Waldemar Max Eduard Gustav Jabs (* 2. Mai 1877 in Crone an der Brahe;Geburtsregister Standesamt Crone an der Brahe, Nr. 73/1877, zitiert nach den Angaben im Heirats- und Sterberegister † 1. November 1943 in BerlinDeutsches Bühnen-Jahrbuch 1944, Registereintrag) war ein deutscher Maskenbildner bei Bühne und Film.
Leben und Wirken Der Sohn eines Theatermalers hatte dank seines Vaters schon als Kind Beziehungen zum Theater und kam auf diese Weise zum Beruf eines Theaterfriseurs. Einer seiner ersten Kunden wurde Josef Kainz; mit Albert Steinrück, der ihn protegierte, kam Jabs unmittelbar nach der Jahrhundertwende nach Berlin. Als Theaterfriseur bzw. Maskenbildner war Waldemar Jabs an zahlreichen hauptstädtischen Bühnen wie dem Schiller-Theater, Max Reinhardts Deutschem Theater, dem Lessingtheater, dem Theater am Nollendorfplatz, dem Theater am Schiffbauerdamm, dem Metropol-Theater, dem Großen Schauspielhaus, dem Berliner Theater, dem Komödienhaus und zuletzt, zum Zeitpunkt seines Todes, dem von Joseph Goebbels’ Propagandaministerium geführten Theater des Volkes beschäftigt und arbeitete bis 1933 mit so unterschiedlichen Theatermachern wie, neben Reinhardt, Erwin Piscator und Erik Charell zusammen. Kaum einer der führenden Bühnenstars, die unter Reinhardt aufgetreten waren, wurden nicht von Jabs maskenbildnerisch betreut. In Jabs’ Werkstatt wurden zeitweise 4000 Perücken und 10.000 Postkarten mit Abbildungen historischer oder literarischer Persönlichkeiten aufbewahrt, darunter die von König Nebukadnezar, König Lear, Martin Luther, dem Schinderhannes, Orpheus und von Johann Wolfgang von Goethe.
Unmittelbar nach Ende des Ersten Weltkriegs begann Waldemar Jabs, der mittlerweile auch eine eigene Firma mit mehreren Angestellten besaß, auch für den Film zu arbeiten und wurde bis 1945 der mit Abstand bekannteste Vertreter seines Berufs. Jabs war in gut zwei Jahrzehnten an einer beeindruckenden Liste deutscher Filmklassiker beteiligt, beginnend mit Ernst Lubitschs Madame Dubarry mit Emil Jannings und Das Cabinet des Dr. Caligari. Es folgten F. W. Murnaus Meisterwerke Der letzte Mann, Tartuffe und Faust, die maskenintensive Filmphantasie Geheimnisse des Orients und Josef von Sternbergs Der blaue Engel, wo Jabs neben Jannings auch Hans Albers schminkte. Sowohl Jannings (weitere Tonfilm-Kollaborationen bei Liebling der Götter, Stürme der Leidenschaft und Robert Koch, der Bekämpfer des Todes), den er nach der “Dubarry” auch in den drei zuvor genannten Murnau-Filmen optisch umgestaltet hatte, als auch Albers (Bomben auf Monte Carlo, Der Sieger, Quick, Der weiße Dämon, F.P.1 antwortet nicht, Ein gewisser Herr Gran, Flüchtlinge, Peer Gynt und Varieté) wurden bevorzugte Jabs-Klienten, wenn es darum ging, für sie Filmmasken (Schminke, Perücken, falsche Bärte, künstliche Nasen, veränderte Zähne, Augenbrauen, künstliche Wimpern etc.) anzufertigen.
Auch an großen Publikumserfolgen aus der Frühzeit des Dritten Reichs war Waldemar Jabs maskenbildnerisch beteiligt, so beispielsweise an Reinhold Schünzels Viktor und Viktoria, Ludwig Bergers Walzerkrieg und Heinz Hilperts Liebe, Tod und Teufel sowie an einigen frühen Inszenierungen Detlef Siercks (April, April!, Das Mädchen vom Moorhof, Stützen der Gesellschaft und Schlußakkord). Seine vorletzten Filmmasken lieferte Jabs kurz vor Kriegsausbruch 1939 bei dem ersten abendfüllenden deutschen Farbfilm Frauen sind doch bessere Diplomaten, der erst 1941 seinen Weg in die Kinos fand. Zu diesem Zeitpunkt fertigte Waldemar Jabs gerade die umfangreichen Masken für seine wohl arbeitsintensivste Filmproduktion seiner gesamten Karriere an, den letzten großdeutschen Historienbilderbogen rund um das Leben Friedrich des Großen Der große König. Es wurde Jabs’ letzter Film. Danach blieb er bis zuletzt dem Theater des Volkes verpflichtet. Waldemar Jabs starb 1943 an den Folgen eines Blasenkarzinoms.Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Schöneberg von Berlin, Nr. 3444/1943 (online auf Ancestry.com, kostenpflichtig)
Jabs heiratete 1907 Johanna Haase. 1931 wurde die Ehe geschieden.Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin VII c, Nr. 1233/1907 (online auf Ancestry.com, kostenpflichtig)
Filmografie 1919: Madame Dubarry 1919: Das Cabinet des Dr. Caligari 1920: Spiritismus 1921: Der kleine Muck 1922: Monna Vanna 1924: Der letzte Mann 1925: Tartuffe 1925: Hanseaten 1925: Die Verrufenen 1926: Faust 1928: Geheimnisse des Orients 1930: Der blaue Engel 1930: Liebling der Götter 1931: Bomben auf Monte Carlo 1931: Sein Scheidungsgrund 1931: Der Hochtourist 1931: Stürme der Leidenschaft 1932: Es wird schon wieder besser 1932: Der Sieger 1932: Quick (deutsche & französische Version) 1932: Strich durch die Rechnung 1932: Der weiße Dämon 1932: Der schwarze Husar 1932: Schuß im Morgengrauen 1932: F.P.1 antwortet nicht 1932: Lachende Erben 1933: Spione am Werk 1933: Heut’ kommt’s drauf an 1933: Ein Lied für Dich 1933: Der Stern von Valencia 1933: Flüchtlinge 1933: Ein gewisser Herr Gran 1933: Viktor und Viktoria 1933: Des jungen Dessauers große Liebe 1933: Walzerkrieg 1934: Mein Herz ruft nach Dir 1934: Peer Gynt 1934: Fürst Woronzeff 1934: Die Czardasfürstin 1934: Liebe, Tod und Teufel 1934: Lockvogel 1934: Jungfrau gegen Mönch 1934: Die Töchter ihrer Exzellenz 1935: Varieté 1935: Zigeunerbaron 1935: Der höhere Befehl 1935: Der grüne Domino 1935: April, April! 1935: Das Mädchen vom Moorhof 1935: Stützen der Gesellschaft 1935: Schwarze Rosen 1935: Kater Lampe 1936: Donogoo Tonka 1936: Waldwinter 1936: Schlußakkord 1938: Fortsetzung folgt 1939: Robert Koch, der Bekämpfer des Todes 1939: Heimatland 1939: Ihr erstes Erlebnis 1939: Das Lied der Wüste 1939/41: Frauen sind doch bessere Diplomaten 1940: Was wird hier gespielt? 1940/42: Der große König
Weblinks
Waldemar Jabs in den Akten der Reichsfilmkammer
Einzelnachweise
Kategorie:Maskenbildner Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1877 Kategorie:Gestorben 1943 Kategorie:Mann