Theodor von Senden ( oder Sendanus; * um 1560Gleichaltrig (ejus coaetanus) mit Ignatius Haniel (1560–1608), der am 12. Februar 1560 (prid. Idus Martii Anno Christi MDLX) geboren wurde, Joachim Gobbius (1562–1603) war „etwas jünger“ (aetate paulo minor); Johann Kirchmann: Oratio in obitum Ignatii Hannieli (1613). In: Johann Melchior Kraft: Ein Zweyfaches Zweyhundert-Jähriges Jubel-Gedächtnis … einer … Reformation. Johann Wolfgang Fickweiler, Hamburg 1723, S. 577–583, bes. S. 577 und S. 580. in Lübeck; † 1610Brief von Konrad Rittershausen an Johann Kirchmann in Rostock vom 21. Dezember (die S. Thomae) 1610 aus Altdorf. In: Marquard Gude, Claude Sarrau: Epistolae. François Halma & Willem van de Water, Utrecht 1697, S. 246f (Google-Books). vermutlich ebenda) war ein Jurist, der Prinzen der herzoglichen Höfe von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg und Mecklenburg als Präzeptor bei ihrem Universitäts-Studium begleitete.
Leben Herkunft aus lübischem Patriziat miniatur|Wappen der Familie van Senden|150px Theodor (Dietrich, Dirk) von Senden gehörte einer sehr wahrscheinlich ursprünglich aus Westfalen (Senden im Münsterland)So auch Martin Crusius: „à Senden (oppido Westfaliae)“; Wilhelm Göz, Ernst Conrad (Hrsg.): Diarium Martini Crusii, Bd. II 1598–1599. H. Laupp, Tübingen 1931, S. 4. stammenden,Anton Fahne: Die Westphalen in Lübeck. Johann Mathias Heberle, Heinrich Lempertz, Köln / Bonn 1855, S. 30.Wegen Stammverwandtschaft mit den → Schuler von Senden, die ein anderes Wappen führen, vermuten andere den Stammsitz in Sehnde bei Hannover; vgl. aber zur westfälischen Herkunft Harald K. Sorger: Johann Beckmanns genealogische Schriften. In: Hans-Peter Müller, Ulrich Troitzsch (Hrsg.): Technologie zwischen Fortschritt und Tradition. Peter Lang, Frankfurt am Main 1992, S. 195–210, bes. S. 203 Anm. 11; Harald K. Sorger: Der Abschiedsbrief der Mutter. In: Günter Bayerl, Jürgen Beckmann (Hrsg.): Johann Beckmann (1739-1811). Waxmann, Münster 1999, S. 3–13, bes. S. 6f. über Celle und Lüneburg eingewandertenJohann Heinrich Büttner: Die von Senden. In: Genealogiae Oder Stamm- und Geschlecht-Register der vornehmsten Lüneburgischen Adelichen Patricien-Geschlechter. Georg Friedrich Schultze, Lüneburg 1704, S. 283–286 mit Abb. des Wappens (Google-Books). lübischen Familie an. Seine Mutter lebte noch 1593 in Lübeck, seinen Vater erwähnte er 1597 in einem Brief.
→ Zu Vernetzung der Familie „von Senden“ im Lübecker Patriziat siehe den Artikel zu Casper van Senden.
Theodor von Senden besuchte das Katharineum zu Lübeck.Maria von Katte: Zur Erziehung und Ausbildung Herzog August des Jüngeren zu Braunschweig und Lüneburg. In: Wolfenbütteler Beiträge 5 (1982), S. 9–52, bes. S. 15. Rektor des Lübecker Gymnasiums war von 1581 bis 1589 der Humanist und Ramist Pancraz Krüger, der mit den Alumni der Prima Classis (Abschlussklasse) häufig öffentliche Disputationen in lateinischer und griechischer Sprache durchführte.Johann Heinrich von Seelen: Athenae Lubecenses, Bd. IV. Peter Boeckmann, Lübeck 1722, S. 151, 155, 192, 195 und S. 605–607 (Google-Books); (deutsche Zusammenfassung davon) Gustav Bauch: Valentin Trozendorf und die Goldberger Schule. Weidmann, Berlin 1921, bes. S. 290 und S. 293f (Digitalisat im Internet Archive). Weitere Lehrer waren Konrektor Magister Nicolaus Vorstius († 1587),Aus Brabant, Schulmeister und Rektor in Harlem, 1571 Konrektor in Lübeck. Magister Andreas Pouchenius der Jüngere (bis 1581), Georg Hennings,Aus Ditmarschen, 1592 Domprediger. Kantor Magister Johann Meincke († 1597), Jakob tor Höge († 1610), Joachim Paschasius († 1608),Aus Salzwedel, 1583 Prediger an St. Lorenz zu Travemünde. Magister Nikolaus Balhorn,Aus Lübeck, vermutlich Sohn von Johann Balhorn d. Ä., Schüler von Lorenz Möller, 1559 mit Empfehlung an Philipp Melanchthon immatrikuliert in Wittenberg. Magister Nikolaus Stintius († 1609)Aus Krempe, 1572 Magister-Promotion in Rostock. und Hinrich Schütte.Johann Heinrich von Seelen: Athenae Lubecenses, Bd. IV. Peter Boeckmann, Lübeck 1722, S. 605.Jakob Burckhard: Historiae Bibliothecae Augustae, Bd. II. Christophor Meisner, Wolffenbüttel 1746, S. 17f Anm. (ff), wunderte sich, dass Theodorus a Senden von Johann Heinrich von Seelen: Athenae Lubecenses nicht erwähnt wird (Google-Books).
