mini|hochkant=1.32|Stolpersteine für Familie Klinger Die Liste der Stolpersteine in Leoben enthält Stolpersteine, die an das Schicksal der Menschen erinnern, die von den Nationalsozialisten in Leoben ermordet, deportiert, vertrieben oder in den Suizid getrieben wurden. Die Stolpersteine werden in der Regel von Gunter Demnig verlegt und liegen vor dem letzten selbstgewählten Wohnsitz des Opfers.

Die erste Verlegung in dieser Stadt erfolgte am 27. November 2018.

Liste der Stolpersteine

In der Bezirkshauptstadt Leoben wurden 26 Stolpersteine an elf Adressen verlegt. Stolperstein Inschrift Verlegeort Name, Leben 120pxHIER WOHNTEALOISANDREJOWITSCHJG. 1931DEPORTIERT 1944JUGEND-KZ MORINGENBEFREIT Nagelschmiedgasse 7Göss (1931–?) 120pxHIER WOHNTECÄCILIAANDREJOWITSCHGEB. HENÖKLJG. 1909IM WIDERSTAND / KPÖVERHAFTET 11.7.1944VON GESTAPO MISSHANDELTDEPORTIERT 1944 RAVENSBRÜCKTODESMARSCH 1945MALCHOW / GEFLOHEN Nagelschmiedgasse 7Göss , geborene Henökl(1909–?) 120pxHIER WOHNTEFERDINANDANDREJOWITSCH SEN.JG. 1899IM WIDERSTAND / KPÖÖSTERR. FREIHEITSFRONTVERHAFTET 1934'SCHUTZHAFT' 1944VON GESTAPO MISSHANDELTDEPORTIERT 1944MAUTHAUSEN, BEFREIT Nagelschmiedgasse 7Göss (1899–?) 120pxHIER WOHNTEFERDINANDANDREJOWITSCHJG. 1930DEPORTIERT 1944JUGEND-KZ MORINGENBEFREIT Nagelschmiedgasse 7Göss (1930–?) 120px HIER WOHNTEMATHILDE AUFERBAUERGEB. MACHERJG. 1908IM WIDERSTAND (KPÖ)ÖSTERR. FREIHEITSFRONTVERHAFTET 12.7.1944DEPORTIERT 1944RAVENSBRÜCKFLUCHT APRIL 1945DÄNEMARK, SCHWEDEN Franz Josef-Straße 14 , geborene Macher, wurde am 15. Februar 1908 in Sankt Peter-Freienstein im Bezirk Leoben geboren. Ihre Eltern waren der Donawitzer Fabriksarbeiter Jakob Macher und seine Frau Agnes. Sie wurde Kindergärtnerin, schloss sich der KPÖ an und engagierte sich im Widerstand – bereits gegen den Ständestaat, später gegen die Hitler-Diktatur. Am 15. Dezember 1935 heiratete sie den Buchhändler und Verleger Karl Auferbauer. Sie beteiligte sich in der Leobner Widerstandsgruppe, half bei Herstellung und Verbreitung von Propagandamaterial und stellte ihre Wohnung zur Verfügung – für geheime Treffen und als Unterkunft für Verfolgte. Da Mathilde Auferbauer an Rückenproblemen litt, ließ sie diese in Bad Tatzmannsdorf kurieren. Die Gestapo spürte sie im Juli 1944 im Kurort auf, verhaftete, verschleppte, verhörte und folterte sie:

Die Lähmungserscheinungen blieben. Von November 1944 bis April war sie im KZ Ravensbrück interniert. Sie wurde mit der Nummer 85.228 registriert und war durchgehend im Krankenrevier untergebracht. Die Linkswende schreibt, sie habe nur dank der Opferbereitschaft ihrer Mitgefangenen überlebt.Linkswende jetzt!: Revolutionäre Frauen: Mathilde Auferbauer, 7. März 2018, abgerufen am 13. August 2021. Im Februar 1945 wurde dort eine provisorische Gaskammer errichtet, in der bis Ende März 2.300 bis 2.400 Häftlinge getötet wurden. Sie stand mehrfach vor der Vergasung. Bei einem Fluchtversuch nutzen andere Häftlinge die Ablenkung Mathilde Auferbauer in einen anderen Block zu bringen. Dort trug sie Kopftuch, Augengläser und ihre Haare färbte sie sich mit Ruß. Sie bekam Papiere einer verstorbenen Französin. Am 26. April 1945 kam sie im Rahmen der Aktion Bernadotte frei, unter dem Namen der Französin. Sie wurde von den skandinavischen Rettungsorganisationen über Dänemark nach Schweden gebracht. Damals wog sie nur noch 39 Kilogramm. In Schweden wurde sie behandelt, ihr Rückgrat blieb jedoch verformt.

