mini|Das Großherzogliche Palais an der Parkstraße in Neustrelitz (Vorderansicht, 2014) mini|Ursprünglicher Plan der Gebäude und der Parkanlage
Das ehem. Großherzogliche ParkhausBezeichnung lt. Zeichnung des Architekten des Gebäudes In: Torsten Foelsch: Das Residenzschloß zu Neustrelitz. Ein verschwundenes Schloß in Mecklenburg. Foelsch & Fanselow Verlag, Groß Gottschow 2016. ISBN 978-3-9816377-1-7, S. 323., kurz auch nur als Parkhaus bezeichnet,Torsten Foelsch: Das Residenzschloß zu Neustrelitz. Ein verschwundenes Schloß in Mecklenburg. S. 320 f.Gerlinde Kinitz: Schloßpark Neustrelitz mit Fotos von Horst-Günter Jung. Hrsg.: Museum der Stadt Neustrelitz, Satz und Druck: CITY-Druck Hoffmann – Waren (Müritz), S. 34. in Neustrelitz, ist ein neoklassizistischer Bau aus dem frühen 20. Jahrhundert. Es wurde vom letzten Großherzog des Landes Mecklenburg-Strelitz, Adolf Friedrich VI., als neue Residenz in Auftrag gegeben und von 1915 bis zu seinem Tod 1918 von ihm bewohnt.Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern (2020): Exposé Ehemaliges Großherzogliches Palais in Neustrelitz. (Abgerufen am 23. Oktober 2021), S. 2, 7.Nordkurier (14. Dezember 1996): Strelitzer Landesherr bewohnt sein neues Haus nur vier Jahre.
Im Laufe seiner Geschichte wurde der Bau u. a. als privater Wohnsitz, Bibliothek, Ausbildungsstätte oder auch als Lager genutzt.Nordkurier (17. Juni 1995): Vom Witwenpalais zur Entlausungsanstalt. Heute befindet es sich wieder in Privatbesitz. Das Palais und der angrenzende englische Landschaftsgarten stehen unter Denkmalschutz und werden seit August 2021 restauriert. Das Nutzungskonzept sah eine Nutzung u. a. als Rehazentrum und für Gastronomie vor.Offizieller YouTube-Kanal „Grossherzogliches-Palais Neustrelitz“ (31. August 2021): Nutzungskonzept. Folge 03. (Abgerufen am 29. Oktober 2021.) Im Juni 2025 eröffnete das Haus als Schlosshotel Neustrelitz.Offizielle Website, abgerufen am 1. Juli 2025
Architektonische Merkmale mini|Giebel mit Wappen der Großherzöge von Mecklenburg (Zustand 2014 vor der Restaurierung) Das Großherzogliche Parkhaus, ein neoklassizistischen Bau, war im Gegensatz zum Schloss Neustrelitz als rein private Residenz ohne Repräsentationsräume geplant. Der damalige Erbgroßherzog wünschte sich „ein Landhaus schlechtweg für das Zusammenleben der fürstlichen Familie mit der Natur und entkleidet von allen Pflichten der höfischen Repräsentation“. Großherzogliches Parkhaus in Neustrelitz in Mecklenburg: Architekt: Min.-Baurat Paul Schondorf. In: Deutsche Bauzeitung 51 (1917), S. 441–444
Das Gebäude wurde beim Holzhof des Neustrelitzer Schlossparks errichtet; es liegt 80 Meter von der eigentlichen Parkstraße entfernt auf einer Anhöhe, zu der eine Allee als Zufahrt bzw. Seitenstraße hinführt. Der Bau besteht aus Untergeschoss, zwei Hauptgeschossen und einem ausgebauten Dachgeschoss. Im Erdgeschoss fanden sich zuletzt vor allem Büro- und Ausstellungsräume, das Obergeschoss wurde als Wohnbereich genutzt.Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern (2020): Exposé Ehemaliges Großherzogliches Palais in Neustrelitz. (Abgerufen am 23. Oktober 2021), S. 7. Die ursprüngliche Raumaufteilung sah so aus:
Das Untergeschoss enthielt auf der Nordseite sowie auf der Westseite Wohnräume für das Personal, darunter ein Zimmer für den Haushofmeister; an der Südseite, von den übrigen Räumen getrennt, die Küche mit ihren Nebenräumen, mit geräumigem Vorraum: und in der Mitte des Baukörpers, sowie zum Teil noch an der Ostseite, Kühlräume und Räume für die Vorräte aller Art. Der Zugang zum Untergeschoss liegt an der Südseite.
