mini|Karte mini|Vordergrund: deutsche 2-cm-Flak, Hintergrund: Bombardierung von Bir Hakeim durch die Luftwaffe Die Schlacht von Bir Hakeim (gemäß italienischer Phonetik Bir Hacheim, arab. بئر حكيم) war während des Zweiten Weltkriegs in Libyen ein Teil der deutsch-italienischen Offensiv-Operationen gegen die von den Alliierten gehaltenen Gazala-Stellungen westlich von Tobruk.

Vom 26. Mai bis zum 11. Juni 1942 griffen als Teil des Unternehmens Theseus italienische und deutsche Truppen die von einer Brigade der Forces Françaises Libres besetzte Wüstenoase Bir Hakeim an und benötigten trotz überlegener Kräfte fast zwei Wochen, um diese einzunehmen.

Ausgangslage

Der Weg zur Schlacht um Gazala Seit Dezember 1941 wurde die Insel Malta als letzter Stützpunkt der Royal Air Force im westlichen Mittelmeer intensiv von der deutschen Luftwaffe angegriffen. Hierdurch wurde es den Achsenmächten ermöglicht, große Mengen an Nachschub nach Nordafrika zu bringen, da für Angriffe auf deutsche und italienische Konvois nahezu nur noch die U-Boote der Royal Navy zur Verfügung standen. Bei einem Treffen von hochrangigen Vertretern der Achsenmächte am 1. Mai 1942 in Berchtesgaden wurde ein Angriff der italienisch-deutschen Streitkräfte in Nordafrika Ende Mai geplant. Durch Einnahme der Hafenstadt Tobruk und Vorrücken bis zur libyisch-ägyptischen Grenze sollten mögliche Stützpunkte, von denen eine Unterstützung der Insel Malta möglich gewesen wäre, weggenommen werden.Pallud: The Desert War 2012 S. 261–262

Auf der britischen Seite war Churchill zunehmend besorgt, dass schon im März oder April ein Angriff zur Eroberung von Malta erfolgen könnte. Er forderte von Claude Auchinleck, dem Befehlshaber der alliierten Streitkräfte in Nordafrika, einen umgehenden Angriff auf die Achsenstreitkräfte in der Kyrenaika. Dies lehnte Auchinleck mit der Argumentation ab, dass er nicht über eine ausreichende Truppenstärke und genügend Panzer verfüge, um eine solche Operation vor dem 1. Juni 1942 zu beginnen.Pallud: The Desert War 2012 S. 262–263

Die Gazala-Linie Die britische Strategie wurde durch Auchinleck festgelegt, nachdem man die Vorbereitungen der Panzerarmee Afrika sicher erkannt hatte. Man wollte den Angriff der Achsenkräfte in befestigten Stellungen abwarten und, nachdem die Achsenkräfte durch einen Angriff auf diese Stellungen erheblich geschwächt waren, zu einem vernichtenden Gegenangriff übergehen. Auch wurde schon am 20. Mai in einer Führungsbesprechung vermutet, dass Rommels Panzerarmee eine südliche Umgehung der inzwischen befestigten Gazala-Linie plante. Hierzu wurden Truppen der 1st und 7th Armoured Division im Süden an der Wüstenpiste Trigh Capuzzo westlich von El Adem positioniert.Pallud: The Desert War 2012 S. 267

Vom am Mittelmeer liegenden Ort Gazala verläuft eine Wüstenpiste, leicht nach Südosten ausgerichtet, über die ehemalige Oase und das zugehörige alte Wüstenfort Bir Hakeim weiter nach Süden. Im Norden, in einem großen Bogen westlich dieser Piste und im Süden entlang dieser Piste lagen die jeweiligen, zur Rundumverteidigung ausgebauten Verteidigungstützpunkte der alliierten Truppen.

Bir Hakeim war die südlichste dieser Abwehrstellungen (eine sogenannte »box«). Jede dieser sogenannten Boxen der Gazala-Linie wurde von einer alliierten Brigade gesichert.

Der Ablenkungsangriff Am Nachmittag des 26. Mai 1942 starteten die deutsch-italienischen Streitkräfte in Nordafrika in der Kyrenaika das Unternehmen Theseus mit dem Ziel, Tobruk zu erobern und die britischen Kräfte in der Gazala-Linie auszuschalten.Pallud: The Desert War 2012 S. 267–268 Der frontale Angriff auf die Gazala-Linie, der die britischen Kräfte binden und die Heranführung der Reserven veranlassen sollte, wurde vom italienischen XXI Corpo d’Armata, dem X Corpo d’Armata und der deutschen Schützen-Brigade 15 geführt. Zusätzlich war die Masse der verfügbaren Artillerie zur Verstärkung des Angriffs hinter diesen Truppen eingesetzt.Pallud: The Desert War 2012 S. 267

Beteiligte Truppenteile

Alliierte Truppenteile mini|Plan der Verteidigung 8. bis 10. Juni 1942 mit alliierten Einheiten Die zentrale Streitmacht der Alliierten in dieser Schlacht war die im Verteidigungsstützpunkt (der »Box«) Bir Hakeim liegende 1ére Brigade Française Libre unter dem Befehl des General Pierre Koenig, die zum XXX Corps des Lieutenant-General Charles Norrie der 8th Army gehörte.Pallud: The Desert War 2012 S. 265 Die Brigade traf am 14. Februar 1942 in Bir Hakeim ein und übernahm die bereits teilweise von den britischen Kräften ausgebauten Stellungen.

