mini|Manfred Knoche im Jahr 2016Foto Monique Wernbacher Manfred Knoche (* 24. September 1941 in Stralsund) ist ein deutscher Publizistik- und Kommunikationswissenschaftler sowie Hochschullehrer. Von 1994 bis zu seiner Emeritierung 2009 war er als ordentlicher Universitätsprofessor für Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Medienökonomie am Fachbereich Kommunikationswissenschaft der Paris-Lodron-Universität Salzburg tätig. Seine wissenschaftlichen Spezialdisziplinen sind Medienökonomie, Medienkonzentration und Kritik der politischen Ökonomie der Medien.
Akademische Laufbahn Manfred Knoche studierte von 1967 bis 1972 Publizistik, Geschichte, Soziologie und Politikwissenschaft an der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz. 1972 wechselte er an das Institut für Publizistik der Freien Universität Berlin (FU Berlin), wo er das Studium der Publizistik- und Kommunikationswissenschaft, Soziologie, Politikwissenschaft und Wirtschaftswissenschaft 1973 mit Mag. phil. abschloss. 1978 promovierte er an der FU Berlin zum Dr. phil. Von 1974 bis 1979 war er Universitätsassistent am Institut für Publizistik der FU Berlin und von 1979 bis 1983 dort Assistenzprofessor mit dem Arbeitsschwerpunkt „Kommunikationspolitik und Kommunikationsforschung“. 1981 erfolgte seine Habilitation mit der Verleihung der Lehrbefugnis für das Fach Publizistik- und Kommunikationswissenschaft.
1983 wechselte er als Universitätsprofessor für Kommunikationswissenschaft und Direktor des Zentrums für Massenkommunikationsforschung an die Vrije Universiteit Brussel. 1994 folgte er dem Ruf an die Paris-Lodron-Universität Salzburg als Ordentlicher Universitätsprofessor für Publizistik und Kommunikationswissenschaft mit besonderer Berücksichtigung der Medienökonomie. Bis zu seiner Emeritierung 2009 war er Leiter der Abteilung Medienökonomie und Empirische Kommunikationsforschung am Institut für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft bzw. am späteren Fachbereich Kommunikationswissenschaft.
Im Sommersemester 1982 vertrat er eine Journalistik-Professur an der Universität Hamburg. Im darauffolgenden Wintersemester lehrte er als Gastdozent an der Universität Salzburg. Während seiner Zeit in Brüssel nahm Knoche Gastprofessuren an der FU Berlin (1984 bis 1986) und der Universität Leipzig (1991) wahr.
Forschungsschwerpunkte Die zentralen Forschungsschwerpunkte von Manfred Knoche sind:
Medienmärkte / Medienkonzentration Kritik der Politischen Ökonomie der Medien Digitalisierung / Restrukturierung / Transformation der Medienindustrie Medienökonomie und Medienpolitik sowie Massenmedien und Politik (Politische Kommunikation) Nicht-kommerzielle alternative Medien Medieninhaltsanalyse und Medienwirkungsforschung Wissenschaftskommunikation und Open Access
Forschung an der Universität Mainz (1967–1972)
In seiner Mainzer Zeit konzentrierte sich Manfred Knoche auf inhaltsanalytische Untersuchungen zur Tagespresse und veröffentlichte als Student seine ersten beiden wissenschaftlichen Publikationen in der renommierten Fachzeitschrift Publizistik,Vgl. Manfred Knoche: Kommentar und Kritik im Lokalteil der Tagespresse in der Bundesrepublik Deutschland. Eine pressestatistische und inhaltsanalytische Untersuchung. In: Publizistik. Jg. 13, Nr. 2–4, 1968, S. 348–359. Vgl. Manfred Knoche, Winfried Schulz: Folgen des Lokalmonopols von Tageszeitungen. Eine vergleichende Analyse des Lokalteils von Monopol- und Wettbewerbszeitungen. In: Publizistik. Jg. 14, Nr. 3, 1969, S. 298–310. die „Fragestellungen und methodische Ausrichtung der späteren Mainzer Schule spiegeln“.
