Die Real-Encyclopädie der gesammten Heilkunde (Untertitel: Medicinisch-chirurgisches Handwörterbuch für praktische ÄrzteUnter einem praktischen Arzt verstand man damals nicht unbedingt nur den Hausarzt (Praktischer Arzt), sondern vor allem den praktizierenden Arzt in Abgrenzung zum nur wissenschaftlich tätigen oder sogar zum nicht mehr praktizierenden Arzt.) war eine Sammlung von Handbuchartikeln zur Medizin, die das Wissen des 19. Jahrhunderts auf diesem Gebiet zusammenfasste. Die Enzyklopädie erschien bei Urban & Schwarzenberg in Wien (später Berlin) in erster Auflage ab 1880, wurde von Albert Eulenburg herausgegeben und vielfach auch der Eulenburg genannt. Insgesamt erschienen vier Auflagen, die letzte von 1907 bis 1914 mit 22 Ergänzungsbänden bis 1938. Erst in der vierten Auflage hielt man sich an die heutige Orthographie: Real-Enzyklopädie der gesamten Heilkunde.

Geschichte Die Verleger Ernst Urban und Eugen Schwarzenberg wurden bei einer Redaktionssitzung 1878 auf eine französische Medizinenzyklopädie aufmerksam und beschlossen, eine solche auch in deutscher Sprache herauszugeben. Auf Albert Eulenburg, damals Professor der Pharmakologie in Greifswald, wurden sie durch dessen Aufsatz über die Geschichte der Pathologie im 19. Jahrhundert in der Zeitschrift Wiener Klinik aufmerksam. Auf einer Eisenbahnfahrt von München nach Innsbruck sprachen sie ihn an, und er sagte nach Bedenkzeit zu. Eulenburg konnte für die erste Auflage 90 Mitarbeiter gewinnen. Dank seines Organisationstalents und Engagements erschien das ursprünglich auf zehn Bände veranschlagte Werk in nur vier Jahren bis 1883 in fünfzehn Bänden. Der Verlag investierte hohe Summen (so flossen von 1889 bis 1914 allein 750.000 Goldmark an Autorengehältern), verdiente aber auch sehr gut an dem Werk.

Das Werk fand großen Anklang und große Verbreitung, sowohl bei Hochschullehrern als auch bei praktischen Ärzten, und selbst Studenten konnten durch ein Abzahlsystem in seinen Besitz gelangen. Theodor Brugsch erinnerte sich, über fünf Jahre monatlich 3 Mark gezahlt zu haben, dafür aber schon als Student das Gesamtwerk besessen zu haben.

Der Verleger Michael Urban schrieb dazu 1980 im Vorwort zu Günter Thieles Handlexikon der Medizin: „Vor genau 100 Jahren erschien im damals noch jungen Verlag Urban & Schwarzenberg der erste Band von Eulenburgs ‚Realencyclopädie der gesamten [sic] Heilkunde‘. Das Werk wurde von den Rezensenten zwar gelobt, der Sinn dieses verlegerischen Wagnisses dagegen skeptisch beurteilt. Vier Jahre und fünfzehn [sic] Bände später war jedoch nicht nur der große Erfolg eingetreten – die Auflage war vergriffen, vier [sic] weitere folgten –, es war auch eine lange Reihe medizinischer und naturwissenschaftlicher Enzyklopädien und Lexika begründet und der Durchbruch für Urban & Schwarzenberg als wissenschaftlicher Verlag geschafft.“Michael Urban: Vorwort, in: Günter Thiele (Hrsg.): Handlexikon der Medizin, Verlag Urban & Schwarzenberg, München / Wien / Baltimore ohne Jahr , Band I (A–E), S. V.

Auf der Grundlage der 2. Auflage in Russland von 1891 bis 1901 wurde die Reale Enzyklopädie der medizinischen Wissenschaften () veröffentlicht. Es bestand aus 21 Bänden und 2 zusätzlichen Bänden mit jeweils 800 Seiten und vielen Abbildungen. Etwa ein Drittel der russischen Ausgabe wurden durch Originalartikel russischer Autoren und Übersetzungen anderer deutscher medizinischer Publikationen ergänzt. Diese Enzyklopädie war ein grundlegendes Werk zur Medizin, eine der vollständigsten medizinischen Publikationen des 19. Jahrhunderts. Im vorrevolutionären Russland war dies die einzige medizinische Enzyklopädie, die vollständig fertiggestellt wurde.

Im Anschluss an Albert Eulenburgs Realenzyklopädie der gesamten Heilkunde begründete Heinz Urban als Herausgeber das sechsbändige Reallexikon der Medizin und ihrer Grenzgebiete (erschienen 1966 bis 1977/1978 bei Urban & Schwarzenberg), das von Michael Urban fortgeführt und von Günter Thiele und Heinz Walter redigiert und bearbeitet wurde.

