Baschkortostan (; ; offiziell Republik Baschkortostan, , ; veraltet noch Baschkirien ) ist eine Republik (Föderationssubjekt) mit Hoheitsrechten im östlichen Teil des europäischen Russlands. Titularnation sind die Baschkiren. Baschkortostan ist die bevölkerungsreichste der Republiken der Russischen Föderation und gehört zum Föderationskreis Wolga. Die Republik Baschkortostan wurde 1992 nach Auflösung der Sowjetunion (UdSSR) aus der Baschkirischen Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik (Baschkirische ASSR) gegründet und ist seit 1993 eine Präsidialrepublik.

Geographie Baschkortostan liegt am äußersten Ostrand Europas, westlich des Uralgebirges im Föderationskreis Wolga. Es grenzt im Norden an die Region Perm und die Oblast Swerdlowsk, im Osten an die Oblast Tscheljabinsk, im Süden an die Oblast Orenburg, im Westen an Tatarstan und im Nordwesten an Udmurtien.

Das Land, im Osten (Südlicher Ural) bis über 1500 m hoch, fällt gegen Westen allmählich ab. Die höchsten Erhebungen sind Jamantau (1640 m), Bolschoi Iremel (1582 m) sowie Bolschoi Schelom (1427 m). Die wichtigsten Flüsse sind die Belaja, ein Nebenfluss der Kama, und die Ufa. Der größte See ist der Aslykul mit einer Fläche von 23,5 Quadratkilometern. Baschkortostan gehört im nordwestlichen Teil zur Klimazone der subkontinentalen Klimate, im Süden zu den winterkalten Feuchtsteppenklimaten. Im Ural herrscht ein kontinentales Borealklima vor. Die Temperaturen liegen im Sommer im Durchschnitt bei etwa 20 °C (40 °C im Extrem), im Winter bei etwa −13 °C (−40 °C im Extrem). Der durchschnittliche Jahresniederschlag beträgt ca. 430 mm, im Ural sind es etwa 800 mm. Im Territorium liegt der Baschkirische Sapowednik.

Bevölkerung Ethnische Gruppen Titularnation sind die Baschkiren, ein Turkvolk, die ausschließliche Selbstbestimmungsrechte in der Republik Baschkortostan haben. Diese sind allerdings nur eine Minderheit in der eigenen Republik. Die Bevölkerung betrug bei der Volkszählung 2010 4.072.292 Personen, darunter Russen, Baschkiren und Tataren als große Volksgruppen. Hinzu kommen mit über 100.000 Menschen noch die Tschuwaschen und die Mari. Abwanderungstendenzen in die Heimatländer haben die ehemals bedeutenden Volksgruppen der Ukrainer, Weißrussen und Deutschen merklich schrumpfen lassen.

Ein Streitpunkt zwischen den Baschkiren und den Tataren ist die tatsächliche Größe der beiden Volksgruppen. Die Baschkiren behaupten, die Teptjaren seien eigentlich Baschkiren, denen die tatarische Sprache aufgezwungen wurde. Die Tataren andererseits behaupten, in den baschkirischen Gebieten würde die tatarische Minderheit zur Angabe der baschkirischen Zugehörigkeit gedrängt und ihre Anzahl sei demnach viel größer. Infolge dieses Zwists und der zunehmenden Zahl von Mischehen wächst die Zahl derer, die keine Angaben zu ihrer Nationalität machen wollen, rasant (2002: 4.366; 2010: 97.572 Personen).

Noch um 1990 hatte der Anteil der Baschkiren an der Bevölkerung Baschkiriens (Baschkirische ASSR) nur etwa 20 % betragen – gegenüber 37,5 % Russen und 27,5 % Tataren. In der baschkirischen Hauptstadt Ufa sind auch heute noch rund 30 % der Einwohner Tataren.

Amtssprachen sind Russisch und Baschkirisch.

