Zoroastre (RCT 62 A) ist eine Tragédie lyrique in fünf Akten von Jean-Philippe Rameau (Musik) mit einem Libretto von Louis de Cahusac. Sie wurde am 5. Dezember 1749 im Palais Royal der Pariser Oper uraufgeführt. Ab dem 20. Januar 1756 zeigte man am selben Ort eine überarbeitete Zweitfassung (RCT 62 B).
Handlung der Erstfassung von 1749
Erster Akt
Verwüstete Landschaft mit von Stürmen geöffneten Klüften; im Hintergrund der aufgewühlte Fluss von Baktra und die gleichnamige Stadt; auf einer Seite der Palast von Amélite
Szene 1. Hohepriester Abramane berät sich mit seinem Untergebenen Zopire über die Nachfolge des kürzlich verstorbenen Königs. Abramane strebt selbst nach dem Thron. Er liebt die Thronanwärterin Amélite, die allerdings seinen Rivalen, den Magier Zoroastre, bevorzugt (Abramane: „Non, je ne puis assez punir“). Abramane hat Zoroastre inzwischen verbannt, geächtet und in die Flucht getrieben. Er hofft nun, anstelle von Amélite die Prinzessin Erinice für sich zu gewinnen.
Szene 2. Erinice legt keinen Wert auf Abramanes Schmeicheleien. Die beiden vereint aber der Hass auf Amélite und Zoroastre, der einst Erinices Liebe verschmähte. Erinice schwört, sich mit Abramane zu verbinden, wenn er sie zur Herrscherin macht. Er überreicht ihr als Unterpfand die Hälfte seines Zauberstabes, wodurch sie seine Magie nutzen kann.
Szene 3. Céphie und weitere junge Baktrer und Baktrerinnen versuchen mit Tanz und Gesang, Amélite über den Verlust ihres Geliebten zu trösten (Chor: „Rassurez-vous tendre Amélite“). Leider haben sie damit keinen Erfolg (Amélite: „Reviens, c’est l’amour qui t’appelle“ – Céphie: „Les tendres pleurs“). Ein Erdbeben unterbricht die Darbietung, und der Himmel verdüstert sich.
Szene 4. Erinice offenbart Amélite ihren Hass und vertreibt ihre Freunde mit Drohungen.
Szene 5. Erinice beschwört Dämonen herbei, die Amélite quälen sollen.
Szene 6. Furien zerren Amélite mit sich fort.
Zweiter Akt
Ein liebliches Tal am Fuß des Bergs Taurus an der Küste von Hindustan; im Hintergrund eine Bergkette; auf einem der Berge ein „Pirée“ (Wohnsitz von Magiern); in der Ferne mehrere Hütten; vor Sonnenaufgang
Szene 1. Abénis, ein junger wilder Inder, verspürt den Ruf der Liebe (Abénis: „Sommeil, fuis de ce séjour“).
Szene 2. Cénide gesellt sich hinzu, und beide besingen Zoroastres wohltätigen Gott Oromaze (Ahura Mazda) und die Liebe.
Szene 3. Weitere indische Wilde schließen sich ihnen an.
Szene 4. Zoroastre und andere Magier verlassen das Pirée, um auf unterschiedlichen Wegen ins Tal zu gelangen. Sie rufen den Gott an, sich ihnen zu offenbaren. Bei den ersten Sonnenstrahlen vereinen die Magier mehrere indische Paare mit Blumengirlanden. Zoroastre preist die ewige Liebe (Zoroastre: „Aimez-vous sans cesse“). Die Frischvermählten tanzen. Plötzlich schlagen Flammen aus dem Tempel. Aus einer feurigen Wolke erschallt die Stimme Oromazes. Sie ermahnt Zoroastre, den Kampf gegen den Tyrannen aufzunehmen, und verheißt ihm Ruhm. Er wird in den Himmel erhoben (alle: „Zoroastre, vole à la gloire“).
Dritter Akt
Ein Teil der Stadtmauer von Baktra mit dem Palast Erinices; dichte Finsternis bedeckt die Erde
Szene 1. In der Ferne sind Klagerufe des baktrischen Volks zu hören.
Szene 2. Zoroastre ist erschüttert über die Leiden der Bevölkerung.
Szene 3. Zélize, eine junge Baktrierin aus Amélites Gefolge, informiert Zoroastre über deren Gefangenschaft. Das Volk habe ihr zwar beistehen wollen, aber nichts gegen die bösen Geister ausrichten können. Zoroastre ruft Oromaze um Hilfe an (Zoroastre: „Dieu bienfaisant, Etre suprême“). Ein Lichtstrahl umhüllt erst ihn und dann das ganze Theater.
Szene 4. Das Volk eilt aus der Stadt, um Zoroastre beizustehen. Er ruft sie auf, sich zu bewaffnen, um den Tyrannen zu stürzen.
Die Mauern von Erinices Palast stürzen ein; im Hintergrund ist die von Dämonen und Erinice bedrohte Amélite zu sehen
Szene 5. Erinice lässt ihren Dolch fallen und flieht zusammen mit den Dämonen.
