500px|miniatur|Die Wahlkreisaufteilung des Deutschen Reichs. Der Reichstagswahlkreis Königreich Sachsen 9 (in der reichsweiten Durchnummerierung auch Reichstagswahlkreis 293; auch Reichstagswahlkreis Freiberg genannt) war der neunte Reichstagswahlkreis für das Königreich Sachsen für die Reichstagswahlen im Deutschen Reich und im Norddeutschen Bund von 1867 bis 1918.

Wahlkreiszuschnitt Der Wahlkreis umfasste die Amtshauptmannschaft Freiberg ohne die Amtsgerichtsbezirke Sayda und Olbernhau und die Gemeinden Großvoigtsberg, Kleinvoigtsberg, Reichenbach bei Siebenlohn, Großwaltersdorf und Kleinhartmannsdorf, den Amtsgerichtsbezirk Frauenstein aus der Amtshauptmannschaft Dippoldiswalde, den Amtsgerichtsbezirk Oederan aus der Amtshauptmannschaft Flöha und den Amtsgerichtsbezirk Hainichen aus der Amtshauptmannschaft Döbeln.

Dies entsprach ursprünglich der Stadt Freiberg und den Gerichtsamtsbezirken Frauenstein und Freiberg, Hainichen, Oederan und Brand.

Bevölkerungsentwicklung Jahr Einwohner 1890 126.986 1895 131.957 1900 125.237 1905 125.357 1910 125.793

Berufszugehörige Männer Landwirtschaft Industrie und Gewerbe Handel und Dienstleistungen 1895 32,8 51,6 15,6 1907 25,5 57,4 17,1

Konfession Evangelisch Katholisch 1890 98,3 1,5 1905 97,5 2,2 1910 97,4 2,3

Abgeordnete Wahl Abgeordneter Partei Bild Reichstagswahl Februar 1867 bis 1869 Friedrich Raimund Sachße Altliberal/BKV Ersatzwahl 1869 bis 1871 Fritz Mende Sozialdemokrat 130 px Reichstagswahl 1871 bis 1874 Wilhelm Schaffrath DFP 130 px Reichstagswahl 1874 bis 1877 August Geib SDAP 130 px Reichstagswahl 1877 bis 1878 August Penzig NLP Reichstagswahl 1878 bis 1884 Max Kayser SAP 130 px Reichstagswahl 1884 bis 1898 Kurt Merbach DRP Reichstagswahl 1898 bis 1903 Georg Oertel DKP 130 px Reichstagswahl 1903 bis 1907 Ernst Schulze SPD Reichstagswahl 1907 bis 1912 Eduard Wagner DKP Reichstagswahl 1912 bis 1918 Hermann Wendel SPD 130 px

Wahlen 1867 (Februar) Es fand nur ein Wahlgang statt. Die Zahl der gültigen Stimmen betrug 12.646.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Friedrich Raimund Sachße Altliberal 6365

1867 (August) Es fand nur ein Wahlgang statt. Die Zahl der gültigen Stimmen betrug 5837.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Friedrich Raimund Sachße BKV 3111

Ersatzwahl 1869 Im Januar 1869 erlosch das Mandat von Sachße und es fand eine Ersatzwahl Mitte März 1869 statt. Es fanden zwei Wahlgänge statt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 9715.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Fritz Mende S 4393 Ludwig von Burgsdorff Kons 2930 Kreisdirektor Krieger 1968 Stadtrat Sonstige 424

In der Stichwahl betrug die Zahl der abgegebenen Stimmen 10.103.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Fritz Mende S 5613 Ludwig von Burgsdorff Kons 4488 Kreisdirektor

1871 Es fand ein Wahlgang statt. 21.360 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 5211, 10 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 24,4 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Wilhelm Schaffrath F 4896 Sonstige 315

1874 Es fand ein Wahlgang statt. 21.986 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 11.791, 40 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 53,8 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen August Geib S (Eis) 5942 Petsch (-Leipzig) Kons 5826 Geheimer Justizrat Sonstige 23

1877 Es fanden zwei Wahlgänge statt. 23.151 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 14.194, 84 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 61,7 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Fritsche S 5157 August Penzig NLP 5121 Richard von Oehlschlägel (-Oberlangenau) Kons 3913 Rittergutsbesitzer Sonstige 3

In der Stichwahl betrug die Zahl der abgegebenen Stimmen 15.428, 64 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 66,9 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Fritsche S 6987 August Penzig NLP 8441

1878 Es fanden zwei Wahlgänge statt. 23.652 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 14.451, 58 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 61,3 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Max Kayser S 6127 August Penzig NLP 4485 Richard von Oehlschlägel (-Oberlangenau) Kons 3828 Rittergutsbesitzer Sonstige 11

In der Stichwahl betrug die Zahl der abgegebenen Stimmen 15.076, 161 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 64,4 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Max Kayser S 8098 August Penzig NLP 6978

1881 Es fanden zwei Wahlgänge statt. 23.665 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 12.182, 77 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 51,8 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Max Kayser S 4890 Theodor Norbert Kellerbauer LibV 2588 Professor Richard von Oehlschlägel (-Oberlangenau) Kons 4697 Landtagsabgeordneter Sonstige 7