Im Erdgeschoss befindet sich unter einer säulengetragenen Unterfahrt der Haupteingang in der Mittelachse. Rechts des Eingangs sind ein Wartezimmer, das Zimmer des Adjutanten, ein Dienerzimmer und ein Gastzimmer angeordnet; links eine Kleiderablage und ein Raum für den Pförtner. Der Hauptraum des Geschosses ist die große Halle mit der Haupttreppe, an die links, zum Garten hin, ein Rauchzimmer, rechts ein Musikzimmer, sowie ein Speisezimmer mit Anrichte sich anreihen. An der Nordseite liegen Schlafzimmer mit Bad, begleitet von einem gegen den Garten vorspringenden Salon. Ein gesonderter Gang trennt diese Räume von der übrigen Raumgruppe.
Im Obergeschoss gruppieren sich um die Halle, die hier endet, an der Gartenseite zu beiden Seiten Salons, begleitet einerseits von einem geräumigen Schreibzimmer mit daneben liegendem Jungfernzimmer, andererseits von einem großen Arbeitszimmer mit daneben liegendem Raum für den Diener. Zwei symmetrisch an den Kurzseiten angeordnete, zum ausgebauten Dachgeschoss führende Nebentreppen trennen die Wohnraumgruppe von der an der Straßenseite gelegenen Gruppe der Schlafzimmer, begleitet von Ankleidezimmern, Bad und Garderoben. Den Schlafzimmern vorgelagert ist der Altan über der Unterfahrt.
Das Dachgeschoss enthielt hinter Giebelaufbauten zur Straße hin eine Gastwohnung, im Übrigen Personalräume, zum Garten hin eine Wohnung der Hofdame mit anschließenden Garderoben und Räumen für weibliches Dienstpersonal.
Die Stockwerkshöhen „überschreiten nicht die beim herrschaftlichen Wohnhaus üblichen Maße“; sie betragen im Kellergeschoss 3,20 m, im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss je 4 m und im Dachgeschoss 3,10 m. Die innere Ausstattung, so die Deutsche Bauzeitung 1917, entsprach „der schlichteren Lebenshaltung, welche die fürstlichen Besitzer in diesem Landhaus pflegen“.
Das aus Backsteinen gemauerte und mit roten Dachziegeln gedeckte Gebäude wurde mit silbergrauem Terrasit„ein dem Naturstein ähnlicher wetterfester Edelputz“, Deutsche Bauzeitung 56 (1922), S. 424 verputzt. Die äußere Fassade ist von ihrer gesamten Gestaltung eher schlicht gehalten und dezent ornamentiert. Vor allem frei hängende Festons stechen hervor. Der Haupteingang befindet sich frontal unter einem von vier dorischen Säulen gestützten, relativ breiten Balkon und ist nach Westen hin ausgerichtet.
Am Giebel ist vorne das (nur in Anteilen erhaltene) Großherzogliche Wappen als Stuckornament eingefasst. Auf der Rückseite befindet sich indes ein Halbbogenfenster an entsprechender Stelle. Kern des Gebäudeinnern ist eine große Eingangshalle, das Foyer, dessen Ausstattung in weißen und beige-gelben Tönen gehalten ist. Sie wird im Erdgeschoss von korinthischen Säulen gehalten. Eine Treppe mit schwarzem und reich verzierten Geländer führt hinter diesen in den ersten Stock. Links und rechts im Foyer, zwischen Eingang und Säulen, befindet sich jeweils ein großer Kamin mit einem reich verzierten Spiegel darüber.
Die Wände und die Decken der großen Halle haben vor allem weiße Stuckornamente. Viele Räume besitzen bspw. dunkle Holzvertäfelungen mit rot-gemusterter Textilbespannung oder auch helle Vertäfelungen mit im Jugendstil angefertigten Wandmalereien.
Das Innere des Gebäudes weist nicht nur in der Eingangshalle korinthische Säulen auf. In weiteren Räumen finden sich aber auch kantige, in die Raumwände eingefasste eckige Pfeiler mit ionischen Säulenelementen (mit Voluten als Kapitelle) aus Marmor.
An der südlichen Seite des Gebäudes führt ein tiefer gelegener Seiteneingang mit Zugangstreppe in das Untergeschoss. Gegenüber befindet sich ein Stallgebäude, das sogenannte Kutscher-Haus mit dem Wirtschaftshof.
Vom Foyer führt eine Tür unterhalb der Treppe auf die Gartenterrasse der östlich gelegenen Rückseite des Gebäudes. Vier dorische Säulen sind hier in die hintere Fassade des Hauses eingefasst und umrahmen einen Teil der Fenster. Zwei breit angelegte Treppen führen in den Palais-Garten, der als englischer Landschaftsgarten mit historischem Baumbestand angelegt ist.Finanzministerium Mecklenburg-Vorpommern (2020): Exposé Ehemaliges Großherzogliches Palais in Neustrelitz. (Abgerufen am 23. Oktober 2021), S. 2.
