mini|Ein Follis, eine Münze für den Kleinhandel, die 1,43 g schwer ist und im Durchmesser 15 mm misst. Solche Münzen aus der Zeit Aistulfs sind äußerst selten. Diese Münze ist in Ravenna zwischen 751 und 755 geprägt worden. Sie trägt auf dem Avers die Inschrift „D/ ∂N AIS[T-V]LF[ЧS RX]“, bzw. „[D] N IST VLF[VS REX]“ – „Dominus noster Aistulfus rex“ (‚Unser Herr, König Aistulf‘), womit die Münze König Aistulf zugeordnet werden kann. Die gekrönte, bärtige Königsbüste hält eine mit einem Kreuz versehene Weltkugel, die Krone trägt ein Kreuz. Auf dem Revers steht „[A]/N/N/[O] I“, darunter, „RAV“ für Ravenna. Der Follis befindet sich in einer Privatsammlung.Alain Gennari, Fabrizio Rossini: La monetazione di Astolfo per Ravenna: un tremisse e un follis inediti, in: NAC Quaderni Ticinesi 46 (2017) 155–172, hier: S. 168, Fig. 11, Abb. Tav. II, S. 170, n. 11 (academia.edu). mini|Unter Kaiser Leo III. wurde das Miliaresion eingeführt, eine Silbermünze ohne figurale Darstellung. Die rein textliche Gestaltung wird von einigen Numismatikern ikonoklastisch interpretiert. Avers: „IhSVS XRIS-TVS nICA“ (‚Jesus Christus Sieg‘ bzw. ‚Jesus Christus wird siegen'); Revers: „LEOn / S COnST/AnTInE E/C ΘEV bA/SILIS“ (‚Leo und Konstantin, Kaiser aus Gott [ek Theou]‘ bzw. ‚Die Gott gewollten Kaiser‘). mini|Italien nach 751 Aistulf (auch Ahistulf, Aistulfus, Haistulfus, ital. Astolfo; † Dezember 756) war König der Langobarden von 749 bis zu seinem Tod. In seine Herrschaftszeit fällt die Schaffung der Voraussetzungen für den weltlichen Staat der Päpste, den Kirchenstaat, sowie die enge Verbindung zwischen dem Papsttum und dem Frankenreich. Sein Versuch, die Reste byzantinischer Herrschaft in Oberitalien zu beseitigen und Italien unter den Langobarden zu vereinigen, scheiterte an Papst Stephan II. und dem neuen fränkischen König Pippin.
Nachdem sein älterer Bruder Ratchis im Jahr 744 die Königsherrschaft an sich gerissen hatte, folgte ihm Aistulf als Herzog von Friaul. Gegen den mit Byzanz verhandlungsbereiten älteren Bruder führte Aistulf einen Aufstand an, der zu dessen Sturz und zur Thronerhebung Aistulfs führte. Binnen kaum eines Jahres gelang ihm 750/751 die Inbesitznahme Ravennas, der bedeutendsten byzantinischen Stadt im Norden der Halbinsel. Als er auch gegen Rom vorging, das gleichfalls Byzanz unterstand, zog Papst Stephan über die Alpen und bewegte Pippin zum Eingreifen in Italien. In zwei Feldzügen besiegten die Franken die Langobarden, die zwischenzeitlich Rom belagert hatten, und Pippin erzwang die Herausgabe der ehemals byzantinischen Gebiete. Diese wurden dem Papst und seinen Nachfolgern zum Geschenk gemacht (Pippinische Schenkung), wohl vorrangig, um den Päpsten die Mittel an die Hand zu geben, sich gegen weitere langobardische Angriffe zu verteidigen. Aistulf, den seine Verbündeten in Ravenna weiterhin unterstützten, und der versuchte die inneren Konflikte im Frankenreich und in Rom zu seinen Gunsten zu nutzen, fiel Ende 756 einem Jagdunfall zum Opfer, als der Kampf zwischen ihm und Stephan noch nicht entschieden war.
Leben Herkunft, Verhaftung des Patriarchen von Aquileia und Sturz (um 731), Wiedereinsetzung Aistulf war einer der drei Söhne des Herzogs (Dux) Pemmo von Friaul und seiner Frau Ratperga.Historia Langobardorum VI, 26. An dessen Geschichte und der seiner Vorfahren erweist Paulus Diaconus, der Verfasser der wichtigsten Quelle für die Geschichte der Langobardenzeit, die Historia Langobardorum, das äußerst gespannte Verhältnis der Herzöge des Friaul zum Königtum. Er selbst erlebte zwar die Kämpfe unter Aistulf, doch beendet er sein Werk mit dem Jahr 744, dem Todesjahr König Liutprands.
