mini|Carl Ludwig Forster um 1853 Carl Ludwig Forster (auch Karl Ludwig Forster, ab 1871 Carl Ritter von Forster; * 10. Februar 1788 in Nürnberg; † 13. Oktober 1877 in Augsburg) war ein deutscher Kattunfabrikant. Er gilt als einer der Pioniere der Augsburger Textilindustrie. Vor allem Forsters technischen Innovationen verdankt diese, dass sie Mitte des 19. Jahrhunderts dem zunehmenden internationalen Konkurrenzdruck standhalten konnte. Forsters Unternehmen Schöppler & Hartmann firmierte nach seinem Tod als Neue Augsburger Kattunfabrik.
Leben mini|Carl Ludwig Forster auf dem Arm seiner Mutter Forster wurde 1788 als erstes von fünf Kindern des Nürnberger Farbenhändlers Georg Paul Forster (* 6. September 1747; † 17. Mai 1808) und dessen Ehefrau Marie Friederike geb. Schöppler (1758–1806) geboren. Seine Eltern hatten am 24. Dezember 1786 in Pappenheim geheiratet. Sein offizieller Vater war jedoch nicht sicher auch sein biologischer.
Der in Pappenheim geborene Bruder der Mutter Johann Michael Schöppler (* 22. Dezember 1754; † 5. März 1839) hatte zusammen mit dem Augsburger Kaufmann Johann Gottfried Hartmann (* 11. September 1750; † 30. Juni 1824)Ferdinand Seydel, Augsburg 1838, S. 119, online verfügbarAbweichende Lebensdaten (* 2. September 1750; † 30. Juni 1829) laut heutiger Grabinschrift (vgl. Foto)Robert Forrer bestätigt das Todesjahr 1824 in Die Kunst des Zeugdrucks vom Mittelalter bis zur Empirezeit, S. 42. bereits 1781 die marode Augsburger Kattundruckerei von Johann Apfel nebst Grundstücken in der Umgebung des Vogeltors für 14.000 fl. gekauftWolfgang Wallenta: forsterpark – Damals und Heute. HC Grundstücks GmbH (Hrsg.), S. 20 und mit deren Konzession 1783 die Kattundruckerei Schöppler & Hartmann gegründet. Druckfarben lieferte Georg Paul Forster, der selbst auch Kattun-Stoffe von seinem Augsburger Kunden bezog. Als sich Schöppler 1801 aus der Firmenleitung zurückzog – um sich seinem 1791 erworbenen Schloss Straßberg und der dortigen Landwirtschaft zu widmenWilhelm Heinrich Jacob von Kurrer: Geschichte der Zeugdruckerei, der dazu gehörigen Maschinen und Hülfswerkzeuge und der Erfindungen im Gebiete des Colorits für den Baumwollen-, Leinen-, Seiden- und Schafwollendruck bis auf die neueste Zeit. 2. Auflage., S. 22. –, wurde sein Schwager Georg Paul Forster Nachfolger als Teilhaber und Firmenlenker. 1807 übernahm der 19-jährige Carl Forster die Leitung der Kattundruckerei.
Forster heiratete am 14. November 1808 Eintrag Forster auf S. 22. Friederike Henriette Hartmann (* 29. Mai 1788; † 22. Juni 1825)Lebensdaten nach Grabsteininschrift des bis heute erhaltenen Forsterschen Familiengrabes auf dem Protestantischen Friedhof Augsburg.Etwas abweichende Lebensdaten (* 29. März 1788; † 25. Juni 1825) nennt F. Seydel, Augsburg 1838, S. 119, online verfügbar, die Tochter seines Kompagnons Gottfried Hartmann. Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor: Julius 1809, Moritz 1810, Ida 1812, Eugenie 1816 und Otto 1823.Peter Fassl: Karl Ludwig Forster (1788–1877) – Ein Pionier der Augsburger Textilindustrie., S. 182 f. Bei der Geburt des sechsten Kindes starb die Mutter. Die Kinder erhielten eine hervorragende Ausbildung, unter anderem durch einen Privatlehrer, Georg Mezger, den späteren Rektor des Anna-Gymnasiums.mini|Familiengrab Forster, Protestantischer Friedhof Augsburg, Tafel linksIn zweiter Ehe heiratete Forster am 27. Mai 1827 die 19-jährige Louise von Eichthal (* 9. Juni 1807; † 26. November 1865). Sie ist eine Tochter des Augsburger Bankiers Arnold von Eichthal, geb. Seligmann (1772–1838), und damit Enkelin von Aron Elias Seligmann, dem Hoffaktor und Geldgeber von König Maximilian I. Joseph. Aus dieser Ehe entstammt ein Sohn, der in jungen Jahren starb.