Im Mai 1946 kehrte Mathilde Auferbauer über Prag in die Steiermark zurück und lebte in Göss bei Leoben. Der Verlag ihres Mannes, der in den unmittelbaren Nachkriegsjahren erfolgreich einige Bücher herausgeben konnte, geriet in eine Krise und musste geschlossen und die Buchhandlung verkauft werden. Mathilde Auferbauer wurde in den Nachkriegsjahren mehrfach Opfer von bürokratischen Schikanen, beispielsweise wurde im Jahr 1954 ihre Erwerbsminderungseinstufung von 75 % auf 50 % herabgesetzt. Die Folge war eine Rentenkürzung. Sie dürfte daraufhin den Kontakt zu Behörden vollständig abgebrochen haben. Karl Auferbauer starb am 7. Juni 1988, Mathilde Auferbauer am 3. Januar 1993.ÖsterreicherInnen im KZ Ravensbrück: Mathilde Auferbauer, abgerufen am 13. August 2021.ÖsterreicherInnen im KZ Ravensbrück: Mathilde Auferbauer, Biografische Daten, abgerufen am 13. August 2021.Heimo Halbrainer: KARL UND MATHILDE AUFERBAUER, Mitteilungen der Alfred Klahr Gesellschaft und Website der KPÖ Steiermark, 16. März 2020120pxHIER ARBEITETECHRISTL BERGERJG. 1922IM WIDERSTAND / KPÖVERHAFTET 11.7.1944DEPORTIERT 1944RAVENSBRÜCKBEFREIT Hauptplatz 1(Altes Rathaus) , später verehlichte Wagner, wurde 1922 geboren und wuchs in Leoben-Donawitz auf. Früh lernte sie durch Eltern und Freunde sozialistische Ideen und Organisationen kennen. Nach der Annexion Österreichs im März 1938 wurde sie zu Arbeitsdienst und Kriegshilfsdienst verpflichtet. 1942 bekam sie eine Stelle im Leobner Meldeamt, erlangte von bevorstehenden Verhaftungen Kenntnis und warnte die Betroffenen. Schritt für Schritt wurden ihr weitere Aufgaben im obersteirischen Widerstand übertragen. Sie versorgte Partisanen in ihren Verstecken mit Lebensmitteln, Zigaretten und Medikamenten. Auf dem Rückweg brachte sie Flugblätter in die Stadt. Sie wurde verraten, verhaftet und schwer misshandelt. Im September 1944 wurde sie in das KZ Ravensbrück deportiert, gemeinsam mit sieben anderen Frauen aus Leoben. Im Nebenlager Magdeburg-Polte wurde sie zur Zwangsarbeit in der Rüstungsindustrie eingeteilt. Die „Leobnerinnen“ unterstützten sich gegenseitig und trafen einander auch noch lange nach der Befreiung.

1945 erfuhr sie, dass ihre Eltern, beide ebenfalls Widerstandskämpfer, vom NS-Regime ermordet worden waren. Sie kümmerte sich um ihre jüngeren Brüder, heiratete ihren Jugendfreund Toni Wagner, auch er Widerstandskämpfer, und bekam eine Tochter. Die Eheleute waren weiterhin in der KPÖ engagiert. Christl Wagner war auch für die Lagergemeinschaft Ravensbrück tätig. 1968, nach dem Einmarsch sowjetischer Truppen in Prag, brach sie mit der Partei. Zuletzt lebte sie in einem Pensionistenheim in Leoben. Sie starb am 16. August 2007.Österreichische Lagergemeinschaft Ravensbrück und FreundInnen: Wege nach Ravensbrück: Christl Wagner (1922-2007), abgerufen am 28. Oktober 2022 120px HIER ARBEITETEROMAN CEBAUSJG. 1892IM WIDERSTANDÖSTERR. FREIHEITSFRONTVERHAFTET JULI 1944DEPORTIERTMAUTHAUSEN-GUSENERMORDET 12.11.1944 Lorberaustraße 11 , am 4. Februar 1892 in Leoben geboren, war Schulwart in Donawitz. Ursprünglich sozialdemokratisch, wurde er im Austrofaschismus illegal innerhalb der KPÖ aktiv. 1943/1944 stellte er wiederholt Räume der Volksschule für Treffen der Österreichischen Freiheitsfront zur Verfügung. Während einer Verhaftungswelle gegen Unterstützer der ÖFF im Sommer 1944 wurde Cebaus festgenommen und am 20. September ins KZ Mauthausen deportiert. Von dort wurde er ins KZ Gusen überstellt, wo er am 12. November ermordet wurde. Beilage zu 120px HIER WOHNTECÄCILIA (ZIWYE)KLINGERGEB. BIENJG. 1877UNFREIWILLIG VERZOGEN1939 WIENDEPORTIERT, 1941GHETTO OPATÓW-LAGÓWSCHICKSAL UNBEKANNT Peter-Tunner-Straße 18 , geborene Bien, wurde am 8. Juli 1879 in Przemysl geborenlaut Angabe ihres Sohnes Herbert Klinger am 15. Juli 1877. Sie heiratete Nissan Klinger, das Paar kam einen Sohn, Herbert Klinger (geboren 1920). Ihre Wohnung in Leoben mussten sie 1938 zwangsweise verlassen. Sie wurden im 2. Wiener Gemeindebezirk zwangsweise in der Herminengasse 6 untergebracht. Im März 1941 mussten sie sich zu einer Schule in der Castellezgasse 35 in Wien begeben, einer Sammelstelle für Juden vor der Deportation. Von dort wurden Cäcilia Klinger und ihr Mann am 12. März 1941 zum Aspangbahnhof verbracht und mit dem Transport Nr. 5 nach Opatow in ein dortiges Ghetto deportiert. 992 Menschen wurden mit diesen Transport deportiert, nur 11 überlebten die Shoah. Cäcilia Klinger und ihr Mann haben nicht überlebt.meinbezirk.at: Stolpersteine für vertriebene Familie, abgerufen am 13. August 2021.The Central Database of Shoah Victims’ Names: Ziwye Caccilia Klinger, Meldung an Yad Vashem durch ihren Sohn Herbert Klinger, 1999The Central Database of Shoah Victims’ Names: Caecilie Klinger, abgerufen am 13. August 2021.