Das eigentliche Palais nimmt mit dem umliegenden Besitz eine Gesamtfläche von mehr als 10.000 Quadratmetern ein. Auf den Residenzbau entfallen davon 4.430 Quadratmeter und auf die ebenfalls denkmalgeschützte restliche Anlage 5.939 Quadratmeter. Hinzu kommt noch die Fläche des Grundstücks mit dem ehemaligen Kutscherhaus.
Ausstattung Für das Treppenhaus des 1915 fertiggestellten Palais wurden zwei großformatige Allegorien der Jahreszeiten geschaffen: „Frühling“ (sitzende Frauengestalt in Gartenarchitektur mit reichlichem Blumen- und Zierrat, Hund) und „Herbst“ (Frauengestalt am Brunnen mit Früchten). Bildaufbau, Staffage und Malweise orientieren sich an französischen Rokoko-Vorbildern des 18. Jahrhunderts im Stil von Boucher und Lancret. Es handelt sich um zeittypische, auf dekorative Raumwirkung ausgerichtete Ausstattungsgemälde, deren Bedeutung primär in der Bindung an den historischen Ort liegt und die keinen überragenden Eigenwert beanspruchen. Beide Bilder scheinen unsigniert zu sein, bzw. ist eine Urheberschaft nicht belegt. Aufgrund des Entstehungskontextes und der repräsentativen Funktion, kann der Umkreis des damaligen Hofmalers Ludwig Streitenfeld als möglich erachtet werden. Im Zuge des letzten Eigentümerwechsels wurden die beiden Bilder vom Landesamt für Kultur und Denkmalpflege nach Schwerin verbracht und befinden sich seitdem im Depot. Das zuständige Ministerium erklärte die Werke zu Landeseigentum und schloss eine Hängung im Palais aus; stattdessen wurde die Anfertigung und Nutzung von Reproduktionen für das Schlosshotel in Aussicht gestellt.
Stallgebäude Das Stallgebäude (Kutscherhaus) hat einen rechtwinkligen Grundriss, der sich nach Südwesten öffnet. Es umschließt einen Stall- und Wirtschaftshof und schließt diesen zugleich gegen das Hauptgebäude ab. Eine Durchfahrt in der Mitte des Nordflügels gewährt Zugang zum Hof. Dieser Nordflügel enthielt ursprünglich zu beiden Seiten der Durchfahrt Remisen, einen großen Raum für Kraftwagen mit anschließenden Räumen für den Chauffeur, darunter eine Werkstatt. Im Ostflügel lagen eine Sattelkammer, der Pferdestall mit 5 Ständen und 4 Boxen, Personalstuben, Krankenstube, Geschirrkammern und Putzräume. Das Dachgeschoss enthielt Wohnungen der Stallbediensteten und Aufbewahrungsräume für Futter. Im Keller befand sich eine Heizungsanlage, die bereits 1915 das Palais mit Fernwärme versorgte.
Die Architektur und die Wahl des Materials stehen in Übereinstimmung mit dem Hauptgebäude und bilden mit diesem eine Einheit. Diese Einheit ging zwischenzeitlich verloren; das Gebäude erhielt eine eigene Zuwegung und wurde zu einem reinen Wohnhaus umgebaut. 2021 wurden Stallgebäude und Wirtschaftshof zusammen mit dem Palais verkauft.
Derzeit (2025) entstehen hier 26 weitere Zimmer des Schlosshotels.
Geografische Lage Das ehem. Großherzogliche Parkhaus liegt nicht ganz einen KilometerDie nachfolgenden Informationen zu den Entfernungen verstehen sich als Angaben in Luftlinien. vom Neustrelitzer Stadtzentrum entfernt an der Adresse „Parkstraße 9“. Der Hauptbahnhof Neustrelitz befindet sich etwa 1,4 km in nordöstlicher Richtung.
Das Palais ist in allen Richtungen von mehreren lokalen Sehenswürdigkeiten umgeben. So findet man nördlich den historischen Schlossgarten mit Schlossplatz und Marstall sowie dem nahegelegenen Landestheater Neustrelitz in etwas mehr als 400 Metern Entfernung. Der Tiergarten ist etwa einen Kilometer in nordöstlicher Richtung zu erreichen.
Im Nordwesten gelangt man nach einem halben Kilometer zum Slawendorf Neustrelitz, einem Freilichtmuseum, das direkt am Zierker See liegt.
Südlich vom Parkhaus befindet sich das Parkstadion und der Tennisclub Neustrelitz hat seinen Sitz in unmittelbarer Nachbarschaft zum Parkpalais.
Geschichte mini|Großherzog Adolf Friedrich VI. von Mecklenburg-Strelitz (1914)