Gliederung:

Compagnie de QG 51 (Stabskompanie 51) unter Lieutenant Olivier

Premier groupement: 13e Demi-Brigade de Légion Étrangère (13. Halb-Brigade der Fremdenlegion) unter Lieutenant-Colonel Dimitri Amilakvari 2e Bataillon de Légion Étrangère (2. Bataillon der Fremdenlegion) unter Commandant Réne Babonneau 3e Bataillon de Légion Étrangère (3. Bataillon der Fremdenlegion) unter Commandant Puchais Deuxième groupement: Demi-Brigade Coloniale (Kolonialtruppen Halb-Brigade) unter Lieutenant-Colonel de Roux Bataillon de Marche no 2 (2. Marsch-Bataillon) unter Commandant Amiel Bataillon du Pacifique (Pazifisches Bataillon) unter Lieutenant-Colonel Broche 1er Bataillon d’Infanterie de Marine (1. Marineinfanterie-Bataillon) unter Commandant Savey 1er Régiment d’Artillerie (1. Artillerie-Regiment) unter Commandant Jean-Claude Laurent-Champrosay 1er Bataillon de Fusiliers-Marins (1. Marine-Füsilier-Bataillon) unter Capitaine de Corvette Amyot d’Inville 22e Compagnie Nord-Africaine (22. Nordafrikanische Kompanie) unter Capitaine Lequesne

Dazu kamen weiter eine Panzerabwehr-, eine Funk-, eine Pionier- und eine Kraftfahr-Kompanie. Zusätzlich dazu eine Werkstatt, ein Lazarett, ein großer Aufklärungstrupp und eine leichte Feld-Chirurgie. Die Ausrüstung umfasste neben einer größeren Zahl von Bren Carriern (63 Stück) und zwei britischen Haubitzen eine Anzahl britischer Lastkraftwagen. An Artillerie waren 54 Kanonen im Kaliber 75-mm vorhanden (Canon de 75 mm modèle 1897) von denen 30 für den Einsatz als Panzerabwehrkanonen eingerichtet waren. Weitere 14 Geschütze waren 47-mm-Panzerabwehrkanonen und 18 waren 25-mm-Panzerabwehrkanonen. Aus britischen Beständen hatte der Verband 86 Boys-Panzerbüchsen und 18 Flugabwehrgeschütze vom Typ 4-cm-Flak Bofors erhalten.

An Infanteriewaffen stand eine bunte Mischung aus Handfeuerwaffen zur Verfügung. Doch waren auch 44 Granatwerfer, 96 leichte Maschinengewehre und 76 schwere Maschinengewehr (darunter vier mit Doppelauf) im Gelände verteilt.

Deutsch-Italienische Truppenteile An den Kämpfen um den Stützpunkt Bir Hakeim beteiligten sich verschiedene Truppenteile der italienischen und der deutschen Kontingente der vom Generaloberst Erwin Rommel geführten Panzerarmee Afrika. Zum Einsatz kamen anfänglich italienische Truppen des XX Corpo d’Armato des Generale Ettore Baldassare und im weiteren Verlauf auch deutsche Truppenteile des Deutschen Afrikakorps geführt durch Generalleutnant Walther Nehring, die durch Teile der 90. leichte Afrika-Division verstärkt wurden.Pallud: The Desert War 2012 S. 264

Verlauf

Angriff der Divisione Ariete In der Planung der Operation Venezia bildete das italienische XX Corpo d’Armato den linken Flügel der Gruppe, welche die Gazala-Stellungen südlich durch die Wüste umgehen sollte. Am Nachmittag des 26. Mai begann die Operation mit dem Ablenkungsangriff des XXI und X Corpo d’Armato im Norden der Gazala-Linie. Gleichzeitig stießen die mobilen Kräfte nach Südosten vor. Nachdem General Koenig von den im Süden vorstoßenden Verbänden erfahren hatte, befahl er seinen Einheiten, sich auf einen Angriff vorzubereiten.