Die Historia Langobardorum aus dem späten 8. Jahrhundert berichtet über die Vorgänge im Friaul recht ausführlich. Zwar erwähnt Paulus Diaconus nur knapp, dass dem zu Tode gekommenen Ferdulf ein Corvolus im Amt des dortigen Herzogs gefolgt sei, und dass dieser nur kurze Zeit geblieben sei, weil er, nachdem er den König beleidigt hätte, geblendet und entehrt habe leben müssen (VI, 25). Dessen Vater wiederum, jener Ferdulf „de partibus Liguriae“, der also aus Ligurien stammte, trage die Schuld daran, dass der Adel des Friaul im Kampf gegen benachbarte Slawen ums Leben gekommen sei.
Diese Kette von Rebellionen setzt der Verfasser fort. Er wird allerdings mit Blick auf die Eltern Aistulfs, jenen Pemmo und seine Frau, den Sohn eines Billo aus Belluno, ausführlicher. Auch jener Billo sei „propter seditionem“, ‚wegen Widerstands‘, ins Friaul gezogen, wo er seine Ruhe fand. Ratperga, seine Frau, die von sich meinte, sie sei von „facie rusticam“ – und ihr Mann solle sich wegen dieser bäuerlichen Erscheinung von ihr trennen –, schenkte ihm drei Söhne, nämlich Ratchis, Ratchait und Aistulf (VI, 26). Der jüngste und der älteste Sohn sollten später Könige werden.
Als Pemmo den Patriarchen von Aquileia, den eigensinnigen Calixtus um 731 gefangen nahm, fiel er in Ungnade bei König Liutprand. Dieser setzte Aistulfs älteren Bruder Ratchis daraufhin als Dux ein. Paulus Diaconus erklärt, Aistulf habe den Gefangenen ins Meer stürzen wollen, doch habe Gott eingegriffen, und so habe der Herzog den Patriarchen nur das Brot der Bitternis essen lassen („eum retentum pane tribulationis sustentavit“).
Pemmo wollte mit seinen Leuten zu den Slawen fliehen, doch sein ältester Sohn erreichte, dass der Vater vor das königliche Gericht geladen wurde. Der König begnadigte Pemmo nebst seinen rebellischen Söhnen Ratchait und Aistulf nur Ratchis zuliebe. Doch die Unterstützer Pemmos ließ er gefangensetzen. Ratchis konnte gerade noch verhindern, dass sein wütender Bruder Aistulf sein Schwert gegen den König zückte. Nur der ansonsten unbekannte Herfemar blieb von den Unterstützern straffrei, nachdem er, tapfer kämpfend, sich in die Kirche des hl. Michael geflüchtet hatte. Alle anderen aber mussten eine lange Haft über sich ergehen lassen (VI, 51).
Im Heer König Liutprands (bis 744), Eingreifen in den Herzogtümern Spoleto und Benevent Die Vormacht des Königs über die Herzöge war damit zwar im Friaul gesichert, doch galt dies nicht für das Herzogtum Spoleto. Dort ging Liutprand gegen den aufständischen Dux Transamund II. vor, der zeitweise vom Papst unterstützt wurde.Veronica West-Harling: Rome, Ravenna, and Venice, 750–1000. Byzantine Heritage, Imperial Present, and the Construction of City Identity, Oxford University Press, 2020, S. 178. Als Liutprand 742 gegen das Herzogtum Spoleto und vor Ravenna ziehen wollte, bereiteten ihm Truppen aus Byzanz und Spoleto beim Marsch von Fano nach Fossombrone im Wald zwischen den beiden Orten große Schwierigkeiten. Sie griffen die Nachhut unter Ratchis und seinem Bruder Aistulf an, die die Friulaner im Heer des Königs anführten. Ein kühner Spoletiner namens Berto griff dabei Ratchis direkt an, doch stieß dieser den Angreifer vom Pferd. Ratchis verhinderte daraufhin die Tötung durch seine Leute und der Mann durfte auf allen Vieren kriechend im Wald verschwinden, wie Paulus Diaconus berichtet. Aistulf wurde gleich von zwei Spoletinern auf einer Brücke attackiert, doch warf er die beiden ins Wasser, wobei er den zweiten Angreifer tötete (VI, 56).
König Liutprand eilte weiter nach Benevent (VI, 57) und kehrte, nachdem er den gestürzten Herzog Gisulf wiedereingesetzt hatte, in seine Hauptstadt Pavia zurück. Mit dem Ende König Liutprands im Jahr 744 endet zugleich auch die für die frühmittelalterliche Geschichtsschreibung relativ detailreiche Schilderung des Paulus Diaconus.
