mini|Hocktoilette in einem chinesischen Wagen

Zugtoiletten sind Teil der Sanitärtechnik in Reisezügen.

Geschichte Züge ohne Toilette mini|Die Fallrohrtoilette im Salonwagen: Hans Gabriel Jentzsch: Hohe Ehre. Der Extrazug mit dem Salonwagen hatte die Station im schnellsten Tempo passiert. Obwohl alles begeistert die Hälse reckte und Hurra schrie, war von Serenissimus nichts zu sehen. Er saß gerade in stiller Klause. Der kleine Bahnhof aber behielt ein köstliches Andenken an den hohen Besuch. Zwischen den Schienen war es liegen geblieben.Der Wahre Jakob, Jahrgang 1905, S. 4890.

In der Anfangszeit der Eisenbahn, bei eher kurzen Strecken und Fahrzeiten, gab es in Eisenbahnfahrzeugen noch keine Toiletten. Analog zum Verkehr mit Postkutschen mussten Reisende stationäre Anlagen in den Bahnhöfen nutzen. 1850 legte die Techniker-Versammlung des Vereins Deutscher Eisenbahn-Verwaltungen fest, dass an allen Bahnhöfen „Perron-Abtritte“ einzurichten seien. Diese Anlagen waren mit die ersten öffentlichen Toiletten. Auf großen Bahnhöfen wurden auch Systeme entwickelt, um die in erheblichen Mengen anfallenden Fäkalien zu sammeln und zu entsorgen.Stiegelmaier, S. 26.

Die ersten in Eisenbahnwagen eingebaute Toiletten finden sich in Salonwagen. Ein frühes erhaltenes Beispiel findet sich im Salonwagen König Ludwigs II. von Bayern (heute im Verkehrsmuseum Nürnberg). Anfangs wurden Toilettenstühle eingebaut, später Fallrohrtoiletten.Stiegelmaier, S. 27.

Einführung der Zugtoilette Mitte des 19. Jahrhunderts wuchs das Streckennetz rasant, damit auch die Zeit, die Reisende im Zug verbrachten, die Zugtoilette wurde zu einem drängenden Problem. Toiletten in Fahrzeugen für den öffentlichen Verkehr einzubauen, erschienen den Bahnverwaltungen problematisch. Die Züge bestanden in Europa in der Regel aus Abteilwagen ohne Seitengang. Reisende konnten das Abteil also nur verlassen, wenn der Zug stand. Diese Situation führte zu sehr unappetitlichen Szenen. Eine Toilette für jedes Abteil einzubauen, hätte zu viel Platz verbraucht. Letztendlich konnte dieses Problem erst befriedigend behoben werden, als ab dem Ende des 19. Jahrhunderts Durchgangswagen eingeführt wurden. Als Zwischenstufe wurden ab den 1860er Jahren vermehrt eine oder zwei Toiletten in Packwagen eingebaut. Reisende mussten beim Halt des Zuges in den Packwagen umsteigen und – nach Erledigung des Geschäfts – bei einem weiteren Halt in ihr Abteil zurückkehren. Deshalb musste vor der Toilette noch ein entsprechender Warteraum vorhanden sein.Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. 1878, S. 98. Die Umständlichkeit beim Benutzen dieser Toiletten führte offensichtlich dazu, dass sie nur in den allerdringensten Fällen aufgesucht wurden oder – so die umgekehrte Feststellung: Die Benützung dieser Retirade durch das reisende Publikum ist eine äußerst seltene.Kunz, S. 48.

Auch bei den Aborten in Packwagen kamen zunächst Toiletteneimer zum Einsatz bis auf das Fallrohr umgestiegen wurde.Stiegelmaier, S. 28. 1868 besaßen von 52 Bahnverwaltungen in Deutschland 23 Fahrzeuge mit Toiletten, 15 davon im Packwagen. In Österreich führte ab 1869 die Kaiser-Ferdinands-Nordbahn als erste Zugtoiletten ein, zunächst in den Wagen 1. und 2. Klasse.Alfred Horn: Die Bahnen Österreich-Ungarns 2: Die Kaiser Ferdinands-Nordbahn. Bohmann, Wien 1971, S. 323.

In den USA, wo Reisen über noch längere Strecken führten, wurden dagegen von Anfang an Großraumwagen eingesetzt und Toiletten eingebaut, so dass sich hier dieses Problem nicht stellte. In Deutschland setzten einzig die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen auf dieses „amerikanische System“. Die Wagen hatten Übergänge untereinander, so dass die Reisenden auch während der Fahrt zur und von der Toilette im Packwagen gelangten.Stiegelmaier, S. 28 f.