Forster, der nach dem Tod der Witwe Hartmanns 1828 alleiniger Firmeninhaber wurde, integrierte nahezu alle Familienmitglieder in den Betrieb. So berief er 1837 seinen Bruder Johann Ernst (* 21. April 1799; † 16. August 1854), der an der Cholera gestorben war,Augsburger Postzeitung, Nr. 223, 17. August 1854, S. 890, als Digitalisat, abgerufen am 3. September 2024. sowie seine beiden ältesten Söhne Julius (* 14. August 1809; † 21. Januar 1866) und Moritz (* 31. Oktober 1810; † 14. März 1879) in die Firmenleitung. In den 1870er Jahren folgte die Enkelgeneration Forsters mit Ernst, einem Sohn Julius’, sowie Karl und Hugo, Söhnen von Moritz, nach. Carl Forster, der 1865 erblindete, blieb aber
Forster wurde in einem Familiengrab auf dem Protestantischen Friedhof Augsburg bestattet.
Entwicklung der Kattundruckerei mini|350px|Neue Augsburger Kattunfabrik (NAK), vormals Schöppler & Hartmann, um 1900 mini|350px|Spinnerei und Weberei am Sparrenlech Kahn & Arnold, vormals ein Teil von Schöppler & Hartmann mini|350px|Schöppler & Hartmann auf einem Stadtplan von Augsburg aus dem Jahre 1875
Ein weiterer Schlüsselfaktor für die Industrialisierung der Augsburger Textilindustrie in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die Wasserkraft: Seit dem Mittelalter durchziehen Lechkanäle die tiefergelegenen Gebiete außerhalb und zum Teil auch innerhalb der bis 1867 intakten Stadtmauern. So liegt Schöppler & Hartmann seit Gründung am Sparrenlech, der nahe dem Vogeltor parallel zur Forsterstraße und zum Oberen Graben nach Norden in die Jakobervorstadt fließt. Um die Kraft dieses Kanals noch effizienter nutzen zu können, ließ Forster ihn begradigen und vertiefen. 1839 wurde von dem befreundeten französischen Ingenieur Benoît Fourneyron eine der ersten Wasserturbinen – die Patentschrift wurde 1832 eingereicht – installiert, die einen für die damalige Zeit beachtlichen Wirkungsgrad von ca. 80 % erzielte und damit den etablierten Wasserrädern deutlich überlegen war. 1846/48 hielten zwei Dampfmaschinen Einzug.
Parallel dazu expandierte Schöppler & Hartmann kontinuierlich: 1835 entstand entlang dieses Kanals eine Walzendruckerei, 1839 eine Dampffärberei und Schnellbleiche, 1840 eine Wäscherei und Grundiererei, und 1856 eine mechanische Weberei, die 1882 auf die Augsburger Kattunfabrik überging. Als die Augsburger Kattunfabrik 1885 liquidiert wurde, ersteigerte das bislang ausschließlich im Textilhandel tätige Unternehmen Kahn & Arnold die Produktionsstätte und firmierte seither als Spinnerei und Weberei am Sparrenlech Kahn & Arnold.