Volksgruppe VZ 1920 VZ 1926 VZ 1939 VZ 1959 VZ 1970 VZ 1979 VZ 1989 VZ 2002 VZ 2010 2 Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Anzahl % Baschkiren 807.213 40,13 % 625.845 23,5 % 671.188 21,2 % 737.711 22,1 % 892.248 23,4 % 935.880 24,3 % 863.808 21,9 % 1.221.302 29,8 % 1.172.287 29,5 % Russen 794.131 39,48 % 1.064.707 39,9 % 1.281.347 40,6 % 1.418.147 42,4 % 1.546.304 40,5 % 1.547.893 40,3 % 1.548.291 39,3 % 1.490.715 36,3 % 1.432.906 36,1 % Tataren 103.928 5,17 % 621.1581 23,3 % 777.230 24,6 % 768.566 23,0 % 944.505 24,7 % 940.436 24,5 % 1.120.702 28,4 % 990.702 24,1 % 1.009.295 25,4 % Tschuwaschen 47.929 2,38 % 84.886 3,2 % 106.892 3,4 % 109.970 3,3 % 126.638 3,3 % 122.344 3,2 % 118.509 3,0 % 117.317 2,9 % 107.450 2,7 % Mari 84.809 4,22 % 79.298 3,0 % 90.163 2,9 % 93.902 2,8 % 109.638 2,9 % 106.793 2,8 % 105.768 2,7 % 105.829 2,6 % 103.658 2,6 % Ukrainer 57.024 2,84 % 76.710 2,9 % 92.289 3,1 % 83.594 2,5 % 76.005 2,0 % 75.571 2,0 % 74.990 1,9 % 55.249 1,3 % 39.875 1,0 % Udmurten 24.686 1,23 % 23.256 0,9 % 25.103 0,8 % 25.388 0,8 % 27.918 0,7 % 25.906 0,7 % 23.696 0,6 % 22.625 0,6 % 21.477 0,5 % Mordwinen 29.433 1,46 % 49.813 1,9 % 57.826 1,8 % 43.582 1,3 % 40.745 1,1 % 35.900 0,9 % 31.923 0,8 % 26.020 0,6 % 20.300 0,5 % Weißrussen 33.115 1,65 % 18.281 0,7 % 23.761 0,8 % 20.792 0,6 % 17.985 0,5 % 17.393 0,5 % 17.038 0,4 % 17.117 0,4 % 11.680 0,3 % Deutsche 8.602 0,85 % 6.448 0,2 % 6.030 0,2 % 12.817 0,4 % 12.104 0,3 % 11.316 0,3 % 11.023 0,3 % 8.250 0,2 % 5.909 0,1 % Andere 3.500 0,30 % 15.434 0,6 % 27.140 0,9 % 27.140 0,8 % 23.985 0,6 % 24.848 0,6 % 27.365 0,7 % 49.210 1,2 % 147.455 3,6 % Einwohner 2.567.000 100 % 2.665.836 100 % 3.158.969 100 % 3.341.609 100 % 3.818.075 100 % 3.844.280 100 % 3.943.113 100 % 4.104.336 100 % 4.072.292 100 % 1 461.871 Tataren, 135.960 Mischären, 23.290 Tiptären und 37 Keräschen 2 97.572 Personen konnten keiner Volksgruppe zugeteilt werden. Diese Leute verteilen sich vermutlich anteilmäßig gleich wie die ethnisch zugeschiedenen Einwohner.Bevölkerung der russischen Gebietseinheiten nach Nationalität 2010 (russisch) https://demoscope.ru/weekly/ssp/rus_etn_10.php?reg=44

Religion Die Mehrheit der Bevölkerung Baschkortostans bekennt sich zum sunnitischen Islam, daneben finden sich orthodoxe, evangelische und katholische Christen. Baschkortostan ist die flächengrößte und bevölkerungsreichste muslimische Teilrepublik, siehe Islam in Russland. Die Zahl der Muslime ist etwas größer als in Tatarstan. Ufa ist Sitz des Großmuftis Talgat Tadschuddin und der Zentralen Geistlichen Verwaltung der Muslime Russlands (Zjentralnoje duchownoje uprawlenije mussulman Rossii; ZDUM), der Nachfolgeorganisation der „Geistlichen Verwaltung der Muslime des europäischen Teils der Sowjetunion und Sibiriens“ (Duchownoje uprawlenije Musulman ewropejskowo tschasti SSSR i Sibiri; DUMES).

Die muslimische Gemeinschaft Baschkortostans ist jedoch gespalten. Nur die Minderheit der Muslime gehört der Jurisdiktion der ZDUM an. Die meisten Muslime unterstehen der Jurisdiktion der „Geistlichen Verwaltung der Muslime der Republik Baschkortostan“ (Duchownoje uprawlenije Musulman Respubliki Baschkortostan; DUM RB), die 1992 als Abspaltung der DUMES gegründet wurde und Mitglied des Russischen Muftirates von Rawil Ismagilowitsch Gainutdin ist.Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008. S. 192, 194. Ihr Vorsitzender und Mufti war Nurmuchamet Nigmatullin. Die ZDUM hat auf dem Territorium der Republik 1994 eine eigene „Regionale Geistliche Verwaltung der Muslime Baschkortostans“ (Regionalnoje duchownoje uprawlenije Musulman Baschkortostana; RDUM B) gegründet, die in verschiedene Muchtasibate gegliedert ist. Sie wird von Muxammed Tadschuddin, dem Sohn von Talgat Tadschuddin, geleitet.Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008. S. 195. Im Jahre 2000 unterstanden von den 545 muslimischen Organisationen Baschkortostans 315 der Jurisdiktion der DUM RB, und 230 der Jurisdiktion der ZDUM.Vgl. Silantjew: Islam w sowremennoj Rossii. 2008. S. 196.

Katholische Pfarreien bestehen in der Stadt Ufa und dem Dorf Alexejewka. Sie gehören zum Bistum St. Clemens in Saratow.

