler auf seiner auf den Namen seiner Frau ALICE getauften 21-Meter-Segeljacht und nahm an zahlreichen Elbregatten teil.

Sohn Eric M. Warburg (1900–1990) wurde ein international angesehener Bankier, Politikberater und vielfach ausgezeichneter Offizier der US Army, der nach dem Zweiten Weltkrieg die deutsch-amerikanische Lobbyorganisation Atlantik-Brücke und den American Council on Germany gründete.

Die Tochter Lola Nina Hahn-Warburg (1901–1989) war die Geliebte von Chaim Weizmann, dem damaligen Präsidenten der Zionistischen Weltorganisation und ersten Präsidenten des neu gegründeten Staates Israel.Volker Reinhardt, Thomas Lau: Deutsche Familien. Historische Portraits von Bismarck bis Weizsäcker. Verlag C.H.Beck, München 2005, S. 280 () Zudem war Lola Nina Hahn-Warburg seit 1933 aktives Vorstandsmitglied in der Reichsvertretung der Juden in Deutschland und mit ihrer Schwester Anita Wolf-Warburg (1908–2008) in besonderer Weise bei der Betreuung deutsch-jüdischer Flüchtlinge in Großbritannien und vor allem bei den Kindertransporten 1938/39 engagiert. Durch die Verhandlungen einer Delegation von 1938 unter Leitung von Chaim Weizmann und Lola Hahn-Warburgs Beteiligung beim britischen Innenministerium gelang es, dass die britische Regierung und das britische Unterhaus eine unbegrenzte Anzahl von Kindern nach Großbritannien emigrieren ließen. Über 10.000 jüdische Kinder konnten so gerettet werden. Die dritte Tochter, Gisela Warburg Wyzanski (1912–1991), leitete zur Zeit des Nationalsozialismus in Berlin das Büro der Kinder- und Jugend-Alijah, emigrierte 1939 in die USA und engagierte sich dort als Vorstandsmitglied der Hadassah für den Zionismus.Gisela Warburg Wyzanski, Zionist Leader, 79. In: The New York Times. 7. Juli 1991

Schulzeit Warburg galt als lebhaftes und lebenslustiges Kind. Er erhielt zunächst Privatunterricht, gefolgt von drei Jahren Vorschule in der Gelehrtenschule des Johanneums, und besuchte danach das Realgymnasium des Johanneums. Zusätzlich erhielt er privaten Klavier- und Reitunterricht und lernte Hebräisch an der Talmud-Tora-Schule. 1886 legte Warburg sein Abitur ab.

Als Max Warburg zwölf Jahre alt war, bot ihm sein älterer Bruder Aby M. Warburg das Recht des Erstgeborenen an, später einmal Teilhaber an der M. M. Warburg & Co. zu werden. Max nahm den Vorschlag an und musste dem kulturbeflissenen Aby im Gegenzug versprechen, ihm jederzeit alle Bücher zu kaufen, die er brauchte. Aus dem Versprechen ging die Kulturwissenschaftliche Bibliothek Warburg hervor, die seit 1933 Teil der University of London ist.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 20

Mit zunehmendem Alter vernachlässigte Warburg im Gegensatz zu seiner streng jüdisch-orthodox lebenden Großmutter Sara Warburg (1804–1884) und den Eltern die jüdischen Gebräuche und „glaubt an vieles nicht, an das ein frommer Jude glauben sollte“.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 20–24

Ausbildung und Beruf Warburg absolvierte nach dem Abitur 1886 eine zweijährige Lehre bei J. Dreyfus & Co. in Frankfurt am Main. Es folgte ein Volontariat bei Wertheim & Gompertz in Amsterdam.

Im Oktober 1888 trat Warburg ein freiwilliges Militärjahr beim III. Königlich Bayerischen Chevaulegers-Regiment in München an und wurde 1889 Vizefeldwebel und Offiziersaspirant. Die geplante Karriere als Berufsoffizier scheiterte an einem mutmaßlich antisemitisch motivierten Veto eines Vorgesetzten.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 26

Infolgedessen konzentrierte Warburg sich wieder auf eine Bankierslaufbahn. 1890 ging er zur Banque Impériale Ottomane in Paris und besuchte Vorlesungen an der Sorbonne. 1891/92 wurde Warburg zu N M Rothschild & Sons in London gesandt.Eduard Rosenbaum, Ari J. Sherman: Das Bankhaus M.M.Warburg & CO. 1798–1938. Verlag Hans Christians, Hamburg 1976, S. 66, 67 1893 kehrte er als Kenner der europäischen Finanzwelt zurück in die Hamburger Bank M. M. Warburg & Co. und wurde dort Teilhaber.Boris Barth: Weder Bürgertum noch Adel – Zwischen Nationalstaat und kosmopolitischem Geschäft. Zur Gesellschaftsgeschichte der deutsch-jüdischen Hochfinanz vor dem Ersten Weltkrieg. In: Geschichte und Gesellschaft. Ausgabe 25, 1999, S. 100 (PDF; 2,35 MB)Eckart Kleßmann: M. M. Warburg & CO. 1798–1998. Die Geschichte eines Bankhauses. Hamburg 1998, S. 35 1895 wurde auch Paul Teilhaber. Felix, der jüngere Bruder, wanderte in die USA aus und trat dort in die Bank Kuhn, Loeb & Co. ein.