In der Stichwahl betrug die Zahl der abgegebenen Stimmen 15.339, 106 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 65,3 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Max Kayser S 7957 Richard von Oehlschlägel (-Oberlangenau) Kons 7382 Landtagsabgeordneter

1884 Es fand ein Wahlgang statt. 24.062 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 15.137, 75 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 63,2 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Kurt Merbach DRP 9341 NLP 114 S 5670 Sonstige 12

1887 Es fand ein Wahlgang statt. 25.575 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 20.280, 90 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 79,6 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Kurt Merbach DRP 13.454 S 5604 Sonstige 14

1890 Die Kartellparteien einigten sich auf Merbach als gemeinsamen Kandidaten. Es fand ein Wahlgang statt. 25.575 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 20.370, 90 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 79,6 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Theodor Fritsch DS 259 1,3 Kurt Merbach DRP 11.932 58,8 Carl Riemann SPD 8063 39,8 Eisendreher aus Chemnitz Sonstige 126 0,1

1893 Die Kartellparteien einigten sich erneut auf Merbach als gemeinsamen Kandidaten. Während der DS diesen zunächst unterstützen wollte, stellten sie stattdessen Schubert auf. Dieser war NLP-Mitglied; der NLP-Vorstand lehnte die Sonderkandidatur jedoch ab. Es fanden zwei Wahlgänge statt. 26.879 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 21.097, 51 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 78,5 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Rudolph Virchow FVP 37 0,2 Max Georg Schubert NLP 4921 23,4 Kurt Merbach RP 8391 39,9 Ernst Schulze SPD 7693 36,5 Sonstige 4 0,0

Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug in der Stichwahl 20.987, 138 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 78,1 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Kurt Merbach RP 11.932 57,2 Ernst Schulze SPD 8917 42,8

1898 BdL, Konservative und DSR einigten sich auf den konservativen Oertel als gemeinsamen Kandidaten. Da Oertel in den eigenen Reihen nicht unumstritten war, trat die NLP dem Bündnis nicht bei und es kam zu einer konservativen Sonderkandidatur Es fand ein Wahlgang statt. 26.215 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 19.650, 177 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 75,0 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Georg Oertel K 11.883 61,0 Kurt Merbach K 50 0,3 Ernst Schulze SPD 7523 38,6 Sonstige 17 0,1

1903 Die Ausgangslage entsprach der der vorherigen Wahl. Es fanden zwei Wahlgänge statt. 26.402 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 22.358, 69 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 84,7 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Georg Oertel K 7060 31,7 Kurt Kuntze NLP 4350 19,5 Dr., Generalsekretär, Dresden-Blasewitz Ernst Schulze SPD 10.848 48,7 Felix Porsch Zentrum 31 0,1 Sonstige 0 0,0

Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug in der Stichwahl 22.899, Die Wahlbeteiligung betrug 86,7 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Georg Oertel K 10.739 47,6 Ernst Schulze SPD 11.853 52,4

1907 Die bürgerlichen Parteien stellten Wagner als gemeinsamen Kandidaten auf. Die NLP hatte ursprünglich den Freiberger Bürgermeister und späteren Dresdner Oberbürgermeister Bernhard Blüher aufgestellt. Dieser zog seine Kandidatur jedoch drei Wochen vor der Wahl zurück und die NLP unterstützte dann auch Wagner. Es fand ein Wahlgang statt. 26.665 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug 24.220, 115 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 90,8 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Eduard Wagner K 14.608 60,6 Ernst Schulze SPD 9455 39,2 Sonstige 42 0,2

1912 BdL und Zentrum unterstützten den konservativen Kandidaten, der NLP-Kandidat wurde auch von der VoVP unterstützt. Es fanden zwei Wahlgänge statt. 26.791 Männer waren wahlberechtigt. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug im ersten Wahlgang 24.097, 95 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 89,9 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Eduard Wagner K 6911 28,8 Wilhelm Külz NLP 6015 25,1 Hermann Wendel SPD 11.072 46,1 Sonstige 4 0,0

In der Stichwahl rief die NLP zur Wahl des konservativen, die VoVP zur Wahl des sozialdemokratischen Kandidaten auf. Die Zahl der abgegebenen Stimmen betrug in der Stichwahl 24.773, 911 Stimmen waren ungültig. Die Wahlbeteiligung betrug 92,5 %.

Kandidat Partei Stimmen in % Anmerkungen Eduard Wagner K 12.173 49,8 Hermann Wendel SPD 12.289 50,2

Literatur

Fritz Specht: Die Reichstags-Wahlen von 1867 bis 1903 : eine Statistik der Reichstagswahlen nebst den Programmen der Parteien und einem Verzeichnisse der gewählten Abgeordneten, 2. Auflage 1904, S. 224. A. Phillips (Hrsg.): Die Reichstagswahlen von 1867 bis 1883. Statistik der Wahlen zum Konstituierenden und Norddeutschen Reichstage, zum Zollparlament, sowie zu den fünf ersten Legislatur-Perioden des Deutschen Reichstages. Berlin: Verlag Louis Gerschel, 1883, S. 138–139, Digitalisat.

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