Auflagen Die einzelnen Auflagen waren: 1. Auflage, 15 Bände, 1880 bis 1883. Bei Erscheinen des letzten Bandes war die erste Auflage bereits vergriffen. Beteiligt waren 111 Autoren, darunter:Autorenverzeichnisse („Verzeichniss der Mitarbeiter“) in Band 10 und in Band 15 der ersten Auflage. Albert Adamkiewicz, Eduard Albert, Eduard Albrecht (Heinrich Wilhelm Eduard Albrecht), Rudolf Arndt, Heinrich Auspitz, Ludwig Bandl, Heinrich Adolf von Bardeleben, Samuel Siegfried Karl von Basch, Gustav Behrend, Moriz Benedikt, Oskar Berger, Wenzel Bernatzik, Carl Binz, Felix Victor Birch-Hirschfeld, Blumenstok (Blumenstock = Leo Halban), Karl Edler Böhm von Böhmersheim, Hermann Julius Böttger, Friedrich Busch, Hans Chiari, Hermann Cohn, Ludwig Edinger, Salomo Ehrenhaus, Hermann Eichhorst, Josef Englisch, Michael Moritz Eulenburg (der Vater von Albert Eulenburg, der selbst in dieser Auflage noch kein Autor war), Carl Anton Ewald, Friedrich Falk, Bernhard Fränkel, Eduard Geber, Vilmos Goldzieher, Jacob Gottstein, Josef Grünfeld, Paul Güterbock, Ernst Julius Gurlt, Paul Guttmann, Eugen Hahn, Julius Hirschberg, Jakob Hock, Eduard von Hofmann, Johann Eduard Hofmokl, Ludwig Heinrich Hollaender, Theodor Husemann, Moriz Kaposi, Enoch Heinrich Kisch, Edwin Klebs, Salomon Klein, Ludwig Kleinwächter, Theodor Knauthe, Friedrich von Korányi, Paul Krabler, Ernst Küster, Leonard Landois, Carl Langenbuch, Georg Langreuter, Georg Richard Lewin, Louis Lewin, Ernst von Leyden, Wilhelm Franz Loebisch, Karl Löbker, August Lucae, Ernst Ludwig, Felix Marchand, Emanuel Mendel, Martin Mendelsohn, Alois Monti, Friedrich Mosler, Franz Obernier, Adolph Oldendorff, Leopold Oser, Carl Pelman (Pelmann), Leopold Perl, Hugo Pernice, Arnold Pick, Adam Politzer, Franz Preuschen von Liebenstein, Ernst Remak, August Leopold von Reuss, Alexander Reumont, Leopold Peter Riess, Ottomar Rosenbach, Moritz Rosenthal, Simon Samuel, Wilhelm Sander, Gustav Scheuthauer, Rudolf Schirmer, Hermann Schmidt-Rimpler, Johann Schnitzler, Max Schüller, Hugo Schulz, Dagobert Schwabach, Ernst Ludwig Schwimmer, Adolph Seeligmüller, Oskar Simon, Moritz Smoler, Otto Soltmann, Ferdinand Sommer, Eduard Steinauer, Isidor Soyka, Adelbert von Tobold, Robert Ultzmann, August Emil Vogl, Paul Vogt, Friedrich Eugen Weber-Liel, Karl Weigert, Albrecht Ludwig Agathon Wernich, Wilhelm Winternitz, Gustav Wolzendorff. 2. Auflage, 22 Bände, 1885 bis 1890. Aktualisiert wurden sie für die Besitzer der älteren Ausgaben durch neun Encyclopädische Jahrbücher der gesammten Heilkunde (Band 23 bis 31), erschienen in den Jahren 1891 bis 1900 (außer 1898) mit den Jahrgängen 1 (1891, Band XXIII) und 2 (1892, Band XXIV) über 7 (1897, Band XXIX) bis 8 (1899, Band XXX) und 9 (1900, Band XXXI). Halblederbände mit geprägten Deckeln. Beteiligt waren mehr als 130 Autoren,„Vorläufiges Verzeichniss der Mitarbeiter“ in Band I, S. 1–3, der zweiten Auflage. darunter Albert Adamkiewicz, Eduard Albert, Rudolf Gottfried Arndt, Carl Heinrich Auspitz, Ludwig Bandl, Heinrich Adolf von Bardeleben, Karl von Bardeleben, Gustav Behrend, Moriz Benedikt, Oskar Berger, Wenzel Bernatzik, Martin Bernhardt, Otto Binswanger, Carl Binz, Felix Victor Birch-Hirschfeld, Blumenstok (Blumenstock = Leo Halban), Karl Edler Böhm von Böhmersheim, Maximilian Bresgen, Friedrich Busch, Hans Chiari, Hermann Cohn, Salomo Ehrenhaus, Hermann Eichhorst, Josef