Szene 6. Zoroastre und die gerettete Amélite besingen ihre Liebe (Duett: „Je vous revois“). Das Volk bejubelt sie.
Szene 7. Plötzlich steigen düstere Dämpfe auf, und Abramane erscheint mit seinem Zauberstab. Das Volk flieht.
Szene 8. Zoroastre ruft das Volk der Elementarwesen zu seiner Hilfe herbei.
Szene 9. Die Elementargeister umtanzen Zoroastre. Eine Sylphe verspricht ihm den Schutz der Liebe. Er erhält Talismane, verzauberte Vasen, ein Buch mit Zaubersprüchen und weitere Hilfsmittel. Ein Feuerwesen (Salamander) verwandelt die Szene mit seinem Zauberstab in einen Luftpalast und überreicht Zoroastre den Stab. Der schwört, das Volk vor dem Tyrannen zu bewahren, und stellt Amélite unter den Schutz der Elementargeister.
Szene 10. Die Elementarwesen geleiten Amélite fort.
Vierter Akt
Der unterirdische Teil des Tempels, in dem Abramane die Mysterien Arimans feiert; im Hintergrund ein blutbefleckter Altar
Szene 1. Abramane bemüht sich, seine Gewissensbisse zu unterdrücken (Abramane: „Cruels tyrans qui regnez dans mon cœur“).
Szene 2. Zopire berichtet, dass Abramanes Truppen den Kampf zu verlieren drohen, da die Gegner durch Zoroastre neuen Mut erhalten haben.
Szene 3. Erinice fühlt sich mitschuldig an Abramanes Gräueltaten. Sie beschreibt das Glück ihrer verhassten Gegner und hat keine Hoffnung mehr auf eigenen Ruhm oder ihre Rache. Abramane meint jedoch, dass der Hass noch immer genug Macht habe.
Szene 4. Abramane öffnet eine Doppeltür, hinter der sich die düsteren Geheimnisse seines Kults verbergen. Er beginnt mit seinen Priestern eine Zeremonie („Suprême auteur des maux“) mit Blutopfern und Sühnetänzen. Nachdem er die Vorzeichen günstig deutet, beschwört er Scharen böser Geister herbei.
Szene 5. Angeführt von den allegorischen Gestalten von Hass, Eifersucht, Verzweiflung und der mit einem Morgenstern bewaffneten Rache führen diese ein „ballet figuré“ aus. Die Rache erhält vom Hass eine Handvoll Schlangen für eine langsam schleichende Rache und von der Verzweiflung einen blutigen Dolch. Sie überreicht Abramane den Morgenstern und fordert ihn auf, seinen Mut in blutigen Gräueltaten zu beweisen. Auf dem Altar erscheint ein Abbild Zoroastres. Auf einen Ruf der Rache eilen höllische Geister herbei. Die Verzweiflung stachelt den Hass und die Dämonen weiter auf, und gemeinsam greifen sie die Figur an, die mit einer Stichflamme verschwindet. Abramane sieht dies als günstiges Vorzeichen.
Szene 6. Die Stimme Arimans aus der Unterwelt ruft die Höllengeister zu den Waffen.
Szene 7. Alle eilen zum Kampf.
Fünfter Akt
Ein abgeschiedener ländlicher Teil des Gartens von Amélite
Szene 1. Amélite hofft auf einen guten Ausgang.
Szene 2. Zoroastre berichtet, dass die Kämpfe zu ihren Gunsten ausgegangen seien.
Szene 3. Das Volk bittet Amélite und Zoroastre, die Herrschaft zu übernehmen. Céphie und Zélize verbeugen sich vor ihnen und schwören ihnen gemeinsam mit dem restlichen Volk Gehorsam.
Szene 4. Abramane, Zopire und die bewaffneten Priester unterbrechen die Zeremonie und erklären, dass das Orakel Erinice zur Königin bestimmt habe. Der Himmel verdüstert sich, und es donnert. Die Kräfte des Lichts und der Finsternis stehen sich gegenüber. Plötzlich schlagen Blitze ein. Abramane und die Priester werden von Feuer umhüllt und von der Erde verschlungen.
Szene 5. Nach einer Sinfonie erstrahlt das ganze Theater in Licht. Ein von Elementarwesen bevölkerter Tempel steigt empor.
Ein Tempel von zusammengesetzter Bauweise; golden kannelierten Säulen von feuriger Farbe mit goldenen Kapitellen; die Gewölbe bilden ein Mosaik von goldener, silberner und grüner Farbe; eine gewaltige Kuppel im Hintergrund bildet das Heiligtum
Szene 6. Magier bewahren das heilige Feuer. Mit Girlanden geschmückte Elementarwesen verteilen sich in den Galerien des Tempels. Alle feiern den Sieg des Himmels über die Unterwelt und den auf der Erde wiederhergestellten Frieden. Zoroastre bittet Amélite, seine Frau zu werden. Sie reicht ihm ihre Hand.
