mini|Franziska Zach: Mädchen mit Schale, Selbstporträt mit Genre-Zügen, 1926 Franziska Zach (* 8. Februar 1900 in Losenstein; † 13. Dezember 1930 in Paris) war eine österreichische Malerin, Grafikerin, Email- und Freskokünstlerin.
Leben Franziska Zach wuchs als Tochter des Bahnbeamten Johann Nepomuk Zach und dessen Ehefrau Antonia Zach, geb. Dückelmann, in einfachen Verhältnissen auf. Sie hatte drei Geschwister. Infolge einer Versetzung des Vaters kam die Familie nach Wien. Dort besuchte Franziska Zach zunächst die Fachschule für Textilindustrie, wechselte dann aber an die Wiener Kunstgewerbeschule. In deren allgemeiner Abteilung studierte sie von 1917 bis 1920 unter Oskar Strnad und Adolf Boehm. Anschließend besuchte sie von 1920 bis 1923 die Fachklasse für Malerei von Wilhelm Müller-Hofmann und 1923/1924 die Werkstätte für Emailarbeiten bei Josef Hoffmann. Weitere Lehrer von ihr waren Alfred Roller, Erich Mallina und Adele von Stark.Annika Zednicek: Zach, Franziska. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien 2016, S. 3612.
Trotz finanzieller Schwierigkeiten konnte Zach noch vor Studienende einen Brennofen erwerben und schuf damit zunächst Gefäße aus Email, später überwiegend Emailbilder. Ihre Arbeiten wurden 1925 auf der Ausstellung für Christliche Kunst der Wiener Secession und der Internationalen Kunstgewerbeausstellung in Paris gezeigt. Im Folgejahr wurde sie damit beauftragt, eine Andachtskapelle bei Heiligenblut mit Fresken auszumalen. Weitere Wandmalereien folgten.
1928 wurde Zach von Freunden nach England eingeladen, wo sie eine wohlhabende Freundin und Mäzenin kennenlernte. Diese ermöglichte ihr unter anderem einen Studienaufenthalt in Irland im gleichen Jahr. 1929 reiste Zach über Avignon nach Korsika. 1930 ließ sie sich in Paris nieder und unterhielt dort ein kleines Atelier. Sie freundete sich mit dem zu dieser Zeit ebenfalls in Paris lebenden Maler Josef Floch an.Rudolf Leopold, Cornelia Cabuk: Zwischen den Kriegen: österreichische Künstler, 1918–1938. Holzhausen, Wien 2007, S. 34. Im Pariser Herbstsalon stellte sie vier ihrer Gemälde aus.
Als Mitglied der Wiener Frauenkunst nahm Zach regelmäßig an deren Ausstellungen teil. 1929 zeigte sie als Gast Werke im Hagenbund. 1930 wurde sie für ihre in Paris entstandenen Werke mit dem Preis der Stadt Wien ausgezeichnet. Im gleichen Jahr wurde sie als außerordentliches Mitglied in den Hagenbund aufgenommen.
1930 starb Franziska Zach mit 30 Jahren in Paris, wohl an einem Magendurchbruch. Ihre von Armut geprägten Lebensumstände und die damit verbundene einseitige Ernährung könnten eine Rolle bei ihrem frühen Tod gespielt haben. Sie wurde am 30. Dezember 1930 auf dem Wiener Zentralfriedhof bestattetAnnika Zednicek: Zach, Franziska. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien 2016, S. 3613. (Gruppe 62B, Reihe 25, Nummer 11). Ihr Grab ist inzwischen aufgelassen.
Werk mini|Ölgemälde Fischerboot in Bucht, 1929 Franziska Zach schuf Gefäße aus Email und Emailbilder. Sie malte Landschaften, Stillleben, Porträts, Genre- und Historienbilder sowie Fresken. Als Motiv für ihre Genrebilder diente oft die ländliche Bevölkerung. Ihre Ölgemälde sind formstreng und von sparsamer, aber wirksamer Farblichkeit. Sie zeigen Einflüsse internationaler und österreichischer Maler wie Josef Floch und Georg Merkel. Einige ihrer Werke („Kompositionen“) widmen sich im Stil zeitgenössischer französischer Malerei der Lösung figuraler Problemstellungen.
