mini|Logo der DMS • 6
Die 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) – ist eine bundesweit repräsentative, sozialepidemiologische Studie zur Erhebung des Mundgesundheitszustands und der zahnmedizinischen Versorgung der Bevölkerung in Deutschland. Damit liefert sie eine umfassende Datenbasis für evidenzbasierte Grundsatzentscheidungen in der gesundheitspolitischen Diskussion und für die Weiterentwicklung präventiver und versorgungsbezogener Konzepte in der Zahnmedizin. Die DMS • 6 wurde im Auftrag der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung (KZBV) vom Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ) durchgeführt. Die Feldarbeit erstreckte sich von 2021 bis 2023. Im Rahmen der ersten Publikationswelle im März 2025 wurde die Öffentlichkeit während einer Pressekonferenz über die ersten Kernergebnisse der Studie informiert. In thematischen Artikeln wurden die querschnittlichen Ergebnisse als Sonderbände in den wissenschaftlichen Fachzeitschriften Quintessence International (QI) im März 2025 (englisch)IDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte). 6th German Oral Health Study (DMS • 6) [6. Deutsche Mundgesundheitsstudie [Internet]. Cologne; 2025. Available from: https://www.Deutsche-Mundgesundheitsstudie.de/.] sowie in der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift (DZZ) im April 2025 (deutsch)IDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte). 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) [Internet. Köln; 2025. Verfügbar unter: https://www.Deutsche-Mundgesundheitsstudie.de/.] veröffentlicht. In einer zweiten Publikationswelle lag der Fokus auf den längsschnittlichen Ergebnissen der Studie. Diese wurden der Öffentlichkeit ebenfalls im Rahmen einer Pressekonferenz am 14. April 2026 präsentiert und als Sonderbände in den wissenschaftlichen Fachzeitschriften Quintessence International (QI) im April 2026 (englisch)Quintessence International (QI) (ed). First nationwide longitudinal oral health study in Germany. Berlin: Quintessence Publishing, 2026 sowie in der Deutschen Zahnärztlichen Zeitschrift (DZZ) im Juni 2026 (deutsch) veröffentlichtIDZ (Institut der Deutschen Zahnärzte). 6. Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) [Internet. Köln; 2026. Verfügbar unter: https://www.Deutsche-Mundgesundheitsstudie.de/.]. Vorgelagert wurden die Ergebnisse mit dem Schwerpunkt Kieferorthopädie im Jahre 2023 im Journal of Orofacial Orthopedics publiziert.Jordan, A. Rainer; Kuhr, Kathrin; Ohm, Cristiana; Frenzel Baudisch, Nicolas; Kirschneck, Christian (2021): Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS • 6). Zahn- und Kieferfehlstellungen bei Kindern. Hg. v. Institut der Deutschen Zahnärzte (IDZ). Köln.
Historie Im Jahr 1981 formulierte die Weltgesundheitsorganisation (World Health Organisation, WHO) zusammen mit dem (Weltzahnärzteverband, FDI) erstmals globale Mundgesundheitsziele für das Jahr 2000. Anlässlich der FDI-Generalversammlung in Sydney 2003 wurden diese Zielsetzungen durch eine internationale Arbeitsgruppe aus Vertretern der FDI, der WHO und der International Association for Dental Research (IADR) erneut aufgegriffen und für das neue Jahrtausend bis zum Jahr 2020 überarbeitet.M. Hobdell, P. E. Petersen, J. Clarkson, N. Johnson: Global goals for oral health 2020. In: International dental journal. Band 53, Nummer 5, Oktober 2003, S. 285–288, PMID 14560802.