Studium der Rechtswissenschaften Am 29. April 1583 immatrikulierte sich Theodorus Sendanus Lübbeccensis zusammen mit Nikolaus Rosenau aus Lübeck in Marburg. Unter dem Vorsitz von Hermann Vultejus verteidigte er 1585 in einer Disputation Thesen zum 1. Titel des 39. Buches der Digesten. Ab dem Sommersemester 1590 studierte Theodorus a Senden Lubecensis in Frankfurt an der Oder, wo er sich mit seinen Kommilitonen Ignatius Haniel (1560–1608)Aus Schivelbein in der Neumark, immatrikulierte sich im Sommersemester 1577 in Frankfurt an der Oder, 1596 Dr. jur. utr. in Basel, später in Ingolstadt, Professor für Geschichte in Rostock, befreundet mit Caspar Schoppe; Klara Vanek: „Ars corrigendi“ in der frühen Neuzeit. Studien zur Geschichte der Textkritik. (Historia Hermeneutica. Series Studia 4). Walter de Gruyter, Berlin / Boston 2012, S. 72 Anm. 197. und Joachim Gobbius (1562–1603)Aus Anklam, immatrikulierte sich im Sommersemester 1586 in Frankfurt an der Oder; Günther Grundmann: Gruftkapellen des achtzehnten Jahrhunderts in Niederschlesien und der Oberlausitz. (Studien zur deutschen Kunstgeschichte 193). Heitz, Straßburg 1916, S. 123. anfreundete. Der später mit allen dreien befreundete Professor für Poetik Johann Kirchmann meinte, Senden und Gobbius seien schon damals „zwei herausragende, im Schoße der Musen und Chariten hochbegabte und gebildete junge Männer“ gewesen. Als Elias Röber (1565–1599) aus Görlitz 1592 Professor für Rechtswissenschaft in Frankfurt an der Oder wurde, beteiligte sich Theodor von Senden mit einem Carmen an einer akademischen Gratulationsschrift.Gratulationsgedicht Si qua viris doctis … In: Theodor von Senden u. a.: Carmina Gratvlatoria. In Honorem Clarissimi atque Doctossimi Viri, Dn. Eliae Roberi Gorlicensis. Nikolaus Voltz, Frankfurt an der Oder o. J. , Bl. A2 (Scan 3 und 4) (Digitalisat der Staatsbibliothek zu Berlin). Im selben Jahr führte er den Vorsitz bei einer juristischen Disputation von Johann Hackelbusch († 1616).Aus Frankfurt an der Oder, 1597 immatrikuliert in Helmstedt, 1601 dort juristische Promotion, später Rat, ab 1614 Kanzler des Herzogs Franz II. von Sachsen-Lauenburg. Am 20. April 1593 bezog Theodorus von Senden Lubeccensis die Universität Tübingen.
Präzeptor der Brüder von Bredow Ab etwa 1591 war Theodor von Senden auf Empfehlung von Ignatius Haniel, der Juriskonsulent (Rechtsrat) in Rheinsberg und ihr früherer Lehrer gewesen war,Gaspar Scioppius (Caspar Schoppe): De arte criticâ. Judocus Pluymer, Amsterdam 1662, S. 32, 78 und Register (unpaginiert). Präzeptor der Brüder„fratres Bredovi“; Johann Kirchmann: Oratio in obitum Ignatii Hannieli (1613). In: Johann Melchior Kraft: Ein Zweyfaches Zweyhundert-Jähriges Jubel-Gedächtnis … einer … Reformation. Johann Wolfgang Fickweiler, Hamburg 1723, S. 577–583, bes. S. 581; vgl. S. 580. Jobst (Justus) II. († 1626)1614 Präbende als Domherr des Stiftes Brandenburg, verkaufte die Herrschaft Rheinsberg 1618 an Cuno von Lochow († 1623), erwarb 1623 die Herrschaften Neu Zauche und Lübbenau, Epitaph in der Dorfkirche Neu Zauche. und Hans von Bredow (1576–1623) zu Rheinsberg, Vehlefanz und Kremmen (Ziethen), Söhne des kurbrandenburgischen Rates Achim von Bredow (1539–1594), an den Universitäten Frankfurt an der Oder„Justus“ und „Joannes a Bredow fratres in Reinsberg et Gremmen“ immatrikulierten sich im Sommersemester 1591 in Frankfurt an der Oder. und Tübingen.Hans von Bredow war im Sommersemester 1593 in Tübingen, allerdings nicht an der Universität immatrikuliert; Maria von Katte: Zur Erziehung und Ausbildung Herzog August des Jüngeren zu Braunschweig und Lüneburg. In: Wolfenbütteler Beiträge 5 (1982), S. 9–52, bes. S. 15 und 45. Am 1. November 1596 immatrikulierte sich „Johan. von Bredow, Eques Marchius“ in Altdorf.Widmungen an Hans von Bredow und Ignatius Haniel in: Konrad Rittershausen, Caspar Schoppe, Isaac Memmius, Christoph Coler: De viro clarißimo Ignatio Hanniele Iurisconsulto … Ad Academiam Altdorphinam Noricorum visente. Paul Kaufmann, Nürnberg 1596 (Google-Books).
