mini|Außenansicht der Kirche mit Glockenstuhl von Osten mini|Nordseite der Kirche mit den Grüften der Familie Ahlefeldt, Hobe-Geltingen (niedrig mit Kreuz) und Rumohr (v. li.); erkennbar sind die zugemauerten älteren Fenster Die St.-Katharinen-Kirche von Gelting ist eine denkmalgeschützte gotische Backsteinkirche und gehört der Kirchengemeinde Gelting; letztere gehört zum Kirchenkreis Schleswig-Flensburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland.

Die St.-Katharinen-Kirche wurde um 1300 von den Besitzern von Gut Gelting erbaut. Als Patronatskirche eines zunächst königlichen und später adligen Guts unterstand das Kirchspiel bis 1928 den Gutsherren von Gut Gelting. Die Herren von Gelting und der benachbarten Güter statteten die Kirche reich aus. Bedeutend war dabei besonders Christian Friedrich Rudolf von Geltingen, auf den der Umbau der Kirche zu einer klassizistischen Saalkirche zurückgeht. Durch die Integration der kostbaren Innenausstattung aus der Gotik, der Renaissance und dem Barock in den einheitlich hell gestalteten klassizistischen Saal ist das Erscheinungsbild der Kirche einmalig. Die Stellung als exemtes Kirchspiel spielte eine wichtige Rolle in den Jahren nach der Schleswig-Holsteinischen Erhebung.

Lage

Die St.-Katharinen-Kirche steht auf einer Anhöhe im Ort Gelting an der zum Herrenhaus Gelting führenden Straße Norderholm. Sie liegt nicht im Zentrum des Kirchspiels, sondern an dessen westlichem Rand nicht weit von der St.-Marien-Kirche in Esgrus entfernt. Bis ins 19. Jahrhundert hinein existierte nicht einmal ein Kirchdorf mit eigener Feldmark, denn bei der Kirche gab es nur wenige Häuser, darunter die Schule und das Diakonat, während sogar der Hauptpastor etwa einen Kilometer entfernt in Suterballig wohnte.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik über das Herzogthum Schleswig. Band 4. Enthaltend Femern, die unmittelbar unter dem Schleswigschen Generalsuperintendenten, so wie die unter den Bischöfen von Ripen und von Alsen stehenden Kirchen: nebst Zusätzen und Registern. Flensburg 1842, S. 1424, 1430. Bis zur Trockenlegung großer Teile in den 1970er-Jahren reichte das Geltinger Noors bis dicht an die Kirche heran. Parallel zur Straße, die östlich der Kirche verläuft, floss die Geltinger Au, bevor sie im Zusammenhang mit der Flurbereinigung unterirdisch durch Rohre geleitet wurde. Direkt vor der Kirche führte eine Brücke über die Geltinger Au.

Geschichte Gelting in der Nieharde wurde zwar schon 1231 erwähnt, allerdings als königliches Gut und nicht als Kirchspiel. Deshalb befand sich hier, anders als in vielen anderen Orten in Angeln, in denen romanische Kirchen stehen, im Hochmittelalter noch keine Kirche. Erst um 1300 ließen die Gutsherren von Gut Gelting für ihre Gutsuntertanen in der Nähe des Gutshauses auf einer Anhöhe an der Geltinger Au eine kleine Kirche errichten, die unter dem Patrozinium der Heiligen Katharina von Alexandrien stand. Anfangs unterstand das Kirchspiel in weltlicher Hinsicht dem dänischen König, dem das Gut bis 1494 gehörte, bzw. dem von ihm mit der Verwaltung des Guts Belehnten und in geistlicher dem Archidiakon des Schleswiger Domkapitels. Spätestens ab 1427 war es dem Zisterzienserkloster Rüde inkorporiert und zehntpflichtig.Jürgen Newig: Rude. In: Oliver Auge / Katja Hillebrand (Hrsg.): Klosterbuch Schleswig-Holstein und Hamburg. Klöster, Stifte und Konvente von den Anfängen bis zur Reformation. Regensburg 2019. Band 2, S. 505–535; S. 516. Ein Priester für Gelting ist ab dem 15. Jahrhundert erwähnt. Außer dem „Herrn Jasper“, dem 1525 das Triumphkreuz geliefert wurde, sind aber bis zum Ende des 16. Jahrhunderts keine Namen bekannt.