Forschungsschwerpunkte an der Freien Universität Berlin (1972–1983)
In seiner Berliner Zeit beschäftigte er sich vor allem mit Forschungen zur Presseökonomie und Pressekonzentration, zur Entwicklung elektronischer Medien und den Auswirkungen dieser damals neuen Informations- und Kommunikationstechniken auf die Presse sowie mit der Analyse der Jugendpresse.
Die Analyseverfahren und Ergebnisse seiner vielfältigen Forschungsarbeiten zum Zusammenhang von publizistischer und ökonomischer Konzentration im Pressebereich bildeten die Basis seiner Dissertation „Einführung in die Pressekonzentrationsforschung. Theoretische und empirische Grundlagen – Kommunikationspoltische Voraussetzungen.“
Zusammen mit dem Kommunikationswissenschaftler Jörg Aufermann, dem Wirtschaftstheoretiker Bernd-Peter Lange und dem Medienökonomen Axel Zerdick führte Manfred Knoche im Rahmen des kommunikationswissenschaftlichen und -politischen Forschungsprogramms der Bundesregierung Deutschland das interdisziplinäre Forschungsprojekt über die „Entwicklung der AV-Medien unter dem Aspekt intermediärer Konkurrenz und Konzentration auf nationaler und supranationaler Ebene“ durch.
Als dritter Forschungsstrang kann die Durchführung des mehrjährigen Projekts „Nicht-kommerzielle Jugendpresse in der Bundesrepublik Deutschland“ (1975 bis 1980) genannt werden. Die „Projektgruppe Jugendpresse“ leistete Pionierarbeit, indem sie erstmals alle in der BRD und Berlin erscheinenden Jugendzeitungen und -zeitschriften erfasste und Daten zur Situation der Jugendpresse-Redakteure und -Leser erhob. Die Ergebnisse des methodisch anspruchsvollen und aufwendigen Projektes wurden in vier Bänden veröffentlicht.Band 1: Jugendpresse in Deutschland (zus. mit Monika Lindgens und Micheal Meissner, Volker Spiess, Berlin, 1979), Band 2: Redakteure der Jugendpresse (zus. mit Thomas Krüger und Monika Lindgens, Volker Spiess, Berlin, 1979), Band 3: Die Leser nicht-kommerzieller Jugendpresse (zus. mit Monika Lindgens und Helmut Völkel), Band 4: Erscheinungsbild und Inhaltsstruktur von Jugendzeitschriften (zus. mit Monika Lindgens, R.G. Fischer, Frankfurt, 1983).
Forschungsschwerpunkte an der Vrije Universiteit Brüssel (1983–1994)
Entwicklungen und Auswirkungen neuer Kommunikationstechnologien auf die Medienindustrie bildeten seinen Forschungsschwerpunkt an der Vrije Universiteit Brussel in den 1980er Jahren. Allem voran stand hier das groß angelegte empirische FAST COM 2-Projekt „Impact of New Communication Technologies on Media Industry in the EC-Countries“Impact of New Communication Technologies on Media Industry in the EC-Countries. Final Report FAST COM-2-Project. Commission of the European Communities, Brussels 1987. Unveröffentlichter Forschungsbericht. im Rahmen des Forschungsprogramms FAST (Forecasting and Assessment in Science and Technology) der Kommission der Europäischen Gemeinschaften. Kern dieses Projekts waren die Beiträge eines Experten-Netzwerks von Wissenschaftlern aus allen (damals zehn) Mitgliedstaaten der EG sowie aus den USA und Japan zur Zukunft elektronischer Massenmedien. Lange Zeit bevor in der Medien- und Kommunikationswissenschaft die Entwicklung der Medienindustrie unter dem Stichwort „Digitalisierung“ diskutiert wurde, war dieses Projekt auf die (zukünftige) Entwicklung „Neuer Medientechnologien“ und die Wirkung „Neuer Massenmedien“ konzentriert.
