Bigelowiella natans ist eine Art (Spezies) von marinen Algen aus dem Taxon der Chlorarachniophyten (Chlorarachniophyceae) innerhalb der Rhizaria.AlgaeBase: Bigelowiella natans Moestrup 2001NCBI: Bigelowiella natans (species); graphisch: Bigelowiella natans, auf: Lifemap, NCBI Version.

Die Erstbeschreibung von B. natans stammt von Øjvind Moestrup und Mario Sengco (2001). Die Spezies war zuvor als Pedinomonas minutissima der Familie Pedinophyceae zugeordnet worden.Øjvind Moestrup, Mario Sengco: Ultrastructural Studies on Bigelowiella natans, gen. et sp. nov., A Chlorarachniophyte Flagellate, in: J. Phycol., Band 37, S- 624–646, 2001

B. natans ist ein Modellorganismus für die Rhizaria. Die Chlorarachniophyten sind einzellige Meeresalgen mit komplexen Plastiden, d. h. Plastiden sekundären endosymbiotischen Ursprungs. B. natans ist ein wichtiges Objekt für das Studium dieser Supergruppe von meist einzelligen Eukaryonten.

Beschreibung

Die Zellen von B. natans sind im Prinzip doppelt begeißelt (bi-flagellat), aber das zweite Flagellum (die zweite Geißel) ist nur durch einen sehr kurzen Basalkörper vertreten. Die Replikation der Geißeln hat gezeigt, dass dieses rudimentäre Flagellum („Flagellum Nr. 1“) ein ausgereiftes Stadium ist – und dass sich das lange emergente Flagellum („Flagellum Nr. 2“) während der Zellteilung zunächst zu einem kurzen Basalkörper verkürzt.

Die Mitose ist offen (d. h., die Kernhülle wird dabei vorübergehend zerlegt) mit einem Paar Zentriolen an jedem Pol. Emergente (sichtbare) Geißeln sind während der Mitose nicht vorhanden.

Die Zellen können Zysten bilden, dabei bleiben die Basalkörper der Geißeln und ein Teil der Geißelwurzeln (en. ) in den Zysten erhalten. Von den Basalkörpern gehen vier Mikrotubulus-Wurzeln aus, wobei der Verlauf einer dieser Wurzeln sehr ungewöhnlich ist und sich von allen anderen bekannten Flagellaten (Geißeltierchen) stark unterscheidet. Es wurden keine gestreiften oder gerippten Wurzeln (en. ) beobachtet. Andere Feinstruktur-Merkmale der Zelle umfassen eine ebenfalls sehr ungewöhnliche Art von Pyrenoid und eine spezielle Art von Extrusom.

Die Zellen sind mixotroph.

Die Art ist in weltweit vertreten, sie wurde vor allem im Mittelmeer und im Indischen Ozean gefunden.Eva Kotabova, Ronald Malych, Juan José Pierella Karlusich, Elena Kazamia, Meri Eichner, Jan Mach, Emmanuel Lesuisse, Chris Bowler, Ondřej Prášil, Robert Sutak: Complex Response of the Chlorarachniophyte Bigelowiella natans to Iron Availability, in: ASM Journals, mSystems, Band 6, Nr. 1, 9. Februar 2001, doi:10.1128/mSystems.00738-20.

Plastid Das komplexe Plastid der Chlorarachniophyten-Zellen hat sich von einem Grünalgen-Endosymbionten, von dem es abstammt, neben dem eigentlichen (primären) Plastid den Rest dessen Zellkerns als Nucleomorph und dessen Zytoplasmas als Periplastidalraum (en. , PPC) erhalten.

Proteom und Genom Das Genom von B. natans war das erste Kern-Genom (Karyom, Genom des Zellkerns im Unterschied zu dem der Plastiden und Mitochondrien) von Rhizarien, das sequenziert wurde. Das Karyom hat eine Länge von 94,7 Mbp (Megabasenpaare) und kodiert für 21.708 Gene.

Durch das Vorhandensein eines komplexen Plastiden gibt es eine Vielfalt von im Zellkern kodierten Proteinen, die nicht nur auf das zelleigene Zytoplasma, sondern auch auf das innere d. h. eigentliche Plastid, das Nucleomorph und das PPC ausgerichtet sind (d. h. zu diesem jeweiligen Zielort transportiert werden). Die Analyse dieser Proteine (in ihrer Gesamtheit als Proteom bezeichnet) war die erste ihrer Art für eine Nucleomorph-tragende Alge. Sie führte zur mutmaßlichen Identifizierung von 324 Proteinen. Ungefähr 50 % dieser Proteine haben mutmaßliche zweiteilige Leader-Sequenzen (auch 5′-UTRs, en. ) an ihren Aminotermini (N-Termini). Kernkodierte Proteine machen mehr als 90 % der identifizierten Proteine aus. Die phylogenetische Analysen ergaben, dass viele, aber keineswegs alle Proteine offensichtlich von Grünalgen abstammen, was die Endosymbiontentheorie über ihren evolutionären Ursprung stützt.

Äußere Systematik In der Gattung Bigelowiella findet sich neben der Typusart B. natans noch die Schwesterspezies B. longifila .AlgaeBase: Bigelowiell Moestrup, 2001

Weblinks J. M. Archibald, M. B. Rogers, M. Toop, K.-i. Ishida, P. J. Keeling: Lateral gene transfer and the evolution of plastid-targeted proteins in the secondary plastid-containing alga Bigelowiella natans. In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the USA. Band 100, 2003, S. 7678–7683, doi:10.1073/pnas.1230951100

Einzelnachweise

Kategorie:Cercozoa