Der Erfolg dieser Anstrengungen blieb nicht aus: 1816 beschäftigte Schöppler & Hartmann 186 Arbeiter, 1850 waren es 642. Das Kapital lag 1795 bei 76.500 fl., 1863 waren es 2.269.000 fl.Peter Fassl: Karl Ludwig Forster (1788–1877) – Ein Pionier der Augsburger Textilindustrie., S. 180. Allerdings machte sich ab 1850 wachsender Konkurrenzdruck bemerkbar, der nicht spurlos am Unternehmen vorüberging: 1878 standen nur noch 400 Arbeiter in Lohn, das Kapital ging bis 1880 auf 334.000 fl. zurück – wobei letztere Zahl wohl nur bedingt mit dem Wert von 1863 vergleichbar ist: Die ehemaligen Anteilseigner Carl, Julius und Moritz Forster waren alle gestorben, das Unternehmen wurde zu dem genannten Preis an die Neue Augsburger Kattunfabrik (NAK) veräußert. Es bestand unter diesem Namen bis zur Liquidation 1996 fort.
Öffentliches Wirken Schöppler & Hartmann erreichte bereits 1819 die Führung im Augsburger Kattundruck, nahm regelmäßig an Messen teil und erhielt dabei stets große Anerkennung für seine Musterbücher. Auch aufgrund seiner Erfolge gewann Forster an gesellschaftlichem Ansehen und Einfluss.Peter Fassl: Karl Ludwig Forster (1788–1877) – Ein Pionier der Augsburger Textilindustrie., Seite 181 f. Forsters Haus war ein „gesellschaftlicher Mittelpunkt in Augsburg“.
Der Heimatpfleger des Bezirks Schwaben, Peter Fassl, hebt folgende Punkte hervor: 1819 warb Forster für den deutschen Handels- und Gewerbeverein von Friedrich List und setzte sich infolge für die Gründung des Deutschen Zollvereins und den Bau von Eisenbahnen, insbesondere der Bahnstrecke München–Augsburg wie auch einer Augsburger Localbahn, ein. Forster
Forster war seit 1843 im Vorstand der Industrie- und Handelskammer Schwaben,1855–1856 deren Präsident.
Ehrungen 1839: Bayerischer Verdienstorden vom Heiligen Michael. 1841: Roter Adlerorden, IV. Klasse. 1850: Ritterkreuz des königlich sächsischen Verdienstordens. 1871: Ritterkreuz des Verdienstordens der Bayerischen Krone. Damit durfte sich Forster fortan Ritter von Forster nennen. Seine Grabinschrift lautet aber schlicht Carl Ludwig Forster. 1873: Österreichischer Orden der Eisernen Krone, III. Klasse.
Nachwirkung Seit 1879 ist die Augsburger Forsterstraße nach der Familie Forster benannt.Vgl. Thomas Reich: Forster im Augsburger Stadtlexikon. Sie verläuft außerhalb der Altstadt entlang eines Stücks der früheren östlichen Stadtmauer neben dem Stadtgraben. An ihr, bzw. dem angrenzenden Vogeltorplatz, befand sich Forsters Unternehmen.
mini|hochkant|Der „Forsterturm“ Forsters Name lebt auch im Augsburger Forsterpark bei der City-Galerie Augsburg fort, die auf dem ehemaligen Werksgelände von Schöppler & Hartmann bzw. dessen Nachfolger NAK errichtet wurde. Südlich davon stand einst der Schaur’sche Garten, den Julius Forster wohl Mitte des 19. Jahrhunderts erwarb. Obgleich der dort erhaltene Wasserturm älteren Ursprungs ist, wird er auch Forsterturm genannt.
Besonders große Ehre wurde Forster durch das 2010 eröffnete Staatliche Textil- und Industriemuseum im Augsburger Textilviertel und sein Musterbuch zuteil. Den Zusammenhang zu Carl Ludwig Forster arbeitete Richard Loibl in dem oben wiedergegebenen Zitat deutlich heraus.
Literatur
Weblinks Schöppler & Hartmann: Musterbuch für Entwürfe, Abdrucke und Stoffmuster, 1792 (Digitalisat)
Einzelnachweise
Kategorie:Textilunternehmer (19. Jahrhundert) Kategorie:Unternehmer (Augsburg) Kategorie:Person (Industrie- und Handelskammer Schwaben) Kategorie:Augsburg-Textilviertel Kategorie:Träger des Verdienstordens der Bayerischen Krone (Ritter) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1788 Kategorie:Gestorben 1877 Kategorie:Mann