Geschichte Im heutigen Baschkortostan wird die Magna Hungaria, die Heimat eines magyarischen Stammes vermutet, über den Ungarn und Baschkiren miteinander verwandt sein sollen. In der Tat sind vier der sieben ungarischen Stammesnamen (Yeney/Jenö, Djurmati/Gyarmat, Tamyan/Tarján, Girei/Ker) noch in Baschkirien vorhanden. Informationen über die Baschkiren am südlichen Ural datieren zurück auf das 10. Jahrhundert. So erwähnt Ibn Fadlan das Volk der „Basqort“ in seinem Reisebericht. Um 1220 unterwarf Dschingis Khan die baschkirischen Stämme, die dort lebenden Magyaren wurden dabei endgültig vernichtet. Die Baschkiren blieben bis Mitte des 16. Jahrhunderts unter der Herrschaft der Goldenen Horde.

Nachdem Russland 1552 das Khanat Kasan eingenommen hatte, wandten sich die baschkirischen Völker nach und nach dem Nachbarreich im Westen zu, vor allem weil sie in umherziehenden Nomadenvölkern, die von Osten her immer wieder über das Land herfielen, eine große Bedrohung sahen, vor denen sie die militärische Großmacht Russland schützen konnte. So schlossen sich in den Jahren von 1554 bis 1557 alle baschkirischen Stämme nach und nach Russland an. An diesen zumindest teilweise freiwilligen Anschluss erinnert heute ein vom russischen Staat errichtetes Denkmal in der Hauptstadt Ufa, das Monument Druschby (übersetzt Monument der Freundschaft) und dieses soll an die „ewige Freundschaft“ zwischen dem baschkirischen und russischen Volk erinnern. Ufa selbst wurde 1574 als Festung und damals östlichste Befestigung Russlands gegründet.

Russland gewährte den Baschkiren weitgehende Autonomie, Religionsfreiheit und ein Besitzrecht auf Grundlage der Erbfolge. Die Baschkiren stellten Russland in verschiedenen Kriegen ihre kämpferischen Fähigkeiten zur Verfügung – als Mitstreiter im Feldzug von Kusma Minitsch Minin und Dmitri Michailowitsch Poscharski befreiten sie 1612 Moskau von den Polen, unter Peter dem Großen stürmten sie 1697 die Stadt Asow im Kampf gegen die Osmanen. Auch im Großen Nordischen Krieg kämpften sie an der Seite Russlands. In den Befreiungskriegen halfen sie der russischen Armee, Napoleon zurückzuschlagen (z. B. belagerten sie Hamburg im Jahr 1814). Davon zeugt noch heute der Baschkiren-Gedenkstein in der Nähe der Russischen Kirche in Leipzig und eine spezielle Gedenkschrift für die baschkirischen Regimenter am Völkerschlachtdenkmal in Leipzig.

Anfang des 17. Jahrhunderts begann der russische Adel, sich in Baschkirien niederzulassen, Burgen und Betriebe zu errichten. Als die Steuern und der Umfang der Arbeitsverpflichtungen durch die Russen wuchsen und zudem noch versucht wurde, die Muslime Baschkiriens zu christianisieren, wuchs der Unmut in der Bevölkerung. Diese ersuchte in mehreren Bittschriften die zentrale Verwaltung um Hilfe, und als diese ausblieb, kam es mehrmals zu kleineren Aufständen, die niedergeschlagen wurden – so 1616, 1645, 1662–1664, 1681–1684, 1704–1711. Am 11. Februar 1736 gab es einen Erlass, der es den Adeligen erlaubte, baschkirisches Land zu erwerben. Während der Aufstände 1735–1740 wurden die zwangsgetauften Baschkiren Toigildy Schuljakow 1738 und Kissjabika Bairjassowa 1739 als Apostaten in Jekaterinburg auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

Anlass zum großen Aufstand gaben die Repressionsmaßnahmen Russlands gegen die Jaizkischen (Ural-)Kosaken 1772. Alle Völker Baschkortostans unterstützten diesen Aufstand, und so mündete dieser in den Bauernaufstand 1773–1775 unter der Führung des Don-Kosaken Jemeljan Pugatschow. Zum Helden Baschkortostans wurde in diesem Aufstand der Baschkire Salawat Julajew, der an der Seite Pugatschows kämpfte und zur Freiheit Baschkiriens und zur Freundschaft zwischen Baschkiren und Russen aufrief. Sein Name und seine Lebensgeschichte wurden von der russischen Obrigkeit nach seiner Gefangennahme verdammt. Heute ist eine Großstadt in Baschkortostan nach ihm benannt, und seine Reiterfigur ziert sowohl das Staatswappen Baschkortostans als auch die Stadt Ufa in Form eines großen Denkmals. mini|Karte der Länder des Orenburger- und Ural-Kosakenheeres (blau), sowie des Baschkirischen Kosakenheeres (rot) im Jahr 1858