Nux (lat. Nuss oder Nussbaum) ist eine Elegie, die in Form von 91 elegischen Distichen verfasst ist und lange Zeit dem römischen Dichter Ovid zugeschrieben wurde. Seit dem 19. Jahrhundert gibt es jedoch Zweifel an dieser Verfasserschaft.

Inhalt Im Gedicht geht es um einen Walnussbaum, der eine schlechte Behandlung beklagt. Es werden zudem fünf Nussspiele beschrieben, die heute noch nachvollziehbar sind.

Autorschaft In den frühen Überlieferungen durch etwa 60 Handschriften des 11. bis 16. Jahrhunderts wird Ovid als Verfasser kritiklos angenommen. 1877 veröffentlichte Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff eine Abhandlung, die den nicht-ovidischen Ursprung zu belegen versuchte,Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Liber Nucis. In: Commentationes philologae in honorem Theodori Mommseni scripserunt amici. Weidmann, Berlin 1877, S. 390–401 (Digitalisat). es folgten weitere kritische Stimmen am Ende des 19. Jahrhunderts. Carl Ganzenmüller stellte dementgegen in einer eingehenden sprachlichen Analyse dar, dass das Gedicht höchstwahrscheinlich doch Ovid zuzuschreiben sei.Carl Ganzenmüller: Die Elegie Nux und ihre Verfasser. J. J. Heckenhauer, Tübingen 1910 (Digitalisat). Auch 50 Jahre später war die Autorschaft nicht geklärt.Roger Beck: Ovid, Augustus, and a Nut Tree. In: Phoenix. Band 19, Nummer 2, 1965, S. 146–152, doi:10.2307/1087021. Mittlerweile gilt das Gedicht mehrheitlich als Pseudo-Ovidianum.Vgl. die Ausgabe mit englischer Übersetzung in Hexter, Ralph J./Pfuntner, Laura/Haynes, Justin A.: Appendix Ovidiana: Latin Poems Ascribed to Ovid in the Middle Ages. Edited and Translated (Cambridge, Mass./London 2020).

Bedeutung und Auslegung Das Gedicht ist dahingehend bedeutend, dass es einen Teil der römischen Alltagskultur, spezifisch die Kinderspiele mit Nüssen beschreibt. Manche Interpreten erkennen im klagenden Walnussbaum eine Allegorie auf den von Kaiser Augustus ins Exil ans Schwarze Meer verbannten Ovid.

Erasmus von Rotterdam schrieb einen Kommentar zu dem GedichtMatthew McGowan: The Nux attributed to Ovid and its Renaissance readers. The case of Erasmus. In: Tristan E. Franklinos, Laurel Fulkerson (Hrsg.): Constructing Authors and Readers in the Appendices Vergiliana, Tibulliana, and Ouidiana. Oxford University Press, Oxford 2020, ISBN 978-0-19-886441-7, S. 262–274, doi:10.1093/oso/9780198864417.003.0017. und sah es als satirisch gegen den Luxus und die Habgier der Zeit gerichtet.The Heroïdes; or, Epistles of the heroines, The Amours, Art of love, Remedy of love, and minor works of Ovid. Herausgegeben von Henry Thomas Riley. H. G. Bohn, London 1852, S. 495 (Digitalisat; enthält eine englische Prosaübersetzung des Gedichts).

Text Lateinisch-englische Ausgabe (nicht frei zugänglich) auf der Website der Loeb Classical Library

Einzelnachweise

Kategorie:Literarisches Werk der Antike Kategorie:Ovid Kategorie:Lyrik