Als die Aufklärung der Panzerarmee Afrika zeigte, dass Bir Hakeim mit einer starken Besatzung gehalten wurde, erhielt die Divisione Ariete am Morgen des 27. Mai gegen 9:00 Uhr den Befehl von Südosten vorstoßend, diesen südlichen Eckpfeiler der Stellungslinie zu erobern. Gegen 9:30 Uhr ließ General De Stefanis, sein 132º Reggimento carri (Panzer-Regiment 132), 8º Reggimento bersaglieri (8. Bersaglieri-Regiment) und sein 132º Reggimento Artiglieria Corazzata (Panzerartillerie-Regiment 132) in zwei Wellen von Südosten auf Bir Hakeim vorrücken. Nur sechs der italienischen Panzer gelang es durch die Minensperren und das Abwehrfeuer bis an die französischen Linien heranzukommen. Sie standen unmittelbar vor der Stellung der 5e Compagnie des 2e Bataillon, deren Kommandeur Capitaine René Morel, schon den Wimpel seiner Einheit und Dokumente verbrannte. Doch rettete der direkte Beschuss der französischen 75-mm-Kanonen des Sergant-Chef Walter Grand die Situation und zwang die italienischen Panzerbesatzungen sich zu ergeben.

Ein italienischer Versuch, die Abwehrfront durch ein Ausholen nach Norden aus der Flanke anzugreifen, endete im großen, V-förmigen Minenfeld im Nordosten. Die Kräfte der Division waren gezwungen, sich zurückzuziehen und hinterließen 31 zerstörte und beschädigte Panzer und eine Selbstfahrlafette auf dem Schlachtfeld. Es waren 15 italienische Soldaten getötet und 10 weitere verwundet worden. Zu den Verlusten kamen 76 Soldaten, welche die Franzosen gefangen nahmen.

Ohne jegliche eigene Verluste war von der freifranzösischen Brigade dieser erste, nur 45 Minuten dauernde Angriff abgewehrt worden. Die italienischen Kräfte hatten dabei mehr als die Hälfte der eingesetzten Panzer verloren. Von den Panzern der 1ª Compagnia des X Battaglione des 132º Reggimento carri kehrte nur ein einziger aus diesem Gefecht zurück.

Nachdem erkannt war, dass der Angriff auf Bir Hakeim mit den vorhandenen Kräften aussichtslos war, verlegten sich die Reste des 132º Reggimento carri und der begleitenden Einheiten in den Raum Bir el Hamat, etwa 25 Kilometer nördlich von Bir Hakeim, wo die Division Ariete gesammelt wurde.

Die Belagerung Die Verbände der Achsenmächte führten erfolgreicher, doch mit Verlusten, die Angriffe im Norden der Front aus. Die Commonwealth-Truppen nutzten für die Verzögerung die Überzahl der britischen Panzer. Die alliierten Truppen in Bir Hakeim bedrohten die Nachschub- und mögliche Rückzugslinie der in der südlichen Umgehung vorgestoßenen Achsentruppen.

Auch die Zerschlagung der britischen 150th Infantry Brigade am 1. Juni änderte diese Situation nicht. Die Bedrohung durch eine alliierte Brigade hinter den eigenen Linien konnte das Afrika Korps nicht riskieren. Die Divisionen duften nicht weiter nach Osten vorstoßen, sondern wurden die sichernden italienischen Kräfte durch die Zuführung von Verbänden des Afrika Korps verstärkt.

Noch am 1. Juni begannen die Luftstreitkräfte der Achsentruppen mit den Angriffen auf die Stellungen bei Bir Hakeim. Bis zum 2. Juni gingen die Einheiten der motorisierten, italienischen Division Triest, der 90. Leichten Division und 3 Aufklärungsregimenter der Division Pavia mit ihren Panzerfahrzeugen um Bir Hakeim in Bereitstellung.

Der am Morgen des 2. Juni beginnende vorsichtige Vorstoß der belagernden Verbände wurde von der Garnison von Bir Hakeim gegen 8 Uhr erkannt. Aus nördlicher Richtung stießen deutsche Verbände vor und aus südlicher Richtung italienische Kräfte. Vor den Linien des 2e Bataillon Légion Étrangère erschienen gegen 10:30 Uhr zwei italienische Offiziere und überbrachten ein Ultimatum für eine Kapitulation, welche jedoch von General Koenig abgelehnt wurde.

Daraufhin begann am 2. Juni ein massiver Beschuss durch deutsche und italienische Artillerie, bei dem alleine über 40 000 Artilleriegranaten im Kaliber 105 bis 220 mm auf die Stellungen abgegeben wurden. Mit den vorhandenen Artilleriewaffen erwiderten die belagerten Verbände diesen Beschuss. Weiterhin kamen auch die Luftstreitkräfte der Achsenmächte zu vielen Einsätzen über Bir Hakeim. Alleine die deutschen Stuka-Verbände wurden zwanzig mal auf Bir Hakeim angesetzt.