Aufstieg der Brüder: Ratchis wird Langobardenkönig, Aistulf Dux des Friaul (744), dann König (749/750) mini|Anbetung der Könige, Maria, Jesuskind, Detail des Ratchis-Altars 744 wurde Hildeprand der Nachfolger Liutprands. Doch dieser wurde nach nur achtmonatiger Herrschaft abgesetzt und stattdessen Ratchis zum König gewählt.Ludo Moritz Hartmann: Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. 2,2, Perthes, Gotha 1903, S. 146. Aistulf wurde Dux des Friaul.
Im Juli 749 revoltierten Aistulf und einige andere langobardischen Adlige gegen seinen Bruder Ratchis, wohl wegen seiner Annäherungspolitik an Byzanz. Auch ließ er sich von Papst Zacharias zum Abbruch des Feldzuges gegen die Byzantiner bewegen. Innerhalb kurzer Zeit schufen die Aufständischen Tatsachen. Am 3. Juli erfolgte die Akklamation Aistulfs in Mailand, genauer in der Basilica di S. Ambrogio.
Offenbar war es Aistulf noch nicht gelungen, die Hauptstadt Pavia zu gewinnen. Erst am 1. März 750 konnte er dort eine Versammlung aller iudices einberufen, womit wohl einfach alle Würdenträger gemeint waren. Offenbar hielt der Widerstand seines Bruders Ratchis noch immer an, denn Aistulf verfügte vorsorglich, dass alle Schenkungen, die nach seiner Erhebung zum König („postquam Ahistulf factus est rex“) von diesem verfügt werden sollten, ungültig seien, es sei denn, sie würden von Aistulf selbst bestätigt. Ratchis dankte schließlich ab und musste mitsamt seiner Familie ins Kloster gehen, er selbst wählte das Kloster Montecassino.
Königsherrschaft des Aistulf (749–757) Thronbesteigung (Juni 750), Erhebung des Schwagers zum Herzog von Friaul Aistulf bestieg im Juni 750 den Thron. Er ernannte Anselm, mit dessen Schwester Gisaltruda er verheiratet war, zu seinem Nachfolger als Dux (749–751). Aistulf schenkte seinem Schwager Anselm Land, auf dem dieser 750 das Kloster Fanano errichten ließ.Herbert Zielinski: Aistulf, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. I, dtv, 1999, Sp. 246 f. Wenig später gründete er auch das Kloster Nonantola, wo er durch Papst Stephan II. auch Abt wurde.
Vorbereitungen für den Krieg gegen Byzanz, Ausweitung der Kriegspflicht auf Händler und Nichtlangobarden, Heerfolgeregeln Weitere gesetzliche Bestimmungen Aistulfs folgten der oben genannten über die Schenkungen. Die beiden folgenden Bestimmungen zielten darauf ab, die Kriegsfähigkeit der Armee zu gewährleisten, indem die Mängel der Bewaffnung beseitigt wurden, aber auch die Verteilung der daraus resultierenden Kriegslasten. In unmittelbare Beziehung mit dem Umfang und der Art des Vermögens wurden nämlich die Kriterien gesetzt, die die Arten der Bewaffnung regelten. Wer demnach kein Vermögen hatte, musste mindestens einen Schild und einen Köcher aufbieten; wer nur über geringes Vermögen verfügte, bei dem genügte ein Köcher mit Pfeilen und ein Bogen. Wer über Landbesitz verfügte, der sollte deutlich mehr beitragen. Wer mindestens 40 iugera Land besaß, aber keine masseria (Gutshof), der sollte ein Pferd, einen Schild und eine Lanze stellen; wer mindestens sieben Höfe besaß, ebenfalls ein Pferd, dazu eine vollständige Bewaffnung und eine Rüstung; wer mehr als sieben Höfe besaß, stellte eine Anzahl von Pferden, eine vollständige Bewaffnung und eine Rüstung, die im Verhältnis zur Menge der Höfe ermessen wurde.
Die Gehorsamspflicht bei Mobilisierungsbefehlen wurde erstmals auch auf diejenigen ausgedehnt, die negotiantes waren, also Händler. Die reichsten unter ihnen, die „maiores et potentes“, sollten mit Rüstung, Pferd und Lanze ausgestattet sein; die mit mittlerem Einkommen mit Pferd, Schild und Lanze; alle anderen, die minores also, mit Köcher, Pfeilen und Bogen.