Zach gehört zu den Künstlern der Verschollenen Generation, deren Schaffen zwischenzeitlich in Vergessenheit geriet. 1993 rückte ihre Arbeit im Rahmen der Hagenbundausstellung der Österreichischen Galerie auf Schloss Halbturn wieder in den Blickpunkt der Kunstwelt. Der Verbleib eines Großteils ihrer Werke ist nicht bekannt, da sie sich im Haus ihrer Familie befanden, als dieses nach dem Zweiten Weltkrieg geplündert wurde. Von Zachs über hundert Ölgemälden blieb nur ein Dutzend erhalten. Werke befinden sich u. a. in den Sammlungen des Wien Museums, des Museums für Angewandte Kunst und des Belvedere in Wien, der Sammlung Peter Chrastek,Annika Zednicek: Zach, Franziska. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien 2016, S. 3614. der Albertina in Wien, der Sammlung der Nationalbank und in Privatbesitz.https://www.biographien.ac.at/oebl/oebl_Z/Zach_Franziska_1900_1930.xml abgerufen am 23. Februar 2023
Werke (Auswahl) Rast, 1920, Email/Kupfer Fresken in der Andachtskapelle an der Glocknerstraße bei Heiligenblut, 1926 Wandmalerei im Schloss Reitenau, Steiermark Wandmalerei in der Villa Dr. Pelzer in Wien-Hietzing Mädchen mit Schale (Selbstporträt mit Zügen der Genremalerei),Tobias G. Natter (Hrsg.), Gerbert Frodl: Die verlorene Moderne. Der Künstlerbund Hagen 1900–1938. Eine Ausstellung der Österreichischen Galerie Wien in Schloss Halbturn. Katalog, Wien 1993, S. 232. 1926. Öl auf Karton, 67,5 × 47,5 cm Musizierender Hirte, 1927, Gemälde Porträt der Mutter, 1928 Porträt von Franz Santifaller, 1928 Selbstbildnis, 1928 Die Familie, Gruppenbild, 1928 Korsische Landschaft, 1928, Öl/Leinwand, 60,5 × 50,5 cm, signiert „Zach“ Fischerboot in Bucht, 1929, Öl/Leinwand, 32,6 × 41 cm, signiert und datiert „F. Zach 29“ Irische Landschaft, 1929, Öl/Leinwand, 38 × 54 cm, signiert „Zach“ Ohne Titel, 1920er Jahre, Gouache auf Holz, 18 × 13 × 2 cm, BelvedereOhne Titel. In: belvedere.at. Abgerufen am 7. April 2023. Selbstbildnis, 1930 Ausblick aus dem Wiener Atelier, 1930, Öl/Leinwand, 64 × 49 cm, signiert „Zach“ Beim Wäscheschwemmen, 1930, Öl/Leinwand, 54 × 64 cm Französische Arbeiterfrau (auch: Kopf einer Arbeiterin),Tobias G. Natter (Hrsg.), Gerbert Frodl: Die verlorene Moderne. Der Künstlerbund Hagen 1900–1938. Eine Ausstellung der Österreichischen Galerie Wien in Schloss Halbturn. Katalog, Wien 1993, S. 231. 1930, Öl/Leinwand, 55 × 46 cm, signiert „Zach“, Historisches Museum der Stadt WienBlickwechsel und Einblick: Künstlerinnen in Österreich: Aus der Sammlung des Historischen Museums der Stadt Wien. Historisches Museums der Stadt Wien, Wien 1999, S. 44. Komposition, Gemälde, Ausstellung „Wie sieht die Frau.“ der Wiener Frauenkunst, 1930Deutsche Kunst und Dekoration: illustrierte Monatshefte für moderne Malerei, Plastik, Architektur, Wohnungskunst und künstlerisches Frauen-Arbeiten. 66, 1930, S. 286 (online). Stilleben mit dem roten Tuch, 1930 Korsische Kirche, Öl/Holz, 50 × 39,8 cm, signiert „Zach“
Ausstellungen (Auswahl) 1925: „Ausstellung für Christliche Kunst“, Wiener Secession 1925: Internationale Kunstgewerbeausstellung, Paris 1927: „Europäisches Kunstgewerbe“, Leipzig 1927: „Neuchristliche Kunst“, Glaspalast München 1929: Gast-Ausstellung beim Hagenbund 1930: „Wie sieht die Frau. III. Ausstellung des Verbandes Bildender Künstlerinnen und Kunsthandwerkerinnen Wiener Frauenkunst“, Hofburg, Terrassensäle 1931: „Wiener Frauenkunst mit Gedächtnisausstellung Franziska Zach“, Hagenbund 1993: „Die verlorene Moderne: der Künstlerbund Hagen 1900–1938“, Österreichische Galerie Wien in Schloss Halbturn (mit Katalog) 1999: „Blickwechsel und Einblick: Künstlerinnen in Österreich. Aus der Sammlung des Historischen Museums der Stadt Wien“, Hermesvilla, Wien (mit Katalog) 2000: „Gedächtnisausstellung Franziska Zach“, Anton Hanak-Museum, Langenzersdorf 2000: „Franziska Zach 1900–1930 Gedächtnisausstellung“, Raiffeisenbank, Losenstein 2007: „Zwischen den Kriegen. Österreichische Kunst 1918–1938“, Leopold Museum, Wien 2014: „Hagenbund – Ein europäisches Netzwerk der Moderne (1900 bis 1938)“, Österreichische Galerie Belvedere, Wien 2019: „Stadt der Frauen. Künstlerinnen in Wien von 1900 bis 1938“, Österreichische Galerie Belvedere, Wien (mit Katalog)Zach, Franziska archiv.belvedere.at. Abgerufen am 3. September 2021. 2022: „Auftritt der Frauen. Künstlerinnen in Linz 1851–1950“, Nordico, Linz 2022: „Hagenbund. Von der gemäßigten zur radikalen Moderne“, Leopold Museum, Wien
Literatur
Annika Zednicek: Zach, Franziska. In: Ilse Korotin (Hrsg.): biografiA. Lexikon österreichischer Frauen. Band 3: P–Z. Böhlau, Wien 2016, ISBN 978-3-205-79590-2, S. 3612–3614 (PDF). Franziska Zach. In: Ingrid von der Dollen: Malerinnen im 20. Jahrhundert: Bildkunst der „verschollenen Generation“. Geburtsjahrgänge 1890–1910. Hirmer, München 2000, ISBN 3-7774-8700-7, S. 374. Elke Doppler: Blickwechsel und Einblick: Künstlerinnen in Österreich: Aus der Sammlung des Historischen Museums der Stadt Wien. Katalog, Historisches Museum der Stadt Wien, Wien 1999, S. 44, 131. Tobias G. Natter (Hrsg.), Gerbert Frodl: Die verlorene Moderne. Der Künstlerbund Hagen 1900–1938. Eine Ausstellung der Österreichischen Galerie Wien in Schloss Halbturn. Katalog, Wien 1993, S. 231–233, 275.
Weblinks
Franziska Zach bei biografiA Franziska Zach im Archiv der Österreichischen Galerie Belvedere Webseite über Franziska Zach von Kunsthandel Widder Franziska Zach in der Sammlung der Oesterreichischen Nationalbank
Einzelnachweise
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