Patrone und Pastoren (16. und 17. Jahrhundert)

Nach der Reformation, über deren Einführung in Gelting nichts überliefert ist, unterstanden Kirche und Kirchspiel dem Patronat der Herren des Guts Gelting. Als exemtes Kirchspiel lag Gelting damit außerhalb der Jurisdiktion des Flensburger Amtmanns und des Propstes von Flensburg. Ab 1636 war der Generalsuperintendent von Schleswig für die geistlichen Belange zuständig und führte auch die Visitation durch.Hans Nicolai Andreas Jensen: Geschichte des Kirchspiels Gelting. In: A. L. J. Michelsen und J. Asmussen (Hrsg.): Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg und der angrenzenden Länder und Städte. Band 3, Altona 1837, S. 1–98; S. 85. Die Gutsherren waren für die Erhaltung der Kirche und ihre Finanzen verantwortlich und hatten unter anderem das Recht, der Gemeinde die Prediger zur Wahl zu präsentieren und den Gewählten einzusetzen.August Christian Heinrich Niemann: Handbuch der schleswig-holsteinischen Landeskunde. Zur leichtern Berichtigung und Ergänzung der bisher vorhandenen Nachrichten … Topographischer Theil. Erster Band. Herzogthum Schleswig. 1799, S. 504. Außerdem hatten sie die Aufsicht über die Schulen im Kirchspiel. Allerdings beanspruchten auch die Besitzer der anderen vier Güter, die Land im Kirchspiel besaßen, Düttebüll, Priesholz, Buckhagen und Oehe, das Patronatsrecht und hatten es zeitweise auch inne. Alle nutzten die Geltinger Kirche als Grablege und statteten sie aus. Teilweise verfügten die Herren von Gelting recht eigenmächtig über das Kirchengut. So verkaufte Claus von Ahlefeldt 1595 die Orgel und einige mittelalterliche Kunstwerke, worüber Johann von der Wisch auf Oehe sich beschwerte.Hans Nicolai Andreas Jensen: Geschichte des Kirchspiels Gelting. In: A. L. J. Michelsen und J. Asmussen (Hrsg.): Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg und der angrenzenden Länder und Städte. Band 3, Altona 1837, S. 1–98; S. 82.

Die ersten namentlich bekannten Pastoren waren Johann Walbom, der vermutlich von 1567 bis 1583 Dienst tat, und Hinrich Wige, der 1590 starb. Als in den 1580er Jahren die Pest im Kirchspiel herrschte, soll auch der Küster ordiniert worden sein, weil der Pastor allein mit der Menge der Kranken und Sterbenden, die nach dem Krankenabendmahl verlangten, und der Zahl der Beerdigungen überfordert war.Hans Nicolai Andreas Jensen: Angeln: Zunächst für die Angler historisch beschrieben. Flensburg 1844, S. 104f. Damit bestand eine zweite Pfarrstelle, zunächst ein deutlich schlecht bezahltes Diakonat. Während die Hauptpastoren häufig bis zu ihrem Tod auf der Stelle blieben, wechselten die zweiten Prediger daher oft schon nach wenigen Jahren auf eine Stelle mit besserer Vergütung. Einige Diakone konnten nach dem Tod ihres Vorgängers auch dessen Stelle einnehmen, so rückte auch der erste bekannte Diakon, Nicolaus Johannis aus Gelting, 1590 zum Hauptpastor auf.Hans Nicolai Andreas Jensen: Geschichte des Kirchspiels Gelting. In: A. L. J. Michelsen und J. Asmussen (Hrsg.): Archiv für Staats- und Kirchengeschichte der Herzogthümer Schleswig, Holstein, Lauenburg und der angrenzenden Länder und Städte. Band 3, Altona 1837, S. 1–98; S. 87f.

