Das Lehrstellwerk Kornwestheim ist eine Institution in Kornwestheim, rund zehn Kilometer nördlich von Stuttgart. Die Deutsche Bahn nutzt die mittlerweile der Stadt Kornwestheim gehörende Anlage einerseits zu Ausbildungszwecken für die Arbeit in Stellwerken, andererseits dient das Gelände als Museum für die Öffentlichkeit und wird vom Förderverein Lehrstellwerk Kornwestheim e.V. betrieben.

Lehrstellwerk mini|Lehrstellwerk Kornwestheim Allgemeines Das Lehrstellwerk Kornwestheim war bis in die 1990er Jahre eine Ausbildungsstätte der Deutschen Bahn. Im Lehrstellwerk wurden hauptsächlich Weichenwärter und Fahrdienstleiter, unter anderem aber auch Zugbegleiter ausgebildet. Die nur wenige Jahre zuvor nebenan eröffnete Reichsbahnschule in Kornwestheim nutzte das Lehrstellwerk für den praktischen Teil des Unterrichts ab 1934. Gebäude und Gelände können heute wieder zur Ausbildung von Fahrdienstleitern und Weichenwärtern der Deutschen Bahn AG genutzt werden, außerdem bietet der Förderverein des Lehrstellwerks Führungen an. Betrieben wird das Lehrstellwerk vom Förderverein Lehrstellwerk Kornwestheim e.V., Eigentümerin ist seit 2009 die Stadt Kornwestheim.

Nahe beim Lehrstellwerk steht das Ledigenheim für auszubildende und alleinstehende Beschäftigte der Eisenbahn.

Ausstattung Stellwerke mini|Mechanisches Stellwerk mini|Relaisstellwerk

Allgemeines: Insgesamt besteht die Lehranlage aus bis zu 15 Stellwerken, die eine realistische Simulation des Dienstbetriebs inklusive Störungen ermöglichen. Von den 15 Stellwerken sind die meisten mechanischer Bauart, daneben gibt es noch elektromechanische und Drucktastenstellwerke. Die Anlage teilt sich dabei in einen alten Teil von 1934 und einen neuen Teil von 1962 auf. Zusätzlich existiert eine Anlage, an der auf Spurplanstellwerken mit Relaistechnik ausgebildet werden kann.

Alte und neue Anlage: Der alte Teil der Anlage vom Bahnhof Neustadt bis zur Blockstelle Siebhof entstand mit Bau des Lehrstellwerks im Jahre 1934, hier sind verschiedene mechanische Stellwerke mit den zugehörigen Blockuntersätzen und Blockaufsätzen anzutreffen. Nahezu jede Betriebsstelle hat dabei ihre Eigenheiten, um möglichst alle Betriebssituationen abdecken zu können. Über den Stellwerken befindet sich ein hölzernes Streckenband, bei dem die Gleise durch eine Nut dargestellt werden, in die die kleinen Züge mit ihren Stiften gesteckt werden können. Im Hintergrund lösen die Stifte dabei Kontakte aus oder verhindern das Umstellen von elektrisch auf ihr Freisein geprüften Weichen. Jeder Zug wird dabei einzeln vom Ausbilder per Hand bewegt. Die Formsignale auf dem Streckenband sind mit der Hebelbank verbunden und verändern ihr Signalbild, wenn beispielsweise ein Signal auf Fahrt gestellt wird, ebenso wie sich auch die Weichen auf dem Streckenband bewegen. Lichtsignale sind am Streckenband noch nicht vorhanden. An den Wärterstellwerken im Bahnhof Mittelstadt sind einige Weichen-, Riegel- und Signalhebel mit echten Fahrwegelementen auf der Außenanlage verbunden. Der neue Teil der Anlage von Blockstelle Siebhof bis Bahnhof Ypsilon entstand im Jahr 1962, als sich die Deutsche Bundesbahn dazu entschloss, das Lehrstellwerk mit modernerer Technik auszustatten. Die neu hinzugekommenen mechanischen Stellwerke sind allesamt der Einheitsbauart. Der Bahnhof Rechtsheim verfügt über je ein elektromechanisches Stellwerk der Bauart S&H 1912 der Firma Siemens & Halske, und E43, ebenfalls von Siemens. Dieser Bahnhof lässt sich zusätzlich auch wahlweise durch ein Drucktastenstellwerk DrS2 der Firma Siemens bedienen. Eine weitere Besonderheit ist die Blockstelle Mitte, die sich zur Abzweigstelle umfunktionieren lässt, sodass die virtuellen Güterzüge über eine Güterumgehungsbahn zum Bahnhof Ypsilon gelangen. Daneben lässt sich auf der Strecke Linksdorf–Rechtsheim, über Blockstelle Mitte, ein zeitweise eingleisiger Betrieb simulieren. Auch hier werden die Züge auf einem Streckenband über den Stellwerken dargestellt. Da die Anlage auf Relais- und Fernmeldetechnik basiert, werden Züge als rote Ausleuchtung der Gleise dargestellt. Züge und Rangierfahrten werden zentral von einem Bedienpult gefahren, an dem der Ausbilder auch Störungen simulieren kann. Alle Signale sind hier als Lichtsignale dargestellt, unabhängig davon, ob sie zu einem mechanischen oder elektromechanischen Stellwerk gehören. An der neuen Anlage sind keine Elemente auf der Außenanlage angeschlossen, allerdings sind zwei Weichen, ein Haupt- und ein Vorsignal im Innenraum in Betrieb. In der Relaisanlage gibt es fest programmierte Abläufe, mit denen sich eine Zugtrennung, das anschließende Hereinholen des Zugteils oder auch eine ungekuppelte nachgeschobene Zugfahrt simulieren lassen.

