mini|Ed Atkins, 2016 Ed Atkins (* 1982 in Oxford, England) ist ein britischer zeitgenössischer Künstler. Er ist insbesondere für seine Videokunst bekannt.
Leben Atkins wuchs in Stonesfield, einem kleinen Dorf in der Nähe von Oxford, auf. Sein Vater war Grafikdesigner, seine Mutter Kunstlehrerin. Er erhielt seinen Bachelor am Central Saint Martins of Art and Design in London und studierte von 2007 bis 2009 an der Slade School of Fine Art in London, wo er seinen Masterabschluss erwarb. Er lebt und arbeitet in Berlin und Kopenhagen. Seit Herbst 2024 vertritt Atkins die Professur des im September 2025 verstorbenen John Morgan an der Kunstakademie Düsseldorf.
Werk Die Arbeiten von Atkins umfassen hochauflösende Videos, Texte und Zeichnungen. In seinen Videos steht in der Regel eine nicht weiter identifizierbare Figur im Zentrum, die sich in Verzweiflung, Angst oder Frustration befindet. Die Themen kreisen meist um existentielle Fragen zu Leben und Tod, Krankheit, Körper oder Identität. Die Bildlichkeit seiner computergenerierten Werke sind dem Hyperrealismus zuzuordnen. Bei den Figuren handelt es sich um CGI-Avatare, die durch Motion-Capture-Technik animiert sind und von Atkins selbst eingesprochen werden. Der Realismus der Charaktere erweckt bei den Betrachtern häufig eine Empathie und aufgrund der Schwere der Themen eine gewisse Melancholie und Emotionalität. Gleichzeitig ruft der verstörende Realismus den Uncanny Valley-Effekt hervor, da die Simulakren der menschlichen Wirklichkeit zwar nahekommen, aber gerade aufgrund dessen mit Abscheu betrachtet und abgelehnt werden.
Aktins Arbeiten befassen sich mit der Veränderung der Wahrnehmung des Menschen durch die rasante Entwicklung der (digitalen) Medien. Dabei beruft sich der Künstler auch auf die Entwicklung der Filmindustrie, die auf 3D-Effekte und High Definition drängt, aber dadurch gleichzeitig seine Körperlichkeit und Materialität auflöst, denn durch die Digitalisierung verschwinden Zelluloid, Bänder und DVDs. Das Bild erscheint somit immer realer und materieller, der Körper selbst verschwindet aber und wird durch Daten und Codes ersetzt.
Seine Arbeiten werden international ausgestellt, darunter im Nykytaiteen museo Kiasma in Helsinki, dem Castello di Rivoli – Museo d’Arte Contemporanea in Turin, dem New Museum in New York, dem Moderna Museet in Stockholm und der Serpentine Gallery in London. Der Schweizer Kurator Hans-Ulbrich Obrist bezeichnete Atkins als „one of the great artists of our time“.
Einzelausstellungen (Auswahl)
2021: Get Life / Love's Work, New Museum, New York, USA 2019: Ed Atkins, Kunsthaus Bregenz, Österreich 2019: Ed Atkins – Ye Olde Food, K21-Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf 2017–2018: Ed Atkins, Old Food, Martin-Gropius-Bau, Berlin 2017: Ed Atkins. Corpsing, Museum für Moderne Kunst, Frankfurt am Main 2015: Ed Atkins. Recent Ouija, Stedelijk Museum, Amsterdam 2014: Ed Atkins, Serpentine Sackler Gallery, London 2013: Ed Atkins, MoMA PS1, New York, USA 2012: Us Dead Talk Love, Chisenhale Gallery, London 2011–2012: Art Now: Ed Atkins, Tate Britain, London
Gruppenausstellungen (Auswahl)
2020: AGAINandAGAINandAGAINand, Museo d’Arte Moderna di Bologna (MAMbo), Bologna 2019: Der montierte Mensch, Museum Folkwang, Essen 2018: Blind Faith, Haus der Kunst, München 2017: Generation Loss: 10 Years of the Julia Stoschek Collection, Julia Stoschek Collection, Düsseldorf 2016: Fire Under Snow, Louisiana Museum of Modern Art, Copenhagen 2015: CO-Workers Network as Artist, Musee d’Art Moderne de la Ville de Paris, Paris 2014: Real Emotions: Thinking in Film, KW Institute for Contemporary Art, Berlin 2013: Relative Absolute, Wysing Arts Centre, Cambridgeshire 2013: Tomorrow Never Knows, CCA Glasgow, Glasgow 2013: Frozen Lakes, Artist’s Space, New York 2011: Time Again, SculptureCentre, New York 2004: Sounding Out, University of East London, London
Auszeichnungen (Auswahl)
2015: Berliner Künstlerprogramm des DAAD, Berlin 2012: Paul Hamlyn Foundation Award for Artists 2012: The Jerwood / Film and Video Umbrella Award 2008: The Chelsea Arts Club Trust Special Project Award Schriften (Auswahl)
Drawings For Children, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2021, ISBN 978-3-96098-991-2 Old Food, Fitzcarraldo Editions, London 2019 „'Losslessness'“, in: Daniel Birnbaum und Michelle Kuo (Hrsg.): More than Real. Art in the Digital Age. 2018 Verbier Art Summit, Koenig Books Ltd, London 2018, S. 80–97, ISBN 978-3-7774-3194-9 Generation Loss. 10 Years Julia Stoschek Collection, Kerber, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-7356-0384-5 A Primer for Cadavers, Fitzcarraldo Editions, London 2016, ISBN 978-1-910695-21-0 „Daten-Verfall“, in: Frieze, Nr. 23, 2016, S. 107–111. A Seer Reader, Serpentine Galleries, London 2014, ISBN 978-1-908617-20-0
Literatur (Auswahl)
Thomas D. Trummer (Hrsg.): Ed Atkins, Katalog zur Ausstellung im Kunsthaus Bregenz, Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 2019, ISBN 978-3-96098-550-1 Eva Respini (Hrsg.): Art in the Age of the Internet. 1989 to Today, Yale University Press, New Haven 2018, ISBN 978-0-300-22825-0 Carolyn Christov-Bakargiev/Marianna Vecellio (Hrsg.): Ed Atkins, Skira, Mailand 2016, ISBN 978-88-572-3389-5 Massimiliano Gioni/Natalie Bell (Hrsg.): The Keeper, New Museum, New York 2016, ISBN 978-0-915557-12-7 Beatrix Ruf (Hrsg.): Ed Atkins, Katalog zur Ausstellung in der Kunsthalle Zürich, JRP/Ringier, Zürich 2014, ISBN 978-3-03764-359-4
Einzelnachweise
Kategorie:Videokünstler (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Zeitgenössischer Künstler Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1982 Kategorie:Mann