Szene 7 „dernière“. Schäfer, Hirten, die Elementarwesen und das Volk preisen das Paar mit einem Ballett.
Handlung der Zweitfassung von 1756
Erster Akt
Die von einem Sturm verwüsteten Gärten des Königs von Baktrien
Szene 1. Hohepriester Abramane berät sich mit seinen Untergebenen Zopire und Narbanor über die Nachfolge des kürzlich verstorbenen Königs. Abramane strebt selbst nach dem Thron. Er liebt die Thronanwärterin Amélite, die allerdings seinen Rivalen, den Magier Zoroastre, bevorzugt (Abramane: „Non, je ne puis assez punir“). Abramane hat Zoroastre inzwischen verbannt, geächtet und in die Flucht getrieben. Er hofft nun, anstelle von Amélite die Prinzessin Erinice für sich zu gewinnen.
Szene 2. Erinice legt keinen Wert auf Abramanes Schmeicheleien. Die beiden vereint aber der Hass auf Amélite und Zoroastre, der einst Erinices Liebe verschmähte. Erinice schwört, sich mit Abramane zu verbinden, wenn er sie zur Herrscherin macht. Er überreicht ihr als Unterpfand die Hälfte seines Zauberstabes, wodurch sie seine Magie nutzen kann.
Szene 3. Céphie und weitere junge Baktrer und Baktrerinnen versuchen mit Tanz und Gesang, Amélite über den Verlust ihres Geliebten zu trösten (Chor: „Rassurez-vous tendre Amélite“). Leider haben sie damit keinen Erfolg (Amélite: „Reviens, c’est l’amour qui t’appelle“ – Céphie: „Les tendres pleurs“). Ein Erdbeben unterbricht die Darbietung, und der Himmel verdüstert sich.
Szene 4. Erinice offenbart Amélite ihren Hass und vertreibt ihre Freunde mit Drohungen.
Szene 5. Erinice beschwört Dämonen herbei, die Amélite quälen sollen.
Szene 6. Furien zerren Amélite mit sich fort.
Zweiter Akt
Der Palast von Oromasès (Ahura Mazda), dem König der guten Geister
Szene 1. Zoroastre beklagt die Abwesenheit Amélites.
Szene 2. Oromasès ermahnt Zoroastre, in den Kampf gegen Abramane zu ziehen und Amélite und die Welt von diesem Ungeheuer zu befreien. Er beschwört die Geister der Elemente herbei.
Szene 3. Die Elementargeister umringen Zoroastre und hüllen ihn in eine Wolke (Zoroastre: „Où suis-je? Un nouveau jour m’éclaire“). Oromasès überreicht ihm zum Abschluss seiner Initiation das Buch des Lebens.
Das schauerliche Innere der Festung der Baktrischen Könige
Szene 4. Dämonen bedrohen die in Ketten gelegte Amélite. Erinice fordert sie auf, ihrem Thronanspruch zu entsagen. Als sie sich weigert, stürzt sich Erinice mit einem Dolch auf sie. In diesem Moment zerbricht eine Eisentür.
Szene 5. Zoroastres Erscheinen nimmt Erinice sofort ihre Macht. Die Dämonen verschwinden. Erinice weist Zoroastre darauf hin, dass er in ihrer unmäßigen Wut ein Übermaß an Liebe für ihn erkennen könne. Sie geht Rache schwörend ab.
Szene 6. Zoroastre versichert Amélite, dass Erinice nichts gegen ihn ausrichten könne. Er werde sie schon bald zur Königin machen. Beide versichern sich ihre Liebe. Auf Zoroastres Wort hin brechen die Mauern zusammen, und der Stadtplatz wird sichtbar.
Ein Platz in Baktra
Szene 7. Zoroastre präsentiert dem versammelten Volk die rechtmäßige Königin Amélite. Alle jubeln.
Dritter Akt
Außerhalb der Stadt Baktra; das Ufer des Flusses, der sie durchfließt; vor dem Ende der Nacht
Szene 1. Erinice kann ihre Wut über den fehlgeschlagenen Angriff kaum zügeln. Abramane versucht, sie zu beruhigen. Er hat Zoroastre bereits eine Falle bereitet. Damit ihm Erinice nicht in die Quere kommen kann, entzieht er ihr ihre Macht und hüllt sie in eine dichte Wolke.
Szene 2. Abramanes Plan, der seine Macht festigen soll, beinhaltet die Vernichtung des ihm verhassten Volks (Abramane: „Osons achever de grands crimes“). Er will bei Tagesanbruch zuschlagen, wenn sich seine Gegner versammelt haben.
Szene 3. Zoroastre erwacht aus dem Schlaf („Sommeil fui de ce séjour“).
Szene 4. Amélite und Zoroastre machen sich mit ihrem Gefolge auf den Weg zur Hochzeitszeremonie.
Szene 5. Das Volk versammelt sich. Zoroastre stimmt einen Hymnus an die Sonne an („O lumière vive et pure“). Alle feiern mit Tanz und Gesang die bevorstehende Massenhochzeit.