Englisch, Albert Eulenburg, Michael Moritz Eulenburg, Carl Anton Ewald, Albert Fraenkel, Bernhard Fraenkel, Karl Frommann, Paul Fürbringer, Johannes Gad, Eduard Geber, Wilhelm Goldzieher, Josef Grünfeld, Paul Güterbock, Ernst Julius Gurlt, Paul Guttmann, Otto Heubner, Julius Hirschberg, Jakob Hock, Eduard von Hofmann, Johann Eduard Hofmokl, Ludwig Heinrich Hollaender, Theodor Husemann, Rudolf von Jaksch, Moriz Kaposi, Enoch Heinrich Kisch, Edwin Klebs, Salomon Klein, Ludwig Kleinwächter, Rudolf Klemensiewicz, Theodor Knauthe, Werner Körte, Friedrich von Korányi, Ernst Küster, Leonard Landois, Georg Richard Lewin, Louis Lewin, Ernst von Leyden, Oskar Liebreich, Karl Löbker, Wilhelm Franz Loebisch, August Lucae, Ernst Ludwig, Felix Marchand, August Martin, Emanuel Mendel, Alois Monti, Friedrich Mosler, Hermann Munk, Immanuel Munk, Adolph Oldendorff, Hermann Oppenheim, Leopold Oser, Erich Peiper, Carl Pelman, Arnold Pick, Adam Politzer, Franz Preuschen von Liebenstein, William Preyer, Alfred Přibram, Hermann Rabl-Rückhard, Eduard Reichardt, Ernst Remak, Alexander Reumont, August Leopold von Reuss, Alexander Rollett, Ottomar Rosenbach, Moritz Rosenthal, Wilhelm Sander, Simon Samuel, Friedrich Schauta, Eduard Schiff, Rudolf Schirmer, Hermann Schmidt-Rimpler, Johann Schnitzler, Theodor Schott, Josef Schreiber, Max Schüller, Hugo Schulz, Dagobert Schwabach, Karl Schweigger, Ernst Ludwig Schwimmer, Adolph Seeligmüller, Hermann Senator, Otto Soltmann, Ferdinand Sommer, Eduard Sonnenburg, Isidor Soyka, Adelbert von Tobold, August Emil Vogl, Paul Vogt, Friedrich Eugen Weber-Liel, Karl Weigert, Albrecht Ludwig Agathon Wernich, Carl Westphal, Wilhelm Winternitz, Anton Wölfler, Julius Wolff, Gustav Wolzendorff, Emil Zuckerkandl, Wilhelm Zuelzer. Zusätzlich hatte jedes Jahrbuch etwa einhundert weitere Mitarbeiter; darunter waren„Unter Mitwirkung der Herren“ auf der dritten Titelseite eines jeden Jahrbuches der Zweitauflage. zum Beispiel in Band XXXI Heinrich Albrecht, Isidor Albu, Ludwig Ascher, Emanuel Aufrecht, Adolf Aron Baginsky, Benno Baginsky, Emil Ballowitz, Emil von Behring, Bernhard Bendix, Ludwig Bruns, Hermann Determann (St. Blasien), Hermann Endres (Halle an der Saale), Ernst Fraenkel, Ludwig Fraenkel, Edmund Friedrich, C. Günther (Berlin), Hermann Gutzmann sen., Haike (Berlin), Moritz Jastrowitz, Georg Joachimsthal, Heinrich Kionka, Theodor Kirchhoff, Kirstein (Berlin), A. Knorr (München), Rudolf Kobert, Albert Köhler, Werner Körte, Paul Kohlstock, Julius Kratter, A. Kuttner (Berlin), R. Landau (Nürnberg), Julius Lazarus, Max Levy-Dorn, Oskar Liebreich, Moritz Litten, Adolf Lorenz, O. Magen (Breslau), Martin Mendelsohn, Josef von Metnitz, George Meyer, Julius Morgenroth, Paul Musehold (Oberstabsarzt, Strassburg im Elsass), Gustav Adolf Neuber, Max Neuburger, Bernhard Nocht, Carl Posner, Eugen Rehfisch, Hugo Ribbert, Leopold Peter Riess, Friedrich Heinrich Rinne, Theodor Rosenheim, Heinrich Rosin, Wilhelm Roux, Bernard Sachs, S. H. Scheiber (Budapest), Heinrich Botho Scheube, H. Schönheimer (Berlin), Albert von Schrenck-Notzing, Julius Schwalbe, Sperling (Oberstabsarzt, Berlin), Robert Steiner von Pfungen, Alois Strasser, Strebel (München), Paul Gerson Unna, Heinrich Unverricht, Johann Veit, August von Wassermann, Richard Wehmer, Karl Wilhelm Werner, Maximilian von Zeissl, Theodor Ziehen, Ernst Ziegler.