Auf der Grundlage dieser Zielsetzungen war es die Aufgabe jedes Landes, eigene Mundgesundheitsziele auf der Grundlage der vorhandenen sozialepidemiologischen Erkenntnisse zu entwickeln. Bevölkerungsrepräsentative Studien zu den wesentlichen Erkrankungen der Mundhöhle lagen in Deutschland bis zum Ende der 1980er-Jahre nicht vor. Seit der ersten deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS I) im Jahr 1989 erforscht das Institut der Deutschen Zahnärzte im Auftrag der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und der Bundeszahnärztekammer die Mundgesundheit und der zahnmedizinische Versorgung der Bevölkerung in Deutschland.IDZ: Mundgesundheitszustand und -verhalten in der Bundesrepublik Deutschland
Im Jahr 1991 wurde unmittelbar nach der politischen Wende in Ostdeutschland eine vergleichbare Studie in den neuen Bundesländern durchgeführt (DMS II)IDZ: Mundgesundheitszustand und -verhalten in Ostdeutschland. Damit wurde gleichzeitig die Grundlage für eine nachfolgende vergleichende Beobachtung der Mundgesundheitsentwicklung in Ost- und Westdeutschland gelegt. Im Ergebnis der Erkenntnisse dieser ersten Mundgesundheitsstudien wurde nachfolgend die zahnmedizinische Prävention für Kinder und Jugendliche in Deutschland durch gesundheitspolitische Rahmenbedingungen gestärkt. 1997 wurde die dritte Mundgesundheitsstudie in Deutschland (DMS III) durchgeführtIDZ: Dritte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS III). Im Jahr 2005 wurden in Deutschland über 4500 Personen aus allen sozialen Schichten und Altersgruppen in einer repräsentativen Erhebung einer Befragung unterzogen und zahnmedizinisch in der DMS IV untersuchtIDZ: Vierte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS IV). Die Gruppe der 15-Jährigen wurde in diese Studie erstmals aufgenommen, um einen tieferen Einblick in die Gebisssituation nach dem Zahnwechsel zu erhalten. Als Wiederholungsuntersuchung der acht Jahre zuvor durchgeführten DMS III konnten mit ihr epidemiologische Trends in der Entwicklung der Mundgesundheit während der dazwischenliegenden Dekade aufgezeigt und eine solide Datenbasis für die Gesundheitsberichterstattung und Versorgungsforschung zur Verfügung gestellt werden. In der DMS VIDZ: Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS V) wurden in vier Alterskohorten die wichtigsten Erkrankungen der Mundhöhle und der Zähne sowie der zahnmedizinische Versorgungszustand bei 4.609 Probanden dokumentiert. Die DMS V umfasste erstmals die Alterskohorte der 75- bis 100-Jährigen.
Gegenstand der Untersuchungen waren über die Erfassung von Karies und Parodontitis hinaus auch Mundschleimhauterkrankungen, und der prothetische Versorgungsstatus in den international üblichen Vergleichsgruppen der Kinder und Jugendlichen (12-Jährige), der Erwachsenen (35–44-Jährige), der Senioren (65–74-Jährige) und auch der älteren Senioren (75–100-Jährige). Gleichzeitig wurden auch sozialwissenschaftliche Erkenntnisse zur Soziodemografie, zum Mundgesundheitsverhalten, zum Ernährungsverhalten, zur zahnmedizinischen funktionellen Kapazität und zum Kohärenzgefühl (Sense of Coherence (SOC)) ermittelt. Die sozialepidemiologische Ausrichtung der Studie orientierte sich an den aktuellen wissenschaftlichen Forschungstrends in der Medizinsoziologie. So konnten die engen Zusammenhänge zwischen Bildung und Mundgesundheitszustand belegt werden. Auch die Rolle der Selbstwirksamkeitserwartung bis hin zu den Möglichkeiten der Salutogeneseorientierung eines Menschen wurden aufgezeigt.
Auf Grund des vergleichbaren Studiendesigns können die bisherigen Mundgesundheitsstudien bei den wesentlichen Störungen der Mundgesundheit als Vergleich zur DMS • 6 dienen.
Auf der Grundlage der Mundgesundheitsstudien wird auch der Mundgesundheitszieleprozess in Deutschland durch die Bundeszahnärztekammer (BZÄK) ständig weiterentwickelt, sodass 2021 die Mundgesundheitsziele bis zum Jahr 2030 veröffentlicht wurdenIDZ: Mundgesundheitsziele für Deutschland bis zum Jahr 2030. Auf dieser Grundlage leistet der Berufsstand einen wesentlichen Beitrag für die weitere Gesundheitssystemgestaltung. Insbesondere verfolgt die BZÄK dabei den Ausbau der Prävention und Gesundheitsförderung sowie den Abbau gesundheitlicher Ungleichheiten.
Für die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) sind die Mundgesundheitsstudien Basis für die Entwicklung zukunftsweisender Versorgungskonzepte, etwa zur weiteren Verbesserung der vertragszahnärztlichen Versorgung von vulnerablen Patientengruppen. Darüber hinaus liefert sie wichtige Daten, um standespolitische Forderungen und Entscheidungen der Vertragszahnärzteschaft zu flankieren und voranzubringen.
