mini|Kloster Säben, links die Liebfrauenkirche mini|Kloster Säben von Südwesten mini|Kloster Säben von Osten
Das Kloster Säben war eine Benediktinerinnenabtei auf dem Säbener Berg in Südtirol. Es wurde im ausgehenden 17. Jahrhundert durch Nonnen des Salzburger Stifts Nonnberg gegründet und bestand bis November 2021. Seit 2024 übernehmen Mönche der österreichischen Zisterzienserabtei Heiligenkreuz die Pilgerseelsorge auf dem ehemaligen Klostergelände.
Geschichte Säben (), gelegen auf dem Heiligen Berg oberhalb von Klausen, war schon in der Jungsteinzeit besiedelt. Am Ort des heutigen Klosters befand sich früher eine spätrömische Siedlung, die sich bald zu einem frühchristlichen Zentrum entwickelte: Vom 6. Jahrhundert bis ca. 960 befand sich hier ein Bischofssitz, zu dem auch die im frühen 5. Jahrhundert errichtete und ausgegrabene Kirche im Weinberg gehörte.Oda Hagemeyer: Die Benediktinerinnenabtei Säben in Südtirol. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 493.
Am 13. September 901 schenkte König Ludwig IV. dem Bischof Zacharias den Meierhof Prichsna, aus dem später Brixen entstehen sollte. Spätestens 960 unter dem Bischof Richbert wurde der Bischofssitz dorthin verlegt. Danach blieb Säben eine bischöfliche Wehrburg.Oda Hagemeyer: Die Benediktinerinnenabtei Säben in Südtirol. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 494. Im 14. und 15. Jahrhundert war die Burg Säben Sitz des Richters von Klausen und Verwaltungsmittelpunkt der südlichsten Gebiete des Hochstifts Brixen. 1535 zerstörte ein Brand die Anlage, wodurch die Burg zu einer unbewohnten Ruine wurde.
Auf Betreiben von Kanonikus, Stadt- und Spitalspfarrer Matthias Jenner kamen im Jahr 1685 die ersten Nonnen, drei Chorfrauen und zwei Laienschwestern, aus dem Stift Nonnberg in Salzburg nach Säben, um das aus den Ruinen zu errichtende Kloster zum Heiligen Kreuz auf Säben zu beleben.Oda Hagemeyer: Die Benediktinerinnenabtei Säben in Südtirol. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 495. Die auf den 21. November 1686 datierte Gründungsurkunde des Fürstbischofs Johann Franz Khuen von Belasi, der auch die Klosterkirche weihte, bestätigt die Errichtung des neuen Klosters. 1699 wurde das Kloster zur Abtei erhoben und M. Agnes von Zeiller (in den Quellen auch Maria Agnes Zeillerin genannt) zur ersten Äbtissin erwählt.Oda Hagemeyer: Die Benediktinerinnenabtei Säben in Südtirol. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 496.
1974 wurde das Kloster in die Beuroner Kongregation aufgenommen. Die kontemplativen Benediktinerinnen lebten in strenger Klausur, widmeten sich dem Chorgebet und der häuslichen Arbeit, kümmerten sich aber auch um Pilger und nahmen im Sommer Gäste im Gästehaus auf.
Von 1970 bis 1996 leitete die aus der Abtei Herstelle stammende Marcellina Pustet als zehnte Äbtissin die Gemeinschaft. 1996 wurde Maria Ancilla Hohenegger zur elften Äbtissin des Klosters geweiht.
Im Mai 2021 verkündete Äbtissin Maria Ancilla Hohenegger, das Kloster Säben in absehbarer Zeit wegen Nachwuchsmangels aufzulassen. Ihr Entschluss wurde vorab mit Ivo Muser, dem Bischof der Diözese Bozen-Brixen, und Abt Albert Schmidt, dem Abtpräses der Beuroner Kongregation, abgestimmt. Die letzten drei Nonnen übersiedelten im November 2021 in die Zisterzienserinnenabtei Mariengarten und die Abtei Nonnberg; anschließend wurde das Kloster an das Bistum Bozen-Brixen übergeben.Redaktion Religion des ORF: Benediktinerinnen verlassen Kloster Säben, Österreichischer Rundfunk Online, 11. November 2021, https://religion.orf.at/stories/3209764/
Die Südtiroler Filmemacherinnen Evi Oberkofler und Edith Eisenstecken begleiteten die Nonnen in den letzten Monaten vor Auflösung des Konvents und fassten ihre Eindrücke im Film „Saeben“ zusammenJohanna Prader: Wir sahen es als unsere Verpflichtung, Kloster Säben einen Film zu widmen, Südtirol-Online vom 28. Juni 2023, www.stol.it/artikel/kultur/kino-tv/wir-sahen-es-als-unsere-verpflichtung-kloster-saeben-einen-film-zu-widmen. Über die weitere Nutzung der Baulichkeiten entspann sich in der Folge ein innerkirchlicher Streit.