Die übrigen Bahnen in Europa behielten dagegen das Abteil-System bei und versuchten, den Zugang der Toilette dadurch zu verbessern, dass diese zwischen zwei aneinander grenzende Abteile eingebaut wurde und in einigen Fällen zudem von außen betreten werden konnte. Das erforderte aber mehrere Toiletten pro Wagen und viel Platz. Außerdem spielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts das Schamgefühl eine erhebliche Rolle: Es war Reisenden peinlich, vor den Augen anderer eine Toilette zu betreten.Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen. 1880, S. 894F. Die Lösung brachte letztendlich erst der Durchgangswagen.tiegelmaier, S. 30.

Barrierefreie Toiletten wurden bei den Bahnen ab der Mitte der 1980er Jahre eingeführt.Stiegelmaier, S. 34.

Ausstattung mini|Die Accessoires der Zugtoilette am Ende des 20. Jahrhunderts: Papier­handtücher, Toilettenpapier, Wasch­becken und sapor-Seifenspender

Die Toiletten waren anfangs je nach Wagenklasse unterschiedlich ausgestaltet und nach Geschlechtern getrennt.Eisenbahndirektion Mainz (Hg.): Sammlung der herausgegebenen Amtsblätter, 2. März 1901, 5. Jahrgang, Nr. 9, Bekanntmachung Nr. 93, S. 55: In Durchgangszügen boten die Preußischen Staatseisenbahnen mindestens ein Toilettenpaar in 1./2. Klasse und eins in 3. Klasse (soweit der Zug 3. Klasse führte) an, die für geschlechtsgetrennte Nutzung ausgewiesen wurden. Vorbild für die Gestaltung waren zunächst häusliche Toiletten. So waren Zugtoiletten zum Beispiel gekachelt. Zur Ausstattung gehörten Toilettenpapier, ein Handwaschbecken mit einem Kasten für Papierhandtücher und ein Seifenspender. Eine Design-Ikone war der Trockenseifenspender von sapor in den Wagen der Deutschen BundesbahnStiegelmaier, S. 29, 33., während die Deutsche Reichsbahn auf Flüssigseifenspender setzte. Heute ist im Allgemeinen Flüssigseife üblich, seit der COVID-19-Pandemie auch Spender für Desinfektionsmittel.Stiegelmaier, S. 33.

Traditionell sind die Fenster von Zugtoiletten mit Milchglasfolie beklebt, um Blickdichtigkeit zu gewährleisten. Um den Benutzern dennoch zu ermöglichen, nach draußen zu schauen, etwa um festzustellen, wo sie sich gerade befinden, sind in diese häufig kleine durchsichtige Aussparungen integriert. Besitzt die Toilette ein Übersetzfenster, ist dies in der Regel mit einer mechanischen Sperre ausgestattet, so dass es – statt wie üblich bis zur Hälfte – nur im oberen Viertel geöffnet werden kann. Modernere Zugtoiletten wiederum weisen gar keine Fenster mehr auf.

Zum geschlossenen System Ende des 20. Jahrhunderts war das Plumpsklo anachronistisch. Mit dem „Fäkalienprozeß“, der 1991 vor dem Landgericht Itzehoe begann und sich in zweiter Instanz vor dem Oberlandesgericht Schleswig fortsetzte, wurde das auch juristisch festgestellt: Eigentümer von unter der Hochbrücke Hochdonn gelegenen Grundstücken klagten wegen der Verschmutzung gegen die Deutsche Bundesbahn und gewannen den Zivilprozess 1995: Der Bahn wurde untersagt, weiterhin Fäkalien und anderen Abfall auf die Grundstücke fallen zu lassen.Stiegelmaier, S. 32. Die Bahn reagierte darauf zunächst, indem sie vor Befahren der Hochdonn-Brücke und der Rendsburger Hochbrücke vom Zugpersonal die Toiletten abschließen ließ.Schaffner müssen Zugtoiletten dichtmachen. In: Spiegel.de vom 28. März 2000; abgerufen am 18. August 2024.

Wegen der damit verbundenen Kosten weigerte sich die Deutsche Bundesbahn lange, auf technisch aufwändigere und kostspieligere geschlossene Systeme zu wechseln, obwohl sie ab den 1970er Jahren Versuche dazu durchführte. Die Umstellung geschah erst mit Einführung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs. Da bei hohen Geschwindigkeiten und sich begegnenden Zügen erheblicher Luftdruck aufgebaut wird, müssen diese Züge druckdicht sein, dürfen also auch kein Fallrohr mehr haben. Im Tunnel funktionierte das Fallrohr-System auch nicht mehr, sondern der Toiletteninhalt schoss durch die Druckwelle der Zugbegegnung in die entgegengesetzte Richtung. Das zwang zum geschlossenen System. Bei der Deutschen Bundesbahn wurden sie ab 1987 eingebaut.Kunz, S. 48.