Methodik Die Deutschen Mundgesundheitsstudien (DMS) sind oralepidemiologische Untersuchungen mit dem Hauptziel der Gesundheitsberichterstattung zur Mundgesundheit in Deutschland. Sie sind die einzigen oralepidemiologischen und bundesweit repräsentativen Studien. Seit 1989 wird etwa alle acht Jahre die Mundgesundheit ausgewählter Personen beurteilt.
Bei der Sechsten Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS • 6) handelt es sich um eine bevölkerungsrepräsentative, sozialepidemiologische Studie im Split-Panel-Design, die in sieben Altersgruppen die wichtigsten Erkrankungen der Mundhöhle und der Zähne sowie den zahnmedizinischen Versorgungszustand dokumentiert. In einem mehrstufigen Zufallsauswahlverfahren wurden deutschlandweit 90 Städte und Gemeinden ausgewählt. Über die Einwohnermeldeämter wurden etwa 7.500 Personen um Teilnahme gebeten. Die Untersuchungen wurden von speziell für diese Studie geschulten Zahnärztinnen und Zahnärzten durchgeführt.
Teilnehmende Personen wurden (gemeinsam mit ihren Sorgeberechtigten, falls noch nicht volljährig) zu einem Besuch in einem Untersuchungszentrum in der Nähe ihres Wohnortes eingeladen. Im Anschluss an die Terminvereinbarung erhielten sie eine schriftliche Bestätigung des Termins. Der Bestätigung lag ein Fragebogen bei, der ausgefüllt werden sollte. Diesen Fragebogen sollten die Teilnehmenden bereits ausgefüllt zu ihrem Termin im Untersuchungszentrum mitbringen. Hier wurde ein Interview mit den Teilnehmenden durchgeführt. Anschließend wurde eine zahnärztliche Untersuchung vorgenommen, die vom Umfang her einer ausführlichen Kontrolluntersuchung in der Zahnarztpraxis entsprach. Die Teilnahme war freiwillig.
Mit der DMS • 6 wurde erstmals ein kombiniertes Querschnitts- und Längsschnittdesign umgesetzt. Die Studie wurde mit einem wissenschaftlichen Expertenkreis nach internationalen Empfehlungen der oralen Epidemiologie entwickelt. Erstmalig wurde neben der Erhebung von neuen Studienteilnehmenden (Baseline-Untersuchung, Querschnitt: 8- und 9-Jährige, 12-Jährige, 35- bis 44-Jährige sowie 65- bis 74-Jährige) zusätzlich eine erneute Untersuchung von Studienteilnehmenden aus der Fünften Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) durchgeführt (Längsschnitt: 20-Jährige, 43- bis 52-Jährige sowie 73- bis 82-Jährige). Neben der Darstellung der aktuellen Krankheitsverbreitung wichtiger zahnmedizinischer Erkrankungen lassen sich durch die Wiederuntersuchung erstmals langfristige Fragen zur Erkrankungsentwicklung sowie Versorgung beantworten.
Querschnittliche Untersuchung der DMS • 6 Im Querschnittsmodul der DMS 6 wurden folgende Altersgruppen untersucht: 8- und 9-Jährige (n = 695) 12-Jährige (n = 958) 35- bis 44-Jährige (n = 927) 65- bis 74-Jährige (n = 797) Insgesamt flossen 3.377 Teilnehmende in die Auswertung ein.
Zentrale Ergebnisse
Kinder: Der Anteil kariesfreier 8- und 9-Jähriger hat sich seit den 1990er-Jahren verdreifacht. Bei 12-Jährigen ist die Karieslast um 90 % gesunken, 78 % der Kinder sind mittlerweile kariesfrei. Allerdings konzentriert sich die verbleibende Karies auf etwa 20 % der Kinder.
Erwachsene: Bei den 35- bis 44-Jährigen ist Zahnlosigkeit nahezu verschwunden. 7 % dieser Gruppe sind kariesfrei.
Seniorinnen und Senioren: Der durchschnittliche Zahnverlust bei 65- bis 74-Jährigen sank von 17,6 (1997) auf 8,6 Zähne. Nur noch 5 % dieser Altersgruppe sind vollständig zahnlos (2014: 12 %).