Der Mirabellplatz ist ein Platz in der österreichischen Stadt Salzburg. Er gehört zu Teilen zur rechten Altstadt sowie zum Stadtteil Neustadt. Der Name leitet sich vom anliegenden Schloss Mirabell her. Der ehemals repräsentative, heute verkehrsreiche Platz ist örtlich bekannt für die dort befindliche Andräkirche sowie für den Schrannenmarkt, einen der größten Wochenmärkte Österreichs.

Lage und Bezeichnung Der Mirabellplatz liegt geteilt zwischen Altstadt (Westseite, Hausnummern 1 bis 4) und dem Stadtteil Neustadt (Ostseite, Hausnummern 5 bis 10), die Stadtteilgrenze verläuft entlang der durchziehenden Straße.Angaben gem. Salzburger Geographisches Informationssystem (SAGIS). In seiner nördlichen Hälfte erweitert sich der Platz nach Osten und erstreckt sich quadratisch über etwa drei Häuserlängen, sodass der Platz insgesamt die Form des Buchstabens P aufweist. Begrenzt wird diese Erweiterung an ihrer Nordseite von der Hubert-Sattler-Gasse, östlich von der Faberstraße und südseitig von der Schrannengasse.

Am schmalen südlichen Ende des Platzes mündet vom Makartplatz kommend die Dreifaltigkeitsgasse ein und Richtung Osten geht die Paris-Lodron-Straße ab. Auf der Westseite des Platzes gibt es zwei Zugänge zum Mirabellgarten, nördlich derer das Schloss Mirabell steht. Wiederum nördlich von diesem – an der Nordwest-Ecke des Platzes – führt die Rainerstraße Richtung Hauptbahnhof weiter, und nach Westen zweigt der Bernhard-Paumgartner-Weg ab, ein Fußweg Richtung Salzach, der hier die nördliche Grenze zwischen Altstadt und Neustadt bildet und den Mirabellgarten vom Kurgarten trennt. Die Nordseite des Mirabellplatzes hat eine Länge von rund 160 m, die Westseite von etwa 210 m, und die erweiterte Ostseite misst an die 110 m. Seine Fläche beträgt insgesamt rund 34.000 m².Messung im SAGIS. Der Platz ist überwiegend Verkehrsfläche.

Der Name des Platzes ist historisch und übertragen vom anliegenden Schloss Mirabell. Das 1607 errichtete Gebäude wurde in seiner ursprünglichen Bauform zuerst Altenau und erst einige Jahre später nach seinem Umbau Mirabell genannt. Die Bezeichnung Mirabellplatz findet sich zumindest seit 1794 und bezeichnete ursprünglich nur den schmalen Bereich des Platzes vor Schloss und Garten ohne seine östliche Ausbreitung. Dieser verbreiterte Teil des Platzes wird von eingesessenen Salzburgern bis heute verschiedentlich auch Andräplatz oder Schrannenplatz genannt. Die Bezeichnung Andräplatz leitet sich von der in der Mitte befindlichen Andräkirche her, die auch Namensgeber für das Andräviertel ist, was Einheimische bevorzugt als Bezeichnung für den Stadtteil Neustadt verwenden. Die Bezeichnung Schrannenplatz ist entweder aktuell durch den wöchentlich hier stattfindenden Schrannenmarkt motiviert oder ist historisch zu verstehen als Fortsetzung dieser schon auch früher verwendeten Benennung, da sich die städtische Schranne hier befunden hat. Beide Bezeichnungen sind inoffiziell, alle hier den Platz abschließenden Häuser haben Hausnummern der drei begrenzenden Straßen.