Das im Rahmen des Forschungsschwerpunkts „Medienwirkungen“ der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Freien Universität Berlin durchgeführte langfristige empirische Forschungsprojekt zur Medienwirkungsforschung (1983–1990) diente zum einen der Integration von kommunikations- und politikwissenschaftlichen Ansätzen, zum anderen der Methodenkombination von langfristigen Inhaltsanalysen und Panel-Befragungen, die als dynamisches Modell spezifiziert worden sind. Schließlich wurde zum Forschungsfeld „Politik und Massenmedien“ erstmals die massenmediale politische Kommunikation im Kontext einer „neuen kleinen oppositionellen“ Partei (DIE GRÜNEN) in den Vordergrund gestellt.Vgl. Manfred Knoche: Politikvermittlung und Wahlkampfkommunikation zu den GRÜNEN in Deutschland (1983–1990). Der Einsatz eines Mehrmethodendesigns für die Langzeitanalyse. In: Hans Bohrmann, Otfried Jarren, Gabriele Melischek, Josef Seethaler (Hrsg.): Wahlen und Politikvermittlung durch Massenmedien. Westdeutscher Verlag. Opladen 2000, S. 175–189. Vgl. Manfred Knoche, Monika Lindgens, Eva Schabedoth, Axel Zerdick: Nicht-Veränderung als langfristige Medienwirkung. Einfluß der Presse auf Vorstellungen und Einstellungen zur Politik der Grünen. In: Winfried Schulz (Hrsg.): Medienwirkungen. Einflüsse von Presse. Radio und Fernsehen auf Individuum und Gesellschaft. Untersuchungen im Schwerpunktprogramm „Publizistische Medienwirkungen“. VCH, Acta Humaniora, Weinheim 1992, S. 121–141. Vgl. Manfred Knoche, Monika Lindgens: Grüne, Massenmedien und Öffentlichkeit. In: Joachim Raschke (Hrsg.): Die Grünen. Wie sie wurden. was sie sind. Bund-Verlag, Köln 1993, S. 742–768.
Anfang der 1990er Jahre forschten die beiden Medienökonomen Manfred Knoche und Axel Zerdick, die schon in den 1970er und 1980er Jahren an der FU Berlin intensiv zusammengearbeitet hatten, umfangreich zum Pressevertriebssystem des Postzeitungsdienstes.Vgl. die von Manfred Knoche und Axel Zerdick als Diskussionsbeiträge des Wissenschaftlichen Instituts für Kommunikationsdienste WIK Bad Honnef (Projektförderer) veröffentlichten vier Forschungsberichte: Bedeutung des Postzeitungsdienstes und Preiserhöhungsakzeptanz in der Bevölkerung 1991. Die Wirtschaftlichkeit der Verlage und der Postzeitungsdienst 1991. Postzeitungsdienst und alternative Zustellformen im Vertriebssystem der Presse 1992. Strukturanalysen zur medienpolitischen und ökonomischen Bedeutung des Postzeitungsdienstes 1992.
Forschungsschwerpunkte an der Universität Salzburg (1994 – heute)
Auch an der Universität Salzburg führte Manfred Knoche geförderte empirische Forschungsprojekte durch, unter anderem zur Analyse des Postzeitungsdienstes in ausgewählten europäischen Ländern.Vgl. Manfred Knoche, Axel Zerdick: Pressepost in Europa. Postleistungen für Zeitungen und Zeitschriften in ausgewählten europäischen Ländern. 1995. Unveröffentlichter Forschungsbericht. zu kartellrechtlichen Regelungen für Fusionen und Kooperationen im Bereich Presse und Pressegroßhandel in Europa und den USAVgl. Manfred Knoche, Axel Zerdick: Vergleich der kartellrechtlichen Regelungen und ihrer Rechtsanwendung für Fusionen und Kooperationen im Bereich Presse und Pressegroßhandel in Europa und den USA. 2002. Unveröffentlichter Forschungsbericht. sowie zur Entstehung und Entwicklung freier nicht-kommerzieller Radios.Vgl. Manfred Knoche, Wolfgang Hirner (Heftverantwortlichkeit): Medien Journal 4/2003 Themenheft: Freie Radios als Alternative. Vgl. Manfred Knoche: Freie Radios – frei von Staat, Markt und Kapital(ismus)? Zur Widersprüchlichkeit Alternativer Medien und Ökonomie. In: Medien Journal. Nr. 4, 2003, S. 4–19.