mini|hochkant=1.15|Verteilung der DHABs () im östlichen Mittelmeer (insbes. Ionisches Meer & Libysches Meer) mini|hochkant=1.15|Mittelmeerrücken (MedRidge) und MRAC () Das L’Atalante-Becken ist ein hypersaliner Salzsee () auf dem Grund des Mittelmeers etwa 193 km westlich der Insel Kreta. Es ist nach der L’Atalante benannt, einem französischen Mitglied der ozeanographischen Forschungsschiffe, die 1993 an seiner Entdeckung beteiligt waren. Das L’Atalante-Becken und seine Nachbarbecken Urania und Discovery sowie Thetis sind tiefe hypersaline anoxische Becken (en. ) und sind höchstens 35.000 Jahre alt. Sie entstanden durch Salzablagerungen von Messinischem Evaporit, die sich vom Mittelmeerrücken lösten und in abyssalen (sehr großen) Tiefen von ca. 3000 m ansammelten (en. , MRAC). L'Atalante ist das kleinste der drei genannten Becken; seine Oberfläche (Halokline) liegt etwa 3500 m unter dem Meeresspiegel. Ein weiteres ist das Bannock-Becken etwa 169 km im Südwesten.

Beschreibung mini|Vertikalschnitt eines DHABs (en. ). Halo­kline: Grenzschicht zw. dem über­la­gern­den Meer­wasser und der Sole (en. ). Sie ist durch Temperatur-, Salz­gehalts-, pH- und Sauer­stoff­gradienten gekenn­zeichnet. Der Salzgehalt des L’Atalante-Beckens ist mit 365 (Gramm pro Liter) nahezu gesättigt und etwa achtmal so hoch wie der des normalen Meerwassers. Wegen des damit verbundenen deutlich höheren spezifischen Gewichtes dieser Sole wird eine Vermischung mit dem sauerstoffhaltigen Wasser darüber verhindert; und die Sole ist völlig anoxisch (sauerstofffrei). Die Halokline (Grenzschicht) von etwa 1,5 m zwischen dem Meerwasser darüber und der Sole darunter ist sehr reich an spezialisierten Prokaryoten (Bakterien und Archaeen): Diese sind chemoautotroph, indem sie sich von Ammoniak aus der Sole ernähren; sie können aber ganz ohne Sauerstoff nicht überleben. Angehörige der anaeroben Methanoxidierer der Gruppe 1 (, ANME-1) und Haloarchaea – beides Verwandtschaftsgruppen innerhalb der Methanobacteriati (früher „Euryarchaeota“ i. w. S. oder „Euryarchaeida“) – sind nur in der Halokline zu finden. Wegen der extrem unterschiedlichen Bedingungen schafft es keine Organismengruppe in allen drei Zonen zu gedeihen. In der Sole gibt es weniger Zellen als in der Grenzschicht, es überwiegen extremophile Organismen, darunter Mitglieder der Archaeen-Klade DHVE (), der Archaeen-Gattung Methanohalophilus (Familie Methanosarcinaceae, Phylum Methanobacteriota), sowie Proteobakterien. Aber auch Eukaryoten sind in l’Atalante zu finden, darunter Ciliaten (Wimpertierchen, zu 45 % der Eukaryoten), Dinoflagellaten (Panzergeißler, 21 %) und Choanoflagellaten (Kragengeißeltierchen, 10 %).

Lebensformen im Sediment Die dunkelgrauen anoxischen Sedimente am Boden des L’Atalante-Beckens sind mit einer 1 cm dicken lockeren schwarzen Schicht bedeckt. Bei den in den Sedimenten gefundenen Mikroben handelt es sich fast ausschließlich (zu 90 %) um verschiedene Arten der Bakteriengattung Bacillus. Im Jahr 2010 wurden drei Arten vom Metazoen, die alle zum Stamm der Loricifera (Korsetttierchen) gehören, in den Sedimenten entdeckt, es handelt sich dabei um Spinoloricus cinziae sowie Spezies der Gattungen Rugiloricus und Pliciloricus; alle Vertreter der Korsetttierchen-Ordnung Nanaloricida. Es sind die ersten mehrzelligen Lebensformen, von denen bekannt ist, dass sie ganz ohne Sauerstoff leben.

Siehe auch Liste der Meerestiefs

Einzelnachweise Janet Fang: Animals thrive without oxygen at sea bottom In: Nature News, 6. April 2010; doi:10.1038/464825b ().

Sotirios Kokkalas, Paraskevas Xypolias, Ioannis Koukouvelas, Theodor Doutsos: Postcollisional contractional and extensional deformation in the Aegean region, in: Y. Dilek, S. Pavlides (Hrsg.): Postcollisional tectonics and magmatism in the Mediterranean region and Asia: Geological Society of America Special Paper 409, S. 97–123, doi:10.1130/2006.2409(06) (). Achim Kopf, Jan H. Behrmann: Extrusion dynamics of mud volcanoes on the Mediterranean Ridge accretionary complex, in: Geological Society, London, Special Publications, Nr. 174, S. 169–204, 1. Januar 2000, doi:10.1144/GSL.SP.1999.174.01.10 (). Achim Kopf, Jean Mascle, Dirk Klaeschen: The Mediterranean Ridge: A mass balance across the fastest growing accretionary complex on Earth, in: AGU Journal of Geophysical Research (JGR), Band 108, Nr. B8, Geomagnetism and Paleomagnetism/Marine Geology and Geophysics, 7. August 2003, doi:10.1029/2001JB000473 (). Violetta La Cono, Francesco Smedile, Giovanni Bortoluzzi, Erika Arcadi, Giovanna Maimone, Enzo Messina, Mireno Borghini, Elvira Oliveri, Salvatore Mazzola, Stephan L'Haridon, Laurent Toffin, Lucrezia Genovese, Manuel Ferrer, Laura Giuliano, Peter N. Golyshin, Michail M. Yakimov: Unveiling microbial life in new deep-sea hypersaline Lake Thetis. Part I: Prokaryotes and environmental settings. In: Environmental Microbiology, Band 13, Nr. 8, 25. April 2011, , S. 2250​–2268; doi:10.1111/j.1462-2920.2011.02478.x, PMID 21518212 ().

Weblinks Stephen Ornes: Animals without oxygen, underwater, ScienceNews for Students, 27. April 2010 Paul W. . J. van der Wielen, Henk Bolhuis, Sara Borin, Daniele Daffonchio, Cesare Corselli, Laura Giuliano, Giuseppe D'Auria, Gert J. de Lange, Andreas Huebner, Sotirios P. Varnavas, John Thomson, Christian Tamburini, Danielle Marty, Terry J. McGenity, Kenneth N. Timmis et al.: The Enigma of Prokaryotic Life in Deep Hypersaline Anoxic Basins. In: Science, Band 307, Nr. 5706, 7. Januar 2005, S. 121–123; doi:10.1126/science.1103569, PMID 15637281.

Kategorie:Geographie (Mittelmeer) Kategorie:Tiefseebecken Kategorie:Ionisches Meer Kategorie:Libysches Meer