Geschichte und abgegangene Bauwerke Bauten des 17. und 18. Jahrhunderts Wehrbauten mini|Schloss Altenau von Norden; im Vordergrund das Mirabelltor und links die St. Virgils-Bastei (Ausschnitt einer Karte von 1643) mini|Romantisierte Abbildung des Mirabelltors von 1832 Die Gegend um den jetzigen Mirabellplatz lag bis kurz nach Errichtung der Schlossanlage Mirabell 1607 außerhalb der Stadtmauer, die entlang der heutigen Paris-Lodron-Straße verlief und in Resten noch vorhanden ist. Das Gelände, das umliegend als Burgfeld bezeichnet wurde, war in zahlreiche Privatgrundstücke geteilt, die vielfach als Obst- und Gemüsegärten genutzt wurden und auf denen auch Gebäude standen. Erst mit dem Bau der Lodronschen Stadtbefestigung ab 1620 kam das Gebiet um das Schloss in einen wehrgeschützten Bereich, um es im Dreißigjährigen Krieg gemeinsam mit dem Rest der Stadt vor Feindeinfall zu bewahren. Unmittelbar nördlich des heutigen Platzes entstanden eine Ummauerung und die Bollwerke und Bastionen des rechtsufrigen Stadtbereichs, die von der Salzach bis zum Kapuzinerberg verliefen und nördlich bis östlich des heutigen Mirabellplatzes einen 90-Grad-Bogen beschrieben. Der Verlauf ist heute noch an den Straßenzügen von Franz-Josef-Straße und Auerspergstraße nachzuvollziehen. Das für die Wehranlage benötigte Areal, eine Fläche bestehend aus „8 Häuser, 1 Lusthäuschen, 19 Städel und Ställe (kleinere Nebengebäude ungerechnet), 15 Gärten und etwa 30 andere Grundstücke“, war den privaten Besitzern um insgesamt etwa 40.000 Gulden abgelöst worden. Die gesamte Befestigungsanlage wurde 1862, da nicht mehr der fortgeschrittenen Wehrtechnik entsprechend, abgetragen. Die Steine wurden zur Aufschüttung der Wehrgräben und für die Regulierung der Salzach etwa im Bereich zwischen Staatsbrücke und Eisenbahnbrücke verwendet.

Lodron-Tor Bis an das südliche Ende des Platzes heran erstreckte sich in der Dreifaltigkeitsgasse linker Hand – mit einem Rest davon bis heute – der Paris-Lodronsche Primogeniturpalast. Am Ende der Gasse war an diesem rechts abgewinkelt ein Tor angebaut, das man zum Mirabellplatz passieren musste. Das Tor harmonisierte in seiner Bauweise mit den noch heute bestehenden beiden Eingängen des Palasts. Es hatte die inoffizielle Bezeichnung Lodron-Tor, heute finden sich auch – analog zu anderen durch Gebäude durchführenden Toren in der Stadt – die Bezeichnungen Lodronbogen sowie nach einem späteren Besitzer Mitterbach(er)bogen.

Das Tor stand an der Stelle des vormaligen Bergstraßentors der alten Stadtmauer entlang der heutigen Paris-Lodron-Straße und hatte eine Durchfahrtsbreite von , was etwa 3,6 Metern entspricht. In den 1640er Jahren entstand an der gegenüberliegenden Straßenseite am Beginn der jetzigen Paris-Lodron-Straße der Lodronsche Sekundogeniturpalast, der mittels einer Brückenkonstruktion mit dem Primogeniturpalast verbunden war und in die der Torbau integriert war. Das Tor wurde aus verkehrstechnischen Gründen 1891 abgetragen.Guido Müller: Mirabell in Salzburg. Ein Name in Geschichte und Gegenwart. Salzburg 2017, S. 68. Rechenbauer 2013 () nennt das Jahr 1894.

Mirabelltor Gegenüberliegend an der Nordseite des Platzes am Beginn der heutigen Rainerstraße stand als Teil der Befestigungsanlage ein Torhaus, das Mirabelltor oder St. Virgilstor. Das Stadttor befand sich zwischen der St. Vitalis-Bastei westlich und der näheren St. Virgils-Bastei östlich von ihm. Der Bau dieses Abschnittes der Wehranlage begann 1623.

Der Torbau hatte zwei Obergeschoße, die bis etwa in die 1780er Jahre als militärisches Gefängnis dienten. In einer Nische stand eine Statue des hl. Virgil, eine weiße Marmortafel trug die Inschrift D. VIRGILII HONORISUORUM CIVIUM SALUTISUO IN CIVES AMORIHAEC CONDIDIT MAENIAPARIS EX COM. LODRONARCHIEP. ET PRINCEPSANNO M DC XXVII Westlich an das Mirabelltor war zum Schloss hin und mit diesem verbunden ein Gebäude angebaut, das sog. Mirabellstöckl, das die Schlosswache beherbergte.

Unmittelbar außerhalb des Tors befanden sich über dem Wassergraben eine Zugbrücke und nach einem zu überwindenden kleinen, isolierten Landstück eine weitere Brücke aus Holz. Den Abschluss (bzw. von außen den Beginn) der Torbefestigung bildete ein hölzernes Gittertor, an der ein Spanischer Reiter und eine Schildwache stand. Außerhalb des Tors befand sich auch die Wohnung des Torwächters.

Der Weg durch das Tor führte nach Norden Richtung Itzling und Bergheim, wiewohl es sich um keine Hauptverbindung nach Norden handelte. (Diese führte links der Salzach Richtung Laufen auf der heute bayerischen Seite.) Etwa 400 m hinter dem Tor begann der Pilgerweg auf den Plainberg. Die Straße wurde im Volksmund als Plainer Weg bezeichnet und entspricht etwa – nach einem Stück der heutigen Rainerstraße – der jetzigen Plainstraße.