Gemäß der Bedeutung des Bankhauses rückte Warburg in den Zentralausschuss bzw. Generalrat der Reichsbank auf und fungierte seit 1902 als Vorstandsmitglied des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiersgewerbes in Berlin.Frank Bajohr: Warburg, Max M. In: Das Jüdische Hamburg. Institut für die Geschichte der deutschen Juden, Hamburg

Auf wochenlangen Reisen durch die USA, Russland, Südafrika, Italien und Skandinavien leitete Warburg die auswärtigen Transaktionen der M. M. Warburg & Co. und entwickelte das Bankhaus zu einem Finanzinstitut mit Weltruf. Während einer Seereise nach Kapstadt erkrankte er schwer an der Ruhr und nahm zwanzig Kilogramm Körpergewicht ab. Danach reiste er mit einem Ingenieur nach Swasiland und besichtigte dort eine Zinnmine.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 40

Unter Warburg wurde die Bilanzsumme der Bank verfünffacht und die Mitarbeiterzahl verdoppelt. Er schloss intensive Freundschaft mit dem erfolgreichen Reeder Albert Ballin, dem Generaldirektor der Hamburg-Amerikanischen Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG). Ballin war ebenfalls ein Spross der Warburg-Familie. Mit der Unterstützung der Warburg-Bank stieg die HAPAG zu einer der beiden größten Reedereien Deutschlands auf. Ab 1910 trat Warburg in den Aufsichtsrat bei der HAPAG ein. Auf Ballins Initiative wurde Warburg auch Aufsichtsrat bei der Hamburger Großwerft Blohm & Voss und wurde zu einem maßgeblichen Mann in der deutschen Schifffahrtsindustrie.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 50 Zudem gründeten er und Ballin 1908 die Cuxhavener Hochseefischerei AG, die sich in wenigen Jahren zum umsatzstärksten Fischanbieter Deutschlands entwickelte. Ab 1910 leitete er die Bank M. M. Warburg & Co. als Direktor und war trotz großer Probleme im Ersten Weltkrieg und in den folgenden Wirtschaftskrisen sehr erfolgreich.

Politik Im Kaiserreich nahm Warburg in der hamburgischen, deutschen und internationalen Politik eine wichtige Rolle ein. 1897 wurde er für fünf Jahre vom Senat zum Handelsrichter und 1902 in die Handelskammer gewählt. 1903 wurde Warburg in den Vorstand der Wertpapierbörse berufen und in den Vorstand des Zentralverbandes des Deutschen Bank- und Bankiersgewerbes. Vom Februar 1903 bis 1919 gehörte er der Hamburgischen Bürgerschaft an. Ebenfalls ab 1903 wurde Warburg Finanzberater für Kaiser Wilhelm II.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 51 1908 wurde er Mitglied des Börsenausschusses in Berlin, nachdem er maßgeblich für eine Änderung des Börsengesetzes eingetreten war.

Mit dem gleichaltrigen späteren Reichsaußenminister Walther Rathenau verband Warburg eine freundschaftliche Bekanntschaft. 1910 wurde Warburg Vorstandsmitglied der Deutschen Kolonialgesellschaft in Hamburg. Warburg galt als „Big Linker“, einer der ganz Großen im personell verflochtenen Netzwerk der Wirtschaft und Politik. Er knüpfte Verbindungen zu ausländischen Regierungen.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 64 Im Juni 1914 gründete Warburg für Investitionen in Marokko mit dem deutsch-britischen Politiker und späteren Initiator der Balfour-Deklaration Lord Milner die Anglo-German-Bank – mit Zustimmung der deutschen und der britischen Regierung.Gabriele Hoffmann: Max M. Warburg. Ellert & Richter Verlag, Hamburg 2009, S. 70

Zu Beginn des Ersten Weltkriegs lehnte Warburg das Angebot ab, als deutscher Botschafter nach Washington zu gehen.Ron Chernow: Die Warburgs – Odyssee einer Familie. Siedler-Verlag, München 1994, S. 205 Die Nahrungsmittelknappheit veranlasste die Regierung, Nahrungsmittel aus dem Ausland einzuführen. Er wurde 1915 in den Beirat des Kriegsernährungsamtes gewählt. In Zusammenarbeit mit dem Reeder Ballin war er einer der Initiatoren der Zentral-Einkaufsgesellschaft und organisierte über die M. M. Warburg & Co. die Einfuhren, stellte Devisen zur Verfügung und leistete Vorauszahlungen. Die Bank, Warburg und Ballin ernteten für ihre Hilfsaktionen heftige Anfeindungen von amerikanischen Zionisten wie Louis Brandeis, die keinerlei Verständnis für den weiterhin bestehenden deutschen Patriotismus der jüdischen Geschäftsmänner hatten.

Nach dem Ersten Weltkrieg