Die Casa de Contratación („Handelshaus“Stefan Zweig: Magellan. Der Mann und seine Tat. Kap. 5, 1938, auf Projekt Gutenberg-DE), auch Casa de la Contratación de las Indias genannt, wurde 1503 von dem Kastilischen Königspaar Isabella und Ferdinand gegründet, um die wirtschaftlichen Beziehungen zu Amerika zu fördern und zu überwachen. Die Casa de la Contratación in Sevilla gilt als die erste wissenschaftliche Einrichtung in Europa, in der die für die Seeschifffahrt relevanten Wissenschaften erforscht und gelehrt wurden. Die Casa de la Contratación hatte ihren Sitz in Sevilla. Sie wurde 1717 nach Cádiz verlegt und 1790 aufgelöst.

Entwicklung mini|Real Provisión des kastilischen Königspaares zur Errichtung der Casa de la Contratación in Sevilla Die Inbesitznahme der Gebiete in Amerika durch Kolumbus stellte die kastilische Krone vor neue Aufgaben. In kürzester Zeit musste eine Verwaltung aufgebaut werden, die in der Lage war, die Entdeckungsfahrten auszurüsten und die entstehenden Handelsbeziehungen zu überwachen. Königin Isabella beauftragte im Jahr 1493 Juan Rodríguez de Fonseca, alle Angelegenheiten, die Amerika betrafen, zu organisieren.

Im Jahre 1503 führte die stetige Zunahme des Verkehrs nach Amerika und die damit verbundene Zunahme der Verwaltungsangelegenheiten dazu, dass Juan Rodríguez de Fonseca und seine Mitarbeiter, die ihnen übertragenen komplexen Aufgaben kaum noch bewältigen konnten. Das Kastilische Königspaar beschloss daher, diese Aufgaben einer neu zu gründenden Institution zu übertragen, die nicht von einer Einzelperson, sondern von einem Kollegium geleitet werden sollte. Am 20. Januar 1503 ordneten sie die Gründung der Casa de la Contratación in Sevilla und entsprechender Einrichtungen in jedem der für den Handel mit Kastilien zugelassenen amerikanischen Häfen an.

Die Casa de la Contratación war nur am Anfang selbst am Handel beteiligt. Sie entfernte sich bald von dem Vorbild, der Casa da Índia der portugiesischen Krone, und beschränkte ihre Tätigkeit auf die Förderung und Kontrolle des Handels mit Amerika, auf fiskalischen Angelegenheiten und einige komplexe Kreditoperationen für das königliche Schatzamt.

In den ersten Jahren handelte die Casa de la Contratación als Behörde selbständig, später wurde der Consejo de Indias zum Vermittler zwischen der Casa de la Contratación und dem König.

In einem mehr als 200 Artikel umfassenden Erlass vom 11. November 1552 legte der kastilische König Karl I. die Regeln für die Arbeit der Casa de la Contratación bis ins kleinste Detail fest.

Bei einer Umorganisation im Jahr 1583 wurde die bisherige kollektive Leitung der Casa de la Contratación durch einen Präsidenten ersetzt. Nachdem es lange Zeit keinen Präsidenten gegeben hatte, wurde Pedro Gutiérrez Flores am 17. Juli 1593 zum Präsidenten ernannt, wobei er weiterhin Mitglied des Consejo de Indias blieb. Im Jahr 1596 wurde er bei der Eroberung von Cádiz von den Engländern gefangen genommen und dank des Versprechens, ein hohes Lösegeld zu zahlen, freigelassen. Nach dem Angriff ernannte Philipp II. am 26. Mai 1598 keinen Juristen, sondern den General der Armada und Kommandeur des Calatrava-Ordens Bernardino González Delgadillo y Avellaneda zum Präsidenten der Casa de la Contratación. Am 12. Mai 1717 verlegte König Philipp V. die Casa de la Contratación von Sevilla nach Cádiz. Der Hafen von Cádiz war für große Schiffe besser geeignet, ließ sich aber schlechter gegen Angriffe verteidigen. Mit der Verlegung nach Cádiz war eine Umstrukturierung der Behörde verbunden. Zwischen 1717 und 1754 lagen die Ämter des Präsidenten der Casa de la Contratación und des Intendanten der Marine in denselben Händen.

Die Einführung des Freihandels im Jahr 1778 und internationale Verträge machten die Casa de la Contratación Ende des 18. Jahrhunderts überflüssig. Die Behörde wurde 1790 aufgelöst.