Bahnhof Neustadt: Der Bahnhof ist ein Schattenbahnhof, der ausschließlich dazu dient, Züge einzusetzen oder abzunehmen. Er ist durch eine eingleisige Strecke nur in Richtung Südheim angebunden und verfügt über einen inzwischen nicht mehr gebräuchlichen Fünffelderblock zur technischen Absicherung der Strecke.

Bahnhof Südheim: Der Bahnhof Südheim hat in jede Richtung ein durchgehendes Hauptgleis mit Bahnsteig, ein weiteres Hauptgleis ausschließlich für Güterzüge, sowie ein Lade- bzw. Anschlussgleis. Bedient wird der Bahnhof von den Stellwerken Sf (Südheim-Fahrdienstleiter) und Sn (Weichenwärter Südheim-Nord). Das Fahrdienstleiterstellwerk besitzt einen Fünffelderblock für die eingleisige Strecke nach Neustadt. Eine Besonderheit besteht hier darin, dass der Fahrstraßenhebel für das Einfahrsignal A aus Richtung Neustadt mit einem Schlüssel verschlossen wird. Dieser Schlüssel wird dann in eine spezielle Sicherungsmechanik eingeschlossen, die den Schlüssel für das Hauptsignal A freigibt. Fahrstraßen, die am Einfahrsignal A beginnen, werden von der örtlichen Aufsicht manuell nach Ankunft oder Durchfahrt des Zuges aufgelöst. Das Wärterstellwerk Südheim Nord hat einen Blockuntersatz der Firma Jüdel. Der Signalschirm des Ersatzsignals vom Einfahrsignal H aus Richtung Mittelstadt befindet sich über dem Stellwerk.

Blockstelle Dreifels: Die Blockstelle besitzt zwei Signalhebel und einen Streckenblock mit Blockuntersatz der Bauform C.

Bahnhof Mittelstadt: Der Bahnhof Mittelstadt ist der einzige Bahnhof im Lehrstellwerk mit drei Arbeitsplätzen. Er verfügt über zwei Wärterstellwerke und eine Befehlsstelle für den Fahrdienstleiter, die den Zug- und Rangierverkehr auf drei Hauptgleisen und einem Anschlussgleis regeln. Die Strecke von und nach Südheim ist zweigleisig, die Strecke in Richtung Blockstelle Siebhof/Bahnhof Linksdorf ist vorübergehend eingleisig. Das Regelgleis Mittelstadt–Linksdorf ist als Baugleis gekennzeichnet, daher muss von Mittelstadt bis zur Blockstelle Siebhof das Gegengleis befahren werden. Im Wärterstellwerk 2 ist ein entsprechender Erlaubniswechsel vorhanden, weshalb diese Fahrten auf Fahrstellung Hauptsignal (volle Absicherung durch Streckenblock und Hauptsignale) durchgeführt werden können. Am Wärterstellwerk 1 in Richtung Südheim ist der weit verbreitete Streckenblock der Bauform C zu finden. Das Stellwerk selbst wurde im Jahr 1896 von der Maschinenfabrik Bruchsal entwickelt und ist von der Bauart G. Alle Weichen und Riegel dieses Stellwerks, auch die Handweiche zum sogenannten örtlichen Gleisanschluss „EVS“, sind auf dem Außengelände vorhanden und betriebsbereit. Weiche 1 wird dabei über eine Stange angetrieben und elektrisch auf das Freisein von Fahrzeugen geprüft, an Weiche 2b kann deren Auffahren simuliert werden. Weiche 3 verfügt über einen separat bedienbaren Riegel, außerdem lässt sich hier ein Drahtbruch der Stellleitung simulieren. Das Einfahrsignal A aus Richtung Südheim und das Ausfahrvorsignal f in Richtung Blockstelle Siebhof/Bahnhof Linksdorf sind ebenfalls angeschlossen und betriebsbereit. Das Wärterstellwerk 2 auf der anderen Seite des Bahnhofs ist von der Bauart Bruchsal J. Hier befindet sich ein vorübergehend angebrachter Erlaubniswechsel für die Strecke in Richtung Linksdorf (derzeit Baugleis). Das Ausfahrsignal F mitsamt elektrischer Signalflügelkupplung, welche das Signal vor Zurücklegen des Signalhebels in Haltstellung bringt, ist an die Außenanlage angeschlossen. Der Arbeitsplatz des Fahrdienstleiters beherbergt die einzige Befehlsstelle im Lehrstellwerk, welche von Siemens & Halske stammt. Der Fahrdienstleiter führt in diesem Bahnhof nur die Zugmeldungen und das Zugmeldebuch, erteilt Befehle und löst die von seinen Wärtern eingestellten Fahrstraßen nach Durchfahrt des Zuges auf. Zusätzlich verfügt der Fahrdienstleiter über eine Sprechanlage, mit der zwei Lautsprecher im Gebäude, sowie ein Lautsprecher und eine Sprechsäule auf dem Außengelände angesteuert werden können.