In Großbritannien blieben Fallrohrtoiletten bis Ende 2019 im Gebrauch. Ein Plan zum Schutz aller Eisenbahnarbeiter und zur Verringerung der Risiken für die öffentliche Gesundheit wurde verzögert umgesetzt, da mehrere Betreiber Ausnahmen beantragten.

mini|Barrierefreie Toilette in der japanischen Shinkansen-Baureihe E6

Technische Aspekte mini|Mehrsprachiger Hinweis Während des Aufenthaltes auf Bahnhöfen ist die Benutzung des WC nicht gestattet, Wagen der Polnischen Staatsbahn

Unumgänglich war in den mit Fallrohr ausgestatteten Toiletten der dort stets angebrachte Hinweis, dass diese beim Halt an Stationen aus hygienischen Gründen nicht genutzt werden dürfe.Stiegelmaier, S. 31. Teilweise galt dieses Verbot auch für BrückenUnter Druck – Die Geschichte der Zugtoilette auf dbmuseum.de, abgerufen am 14. Mai 2026 oder Tunnel.

Die ersten Fallrohrtoiletten hatten noch keine stationäre Wasserspülung. In der Kabine stand eine Kanne mit Wasser, mit dem die Nutzer im Bedarfsfall nachspülen konnten. Diese Kannen wurden auch noch lange Zeit beibehalten, nachdem in die Wagen unter dem Dach Wassertanks für Spülung und Waschbecken eingebaut waren, damit auch bei starkem Frost oder leerem Tank gespült werden konnte. Mit den Wassertanks unter dem Dach kamen auch Armaturen auf, über die die Reisenden die Spülung auslösen konnten. Ab Mitte des 20. Jahrhunderts waren das vermehrt Pedale.

Die Deutsche Bundesbahn nutzte, als sie das geschlossene System ab den 1980er Jahren sukzessive einführte, eine Vakuumtoilette, die ursprünglich der Schwede Joel Liliendahl in den 1950er Jahren entwickelt und dann an Electrolux verkauft hatte. Die schwedische Staatsbahn, Statens Järnvägar (SJ), war eine der ersten Bahnen, die Vakuumtoiletten einführten und damit Vorbild auch für die Deutsche Bundesbahn.

Technik Bei klassischen Wagenzügen sind Toiletten oft an den Wagenenden angeordnet. In modernen Triebwagen gibt es dagegen oft nur eine Toilette für mehrere Wagen. Mit dem Rollstuhl befahrbare, also barrierefreie Toiletten erfordern eine größere Fläche und ausreichend breite Zugänge, weshalb sie nicht in jedem Wagen vorhanden sind.

In einigen Ländern werden auch Triebfahrzeuge mit Toiletten ausgerüstet. Dies ist insbesondere in Netzen mit langen Laufwegen in dünnbesiedelten Gebieten der Fall. Beispiele finden sich u. a. in Skandinavien.

Grundsätzlich wird zwischen offenen und geschlossenen Toilettensystemen unterschieden. Erstere entsorgen die Toilettenabfälle direkt auf die Gleisbettung. Bei letzteren werden die Toilettenabfälle im Fahrzeug gesammelt, um an einer dafür vorgesehenen Eisenbahninfrastruktur entleert zu werden.Norm DIN EN 16922:2019-09 Bahnanwendungen–Versorgungsdienste–Fahrzeugabwasserentsorgungseinrichtungen

Spüleinrichtung

Toilettensysteme besitzen heute in der Regel eine Spüleinrichtung, um die Fäkalien aus der Toilettenschüssel zu entfernen und diese möglichst sauber zu hinterlassen. Bei Toiletten mit Wasserspülung wird die Toilettenschüssel entweder mit Frischwasser oder bei Umwälzspültoiletten mit Schwarzwasser gespült. Heute werden Gravitations- und Vakuumsysteme eingesetzt, wobei letztere überwiegen. In Wagen ohne eigene Wasserbehälter, beispielsweise Schmalspurwagen, gibt es auch Fallrohrtoiletten ohne Spüleinrichtung. Ein Beispiel sind die Harzer Schmalspurbahnen.

Fallrohrtoilette Die traditionelle Methode, Toilettenabfälle aus Zügen zu entsorgen, besteht darin, diese durch eine Fallrohrtoilette („Plumpsklo“) auf die Gleisbettung fallen zu lassen.Druck im Tunnel In: Der Spiegel, 27. Juli 1986, abgerufen am 30. November 2021. Dies reicht von einem Loch im Boden bis hin zu einem vollflächigen System (evtl. mit Sterilisation). Es handelt sich somit um ein offenes Toilettensystem, da es Toilettenabfälle unbehandelt direkt an die Umwelt abgibt. Fallrohrtoiletten werden in vielen Teilen der Welt immer noch verwendet, insbesondere bei älteren Schienenfahrzeugen. Der Hauptnachteil ist, dass sie hinsichtlich Hygiene, Gesundheit und Umwelt gefährdend sind und zudem den Oberbau verunreinigen.