Ab 2022 führte die Diözese Bozen-Brixen Gespräche mit dem österreichischen Zisterzienserkloster Stift Heiligenkreuz über eine mögliche Wiederbesiedelung. Nach Abwägungen des Konventes über eine mögliche Wiederbesiedelung – da man in den vergangenen Jahrzehnten bereits zwei neue Priorate in Deutschland gegründet hatte, die beide noch vom Mutterkloster abhängig sind – wurden im 2023 vier Brüder dorthin geschickt, um das Vorhaben zu prüfen. 2024 fasste die Zisterzienserabtei Stift Heiligenkreuz im Wienerwald den Entschluss, mit ihren Mönchen die Betreuung des Klosters Säben zu übernehmen. Es soll als spiritueller Ort wiederbelebt werden, ohne dass dort ein eigenes Priorat entsteht. Im September 2024 zog Pater Kosmas Thielmann OCist als einziger in das Kloster ein und übernahm die Pilgerseelsorge.
Baulichkeiten Das Klostergebäude wurde gegen Ende des 17. Jahrhunderts aus den Ruinen der mittelalterlichen bischöflichen Burg erbaut. Die schlichte Klosterkirche ist ein Werk von Giovanni Battista Delai aus Scaria. Um 1890 erfolgten am Kloster Um- und Ausbauarbeiten.Oda Hagemeyer: Die Benediktinerinnenabtei Säben in Südtirol. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 497. In unmittelbarer Nachbarschaft zur Abtei befinden sich mit der Heilig-Kreuz-Kirche und der Liebfrauenkirche zwei weitere Sakralbauten.
Äbtissinnen 1686–1715: Maria Agnes Zeiller von Zeillhaimb zu Weiss und Schwarzenfeld 1715–1734: Maria Antonia Spergser 1734–1749: Agnes Thekla Zeiller von Zeillhaimb zu Weiss und Schwarzenfeld 1749–1773: Maria Floriana Pezer 1773–1812: Maria Candida Mayr 1812–1892: Oberinnen im Dreijahresturnus 1882–1910: Ida Urthaler 1910–1921: Aloisia Steiner 1921–1940: Beatrix Kopp 1940–1969: Maria Magdalena Felderer 1970–1996: Marcellina Pustet 1996–2021: Maria Ancilla Hohenegger
Trivia Nach Kloster Säben wurden im Stadtbezirk Untergiesing-Harlaching in Bayerns Landeshauptstadt München 1906 die Säbener Straße und 1923 der Säbener Platz benannt. Die Säbener Straße ist insbesondere für die dort gelegene Geschäftsstelle und das Trainingsgelände des FC Bayern München bekannt.
Literatur Martin Bitschnau: Säben. In: Oswald Trapp (Hrsg.): Tiroler Burgenbuch. IV. Band: Eisacktal. Verlagsanstalt Athesia, Bozen 1977, S. 114–155. Oda Hagemeyer: Die Benediktinerinnenabtei Säben in Südtirol. In: Erbe und Auftrag, Jg. 43 (1967), S. 493–498. Sybille-Karin Moser (Hrsg.): Säben. Tappeiner, Bozen 1992, ISBN 88-7073-139-1. Elisabeth Mader: Die stille Kämpferin – Marcellina Pustet – die 10. Äbtissin von Säben, Athesia: Bozen 2019, ISBN 978-88-6839-355-7. Fiorenzo Degaspen: Dem Himmel ganz nah – Die schönsten Wallfahrtsorte in Südtirol, Athesia Buch: Bozen 2022, S. 83–90. Otmar Wonisch: Eine Gottesburg. Zur Jubelfeier der Benediktinerinnenabtei Säben 1686-1936. In: Benediktinische Monatschrift, XIX. Jg. (1937), S. 146–148.
Filmische Porträts Evi Oberkofler (Regie) und Edith Eisenstecken (Produktion): SAEBEN, (Arbeitstitel: Hohe Mauern – Geschichten aus dem Kloster Saeben) Film, 90 Minuten, 2023, Italien.https://www.cinemaitaliano.info/hohemauerno. V.: Urauffährung des Films übe Kloster Saeben, o. D., www.niederstaetter.it/de/magazine/uraufführung-des-films-über-kloster-saeben/17-2040.htmlhttps://kultur.bz.it/de/veranstaltung/saeben-e191988
Weblinks
Kloster Säben Freunde e. V.
Einzelnachweise
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