Gebäude mini|Das von der Casa de la Contratación de Indias genutzte Gebäude auf der Westseite des Patio de la Montería im Alcázar de Sevilla mini|In der Casa de la Lonja fand ab 1622 der Unterricht in Kosmographie und Navigationskunst statt. Sevilla war seit dem 13. Jahrhundert die wichtigste Stadt für den Handel mit Nordafrika, Portugal und den atlantischen Inseln. Mit 40.000 Einwohnern war sie die bevölkerungsreichste Stadt des Königreichs Kastilien. Die geographische Lage mit einem Hafen, der hundert Kilometer vom Meer entfernt lag, machte Sevilla zu einem geschützten Ort vor den Angriffen von Korsaren, Piraten, Banditen, Seeräubern und Filibustern. Die Stadt hatte eine lange Handelstradition mit Handelshäusern, Banken und ausländischen Agenten; sie beherbergte angesehene Handels- und Gerichtsinstitutionen, Werften und eine Bürokratie, die ihrem Status als Großstadt entsprachen.

Der erste Standort der Casa de la Contratación war die königliche Schiffswerft (Atarazanas Reales). Da der Guadalquivir diesen Standort häufig überschwemmte, wurde er bald aufgegeben. Stattdessen wurde die Casa de la Contratación in einem Bereich des Alcázar untergebracht, der als Cuerpo oder Cuarto de los Almirantes bekannt war, einem Gebäudeteil der nahe am Hafen lag.

Seit der Einrichtung des Amtes des Piloto Mayor im Jahr 1508 wurde der Unterricht in Navigationstechnik in dessen Privathaus abgehalten. Mit der Gründung des Lehrstuhls für Kosmographie und Navigationskunst im Jahr 1552 wurde die Kapelle der Casa de la Contratación als Unterrichtsraum eingerichtet. Ein königlicher Erlass vom 23. Mai 1622 bestimmte, dass der Unterricht künftig in der Casa de la Lonja stattfinden sollte.

Personal Am 14. Februar 1503 ernannte Königin Isabella drei königliche Beamte, die gemeinsam die Casa de la Contractacion leiteten. Der Factor (Verwalter der Sachwerte) war verantwortlich für den Kauf und die Lagerung aller Waren die nach Amerika geschickt oder von dort mitgebracht wurden, mit Ausnahme von Edelmetallen. Der Tesorero (Schatzmeister) war verantwortlich für die Verwaltung aller Vermögenswerte, Gold, Silber und Perlen und für die Verwaltung der Nachlässe der in Amerika Verstorbenen. Der Escribano-Contador (Rechnungsführer) führte die Rechnungsbücher, in denen alle Vorgänge, mit denen sich die Casa de la Contratación beschäftigte, eingetragen wurden. Nachdem König Ferdinand am 26. September 1511 der Casa de la Contratación die uneingeschränkte zivil- und strafrechtliche Zuständigkeit für alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit dem Handel und der Schifffahrt mit Amerika verliehen hatte, wurden die drei Leiter der Casa de la Contratación Jueces Oficiales genannt.

In den ersten Jahren bestand das Stammpersonal der Casa de la Contratación aus dem Factor, dem Tesorero, dem Escribano-Contador, einem Richter für Justizangelegenheiten, einem Staatsanwalt, zwei Notaren, zwei Gerichtsdienern, zwei Pförtnern, zwei Schiffsinspektoren und einem Kerkermeister. Im Laufe der Jahre wurden die Aufgaben der Casa de la Contratación im Bereich der Wirtschafts-, Steuer- und Finanzverwaltung so komplex, dass es notwendig wurde, neue Ämter zu schaffen und eine große Anzahl von untergeordneten Beamten, Notaren, Assistenten, stellvertretenden Kommissaren usw. mit speziellen Aufgaben zu betrauten. Von zwei Dutzend Beamten im Jahr 1552 stieg die Zahl auf 110 im Jahr 1687. Darunter gab es einige, die keine besonderen Aufgaben hatten oder gewöhnlich abwesend waren. In den 30er Jahren des 17. Jahrhunderts begann der Verkauf der Ämter der Casa de la Contratación. Mit Ausnahme der Justizverwaltung, d. h. der drei Richter und des Staatsanwalts, gab es praktisch kein Amt innerhalb der Institution, das nicht zugunsten der Staatskasse verkauft wurde. Dies führte zu Korruption in den verschiedensten Formen (Bestechlichkeit, Amtspflichtverletzung, Vetternwirtschaft usw.) Eine 1643 von König Philipp IV. angeordnete Inspektion des Hauses führte zur Anklage fast des gesamten Personals.