Das Torhaus wurde noch 1846 restauriert, bevor es 1862 mit den anderen Wehrbauten abgerissen wurde.

mini|Mirabellplatz um 1800, links das Schloss Mirabell vor dem Stadtbrand von 1818 und rechts die Neue Thürnitz Neue Türnitz (Mirabellkaserne) Von 1695 bis 1697 entstand unter Erzbischof Johann Ernst Graf Thun im nördlichen und nordöstlichen Bereich des heutigen Mirabellplatzes und etwas darüber hinaus innerhalb der Wehrbauten die sog. Neue Türnitz, auch Mirabellkaserne genannt. Es war eine Wohnkaserne für etwa dreihundert auf Lebenszeit angeworbene Soldaten mit ihren Familien – eine aus Platzgründen notwendig gewordene Erweiterung der (Alten) Türnitz oder Grieskaserne am linken Salzachufer der Altstadt, welche 1641–1654 als ständige Unterkunft für Mitglieder des damals neu aufgestellten stehenden Heers errichtet worden war.Eine Dürnitz ist eigentlich ein großer heizbarer Raum in Burgen und alten Schlössern, der für gesellige Anlässe genutzt wurde. Bis zur Errichtung der Salzburger Türnitz wurden Soldaten einzeln in Privathaushalten einquartiert. In den neuen Kasernengebäuden lebten viele Soldaten mit ihren Familien zusammen, was wohl dazu verleitet hat, die neue Einrichtung als Türnitz, als Gesellschafts- und Gemeinschaftshaus zu verstehen und so zu benennen. Die Bezeichnung, in damaliger Schreibung mit th, wurde als Eigenname gesehen und wird teilweise unverändert bis heute so weiter verwendet. (Zur Wortbedeutung vgl. Jacob Grimm, Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch, 16 Bände in 32 Teilbänden, Leipzig 1854–1961, Eintrag Türnitz sowie den Eintrag Türnitz im Wiktionary.) Die Neue Türnitz, insgesamt an die 300 m lang, erstreckte sich entlang der Wehrmauer und bestand aus drei aneinandergereihten Gebäuden – die beiden äußeren einstöckig und kürzer, das mittlere zweistöckig und etwa doppelt so lang wie die äußeren. Die beiden außenliegenden Gebäude waren mittels Rundbogentore mit dem Mittelbau verbunden, dieser verfügte über einen Rohrbrunnen aus Marmor mit einem Wappen der Erbauer. Über dem Brunnen befand sich eine ebenfalls marmorne Tafel mit folgender Inschrift:

Über der Tafel befand sich ein mit einem eisernen Gitter versehener Balkon auf Konsolen und darüber war der Giebel mit Stuckornamenten verziert, die verschiedene Waffen darstellten.

Nach dem hochfürstlichen Salzburger Militär war während der Zugehörigkeit Salzburgs zum Königreich Bayern 1803 bis 1816 das bayerische Militär hier einquartiert. Mit dem anschließenden Übergang Salzburgs zum Kaisertum Österreich zog am 11. Mai 1817 das dritte Bataillon des k. u. k. 59. Infanterieregiments, das sog. Rainerregiment, in die Neue Türnitz ein. Nach diesem Regiment ist die heutige Rainerstraße benannt.

Die Neue Türnitz wurde beim großen Brand der rechtsufrigen Stadt 1818 großteils zerstört, die ruinösen Teile trug man erst fünf Jahre später ab. Das Wappenrelief befindet sich heute im St. Peter Stiftskeller.

Hofstallungen und Pferdeschwemme mini|Die Pegasusstatue stand bei der Pferdeschwemme auf dem Mirabellplatz Im nördlichen Bereich des Platzes gegenüber dem Schloss befanden sich die Stallungen für die „hochfürstlichen Carabiniers“, also für mit Karabiner ausgerüstete Soldaten der fürsterzbischöflichen Streitkräfte. Der unter Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg 1684 errichtete Bau hatte ein Ausmaß von 200 mal 40 Fuß und besaß auf allen vier Seiten ein Portal, über dem jeweils ein erzbischöfliches Wappenschild angebracht war. Die Stallung erhielt mit dem Bau der Mirabellkaserne zusätzliche Bedeutung. Neben dem Pferdestall samt Futterlager diente das Gebäude auch als Wagenremise. Nach einem nach 1818 erfolgten Umbau übersiedelte das Hauptzollamt vom Residenzplatz hierher und blieb bis zum Abbruch des Gebäudes im Jahr 1898.