Präzeptor Augusts d. J. von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg Auf Empfehlung eines seiner Vorgänger – Martin Nordmann († 1599)Gilbert Hess: Literatur im Lebenszusammenhang. Peter Lang, Frankfurt am Main 2002, S. 124. aus Lübeck,Hans Sophus Prahl: Zur Herkunft des Lübecker Syndikus Dr. Martin Nordanus. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 42 (1962), S. 118f (PDF). der 1589 die Mutter von Joachim Jungius geheiratet und Lehrer am Katharineum geworden war,Adolf Lumpe: Joachim Jungius und Lübeck. In: Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde 67 (1987), S. 79–89, bes. S. 80 p(PDF). – wurde Theodor von Senden 1594 zum Präzeptor von Prinz August d. J. von Braunschweig-Lüneburg-Dannenberg (seit 1635: Braunschweig-Wolfenbüttel) berufen, war jedoch zunächst noch in Tübingen unabkömmlich. Die Entscheidung für Senden hatte Herzogin Ursula von Braunschweig-Dannenberg, geborene Prinzessin von Sachsen-Lauenburg, unter mehreren Kandidaten getroffen,Maria von Katte: Zur Erziehung und Ausbildung Herzog August des Jüngeren zu Braunschweig und Lüneburg. In: Wolfenbütteler Beiträge 5 (1982), S. 9–52, bes. S. 19–21. unter anderem blieb der Lübecker Jurastudent Isaak Memm (Memmius; Memming) (* um 1570; † nach 1615)Aus Utrecht, Sohn von Peter Memmius, 1593 in Wittenberg, 1594 immatrikuliert in Heidelberg, 1595 in Padua, 1596 in Siena, in Altdorf und Stammbucheinträger in Tübingen, 1596/97 in Basel, dort 1597 Promotion, 1604 Syndikus des Domkapitels zu Hamburg. unberücksichtigt.Gilbert Hess: Literatur im Lebenszusammenhang. Peter Lang, Frankfurt am Main 2002, S. 110f. Bis zu Theodor von Sendens Eintreffen in Rostock nahm – nachdem Nordmann selbst abgewunken hatteMaria von Katte: Zur Erziehung und Ausbildung Herzog August des Jüngeren zu Braunschweig und Lüneburg. In: Wolfenbütteler Beiträge 5 (1982), S. 9–52, bes. S. 36f. – der Professor der Moral Nikolaus Willebrand, der zur gleichen Zeit wie Senden in Frankfurt an der Oder studiert hatte, vorübergehend als Vizepräzeptor dessen Aufgaben wahr.Gilbert Hess: Literatur im Lebenszusammenhang. Peter Lang, Frankfurt am Main 2002, S. 22, 184f und 284.
Rostock August d. J. von Braunschweig-Lüneburg war im Sommersemester 1594 Adelsrektor der Universität Rostock. Willebrand entwarf für ihn die beiden Rektoratsreden vom 30. April und 22. Mai und auch die Abschiedsrede vom 13. September 1594,August d. J. von Braunschweig-Lüneburg: Academiarum Rostochiensis et Tubingensis Rectoris Orationes et edicta publicè proposita. Georg Gruppenbach, Tübingen 1598 (Google-Books). was eigentlich die Aufgabe des inzwischen eingetroffenen Präzeptors gewesen wäre.Gilbert Hess: Literatur im Lebenszusammenhang. Peter Lang, Frankfurt am Main 2002, S. 206 und 284. Sendens Verhalten bei Hofe gab bald nach seiner Ankunft Anlass zu Kritik. Die näheren Umstände lassen sich nicht mehr eruieren, da die betreffende Korrespondenz von Herzogin Ursula offenbar absichtlich unvollständig abgelegt wurde.
Jena und Tübingen miniatur|August d. J. von Braunschweig-Lüneburg als Rektor, Holzschnitt von Jakob Lederlein, 1596|200px