Aufgaben Eine wichtige Aufgabe der Casa de la Contratación war anfangs die Versorgung Amerikas mit lebensnotwendigen Gütern und Ausrüstungsgegenständen. Später wurde dies weitgehend der Initiative privater Händler überlassen. Lediglich die Lieferung von Quecksilber, das zur Gewinnung von Silber aus Erzen notwendig war und dessen Handel ein königliches Monopol blieb, wurde von der Casa de la Contratación dauerhaft sichergestellt. mini|Ordenanças reales aus dem Jahr 1553 Die wichtigsten Zuständigkeiten und Befugnisse der Casa de la Contratación wurden in den Ordenanzas reales (königlichen Erlassen) festgelegt:

Die Casa de la Contratación war das Kontrollorgan der Regierung für die Schifffahrt, den Handel und die sonstigen Beziehungen zu den neuen Gebieten der Krone von Kastilien in Amerika. Sie war: zuständig für die Vorbereitung und Organisation der Carrera de Indias zuständig für die Prüfung des Zustands von Schiffen und Besatzungen, zuständig für die Organisation und Vorbereitung der Seestreitkräfte die die Handelsschiffe auf den Konvois begleiteten, zuständig für die Verwahrung des königlichen und privaten Vermögens, sowie des Vermögens der Verstorbenen, zuständig für die Einziehung verschiedener Steuern und Gebühren, zuständig für die Kontrolle der Auswanderung nach Amerika Finanzinstitut zur Ausgabe von Staatsanleihen, Gericht für Zivilprozesse und Strafsachen, die mit den Fahrten nach Amerika zu tun hatten. Wissenschaftliches Forschungszentrum und Schifffahrtsschule.

Behörde für die Kontrolle des überseeischen Verkehrs Die Casa de la Contratación kümmerte sich um alles, was mit der Schifffahrt und dem Handel mit Amerika zu tun hatte. Sie legte die Mindestbesatzung, die Ausrüstung und die Ladungsgrenzen für die Schiffe fest. Dies wurde ebenso wie die Seetüchtigkeit und die Tonnage von den Schiffsinspektoren kontrolliert. Die Casa de la Contratación registrierte, überwachte und kontrollierte alle Waren die nach Amerika verschifft wurden und überprüfte, ob die in Übersee deklarierten Waren mit denen übereinstimmten, die in Sevilla ankamen.

Um die Beladung und Registrierung der Schiffe auf dem Weg nach Amerika zu erleichtern, wurde 1508 festgelegt, dass dies auch in Cádiz und Sanlúcar de Barrameda erledigt werden konnte, allerdings unter der Aufsicht eines Kontrolleurs, der direkt der Casa de la Contratación unterstand. Das Register von Cádiz galt jedoch nur für die Hinfahrt. Auf der Rückfahrt mussten die Schiffe direkt in Sevilla einlaufen, ohne an irgendeiner Station etwas entladen zu können.

Die Casa de la Contratación war beauftragt verschiedene Steuern und Gebühren einzuziehen und zu verwalten. Die Alcabala war eine Steuer, die alle Verkäufe und Käufe mit einem Steuersatz von 10 % besteuerte. Der Almojarifazgo mayor de Sevilla war eine Zollabgabe, die für die gesamte Südküste Kastiliens von der Grenze zu Portugal bis zur Grenze zur Krone von Aragonien galt. Der Almojarifazgo de Indias war ein Zoll, der seit 1543 auf den Handel mit Amerika erhoben wurde, um den Finanzbedarf Karls V. im Krieg gegen Frankreich zu decken. Die Avería de armadas diente dazu, den militärischen Schutz der Handelsschiffe auf dem Weg nach Amerika und zurück zu finanzieren. Der Tercio de lonja war ein Beitrag zur Finanzierung der Baukosten der Lonja de Mercaderes. Die Avería consular, wurde zur Deckung der Kosten des Consulado de Cargadores verwendet. Darüber hinaus wurden Gebühren für die Vermessung des Schiffsraumes, die Registrierung und jede Überprüfung eines Schiffes erhoben.

Behörde für die Vorbereitung und Organisation der Flota de Indias mini|300 px|Reiseroute der Flota de Indias und der Galeón de Manila