Blockstelle Siebhof: Weil die Strecke in Richtung Mittelstadt aufgrund von Bauarbeiten nur eingleisig befahrbar ist, hat auch die Blockstelle Siebhof einen Erlaubniswechsel für die eingleisige Strecke. Die Blockstelle erfüllt hier die Aufgabe einer Zugmeldestelle als Überleitstelle, weil hier die Züge auf ein anderes Gleis derselben Strecke übergeleitet werden. Die Weichen 1 und 2 werden elektrisch auf ihre Befahrbarkeit geprüft.

Bahnhof Linksdorf: Der Bahnhof Linksdorf wird von einem Fahrdienstleiterstellwerk Lf (Linksdorf-Fahrdienstleiter) und einem Wärterstellwerk Lo (Linksdorf-Ost) bedient. Er verfügt über drei Hauptgleise und ein Nebengleis. Außerdem sind hier das Hilfstriebfahrzeug und die Schiebelokomotive beheimatet, die bei bestimmten Programmabläufen gefahren werden können. Die hierfür benötigten Programme sind fest in der Relaisanlage einprogrammiert und erfordern einen unbedingt einzuhaltenden Ablauf in der Bedienung. Beide Stellwerke sind von der Einheitsbauart aus der Maschinenfabrik Esslingen mit einem Streckenblock der Bauform C. Im Fahrdienstleiterstellwerk ist die Weiche 3 als Handweiche (mechanisch ortsgestellt) ausgeführt und per Bankschloss mit dem Verschlusskasten verbunden. So lässt sich demonstrieren, dass auch mechanisch ortsgestellte Weichen ohne großen Aufwand in ein Stellwerk einbinden lassen. Als weitere Besonderheit ist für Einfahrten vom Einfahrsignal aus Richtung Mittelstadt zur Zustimmungsabgabe durch den Weichenwärter Lo stets eine fernmündliche Verständigung per Fernsprecher nötig. Das Wärterstellwerk Lo hat einen Streckenblock der Bauform C in Richtung der zweigleisigen Strecke nach Rechtsheim über Blockstelle Mitte. Es kann ein zeitweise eingleisiger Betrieb in Richtung Rechtsheim eingerichtet werden.

Blockstelle/Abzweigstelle Mitte: An der Blockstelle Mitte befindet sich ein Stellwerk der Einheitsbauart. Bei der Betriebsart Blockstelle führt die Strecke immer von Linksdorf nach Rechtsheim beziehungsweise in die entgegengesetzte Richtung, bei der Betriebsart Abzweigstelle kann aus Richtung Linksdorf auf die Güterbahn nach Ypsilon über Blockstelle Erle gefahren werden.

Bahnhof Rechtsheim: Im Bahnhof Rechtsheim befinden sich drei Hauptgleise und ein Nebengleis. In Richtung Linksdorf ist die Strecke zweigleisig, in Richtung Ypsilon eingleisig. Der Bahnhof lässt sich wahlweise durch zwei elektromechanische oder durch ein Drucktastenstellwerk bedienen, außerdem sind einige mechanisch ortsgestellte Weichen in die Sicherung eingebunden.