mini|Pastor Schröder

Als Patron Claus Ahlefeldt auf Gut Gelting (1578–1632) nach Johannis’ Tod 1618 Bernhard Hechler aus Butjadingen zum neuen Hauptpastor berief, ohne die Zustimmung der anderen Gutsherren eingeholt zu haben, entbrannte ein längerer Streit zwischen den Gutsherren über die Zuständigkeit des Patronatsherrn. Zum Zeichen ihres Protestes ließen die Herren der anderen Güter ihre Amtshandlungen nur noch durch den Diakon vornehmen.Peter Schwennsen, Johannes Jürgensen: Die Chronik des Kirchspiels Gelting. Gelting 1972, S. 134. Hechler starb 1640. Sein Nachfolger wurde, vermutlich auch wieder ohne Wahl, Franziscus Schröder. Als er nach fast 40 Amtsjahren 1680 mit 68 Jahren starb, ließ man ein Gemälde von ihm in der Kirche aufhängen. Auch Schröders Schwiegersohn Paul Gerhard Walter, der Sohn des Pastors der Flensburger Johanniskirche, erhielt die Pfarrstelle ohne Wahl. Walter arbeitete neben seiner seelsorgerlichen Tätigkeit auch als Arzt, war aber offensichtlich unbeliebt, denn niemand wollte bei ihm als Knecht dienen. Er lag auch mit den Gutsherren im Streit, da diese ihre Leibeigenen schlecht behandelten und ihnen die Erlaubnis zur Eheschließung verweigerten.Wolfgang Jonas (Archiv Geltinger Bucht): Hochzeit und Heirat während der Leibeigenschaft. 2011 (Aus der Geltinger Vergangenheit (weiter unten)). 1693 verließ er Gelting und wurde Pastor in Burg auf Fehmarn. 1703 gab er diese Pfarrstelle auf, um seine restlichen zehn Lebensjahre als Arzt in Eckernförde zu verbringen.Peter Schwennsen, Johannes Jürgensen: Die Chronik des Kirchspiels Gelting. Gelting 1972, S. 135. Nach Walters Weggang 1694 fand erstmals eine richtige Pastorenwahl mit Präsentation von drei Kandidaten durch den Patron und Probepredigten statt. Die wahlberechtigten Haushaltsvorständen der Gemeinde wählten Tobias Meyer, der bis zu seinem Tod 1730 amtierte und gleich nach Amtsantritt mit der Führung von Kirchenbüchern begann.Hans Nicolai Andreas Jensen: Versuch einer kirchlichen Statistik über das Herzogthum Schleswig. Band 1. Flensburg 1840, S. 98.

18. Jahrhundert

Im gesamten 18. Jahrhundert hatte die Geltinger Kirche nur sechs Pastoren, die alle mehrere Jahrzehnte bis zu ihrem Tod im Dienst der Gemeinde standen: Auf Tobias Meyer folgte 1731 der bisherige Diakon Ludwig Hoffmann († 1750). Dessen Nachfolger Ulrich Anton Feddersen war ebenfalls Diakon gewesen, ehe er 1751 Hauptpastor wurde. Weil er an einer zunehmenden Lähmung litt, musste er sich in die Kirche tragen lassen und saß zum Predigen vor dem Altar. Er starb 1781 mit 63 Jahren. Ihm folgte Peter Kiesbuy, der bereits seit 1753 das Diakonat innehatte. Als er 1782 zum Hauptpastor befördert wurde, wurde das Diakonat in ein etwas besser dotiertes Compastorat umgewandelt. Trotzdem verdienten die Compastoren bei etwa gleichem Arbeitspensum nur knapp die Hälfte dessen, was die Hauptpastoren bekamen. Kiesbuy war Pastor während des großen Umbaus der Kirche 1792 bis 1794 und starb 1797 nach insgesamt 44 Jahren im Amt. Zu seinem Nachfolger wurde Jacob Detlev Casper Schmidt gewählt, womit zum ersten Mal seit hundert Jahren nicht der zweite Prediger zum Hauptpastor aufrückte. Zusammen mit Compastor Christian Rohlfs führte Schmidt ab 1798 die andernorts umstrittene Agende des Generalsuperintendenten Jacob Georg Christian Adler ohne Schwierigkeiten ein.Veronika Janssen: „Ei ei, Herr Pastor, das ist ja eine ganz neue Religion!“ Die Adlersche Kirchenagende von 1797 zwischen Gemeinden, Predigern und Obrigkeit. Kiel 2017, S. 459.

mini|hochkant|Wappen des Freiherrn von Gelting