Ihr Sohn Herbert Klinger konnte 1938 nach Palästina flüchten, Cäcilia und ihr Mann hätten mit einem Schiff kurze Zeit später folgen sollen, doch war ihnen die Ausreise nicht mehr möglich. 120px HIER WOHNTEHERBERT (ZWI)KLINGERJG. 1920FLUCHT 1938PALÄSTINA Peter-Tunner-Straße 18 wurde 1920 in Leoben geboren. Seine Eltern waren Nissan Klinger und Cäcilia, geborene Bien. Schon während der Schulzeit litt er, als einziges Kind mit jüdischen Glauben, unter antisemitischen Anfeindungen seitens der Lehrer und der Schüler. Er erlernte das Geigespielen. Nach dem Anschluss Österreichs wurde er Leoben festgenommen. Alles Gold wurde der Familie abgenommen. Herbert Klinger musste unterschreiben, dass er innerhalb von sieben Tagen das Land verlassen würde. Über einen Freund seines Vaters gelangte er zu jemanden, der illegale Überführungen nach Palästina machte. Für diesen wurde er tätig, machte Geldtransporte. Als es zu gefährlich wurde, wurde Herbert Klingers Abreise nach Palästina beschlossen. Seine Eltern sollten auf dem nächsten Schiff folgen. Bei einer Razzia in Wien kurz vor der Abreise, gab er sich als Arier aus und entging so den Häschern. Unmittelbar vor der Reichskristallnacht im November 1938, erfolgte die Abfahrt mit dem Schiff nach Palästina. Klinger erhielt noch ein Paket (den Pelzmantel seiner Mutter) und einige Briefe von seinen Eltern, dann brach der Kontakt ab. Eine Karte vom Roten Kreuz, abgestempelt in Polen, war der letzte Kontakt mit seinen Eltern. Die geplante Ausreise der Eltern nach Palästina konnte nicht mehr erfolgen. Beide wurden ermordet.meinbezirk.at: "Leoben? Da bin ich ja geboren!", abgerufen am 14. August 2021.

Herbert Klinger starb am 24. Juni 2021, kurz vor der Verlegung der Stolpersteine für seine Eltern. Er hinterließ zwei Söhne.israelnetz.com: Herbert Klinger: Ein Zimmer für vier Lira, abgerufen am 14. August 2021. 120px HIER WOHNTENISSANKLINGERJG. 1879DEPORTIERT 1938DACHAUENTLASSENUNFREIWILLIG VERZOGEN1939 WIENDEPORTIERT 1941GHETTO OPATÓW-LAGÓWSCHICKSAL UNBEKANNT Peter-Tunner-Straße 18 wurde am 21. Oktober 1879 in Przemysl geboren. Er war verheiratet mit Cäcilia, geborene Bien. Das Paar hatte den 1920 geborenen Sohn Herbert. Während der Novemberpogrome 1938 wurde er verhaftet und ins KZ Dachau deportiert. Die Wohnung in Leoben mussten sie zwangsweise verlassen. In Wien wurden sie in der Herminengasse 6 untergebracht. Im März 1941 mussten sie sich zu einer Schule in der Castellezgasse 35 in Wien begeben, einer Sammelstelle für Juden vor der Deportation. Von dort wurden Nissan Klinger und seine Frau am 12. März 1941 zum Aspangbahnhof verbracht und mit dem Transport Nr. 5 nach Opatow in ein dortiges Ghetto deportiert. 992 Menschen wurden mit diesen Transport deportiert, nur 11 überlebten die Shoah. Nissan Klinger und seine Frau haben nicht überlebt.erinnern.at: VIERTE STOLPERSTEINVERLEGUNG IN LEOBEN IN ERINNERUNG AN DIE OPFER DES NATIONALSOZIALISMUS, abgelaufen am 14. August 2021.The Central Database of Shoah Victims’ Names: Nissem Klinger, abgerufen am 14. August 2021.